Bist du gerne eine Frau?

Ich habe gerade Dream Count gelesen, wie so oft ein einem Atemzug: Chimamanda Ngozi Adichie, einen Namen den ich aus dem Kopf richtig schreibe. Es geht um vier Frauen; keine leichte Kost, obwohl es viel um das privilegierte Leben reicher Frauen geht.

Einmal hat ein Mann versucht, mich zu beleidigen, indem er mir nicht einfach nur Misandrie vorwarf, sondern sagte: “Du wärst wohl gerne ein Mann, hättest wohl gerne einen Schwanz.” Schwanzneid. LOL!
In Dream Count lebt eine Frau ihr Leben wie ein Mann, und ich habe mich an dieser versuchten Beleidigung erinnert, mit der Frage, ob das nicht etwa stimmte. Oh, ich wäre ein guter Mann, ich wäre ein misogynes Schwein und Schürzenjäger, ich würde viel Geld verdient haben und dabei empathielos andere aus dem Weg gekickt haben, ich wäre übergewichtig und kurzatmig und vermutlich in zehn Jahren tot. Das Produkt meiner Sozialisation.

Dabei bin ich gerne eine Frau! In einer ungerechten Welt bin ich es, in der ich für alles mehr zahle, weniger verdiene, weniger Rechte habe und stets leiden muss. Um meine Freundin zu zitieren: Mein Leben ist so viel bunter und schöner, weil ich eine Frau bin. Weil ich Emotionen haben darf, und sie mir keine Angst machen; weil meine Verantwortung so monumental groß ist, dass sie allumfassend ist und die mich deswegen nicht ängstigen kann, weil ich meiner Macht in der Ohnmacht, trotz allem, bewusst bin. Weil diese Macht nun mal andere so sehr ängstigt, dass sie deswegen Religion erfinden und Kriege führen – nicht, dass das etwas Gutes ist. Aber eben, als Mann hat man immer Angst vor anderen Männern, will sich mit denen messen, will Verantwortung tragen und scheitert permanent daran, und heulen ist auch verboten. Eigentlich wissen Männer ganz oft nicht, was sie tun, das wurde auch in diesem Buch ersichtlich, zumindest nicht, wenn es um zwischenmenschliche Aspekte geht. Interessanterweise wissen sie es aber gar nicht.

Ich bin gerne eine Frau, auch wenn das mit Lebensgefahr einhergeht, ich bin gerne eine schöne Frau, auch wenn es kostet, ich bin gerne eine Mutter, auch wenn es schlaucht, ich bin gerne eine Frau. Im chinesischen Alphabet besteht das Zeichen für “gut” aus Mutter mit Kind – ich bin gerne gut. Was die westliche Philosophie als summum bonum bezeichnet, haben andere schon lange vorher verstanden.

Jetzt brauchen wie einfach Frieden zwischen den Geschlechtern, um uns dem eigentlichen zu widmen: Klassenkampf.

Wechseljahre – dein Problem

ich habe beschlossen, Wechseljahre nicht mehr als Tabuthema und vor allem, als mein Problem zu betrachten.

Ich mach sie zu Deinem Problem!!

Wie so ein Mann, rede ich ständig über mich und entschuldige jegliches Fehlverhalten oder Griesgrämigkeit mit dem Stichwort Wechseljahre. Alle Ärzte müssen sich Vorträge darüber anhören. Ich habe kein Bock?! Tja! Wechseljahre.

Tatsächlich ist das die einzige Möglichkeit, wie es thematisiert wird, und irrsinngerweise profitieren davon, schon wieder, die Männer. Weil man jetzt auf die Idee gekommen ist, dass wenn Frauen hormonelle Veränderungen durchleben, Männer dann wohl auch… ach was. Wieder wird der Augenmerk auf die Männer gelegt – der SPIEGEL greift das Thema Hormone auf und bringt was? Einen Beitrag über die Andropause. Finde ich gut, aber wir sind ja immer noch dabei, Organe bei der Frau zu entdecken. In 2026.

Deswegen – wenn ich als 50% der Bevölkerung ein Problem habe, dann hast Du es auch. Und ich meine damit, dass wir mehr Dinge unbequem machen sollen, damit es Lösungen gibt.

Denn das größte Problem ist leider nach wie vor das Unwissen und die Tatsache, dass es dafür Behandlungsoptionen gibt und nicht alle Personen (egal welches Geschlecht) Hilfe bekommen. Stattdessen wird das Gesundheitssystem mit irrsinnigen Untersuchungen und Behandlungen belastet die primär aber eines nicht tun: Wirklich helfen.

