Tinder ab 40 – Mann, sei kein Klischee

Ich bin ehrlich. Und damit ist schon das größte Problem eines jeglichen Tinder Profils benannt worden: Ehrlichkeit.

Natürlich habe ich mich bei Tinder angemeldet, angeleitet von meiner 20+ Freundin und auf alle Fälle neugierig. Mein Filter setzte ich großzügig auf 35-50 und startete zunächst mit einem Bild aus meiner Mittagspause. Kaum Text. TINGTINGTING und los ging es. Ich ergänzte mein Profil mit abschreckend ehrlichen Text, aber netten Selfies von mir, setzte das Alter auf 40 hoch, es machte kaum noch TING. Ich konnte also in Ruhe gucken und selber sogenannte Likes verteilen. Schönlinge raus, “ich habe Kohle” raus, nackter Oberkörper raus.

(M)Eine Analyse.

Du bist ein Mann im Alter XY? Wunderbar, dann schreib bittebittebitte das Alter so hin. Die zehn Jahre, die Du definitiv mehr hast, sollten eine richtige Frau nicht abschrecken. Age is just a number. Und Lügen haben keine schönen Beine.

Hobbys sind toll, viele haben Hobbys, und wenn ich sehe wieviele Hobbys Du hast, plus hoffentlich Deine 40h Woche: Was zur Hölle willst Du mit einer Partnerin?! Soll sie Dir abends das Bett wärmen und morgens sich verpieseln? Sorry, wer Kiten/Surfen/Bulli/Marathon/Triathlon/Mountainbiken tut, ist sicherlich fit und durchgelüftet, aber entspricht dem “einsamen Wolf”, der bindungsunfähig und einsam auf wenig abenteuerliche Art einen Kontakt sucht. Wenig mutig, oder? Du stürzt Dich todesmutig in den Wellen, bist aber ein Schisser, die geile Frau auf dem Bahnsteig anzusprechen, der Du heiße Blicke zuwirfst und die nicht mal weggeguckt hat. Dann ist Tinder zwar gut und richtig, aber schreib bitte nicht rein, Du suchst die große Liebe, denn die hast Du offensichtlich schon gefunden, und das bist Du selbst.
Viel interessanter ist: Wärst Du bereit, diese Hobbys zu reduzieren, gemeinsame Hobbys zu haben, an anderer Menschen Hobbys teilzunehmen?

Alkohol. Geht gar nicht! Kippe im Maul, meinetwegen, steh dazu, aber dass Männer Bier trinken, muss ich nicht auf Tinder herausfinden. Ich minimiere also das Risiko, einen Menschen mit Alkoholproblem zu treffen – und Du bist raus. Sorry not sorry. Wie Cocktails im Glas aussehen weiß ich zudem selbst.
Viel interessanter ist: Hast Du eigentlich eine Küche und würdest Du ohne TK-Pizza, Kantine und Gastronomie überleben?

Das jugendliche T-Shirt/Outfit/Halstuch/Mütze – lass es. Schick ist super, wenn Du allerdings deutlich mehr shoppst als eine Frau, dann brauchst Du eher eine Typberatung als eine Partnerin. Wer das T-Shirt seines pubertierenden Sohnes trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Bist Du einfach nur eitel? Das ist super, okay.
Zeig mir Deine Facetten, aber übertreib es nicht. Übrigens: Frauen achten auf gute Schuhe. Da würde ich persönlich auch das bedruckte T-Shirt verzeihen.

Bart. Gesichtsbehaarung scheint ja total in zu sein. Warum eigentlich? Weil die jungen Hipster das alle tragen? Du bist ein Mann, und keine Fußmatte, an dem der Dreck hängen bleiben soll. Klar ist das Geschmackssache, aber wenn Du ehrlich bist, ist das wirklich Dein Ding?
Ich sage: Gesichter, Falten und Linien sind interessant, kein Grund diese zu verstecken. Und Glatze ist absolut nicht unsexy und muss nicht durch Bart kompensiert werden.

Hund und Katze. Da bin ich raus, finde es schön wenn Männer eine softe Seite haben, ich habe auch Kuscheltiere in der Schublade, allerdings keins, das lebt. Der 1,95 Hüne mit dem possierlichen weißen Teddy-Verschnitt, einfach süß. Und abschreckend. Wenn die so wichtig sind, dann wird Frau ewig im Konkurrenz zu Cäsar/Lupus/Fiffi laufen: Danke, nein Danke.
Tierischen Anhang haben ist okay, Hinweis ist fair und wichtig, sollte aber ausreichen.

