CHANEL Coco Mademoiselle Parfum – Extrait

Extrait.

Das Zauberwort…

Reines Parfum, in einer kleinen Flasche, mit geschliffenem Glasstopfen, die einzig wahre Art Chanel zu genießen. Da es bereits meine zweite Flasche ist, wird es Zeit den Duft vorzustellen, denn natürlich und Gott sei Dank ist er anders als die schwächeren Konzentrationen. Als Extrait kann man sogar Chanel No. 5 ertragen, und ich wäre neugierig, ob Chanel Chance immer noch so eine Plattitüde ist. Chanel Allure als Extrait ist schön, aber nicht überragend – Coco Mademoiselle schafft es tatsächlich, das gewisse Etwas von Chanel hervorzubringen.

Eines vorweg – auch dieser Duft riecht leider an jeder Frau gleich. Entwickelt sich auch nicht wirklich großartig. Dafür ist es relativ günstig zu bekommen, wenn ich an Extrait von Guerlain denke (mein großer Reinfall: L’Heure Bleue, den ich einfach nicht tragen kann.) Ach – ich wünsche mir L’Instant als Extrait! Opulenz, weiße Blüten, Vanille, Sexiness!

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Der Duft des Bösen – kann ein Duft politisch sein?

Einer der führenden französischen Parfumeure, Bertrand Duchafour, hat sich von einem Diktator anheuern lassen, für seine Möchtegern-berühmten Tochter einen Duft zu entwerfen.
Islom Karimovs Usbekistan ist ein Land, das nach den Einschätzungen der Vereinten Nationen systematisch foltert und dessen Oberhaupt in der dritten, im Landesgesetz nicht vorhandenen Amtszeit befindet (Wahlerfolg stets über 80% – man munkelt von einem Zusammenhang zwischen den vielen toten Oppositionellen? und diesen Zahlen?!) – natürlich vom großen Bruder Russland wohlwollend toleriert. In der Familie darf das obligatorische “Papa, kauf mir das!” – Mitglied nicht fehlen: Jetsetterin Gulnara Karimova (es gibt fast nichts online über sie… braucht nicht suchen!)

Papa Diktator kaufte ihr also neben einer Karriere nun einen eigenen Duft, den sie mit einer Riesenparty feierte (angeblich soll sie ein Popstar sein… sie kann alles sein, da ihr papa Dich sonst erschießt, Darling!) und der Herr Duchaufour nahm dankend das Geld und entwarf irgendwas.

Wenn er es nicht getan hätte, hätte es ein anderer – könnte man denken. Oder aber das ein Duft unmöglich politisch sein kann. Überhaupt findet man in der High Society leider häufig genug Menschen, deren Gold in Blut schwimmt, sei es Erben des zweiten Weltkriegs oder Multis, die sich garantiert nicht durch soziale Arbeitsbedingungen und ethisches Verhalten in ihren Unternehmen verdient gemacht haben. Spätestens bei den Öl-Dollars sollte man beide Augen fest verschließen.

Diese Leute bedauern es sicherlich allesamt sehr, dass es eine öffentliche Meinung gibt und vor allem dieses blöde Internet. Und diese Scheissblogger, die jeden Scheiss weitertratschen, als ob sie was zu sagen hätten… Weiterlesen…

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LUBIN Nuit de Longchamp – klassische Sphären

RE-EDIT: Es heißt aber auch nur “Nuit” ohne Artikel. Pfui Fehlerteuefel.

EDIT: Danke an Jana von Oui ca me plait für den Hinweis dass die Nacht im französischen weiblich ist und nicht – männlich…

Ich will ein zwei Worte zu LUBIN verlieren, die man nicht unbedingt in den Werbebroschüren lesen kann. Der Versuch auf den deutschen Markt erfolgreich zu sein war mäßig gelungen, nun wagt man ein Comeback und geht in eine breitere Vermarktung. Wenn man das über einen Nischenduft überhaupt sagen kann – LUBIN kommt ins Alsterhaus nach Hamburg, zu Schuback in Lübeck (und somit potentiell auch in meinem Dorf, da wir auch so ein Schuback haben), und wird noch in einigen Privatparfümerien erhältlich sein.

