Nachhaltigkeit und Fashionbranche – was das Körperbild über die Urheber sagt

Let’s face it: Schwache Männer wollen unsichtbare Frauen.

Nachhaltigkeit in der Fashion-Industrie geht über den Einsatz von materiellen Ressourcen und das Gebot der fairen Bezahlung hinaus. Sie bedeutet zeitgleich Inklusion, denn sie hat einen krassen kulturellen Einfluß auf uns alle.
Angefangen mit Kinderkleidung: Es gibt rosa und blau. Rosa ist sehr schmal, sexualisiert, und teuer. Blau ist mittlerweile auch sexualisiert, wenig fröhlich-dekorativ gehalten, und sehr an Erwachsenen-Kleidung orientiert. Das bestimmt schon im frühen Kindesalter das Bild von Mann und Frau. Wehe denen, die sich mit traditionellen Rollen nicht abfinden mögen, und dafür muss mensch nicht einmal queer sein.

Weiter geht es also mit High Fashion: Die Kleidung, die man für 10-, 20-, 30-Tausend Euro auf Designer-Laufstegen sieht. Sie setzen Trends, die für uns von Fast Fashion Produzenten in Massenware kopiert werden und in endloser Überfülle auf den Markt geworfen werden.

Die Laufstege? Waren es heuer noch Typen mit Muskeln und Frauen mit Brüsten, ist es wieder sehr androgyn geworden, aber in erster Linie: Dünn. Kaum ein Model, das kein Untergewicht hat, und die wenigen, normalen Frauen (Männer habe ich nicht im inklusiven Größenbereich gesehen) werden als große Ausnahmen gefeiert. Auch die nicht-europäischen Gesichter sind endlich mal auf dem Laufsteg sichtbar, aber trotzdem herrscht dort bevorzugt die weiße Norm: Glatte Haare, schmale Nase.

Mein persönliches Problem mit dem Körperbild? Auch ich bin schlank und definitiv normschön, weshalb mich das wenig belasten sollte, aber das tut es trotzdem: Zum einen weil es immer noch dünner geht, und weil Kleidung dann tatsächlich besser ausseht.
Zudem lässt mich meine Arbeit mit anderen Frauen immer wieder das erfahren: Das Körperbild ist so stark genormt, das Selbst-Akzeptanz eine Form von Rebellion zu sein scheint.

Das Dünn-Sein als Norm wird von Wissenschaftler:innen als Unsichtbar-Machung bezeichnet. Und wer kann es nicht leiden, wenn eine Person neben ihm/ihr sichtbar wird? Natürlich ein schwacher Mensch!

Nun ist das Gros der Fashion-Designer mit wenigen Ausnahmen männlich, und sie bestimmen einen androgynen, schmalen und männlich-jungenhaften Körper als Norm.
Wer jetzt Maria Chiuri und Miuccia Prada ins Feld führt: Ja, auch die Frauen; zum einen ökonomisch getrieben, wie es Miuccia Prada selbst zugegeben hat, zum anderen auch aus einer Kultur kommend, die das Dünnsein als Disziplin und Ästhetik auserkoren hat. Die kultivierte, ältere Frau ist sehr schlank und wohlhabend: Die Klientel passt sich an dem Markt der sich an der Klientin anpasst. (In Deutschland fällt Alice Schwarzer auf, die bekanntlich Yohji Yamamoto trägt und sich nicht dem Schlanhkeitsdiktat unterworfen hat.)
Surft man die erfolgreichen Influencerinnen heraus, die tatsächlich das Kapital für den High-Street Markt haben, sieht man, dass sie ausgesprochen schmal sind.
Lustigerweise ist das sich unterwerfen der Unsichtbar-Machung bei zeitgleichen Wunsch, sichtbar zu sein, ein aussichtsloser Kampf.

Doch mich treibt eine andere Frage um: Was sagt es eigentlich über die überwiegend männlichen Designer, Photographen und Stylisten?

