Fashion Newsletter

Eigentlich wollte ich etwas total ergreifendes zum Thema Ziele und Pandemie schreiben, aber fuck off. Wir brauchen auch mal ein wenig Entertainment, und mein Rauschmittel heißt Klatsch, Mode, Moneten und TikTok.

Einen fetten Shitstorm gibt es für die völlig verstrahlte Gwyneth Paltrow, die in einem langen Video ihre neuesten Clean Beauty Sachen vermarktet. Sie mag ja keinen Sonnenschutz, weshalb sie ja nur wenig hier und da benutzt. Das widerspricht allen Empfehlungen, angefangen von jedem drittklassigem Beautyblogger:in bis hin zur Dermatolog:in. Mittlerweile ist sie ein Meme, und eine ganze oder mehrere Generationen machen sich über sie lustig. Dass sie völlig durchschaubar ist und auch völlig realitätsentrückt, vielleicht sogar unter Drogen, steht außer Frage.

Die Mode-Branche hatte einige Einbußen zu beklagen, weshalb man Preise erhöht. Chanel und Louis Vuitton sind so teuer und so nachgefragt wie nie. Dass Rohstoffe teurer geworden sind, stimmt leider nicht. Und es ist fraglich, ob die Löhne gestiegen sind, schließlich sind viele in der Branche in Deutschland „offiziell“ in Kurzarbeit, einfach weil es staatlich subventioniert wird.
Exepert:innen fragen sich nun, wie weit die Kundin:nen Preissteigerungen hinnehmen werden. Durch die gut gehende Börse und einem explodierenden Immobilinemarkt sind viele noch wohlhabender geworden und das Geld muss unter die Leute. Luxusgüter, insbesondere Schmuck, ist nachgefragt wie nie, warum also nicht mal Preise anheben?? Silber wird täglich teurer, Weißgold ist unbezahlbar, es werden permanent neue Schmucklinie lanciert. Mein persönlicher Favorit: Eine Kooperation von Fabergé mit Game of Thrones. Geschmack kann man nicht kaufen, was.

Khloe Kardashian, die etwas weniger bekannte Schwester aus dem Kardashian Clan, hat ein nicht retouchiertes Bild von sich tatsächlich in einer Art Gegenangriff kommentieren müssen. Das Bild war ohne Genehmigung im Netz aufgetaucht und darauf ist eine schlanke, gutausehende Frau zu sehen. Kein Vergleich allerdings zu den Bildern mit Pose, Filtern und Retusche. Es ist schwierig, einerseits ist sie die „hässliche“ Schwester, andererseits schon so viel operiert, dass sie es kaum leugnen kann, und natürlich immer Zielscheibe für Kritik. Die Tatsache, dass sie mit Aufmerksamkeit ihr Geld verdient, rechtfertige dennoch nicht den Hate, dem sie ständig ausgesetzt sei. Und das stimmt. Es ist zwar viel Geld im Hintergrund, aber auch viel Leid, Diät, Schmerzen, und Disziplin. Widersinnigerweise stellte sie ein halbnacktes Video von sich online, um zu zeigen dass sie „echt“ ist. Ich habe beide Bilder, das retuschierte und nicht retuschierte, ohne Kontext gesehen und habe fünf Minuten drauf gestarrt. Die Ähnlichkeit der Bilder bestand eigentlich nur durch die Körperform und den Bikini, ansonsten völlig unterschiedliche Personen. Später erst habe ich den ganzen Mist dahinter mitbekommen – es bleibt für mich die krasse Ernüchterung, dass Content auf Social Media nicht um 20% technisch verändert wird, sondern eher um 80.

Ausgerechnet Karl Lauterbach wird nun als begehrter Single gehandelt. Der twitternde Politiker ist beliebt wie nie und öffentlichkeitswirksam unterwegs. Auffälligerweise lässt er die Fliege nun weg, hat einen neuen, besseren Haarschnitt und kleidet sich nicht mehr wie ein Internatskind in den 50ern. Wer ihm einen Liebesbrief schicken möchte, kann sich an sein Büro wenden. LOL.

Geld statt warme Worte

Ich habe gestern sehr ausdauernd geschwiegen. Der 8. März. Es fiel mir schwer, zumal der elitäre weiße pseudo-Feminismus wieder für einen Tag die Bühne bekam. Nicht nur der, Gott sei Dank, auch meine Freundin Andrea-Vicky Amankwaa Birago moderierte gestern eine Podiusmsdiskussion im Theater Hannover, die ein wenig streitbarer war.