Jemand nannte es neulich eine Methode, alte Menschen los zu werden. Euthanasie light für diejenigen, die sich keine private Versorgung leisten können. Tja – war übrigens ein Mann, der das gesagt hat.

Drei Fragen an sich selbst

Ich liebe, liebe Fragen – sie sind schwieriger und klüger als Aussagen. Diese drei habe ich aus dem Netz gefischt und fand sie amüsant als auch aufschlußreich, als ich sie mir selbst beantwortet habe. Hinweis: Die Antworten sollten etwas ausgeführt werden. Die spontane Antwort ist das eine, die eigentliche Aussage dahinter das Wesentliche. Viel Spaß damit!

– Was ist die Geschichte, die Du Dir selbst erzählst und nun anfängst zu glauben?

– Wenn Dein Leben die nächsten zwei Jahre so bleiben würde, wäre es eine Verbesserung?

– Wenn Du einmal die/der Bösewicht in der Geschichte einer anderen Person warst: Was hast Du getan?

War die Mutter Gottes Maria die erste offizielle Leihmutter?

Für Blasphemie bin ich weniger bekannt, zumal ich nun im Alter mich dem Glauben an Gott gewandt habe. Mangels Perspektive auf irdischer Seite, muss ich sagen, denn wenn alle so durchdrehen, muss ich an das gasförmige flüssige Dings glauben, um selbst klar zu kommen.

Meine Gedanken haben lange mariniert und ich habe sehr viele Meinungen zum Thema Leihmutterschaft auf Social Media gelesen, der Tenor der nicht Betroffenen, die also Eltern werden könne, lautete dabei: NEIN. Der Tenor der Frauen: NEIN. Der Tenor der medialen Öffentlichkeit: “Man muss darüber reden.”

Reden wir also darüber.

Ich werde meinen persönliche Senf erst zum Ende geben, schauen wir uns erstmal die Fakten an.

Eine Schwangerschaft ist immer ein Risiko und dieser wird durch künstliche Befruchtung erhöht. Frau kann also schon vorher durch die Gabe der Hormone zwecks Vorbereitung des Ganzen sterben. Wird da noch rumtransferiert von A nach B, sind es dann auch zwei betroffene Frauen. Männer müssen auch eine saubere Weste haben, aber das tut denen bestenfalls gut (Diät und Antibiose).
Bei der Geburt können sowohl Mutter als auch Kind sterben.
Wieviel ist das einem wert? Zwei hundert Tausend Euro?? Eine Million? Zwei??

Da es keine automatische Bindung gibt durch das Gebären – zumindest nicht am Anfang, die Natur wartet erst mal ab ob beide Parteien überleben und lässt die Bindung entstehen durch Kontakt, könnte man hier sagen, naja, wird schon gehen.

Zum Thema unerfüllter Kinderwunsch kann ich auch nur zweiter Hand davon berichten: Es wird zur Obsession und konsumiert alles im Alltag der Betroffenen. Eine Sache, die man schwer nachempfinden kann, aber sicherlich nachvollziehen kann. Adoption ist ein behördlicher Alptraum und für gleichgeschlechtliche Paare zwar irgendwie möglich, aber die gängige Lösung von drei Eltern hat in DE keine rechtliche Grundlage. So können zwei Frauen den biologischen Vater zwar mit einbinden, er ist aber kein Elternteil, zwei Männer und die Mutter können es auch so regeln, aber die Mutter muss dann, wenn ich es rechtlich richtig erfasst habe, wohl auf ihr Sorgerecht verzichten?!, und der zweite Vater kann nur später adoptieren.

Ja, aber hat man ein “Anrecht” auf leibliche Kinder? Man hat ein Anrecht auf sein Leben, danke Grundgesetz, auf Fortsetzung seiner Genetik rein rechtlich nicht.

Hier kommen wir zum Kern des Problems: Wenn Männer unbedingt ihre Gene weiter geben wollen, tun sie das in der Regel gewaltsam, die Geschichte hat reichlich Vorfälle. Die Mythologie dreht sich überwiegend um Vergewaltigungen. Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt, sie kann auch psychologisch oder finanziell sein, es bleibt eine Facette von Machtmissbrauch. So ist das Erzwingen einer potentiellen Schwangerschaft beim sonst konsensualen Geschlechtsverkehr mittlerweile auch strafbar.