Das Dufthaus hat diesen Klassiker von 1934 natürlich neu komponieren müssen, das Eau de Parfum ist klassisch und modern zugleich. Mir fiel sofort Quelque Fleurs de Houbigant ein, Arpége, und natürlich die Guerlinade ein.

So einfach ist das aber doch nicht. Chypre, weiße Blüten, Aldehyde (so mag ich die!), einen Hauch warme Sinnlichkeit. Anders ist.. ah, schwer, ich muss den Duft in Worten fassen – und dabei fallen mir nur Vergleiche ein. Weiterlesen…

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GUERLAIN L’Heure Bleue Parfum – eine Hommage an die Parfumeurskunst

Tatsächlich stand dieser Duft mehrere Jahre auf meiner Wunschliste – was lag näher als den letzten Flakon, den die hervorragende Beraterin Frau Hahne im Düsseldorfer Schnitzler noch hatte, mitzunehmen, ungeachtet des rot blinkenden Kontostandes? Trotz einer anderen Empfehlung (Guerlains Cruel Gardenia) die sicher besser zu mir gepasst hätte. Warum?

Überhaupt, warum will ich nach alter Oma riechen, fragten mich unisono zwei Trägerinnen von DKNY Be Delicious (eine gemeine Schublade, ich weiss!) – warum nur? Stellt Euch vor: eine alte Dose wo mal Vanille drin war, eine pudrige Seife, der harsche Duft von Mottenkugeln, Pelz und Bergamotte, dazu etwas fast benzinartig-öliges, ein Hauch süßliche Hölzer und das alles rauf und runter für Stunden.

Stellt Euch vor: Ein Kunstwerk, ein düsteres und altes Gemälde, dessen Leinwand ein wenig modrig riecht. Es hängt in einem wunderbaren Antiquariat nebst fantastischen, alten, geschnitzten Kästen aus kostbaren Hölzern, und während man an seinem starken Earl Grey nippt und das Bild betrachtet, das um die Jahrhundertwende entstand, entdeckt man in der dunklen und trüben Farbkomposition in der Ecke auf einmal das Licht. Es zieht sich durch das Gemälde und beleuchtet sehr vage die Szenerie, man würde sonst ja auch gar nichts erkennen, und auf einmal entdeckt man die Hoffnung und das Schöne, was dieses Licht, so schwach es auch ist, ausstrahlt. Das Bild wandelt sich und man rückt näher, riecht das Alter der physischen Anwesenheit des Bildes, riecht aber auch das Licht und die Hoffnung.

Wenn L’Heure Bleue auch kein wohlgefälliges, heiteres Wässerchen ist, so ist es nichtsdestotrotz Kunst. Nicht bemüht zu gefallen, sondern bemüht Gefühle wiederzugeben. Ein Duft, an dem ich immer wieder riechen muss, ein Duft der mir sicher keine Komplimente einbringt, sondern verwirrt. Ein Widerspruch, ein Zwei-Teiliges, nicht unangenehm aber gewiss nicht schön, kein Tag und keine Nacht. Nicht traurig, nicht froh, nicht melancholisch, nicht sentimental, hoffnungsvoll aber zaghaft, zart und doch so bindend.

Der nachfüllbare Metallflakon schimmert golden, die Hülle ist aus hochwertigem Samt. Ein Schmuckstück in jeder Hinsicht, ist das das schönste Geschenk das sich ein Duft-Fan machen konnte. Ein Nachfüllung wird schwer erhältlich sein, aber ob ich die jemals brauchen werde? Ein Sprüher hält zwei Tage – ich denke also nicht. Der Preis spielt diesmal eine untergeordnete Rolle und er war mir auch egal.
GUERLAIN hat sich weit von Kunst entfernt die letzten Jahre und muss die Masse erreichen um überleben zu können, behält nichtsdestotrotz solche Klassiker (immer wieder reformuliert) bei. Damit bewahrt es sich die Identität und ich hoffe dass GUERLAIN sich stets an die Wurzeln erinnern wird und diesen Duft behält, in welcher Form auch immer.

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