Nun, ich picke mir ein Beispiel heraus: Alexander Wang. Er gibt bestätigte Vorwürfe (siehe Instagram Account von Diet Prada) von sexuellen Übergriffen gegenüber anderen Männern und Frauen. Es ist quasi eine urbane Legende, dass er auf Parties Leute abfüllt oder Drogen verabreicht. Das prominente Umfeld kennt es und toleriert es, weil es scheinbar als Standard durchgeht. Nicht vergessen, dass man sehr wohl wusste, was Epstein und Konsorten für Menschen waren, und sie trotzdem hofiert wurden.
Alexander Wang ist also jemand, der glaubt das einfach tun zu können, und sein Handeln bestätigt ihn. Moralisch verkommen? Es geht darüber hinaus, leider: Er ist ein Verbrecher.

Mit der Gefahr homophob zu wirken, wir als Frauen tragen Dinge, die von Männern gemacht werden, die Männer mögen – Und Frauen fürchten? Sexuelle Orientierung dahin gestellt, die Fashion-Industrie ist ein Schaulauf toxischer Männlichkeit und Narzissmus. Kein Wunder, dass die wenigen erfolgreichen Frauen eher im Hintergrund bleiben, bis auf wenige Ausnahmen. Keine Skandale, keine Dokumentarfilme, kein Posing auf Instagram.

Beispiel: So zeigte zuletzt auch Yves Saint Laurent, die mal schön Yves rausgestrichen haben, wie Frauen zu sein haben: Dünn. Sehr dünn. Der Designer Vacarello schickte die Models in die Wüste, in Highheels. Man könnte ob des Wortspiels im Deutschen fast schon darüber lachen…

Beispiel: Dieses Jahr hat das erfolgreiche und sehr dünne Model Stella Tennant Selbstmord begangen hat, und auch wenn es nur eine Mutmassung ist, der Verdacht liegt nahe dass eine so toxische Branche einen Einfluss darauf hatte. In Erinnerung bleibt mir das Bild, auf welchem sie schrecklich abgemagert posiert – wurde als Hommage von einem berühmten Designer oder Stylisten auf Instagram, gepostet.

Das sind drei Beispiele dafür, wie letzten Endes eine zutiefst toxische Männlichkeit, die sich auch gegen Männer richtet, absolut entlarvend wirkt.
Umso interessanter und wichtiger, die positiven Beispiele zu finden, die dies nicht tun – eine Expertise sondergleichen, weil auch ökologische Mode häufig in diesem Bereich nicht inklusiv ist.

Übrigens, eine sympathische, britische Aktivistin, die sehr empowernd und transparent ist:

Empowerment – Wir sind alle Entrepreneurinnen

Es ist ein revolutionärer Akt in der heutigen Gesellschaft, als Frau sichtbar zu sein. #CreateYourself

Frauen dürfen. Alles.
Außer: Schön sein, auffällig, erfolgreich. Dann haben sie nix in der Birne, sich hochgeschlafen, sind Anhängsel und bestenfalls Influencerin, statt Entrepreneurinnen.

Die Beispiele finden wir reichlich auf Instagram. Leonie Hanne, eine sehr erfolgreiche Social Media Expertin, die mit 3 Millionen Follower, einem bezaubernden Lächeln und knallharten Brain ihr Business aufgezogen hat, vergisst niemals, jeden Tag dankbar zu sein, aber ich persönlich finde, sie kann sich das auf alle Fälle jeden Tag in erster Linie selbst zuschreiben. Ich finde es toll, dass sie nicht abgehoben ist, aber ich weiß mittlerweile, wie hart der Job ist, den die Blicke hinter den Kulissen sind zwar immer rosig-gefärbt, zeigen jedoch auch die knallharte Wahrheit.

Eine andere Expertin, die österreichische Beatrice Frasl, die im Bereich Mental Health arbeitet, wurde neulich als Influenecerin bezeichnet. Das ist niedlich, weil sie als Kulturwissenschaftlerin uns definitiv influenced, einen Antrag bei der Krankenkasse zu stellen, ansonsten außer Reichweite nichts mit dem Begriff zu tun hat. Sie als digitale Entrepreuneurin darzustellen? Niemals.