Die Situation, die bei einer Leihmutterschaft entsteht, kann durchaus als gewaltsam empfunden werden: Die Leihmutter ist durch ökonomischen Zwang dazu entschlossen, ihr Leben in die Waagschale zu geben. Wenn es sauber abläuft und sie tatsächlich Geld bekommt; oft ist es auch nicht der Fall, denn ja, es gibt Menschenhandel. Hier sind also alle Parteien rechtlich gesehen freiwillig im Vertrag.
Man muss natürlich weitere Dinge fragen: Was ist mit den anderen befruchteten Embryonen? Es wird ja auch nach Geschlecht und Qualität ausgewählt. Wenn das erlaubt ist, warum ist eine Abtreibung nicht erlaubt? Und warum ist Leihmutterschaft nie ein Thema für eine Millionärin, die eh nix zu tun hat, mal ein Kind so für Freunde auszutragen?

In allen Fällen tragen Frauen immer das Risiko – Frauen, die ihren Körper nicht hergeben wollen oder können und stattdessen bezahlen, müssen trotzdem für die Ei Entnahme ein Risiko tragen. Männer… nicht. Männer, die dann noch ein männliches Embryo auswählen und sich im Kreise totalitärer, frauenhassender anderer Männer bewegen, – da sieht es dann schon wieder ein bisschen eklig aus. Man kann sich denken, an wen ich dabei denke.

Nun hat man mit Maria aus der Bibel ein interessantes Beispiel einer Leihmutterschaft, in der ein Gott (männlich gelesen in fast allen Kulturen) eine Frau geschwängert hat und diese einen Propheten, natürlich männlich, zur Welt gebracht hat. Zumindest dieser Teil soll sich halbwegs friedlich zugetragen haben. Entstanden ist ein Mann – dabei trägt die Frau das Erbgut weiter, aber Frauen kommen im Christentum nicht in weiteren Hauptrollen vor.

Kehren wir nun zur Anfangsfrage zurück: Wieviel wäre es mir wert, wäre es dir wert, mit erhöhten Risiko eine Schwangerschaft durchzuziehen, zu gebären, und dann das Kind weg zu geben?

Also Todesrisiko, unheimliche Schmerzen, und eine psychologische Macke für den Rest des Lebens.
Wieviel ist das Wert? In Zeiten von Milliardären sollte man meinen dass es sehr viel Geld wert ist, in Zeiten steigender Armut und Verteilungsungerechtigkeit: Angebot und Nachfrage – es wird billiger…

Die Frage möge sich nun jedeR selbst beantworten. Männer tragen keinerlei Risiko, ich weiß nicht inwiefern sie da was dazu sagen sollten.

Ich persönlich sehe das so:
Ich habe Kinder, und ich liebe Kinder. Aber ich liebe alle Kinder und es wäre mir humpe, ob sie aus meiner oder einer anderen Vagina rauskamen.
Eine Adoption habe ich nie erwogen, geistige Unreife hat diesen Gedanken gar nicht aufkommen lassen. Gerade im Alter würde ich dafür plädieren. Du willst mit 52 doch noch Kinder? Adoptiere eines, das schon älter ist.
Natürlich wäre es schön wenn alle Kinder haben – müssen es unbedingt leibliche sein?! Fuck nein, und Babys müssen es auch nicht sein. Ein guter Eltern zu sein ist ein Weg, den man mit dem Kind gehen muss, und das Kind kann dafür auch älter sein. Ja, es ist anstrengender dann.
Der Shortcut? Die dreiteilige Elternschaft für gleichgeschlechtliche Paare, insofern alle einigermaßen familiär verbunden sein wollen. Es gibt genug Alleinerziehende, also können sich ein bis zwei Elternteile ohnehin immer verpissen, aber bei einer legalen Grundlage kann man davon ausgehen, dass man sich einig geworden ist. Co-parenting geht schließlich auch für getrennte Paare mit Kindern. Ja, da könnte man auch über die Finanzierung einer IVF sprechen. Müssen dann alle drei heiraten halt. Ja, das sprengt die “natürliche” Ordnung LOL

Andere Frage: Interessiert sich hier eigentlich irgendjemand für die Kinder oder sind sie ein schwer zu bekommendes Accessoire, ähnlich einer Hermès Quota-bag, für die man erstmal eine Einkaufshistorie in sechsstelligem Bereich haben muss??

Wie immer in solchen Fragen, es gibt verschieden Perspektiven und die rechtliche zeigt eindeutig, wie wenig solche Sachen von einer LLM, umgangssprachlich KI genannt, überlassen werden sollen.

