Die Aufmerksamkeitsökonomie ist tot

Der Titel ist Ragebait in schlechter journalistischer Manier, oder doch nicht? Dank künstlicher Intelligenz und der Vermüllung des Internets, als KI-Slop bekannt, wird es zunehmend schwieriger, Inhalte zu finden. Googlen ist als neue Kulturtechnik bereits schon wieder obsolet, möchte mensch meinen.

Social Media als genuine Plattform der Aufmerksamkeitsökonomie zeigt derzeit sehr eindrücklich, wie es sich um unsere Welt verhält: Wir haben Rezession, Endzeit-Faschismus und auf der anderen Seite ein Erstarken der Gegenkultur. Was allen gemein bleibt, ist allerdings eine Sache: Die Loslösung von Fakten und Realität, ersetzt durch die Nutzung von Emotionen.
Politisch gewählt wird eh schon nach Gefühl – Wahlkampf wird demnach auch so betrieben. Verkauft wurde ja schon immer durch Gefühle, jetzt ist es mittlerweile so, dass man sich fragt, ob man überhaupt noch eine Dienstleistung oder ein Gegenstand bekommt, oder nur “das Erlebnis”. Die Handtasche für 10k ist nur durch emotionalen Gegenwert zu rechtfertigen: Die Aufmerksamkeit die man dadurch bekommt und das Statussignal. Das wissen wir, kaufen trotzdem oder erst recht deswegen. Informationen? Igitt! Lieber am Handy weinen oder wütend werden.

Durch eine intensive Recherche (nennt sich auch Mediensucht) auf Instagram ist mir aufgefallen, dass Storytelling mittlerweile kein Geschäft mehr ist. Der Aufbau aus originärer Geschichte, aus dem “Gegner” oder gemeinsamen Feind, aus der Lösung, gefolgt vom Versprechen einer zukünftigen Verbesserung – also eine klassische Verkaufsstrategie – wird mittlerweile durch massive, vermeintliche Selbstentblößung und der ubiquitären Authentizität verkauft.
Das hat bislang fantastisch funktioniert.
Nun machen aber alle das Selbe, und man kann sich mit ein Tausend Menschen identifizieren – wen will man da auswählen? Richtig, alle und keinen. Die Überflutung mit egal was, der Kampf um Sichtbarkeit, er kulminiert in Bedeutungslosigkeit für alle – und leider auch für die Themen.
Wir Content Creator und Dienstleister sind alle so nischig, so cool, so besonders, dass wir es alle nicht mehr sind.

Die Aufmerksamkeitsökonomie ist so stark an Sichtbarkeit gekoppelt, dass ihr Ende quasi durch zwei große Angriffe derzeit vorprogrammiert ist: Alle sind gleichzeitig sichtbar, und alle gleichzeitig sind nicht konsumierbar.

Google als Suchmaschine existiert nicht mehr, und damit haben wir ein großes Problem. Ja, es gibt auch andere Suchmaschinen, aber hier geht es um die große Krake 🙂

Ein großes Problem. Denn das WWW wächst, und hat auch immer noch gute Inhalte. So viele Dinge sind digitalisiert und kostenlos zugänglich, besonders im Kulturbereich sehen wir das immer mehr. Oper und Ballett sind digital zugänglich, kostenlos – wenn es auch nicht das Erlebnis zu 100% abdecken kann, ist es nichtsdestotrotz ein Zugang zu Kultur, der vorher nicht da war.
Doch wie finde ich die unabhängigen Inhalte, die mir beispielsweise nichts verkaufen, sondern kritisch informieren? Denn ganz sicher wird eine von weißen Männern programmierte LLM und ihre mit eingebauten Vorurteile bzw. *ismen mir nicht das gewünschte Ergebnis liefern.
Wer da jetzt sagt, es wäre aber auch “confirmation bias”, also ich würde nur nach etwas suchen, was meine Meinung bestätigt, bestätigt leider auch mangelnde mediale Kompetenz, denn man braucht bekanntlich entweder verschieden Quellen, oder akkumuliert selbst genug Wissen, um ein Urteil daraus abzuleiten. Und da sind wir wieder beim Problem der Aufmerksamkeitsökonomie: Wir akkumulieren am Ende das, was uns serviert wird, und das kann ganz interessante Ergebnisse haben. Einmal ein Horoskop Video geschaut, zack ist alles voll mit Tarot, Lebenscoachings und Achtsamkeitstipps gespickt. Einmal was anderes geschaut, sagen wir mal Bienenzucht, schon steckt man tief in der Agrikultur. Meine Aufmerksamkeitspanne ist schon so frittiert, dass ich nicht mehr weiß, was ich eigentlich gesucht habe oder wissen wollte, aber ich weiß jetzt alles über Uranus und Merkur und Transite und chinesische Sternzeichen. Kann sein, dass ich Stiefel gesucht habe.