Als Unternehmerin ist diese Tage Madeleine Darya Alizadeh ein bisschen steil gegangen, nachdem sie angefeindet wurde. Sie hat sich eine Immobilie gekauft, und ja, sie ist jung und erfolgreich UND sieht dazu normschön aus. Ich persönlich finde sie beispielsweise aus irgendeinem Grund unsympathisch, sicherlich ein Funken Neid, aber sie hat alles richtig gemacht und ich bewundere ihre Marke und ihren Erfolg auf Social Media. Einen Shitstorm für Erfolg zu bekommen, das steht nur Frauen zu. Währenddessen sind Millionärssöhne wie Elon Musk voll der Knaller und werden gehypt für jeden peinlichen Auftritt und sind Vorbild ganzer Männer-Generationen. Ich kotze sanft in die Ecke.

Und nehmen wir mal jemand aus meinem persönlichen Umfeld, eine erfolgreiche ITlerin, die sagte, so mit 50 darf sie sich entspannen, davor darf sie nicht zu hübsch sein und zu teure Handtaschen tragen, weil es ihrem Können Abbruch tut, da sie sonst als Püppchen abgetan wird. Die Frau ist knallhart, witzig, liebenswürdig und attraktiv, was sie jedoch definitiv runter spielt. Der Erfolg gibt ihr leider recht, und sie sagte, es fehlen Vorbilder, es fehlt Empowerment, sich hinzustellen und zu sagen: Ich BIN, Bitches, denn das steht scheinbar nur sehr erfolgreichen und sehr reichen Frauen zu, also den drei üblichen Verdächtigen, die wir immer vor die Nase gehalten bekommen. Uns wird ein Narrativ vor die Nase gehalten, das zum einen bestätigt, es geht, aber gleichzeitig unerreichbar ist, denn reich geboren sind nun mal weniger, und von da aus ist es halt etwas einfacher. Post Scriptum: Meritokratie gibt es nicht wirklich.

Also gehen Frauen in Sack und Asche, sind ewig dankbar, haben einen Partner „ohne den sie es nicht geschafft hätten“, sind witzig, weil knallhart ist bitchy, und vor allem bescheiden und achtsam und sagte ich schon, dankbar?

FRAU, SEI DANKBAR, ACHTSAM, NETT UND FREUNDLICH. Und ja nicht zu kurz der Rock und nicht zu ausladend das Dekolleté, in das sowieso jeder starrt. Ich habe gelernt: Own it. Wer sichtbar ist, aufgrund welcher Eigenschaft auch immer, muss auch lernen souverän zu sein. Das ist die Master Class schlechthin. Souveränität im Umgang mit einem nicht wohlwollenden Umfeld ist eine Königsdisziplin.

Empowerment ist nur leider kein Handtäschchen, das man sich anziehen kann, es ist quasi nur die Hefe im Teig: Ein Starter. Ich habe mir eine neue Berufung als Stylistin zwar auch wegen den Klamotten ausgesucht, ich kann es einfach, aber auch um Empowerment zu liefern, deswegen den Zusatz Image Consultant. (Habe ich mich gerade als Hefe bezeichnet? Ich bin ein Pilz! Urgh.)

Das Narrativ können wir nur selbst ändern und in erster Linie bei uns und für uns, und ja, es ist anstrengend.
Es wirkt zuweilen trivial – über Klamotten?! Über High-Heels oder Handtaschen? Oder einen bunten Schal? Ja, weil Sichtbarkeit auch Handlungsfähigkeit bedeutet. Es gibt sogar ein Buch, übrigens wurde die Autorin wegen ihrem roten Lippenstift geshitstormt, ehrlich, und das 2020!!, – und das Buch heißt sehr treffend: Wer nicht sichtbar ist, findet nicht statt. Die Entrepreneurin Tijen Onaran ist eine eierlegende Wollmilchsau, Autorin, Chefin, krasse-Anzüge-Trägerin (sie hat eine tolle Berliner Stylistin) und hat aus ihrer Schwäche, nämlich ZU sichtbar zu sein, ihren Erfolg begründet. Ist es so einfach? Ehrlich gesagt, ja. Das weiß ich aus Erfahrung.