Einmal im Jahr wie ein Hase aus dem Hut gezaubert zu werden… Blumen… und warme Worte und Statistiken über das, was alles nicht so gut läuft aber immer besser wird.

Steckt es Euch. Ich will Parität. Ich will gesetzlich verankerte Ansprüche, die nicht larifari sind. Ich will nicht dass Mutterschaft zum Jobverlust führt. Elternzeiten für Männer sollen gesetzlich verpflichtend sein. So viel misogyner Dreck im Gesetz, das weiß man erst, wenn man drin wühlt.

Steckt Euch den WIE AUCH IMMER Tag. Ich will 365 Tage Parität.

#RegrettingMotherhood – Pandemie macht den Begriff wieder populär

Ehrlich gesagt, komme ich wieder drauf, weil es auf Instagram wieder Thema ist, weil es falsch interpretiert wird, und weil mich die x-te Frau angeschrieben hat, sie habe ihren Job nach der Elternzeit verloren. Ich ja auch, und meine Freundin, und die Trauzeugin meines Kumpels, und…

Nun wird in der Studie von 2015 erwähnt, die Mutter könne sich in ihrer Rolle als Mutter einfach nicht einfühlen, und während sie die Kinder sicherlich liebt, bereue sie die Mutterschaft. Das habe nicht unbedingt etwas mit dem gesellschaftlichen Rollenbild zu tun. Es sei die Unfreiheit und das mürbe machende Gefühl, ein „etwas“ zu sein, ihres Individuums beraubt. Nicht der Individualität, obacht!
Nun, da stellt sich mir die Frage, warum dieses nicht für Väter zutrifft? Wo sind die Männer, die ihre Elternschaft bereuen, weil sie „es nicht fühlen“?
Nun, fun fact, für sie geht das Leben in der Regel so heiter weiter, es gibt eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung; ich habe schon mal einen ehemaligen Kollegen direkt unseren damaligen Chef anschreiben sehen, er bräuchte mehr Geld, er werde Vater. Und das an der Uni!
Zusätzlich wird jeder Handschlag eines Mannes so gewertet, als ob es ein Extra sei. „Mein Mann hilft mir so gut mit dem Haushalt!“-nein, der wohnt da auch. Dass Trennungen erfolgen, liegt am häufigsten an den Frauen; sie behalten die Kinder aus finanziellen Gründen und natürlich auch in dem Wissen oder Glauben, dass Mann dem nicht gerecht wird. Hat er nicht, musste er nicht, tat er nicht.

Doch was passiert eigentlich mit dem Individuum, das ehemals eine Frau war? Gezwungenermaßen in den Mutterschutz vefrachtet, und danach in Elternzeit, wo sie ab Stunde Null Bonding betreiben soll. Nun, jemand muss sich ja kümmern – sobald es die Frau zu mehr als 50% ist, ist sie raus. Elternzeit für Männer wird nicht gerne gesehen, Frauen müssen somit automatisch in Elternzeit gehen, verdienen sie schlechter, und so fällt ein Dominostein nach dem anderen um. Kündigung, Teilzeitzwang, hohe Anforderungen, keinerlei Entlastung durch das Dorf, das es braucht, um ein Kind zu erziehen. Dumm, wer sich zwei oder mehr leistet. Das ist nur mit viel Geld, also eingekaufter Hilfe, machbar.

Die Hebel dafür sind nicht nur kulturell, sie sind schlichtweg in der Verwaltung angelegt: Der Hauptverdiener ist männlich, oder zumindest muss zuerst der Mann in die Steuererklärung rein. PUNKT.

So ist dieses „sich nicht einfühlen können“ sicherlich nicht dem ganzen Gerenne, Schlafmangel, abfälligem Umfeld „Du hast Dich gehen lassen“ wahlweise „Wie kannst Du so rumrennen, Du hast ein Kind“ und dem Anspruch, das Kind mit Bio-Vollwert-Kost und Montessori-Spielzeug und 24/7 Aufmerksamkeit zu bespassen, geschuldet. Das Projekt, das keines ist. Oder doch?
Ist denn die Mutterschaft ein Problem, eine Hürde? Ja. So einfach ist das. Die drei erfolgreichen Mütter aus der Zeitung hatten Geld und entsprechende Partner. So konnten sie ihre Kinder delegieren und an einer Karriere arbeiten-sie haben demnach eine „männliche“ Rolle eingenommen.