Es heißt EMPATHISCH und nicht emPHAtisch!! Himmelherrgott!

DAS BILD.
Hierzu ist viel geschrieben worden und ich fasse mich daher kurz. Selfies werden von oben leicht schräg aufgenommen, auch gerne angezogen vor dem Spiegel, ist wenigstens ehrlich. Wer das Glück hat, ständig auf den Bildern der Kumpels zu sein, auch schön, her damit, bitte alle anderen Leute unkenntlich machen. Wie siehst Du aus? Wie siehst Du aus im Sinne von “auf welchen Bild erkennst Du Dich wieder”?
Würde ich Dich auf der Straße aufgrund Deines Bildes wieder erkennen? Welche sind typische Elemente für Dich – Brille, auffällige Kleidung, Kopfhörer, … immer her damit. Stell Dir vor, Du willst mich daten und ich laufe an Dir vorbei, das wäre doch echt blöd. Und sehr aussagekräftig.

Lieber segelnder, surfender, sportelnder Katzenpapa, bleib so wie Du bist, aber sag mir, was Dich ausmacht, was sind Deine KO-Kriterien für eine Partnerin (nein, ich rede nicht von gephotoshopten Bildern, das ist klar!), was sind wichtige Ecken und Kanten, und ja, ich will wissen was Du beruflich machst. Denn eine erwachsene Frau will zwar auch nur ficken, aber einen erwachsenen Mann.

Ich habe meinen Account wieder gelöscht, aber wenn Du ein wirklich ansprechendes Profil brauchst inkl. Hilfe für Selfies, buch mich, zahl mich, und sprenge das Klischee.

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CHANEL Boy de Chanel

Lange gerätselt was die neue Boy Geschichte sein könnte und tadaa, via Vogue und Konsorten die Bestätigung:
Es ist eine Herrenlinie mit, taddaa, SCHMINKE FÜR MÄNNER!

Einen matten Balm – alternativ Weleda Everon, der ist auch matt
Augenbrauenstifte – alternativ Augenbrauen trimmen?!
Getöntes Fluid – alternativ gute Pflege mit Lichtschutzfaktor und einem Concealer

Es fehlt: Ein Abdeckstift.

Die Linie läuft in Asien an und wird Ende des Jahres auch hier erhältlich sein.
Ungefähr da verläuft wohl auch das Problem von Chanel, wie ich neulich las: Der Markt und der Hype um die Marke läßt nach, Lagerfeld ist nun ja, sehr alt, und man hat ein wenig Nachwuchsprobleme. Ein bisschen bröckelt es da wohl. Aber: Lucia Pica (okay, ich war anfangs skeptisch!) ins Boot zu holen war schlichtweg genial, es gibt dazu noch ein paar andere MakeupArtists wie Martin Schmidt, der hier in DE ist, von dem ich schon einige tolle Sachen gesehen habe, dennoch happert es an der Spitze und an der Gallionsfigur.

Da muss eine Frau ran, wehrte Wertheimers. Gebt Chanel ihre Gabrielle wieder.

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Warum spricht NOMOS nur Männer an?

NOMOS verkauft Uhren. Uhren verkaufen sich meist an Männer – Ich, FRAU, habe davon schon zwei gekauft. Ich verfolge deren Feed auf Instagram. Ich kenne mindestens drei Frauen, die auch so eine Uhr haben. Selbst gekauft. Mein Arzt erzählte mir neulich, schöne Uhr, seine Frau möchte auch so eine. Ich sagte ihm: Kauf ihr eine Cartier.

Deutsche Herstellung, deutsche Technologie, durchaus einige Frauen im Betrieb, läuft doch. Trotzdem: Vermarktet wird an den Mann, mit Ausnahme eines Produkts, das eher Frauen ansprechen soll (tut es auch). Kleinere Uhren sind Fehlanzeige, wie schade, werde ich meine Automatik $$$$ bei jemand anderen kaufen.
So können User bei Instagram ihr Bild schicken, wo sie ihre Uhr mit auf “Reisen” nahmen. Ausnahmslos sind es männliche Handgelenke, dabei gibt es gar nicht so viele Typen auf Instagram, und wenn, dann machen sie häufig einfach nur Werbung (reiche werden reicher aka Influencer bla bla).