Daraus entstehen so mannigfaltige gesellschaftliche Probleme, dass mein Kopf explodiert. Ich will daher nur eines rauspicken: Medienkompetenz. Medienkompetenz für Erwachsene und dann deren Kinder. Gibt es nicht, haben wir nicht, wird nix. Als Gen X habe ich das WWW maßgeblich mitgestaltet, und habe trotz Forschung in dem Bereich mittlerweile subjektiv gar keinen Plan mehr – je mehr ich weiß, desto mehr sehe ich, was ich nicht weiß.

Medienkompetenz wird eher nicht kommen. Das bedeutet auf der anderen Seite, dass wir Regulierung brauchen. Da sind Deutsche ja so gut darin, das kann nur nach hinten losgehen, aber es könnte als Europäische Union, also mit und durch die Kompetenz anderer Länder funktionieren.

Damit würde man die Aufmerksamkeitsökonomie interessanterweise wiederbeleben, denke ich. Doch dem steht diametral entgegen, dass gerade diese Aufmerksamkeit das immerwährende Gold der Tech-Konzerne und auch das Mittel der Manipulation jede*r ist. Die momentane Steuerung geschieht durch Masse, das ist ein Werkzeug des Faschismus, das historisch bekannt ist. Viele schlimme Neuigkeiten, die Angst bescheren, viele Lügen, die so massiv sind, dass sie wieder glaubhaft wirken, und eine immer schneller werdende Taktung, das Fälschen der Vergangenheit, wie man es nochmal schön in Orwells 1984 erklärt bekommt, das sind alle bekannte Werkzeuge.

Aufmerksamkeit an sich hat einen Sinn, und es ökonomisch einzubetten war im Kapitalismus eine logische Entwicklung. Während also alles den Bach runtergeht (Achtung, Manipulation durch Angst!), was wird uns retten? Eine andere Suchmaschine? Bücher?? Die Kirche?

Ja.

Ich habe keine Ahnung. Aber eine Vermutung.

Alle Jahre wieder – UNSUBSCRIBE

Ich liebe Technologie, ich liebe Autos, ich liebe Konsum, ich liebe Strom und Wärme – aber sehen wir wie es ist: Es ist alles ein zweischneidiges Schwert. In der ersten Welt verursachen wir schon relativ viel Klimaschaden, wenn auch nichts im Vergleich zu den *TAX THE BILLIONAIRES* Superreichen. Müll trennen einfach komplett überbewertet, kein Müll verursachen hingegen: Mega.

Eine winzige Sache können wir aber jedes Jahr: Alle Newsletter kündigen. Sämtliche pseudo KI NICHT nutzen.

Die Rechenzentren, die Server, der Stromverbrauch, die Kühlung, der Stromverbrauch, die Rechenzentren die mit Meerwasser gekühlt werden, die Klimaerwärmung – HURZ.

Also, den Unsubscribe Button raussuchen, anklicken, und was Gutes tun.