Dass ökonomische Macht in der Realität darüber entscheidet, sollte nicht so ein, und dafür müssen wir zwei Dinge hinterfragen: Das kapitalistisch-faschistische System per se und die inhärente Frage, ob Frauen Menschen sind.

Und – Ob man immer den bequemen Weg gehen darf? Wer eine Utopie zum Thema sehen möchte, der Film “Die Insel” mit Scarlett Johannsen ist eine Aufbereitung dessen, was man könnte, und ob man es sollte. Ich werde Tag meines Lebens Alpträume davon haben, daher überlegt euch gut, ob ihr euch den Film anschaut.

Der sozioökonomische Wert von Frauenkörpern im Kapitalismus – Dünn oder dick

Ich schreibe das, während ich nebenher ein paar Kekskrümel auf die Tastatur verschmiere; und ich schreibe, nachdem ich die Gästinnen der Chanel Modenschau gesehen habe.

Der Faschismus/Kapitalismus hat ein großes Interesse an einer schwachen Frau – zum einen physisch schwach, aber auch ökonomisch schwach. Irrsingerweise weist exakt dieses Diktat des Dünnsein auf zwei Dinge hin: Die Wertschöpfung der Frau ausschließlich aus einem physischen Aspekt. Der Körper ist das Kapital. In jedem Alter – zeigt auch Vanessa Paradis, deren Rippen an der Seite ihres Kleides hervorstechen. Sie ist schon lange Multimillionärin, doch ist und bleibt ihr Körper und Aussehen ihr soziales Kapital. Ihr ökonomischer Wert ist zwar davon schon längst entkoppelt, sollte man meinen, aber die Verknüpfung wurde hier nicht aufgelöst. Als westliche Vorstellung von dünnen Frauen als Schönheitsideal, ist das Dünnsein mittlerweile auch ein Attribut des Wohlstandes durch Zeit für Sport, durch Abnehmspritzen und ästhetische Operationen.

Ein Gruppenfoto chinesischer Unternehmerinnen, genauer gesagt Milliardärinnen auf der anderen Seite: Keine von denen ist dünn. Buchstäblich keine einzige. Denn: Es gibt offensichtlich eine ganze andere Kopplung zwischen dem sozialen und den ökonomischen Wert. Eine dünne Frau? Muss einem Mann gefallen, der dann für sie aufkommt. Eine finanzielle unabhängige Frau kann normal aussehen, muss sich nicht dünn hungern, da sie es schlichtweg nicht nötig hat, jemanden zu gefallen. In diesem kulturellen Kontext ist die sozioökonomische Verknüpfung also wer “dick” ist, ist reich. Dabei ist China auch stramm kapitalistisch und eine Diktatur, aber nicht faschistisch. Dafür ist das vorherrschende Schönheitsideal pädophil.

Genau hier schaffen es besagte Unternhemerinnen sich zu lösen – zwar sehen alle sehr gut aus, aber weder allzu stark erschlankt, noch allzu stramm operiert.
Hier wird ironischerweise das “zu sich stehen” und der normale Frauenkörper zu einem Symbol des Kapitals. Ist das dann noch ein feministisches Symbol?

Beides kann als feministisches Symbol gewertet werden, wenn es um Wahlfreiheit geht, aber beides kann gleichzeitig nicht feministisch sein, aufgrund der Systeme, in dem sie stattfinden, die beide kapitalistisch sind (westlich=faschistisch, chinesisch=Diktatur).

Tatsächlich fand ich es sehr interessant, aus meiner definitiv vom male gaze und westlich geprägten Sozialisierung mal raus zu gehen und mich zu fragen, was eigentlich dieser Kulturkampf um Körper für mich persönlich bedeutet.
Aus welcher Perspektive möchte ich meinen sich verändernden Körper sehen? Sollte ich das Altern in dem offensichtlichsten Aspekt, der Gewichtszunahme, anfangen zu bekämpfen? Die Betonung liegt auf Kampf, weil es mit aggressiven Mitteln geschehen müsste.

Die inhärente Frage hier lautet allerdings, ob und welchem sozioökonomischen Wert ich mir beimesse. Denn wenn man diesen Maßstab anlegt, denkt man das System mit – wenn man sich jedoch aus dem System zumindest gedanklich und identitätsmäßig rausnimmt, wäre diese Bewertung hinfällig und die emanzipatorische Kraft wäre frei gesetzt.

Und während ich ich schreibe, meine ich dich, und du.