Alles bei NOMOS wirkt sehr stylisch (aber mehr Bauhaus als Web 2.0), mir gefallen die Produkte, die Webseite, aber ich bin offenbar nicht die Zielgruppe: Frauen tragen keine Uhren oder kaufen keine in der Preisklasse. Somit werde ich gar nicht erst angesprochen und verführt!
WAS FÜR EIN GLÜCK.

Ein Unternehmen, das mal eben Frauen ausblendet? Irgendwie fühlt sich das für mich so an. Es ist ein subjektives Gefühl, das aber kaum subjektiv sein kann: Bevor ich etwas in der Preisklasse kaufe, gucke ich sehr genau. Zumal ich zwei Uhren dort gekauft habe, also SEHR genau und mehrfach hingeguckt habe.

Wer sein hart verdientes Geld investiert, egal ob frau ein Buch kauft oder ein Lippenstift, sollte vielleicht immer versuchen, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Wir wissen unheimlich viel über Unternehmen, über deren Ruf, über deren Gebaren. Ist es anstrengend? Vielleicht. Nicht jede Gurke kann aufgrund einer ethischen Entscheidung gekauft werden, aber es gibt Dinge, in die man investiert. Zeit, Geld, Freude.

Beispiele gefällig? Das unheimlich schöne Tuch von Hermès: Atelier des Künstlers. Ich fand es wundervoll, und ich hatte das Geld dafür, aber ich bin genervt vom männlichen Imperativ. Dann bitte umgehen. Ich habe es nicht gekauft, es ärgert mich immer noch, aber ich würde es wieder so entscheiden.
Die Biografien, die ich gerne lese: Sie sind stets über Männer, oder wenn, gleich über eine Gruppe von Frauen. Selten genug gibt es die Biografie einer einzelnen Frau. (Habe ich neulich gekauft, ich lese es, und es ist anders als andere, später mehr.)

Doch, es ist mir wichtig, dass ich, wenn ich schon dem Gebot des Marktes folge, meine Aufmerksamkeit verdinge, mein Geld, auch für dieses Markt existiere. Nicht als “die Frau, die das Geld des Mannes ausgibt”, wie es gerne suggeriert wird, sondern als Subjekt, das entscheidet.

Also, NOMOS, die nächste Uhr habe ich schon im Blick. Es ist Liebe. Aber ich will keine “Männeruhr”, ich will eine Uhr, die meiner Begeisterung für Technik entspricht, von einer Firma, die ihre Kundschaft kennt. Und die Kundschaft ist weiblich, männlich, dazwischen – divers.

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BOBBI BROWN Hydrating Face Cream

Nachdem eine 180 Euro Creme doch nicht so der Bringer für mich war, gab ich meiner Neugierde nach und bestellte im Zuge einer Aktion bei Bobbi Brown direkt einen 100ml Tiegel. Natürlich erst nachdem eine Leserin mir das empfahl und vorab die INCI (=Inhaltsstoffe…) vorweg schickte.

Solche Produkte sind übrigens das Geheimnis eines jeden erfolgreichen Verkaufsgesprächs – erst eincremen, macht sofort schöne Haut! und im Anschluß das Make-up “verkaufen”.

Und ja, der Auftrag von Make-up gelingt nach dieser kleinen Silikonrutsche sehr gut. Doch eigentlich braucht es kein Make-up hinterher, denn die Haut wird ordentlich aufgepolstert und ist rundum glücklich. Bis zum nächsten Waschgang, danach muss wieder Creme her.
Trotzdem – diese Feuchtigkeitspflege ist wirklich gut. Im Winter war die Luftfeuchtigkeit zum Teil bei 30%, da musste nicht nur Wasser, sondern auch gute Pflege her. Und auch Monate später verwenden der Ehemann (jawoll!!) und ich die Creme immer noch sehr gerne.
Trotz einiger ätherischen Öle eignet sich die Creme auch für empfindliche Haut. Sie fettet nicht und ist schön zart beduftet.