#RegrettingParenthood wäre sonst ein viel beserer Begriff gewesen. Es gibt selbstverständlich auch Männer mit postnatalen Depressionen, die in ihrer neuen Rolle als Ernährer nicht mehr klar kommen, die auf einmal nicht mehr im Mittelpunkt der Beziehung stehen, und die ihrem Kind fremd bleiben. Diesen Begriff hat es aber in der Forschung nie gegeben.

Gerade während der Pandemie lese ich immer wieder von Männern im Büro, wo doch Homeoffice möglich wäre; von Wissenchaftlerinnnen, die nicht mehr publizieren können, weil sie Kinder beschulen, von Frauen, die ihre Jobs kündigen, um nicht komplett gegen die Wand zu fahren. Und von Frauen, die eben ihren Job verlieren, weil man ihnen nicht zutraut, mit Kindern zu arbeiten.
Auch Männer, die endlich mal zuhause sind, kriegen in vollem Ausmaße mit, wie so eine „Elternzeit“ aussieht: Shoppen und Kaffee trinken. Oh, doch nicht?!

Zurück zum Thema: Das Bereuen der Mutterschaft ist zutiefst verwoben mit der Behinderung, die Mutterschaft darstellt. Frau sein ist allgemein eine Behinderung, und wir wissen, dass der Begriff Behinderung etwas damit zu tun hat, dass Menschen behindert werden. Ob mit Kinderwagen oder in Rollstuhl, es ist dann ein Problem, wenn man von der Norm abweicht, und diese ist 1.80, männlich, weiß, gesund, mit dem Namen Thomas (so heißen Führungskräfte, es ist eine Statistik)und mit einem Nettoeinkommen über 4k.

Wären die Umstände anders, könnte man sagen, okay, postnatale Depression, Erschöpfung, das wird schon wieder mit entsprechender Unterstützung. Dass Mütter ihre Kinder „trotzdem“ lieben, davon sogar mehrere haben, spricht eben genau für die These, dass es nicht ausschließlich dem gefühlten „Ich bin kein Muttertier“-Ding zuzuschreiben sei. Das ist nämlich der eigentliche Ursprung des Bösen: Das Bild der Mutter. Die Heilige, die Hure, die Märtyrerin. Danke, Romantik, danke Nazis. Man kann keine Überglucke sein und trotzdem Mutter, seine Kinder anbrüllen und trotzdem lieben, und ihnen TK-Pizza geben und deswegen nicht gleich gefährden.

Das Bild der Frau, die nun nix mehr taugt, weil sie ja geboren hat. Wie oft ich das schon gehört habe, entweder deutlich ausgesprochen oder versteckt. Als ob man sein IQ mit der Entbindung verliert. Der Zugewinn an zwischenmenschlichen Eigenschaften und erfolgreicher Kommunikation etc. wird wenig anerkannt.

Zeitgleich haben wir ein neues Problem. Diese Anstecknadel der Erschöpfung, der Ungerechtigkeit, des Bedauerns, das ist schon etwas matt geworden. Ja, es ist einfach scheisse, wie so vieles, und wir dankend er Pandemie, dass wir nun am Anschlag sind. Entweder sterben wir kollektiv an einem Virus, an unserem eigenen „das haben wir schon immer so gemacht“, oder lassen das gegenseitige Tätscheln und Bedauern mal beiseite und gehen auf die Barrikaden.

Natürlich sind es wieder weiße, wohlhabende Akademikerinnen, die ihre soziologischen Ergüssen im Netz vertreiben (ich! hier!) und sich Tassen damit bedrucken lassen. Doch ist die Aufklärung wichtig, und auch die Entzauberung vieler Dinge, gerade angesichts der politischen Lage derzeit.
Das ist auch die Pflicht einer Elite, die es sich leisten kann; und das bitte stets mit der Anerkennung dieses Privilegs und der damit verbundenen Verantwortung.

Wie es allerdings mit diesen Barrikaden ausschaut, ist noch etwas neblig in meinem Kopf. Fest steht, dass es nicht reicht, zu reden, oder wütend zu sein, es reicht auch nicht, andere zu beeinflussen. Es braucht mehr Wirkung.