Empowerment ist nicht Selbstoptimierung als Hobby oder Arbeitsbeschaffungsmassnahme. Es kann nicht sein, das wir unser Leben mit drölfzig Coachings verbringen in der Hoffnung, das alles gut wird. Es ist nicht nachhaltig. Ich vergleiche es gerne mit Sport: Ja, Massage ist geil, aber machen muss man selbst etwas, damit eine Änderung dauerhaft wirkt, und ja, das ist anstrengend, zumindest am Anfang. Nicht jedeR braucht Sichtbarkeit oder eine Stilberatung, aber vielleicht tatsächlich Hilfe, den richtigen Sport zu finden, oder will an der Körpersprache arbeiten, oder braucht Empowerment für eine Gründung, oder Coaching in Bereich Partnerschaft und Sex. Gibt es alles.

Sichtbarkeit, neue Klamotten, check, jedoch macht erst das darin steckende Narrativ des empowered-seins es nachhaltig. Klamotten dürfen natürlich auch gerne nachhaltig sein, klar.

Ja, wir brauchen Empowerment und Anerkennung dessen, was wir leisten und können. Ändert die Sprache, ändert das Äußere, ändert das Narrativ – das geht ehrlich gesagt sehr einfach.
Es ist mir peinlich, weil ich das Geheimnis eigentlich für viel Geld verkaufen will, aber es ist sehr einfach: Glaube es.

Auf Instagram findet Ihr eine Zusammenfassung und paar Kommentare dazu, Ihr könnt mir gerne zwei Euronen paypalen oder mir Blumen schicken (OMG dafür würde ich gerade töten!!)

TOM FORD BEAUTY – ich hätte da eine Reklamation!

Ein Lippenstift für 55 Euro darf nicht nach einem Jahr so aussehen. Ich habe damit weder Weitwurf gespielt, noch war es in der Geschirrspülmaschine, noch habe ich es mutwillig beschädigt. Nein, er war auch nicht mit dem Schlüsselbund in meiner Tasche. Meist tatsächlich in der Jackentasche oder separat mit dem Chanel Puder, das ich immer bei mir habe. Um den Kram fix zu finden, tue ich meine Schminke grundsätzlich in ein Extrafach.

Mein Favorit ist nun bald alle, allerdings mag ich den gar nicht mehr aus der Tasche rausholen, der sieht einfach abgebrabbelt aus. Wo soll ich denn reklamieren? Und kann ich das überhaupt? Die Quittung dafür habe ich sicherlich irgendwo, bloß wo, und Estée Lauder anschreiben kann ich sicher auch, dann aber sicherlich jedes Jahr, wenn ich einen Lippenstift zum aufbrauchen auserkoren habe.
Trotzdem – es geht nicht, nicht wenn der Lippenstift so teuer ist. Und ja, die Textur ist sicher nicht ganz das billigste auf dem Markt, aber wir wissen ja nun um die Gewinnspanne, dann kann man auch die Verpackung mal entsprechend gestalten. Die Blush- und Lidschattenumverpackungen sehen auch ziemlich übel aus, wenn man sie häufig benutzt. Und ich gehe ordentlich damit um. Einzig die weißen Umverpackungendes Bronzers und der großen weißen Paletten ist einwandfrei!

SCHLIMMER jedoch sind die ranzigen Düfte der Lippenstifte! Das betrifft den dunklen Rosenholzton wie er bei Negligée und dem Mini Richard zu finden ist. NICHT KAUFEN!

Tatsächlich bin ich nicht sicher ob diese schlecht sind oder ob die Farbe diesen Duft mitbringt, ich befürchte letzteres. Meine Freundin hatte den Negligée neu in Dubai gekauft und er war ranzig und sie schmiss ihn weg.
Ich habe meinen auch weggewrofen und das ist das erste Mal, das ich so etwas tat. Mein Herz hat geblutet, aber der Duft war unzumutbar und verflog auch nicht beim Tragen. Die Farbe ist sehr schön, aber das hilft ja auch nix…