Wer hätte so ein Schätzchen ausgerechnet bei Bobbi Brown vermutet, eine Marke das für Make-up steht?!
Ich nicht, und ich finde es schade, dass man nicht öfter über diese Creme liest. Proben gibt es keine. Die dazugehörige Augencreme konnte ich zwar als Probe ergattern, doch bislang habe ich sie nicht weiter beachtet. Wird Zeit.

Mein kurzes Fazit: Ausprobieren, wenn es eine einfache, aber schöne Feuchtigkeitspflege für trockene Haut bis Mischhaut sein soll. Der 100ml Tiegel hat übrigens keine sechzig Euro gekostet und erlaubt einem den Luxus, sich sehr großzügig einzucremen. Das sollte man auch tun, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es mit der Haltbarkeit dieses Schätzchens bestellt ist. Bislang ist die Creme noch gut (drei Monate…) und der Ehemann und auch ich zufrieden.

Empfehlung für Männer, die kein Produkt extra für Männer brauchen. Glatte Haut, guter Duft, allet paletti.

Der dekorative Tiegel ist übrigens eine Zierde im Bad – das sollte natürlich nicht der Kaufgrund sein.
(Aber so schick! Werde ich aufbewahren…)

EDIT: Weshalb ich den beitrag eigentlich geschrieben habe – die Creme erinnert mich tierisch an die La Mer Soft Moisturizing Creme, aber eben für ein Bruchteil des Preises.

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ETRO ManRose Eau de Parfum


It is a man’s world… but it would be nothing, nothing without a woman ROSE…

Der Mann. Die Rose. Die Frau.

Nein, ich werde die Duftbeschreibung nicht daran aufhängen. Es ist sehr verwirrend heutzutage Mann oder Frau zu sein, oder sich gar völlig gesellschaftsUNkonform sich irgendwo dazwischen zu fühlen. Nein, lasst uns über Rosen sprechen.

Türkische Rosen, genauer gesagt. Überhaupt ist der Trend in der Parfümerie derzeit Rose, Rose, Rose. Ich liebe Rosendüfte und kenne entsprechend einige Exemplare. EINIGE.

Dieser Duft ist jedenfalls mutig. Und es passt zu einer Modelinie, deren Herrenmode so herrlich extrovertiert ist im Rahmen völlig klassischer Schnitte.

Zunächst die offizielle Beschreibung:
Kopfnote: Kalabrische Bergamotte, Szechuan-Pfeffer, Kardamom und Elemi
Herznote: Türkische Rose, Geranium und Weihrauch
Basisnote: Patchouli, Vetiver, Moschus, Leder, Amber, Edelhölzer

Ich sage Rose! Herrliche, dornige Rose, begleitet von Pfeffer und einem Hauch Gewürz. Die Rosennote ist konsistent vom Anfang bis Ende und der Duft ist wahrlich nicht zart. Er hält ewig auf der Haut und ist präsent. Hier bin ICH und ich bin HIER.

Mann oder Frau, diese Zuschreibung ist ein Spiel, und damit spielt der Parfumeur sehr raffiniert. So viel Rose, eigentlich eher was für Damendüfte, und dann Leder, und dann die rauchigen Hölzer. Patchouli, die Remineszenz der siebziger Jahre, gesellt sich recht schnell dazu, wenn es auch ein eher saubere und zahme Version ist.

Ganz so harmlos kommt der Duft aber in der Summe nicht daher – insgesamt eine starke Aussage und ein selbstbewusster Auftritt.
Interessanterweise kann ich mir den Duft nicht an einem Mann vorstellen, werde ihn aber gerne selbst tragen, weil es sehr zu meinem Stil passt. Rahmengenähte Lederschuhe, Hemd, roter Lippenstift – Mann, Frau, oder einfach ICH.

Eine Rose mit Dornen.

Für Fans von Serge Lutens’ Sa Majeste la Rose, NICHT für Fans von La Rosine. Für Fans von Frederic Malles Portrait of a Lady, NICHT für Fans von Kelly Caleche und Rose Ikebana.

Ab sofort erhältlich, als Eau de Parfum 100ml für 130 Euro.

EDIT: Übrigens hat ETRO jetzt auch online die Home Collection und ich finde die toll! Kissen, Decken, alles was man braucht um den Ikea Möbeln ein wenig italienisches Luxus-Flair einzuhauchen. 🙂

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