Misogyne Content Creator exposen oder besser…

Wir kennen sie alle, die unglaublich ignoranten und zum Teil auch gefährlichen, sogenannten Alpha-Männer, die gleichzeitig als Content Creator auf Instagram und Tiki-Toki fungieren. Bestes Beispiel dafür ist Andrew Tate, der in seinen schlecht sitzenden Klamotten *Bro Style* wirklich unglaublichen Dünnpfiff von sich gibt, allerdings nicht nur ein populistischer Manipulator ist. Wegen Menschenhandel, Zuhälterei, Vergewaltigung und ich meine auch Geldwäsche gesucht und verurteilt, ist dieser Mann nicht nur eine Labberbacke, sondern zusammen mit seinem Bruder auch ein Mann der Tat, und das macht ihn sehr gefährlich.

Seinem Beispiel folgen entsprechend unzählige männliche Jünger auf Social Media, mit kruden Ansichten, die sie zum Besten geben, um entweder die schnelle Mark zu machen(LOL) oder aber, weil sie offensichtlich nicht die Fähigkeit besitzen, sich zu reflektieren und zu sehen, dass sie in einem Vakuum agieren. Und das ist gefährlich, denn diese verkürzten Ansichten, die Dehumanisierung von andersartigen Menschen, angefangen bei Frauen und beendet bei Menschen mit Behinderungen, können einem jungen Menschen mit schwachem Selbstwert durchaus gefallen.

Und es gibt natürlich auch die andere Seite: Accounts, die genau solche Leute zum einen “exposen”, also vorführen in aller ihrer Misogynie, Ignoranz und Unwissen, und/oder sich darüber lustig machen. Auffällig ist, dass stets mit Sachargumenten vorgegangen wird. Dem Hass wird Ratio entgegengesetzt.

Lange Zeit und natürlich aus persönlicher Erfahrung heraus als Frau, Mutter, Ausländerin, war ich der Meinung, dass man solchen Leuten durchaus mit ebenso kruden und, sagen wir mal, expressiven Ansichten entgegen treten sollte. Sowohl im Alltag als auch medial.

Mittlerweile sehe ich das anders – danke Therapie! Nein, daran liegt es nicht nur, es ist einfach handfeste Logik: Der Logarithmus von Social Media:
Aufmerksamkeit erzeugt Aufmerksamkeit erzeugt Reichweite und naja, wir wissen was dann passiert. Die Faschisten sitzen nicht nur in Deutschland im Fernsehen, weil sie eben Aufmerksamkeit generieren. Social Media, als absichtlich nicht kontrollierte Plattform, ist da natürlich wesentlich wilder.

Vielleicht sollte es einen Account geben, der solche Leute nachts besucht und sie vor laufender Kamera… na, woran hast Du gerade gedacht?

STOP! Wir erinnern uns an Audrey Lorde, welche schreibt:

For the master’s tool will never dismantle the master’s house. They may allow us temporarily to beat him at his own game, but they will never enable us to bring about genuine change. And this fact is only threatening to those women who still define the master’s house as their only source of support.

Wut, Gemeinheit, Gewalt – das sind patriarchale Mittel. Und sie haben durchaus ihren Platz und Berechtigung, gerade für Minoritäten, wenn es ihre ultima ratio ist. Am Ende des Tages sind Social Media und Medien allgemein, aber auch nur Systeme innerhalb des Patriarchats/Kapitalismus – die beiden sind untrennbar verbunden!!
Jedoch:
Was medial NICHT aufgegriffen wird, stirbt. In der Aufmerksamkeitsökonomie ist nicht “die Lösung” die Lösung (ja, nochmal lesen, der Satz macht Sinn), also nicht eine argumentative und logische und Konsequenzen habende Lösung – sondern das Schweigen. Schweigen und ignorieren. Das ist auch eine Form von Gewalt, mag man argumentieren, insbesondere weil sie tatsächlich auch als solche ausgeübt wird, wenn es beispielsweise um rassistische Taten geht, um Femizide, oder um Verbrechen der obersten Gesellschaftsschicht. Von Maskenskandal bis hin zu Pädophilie und Menschenhandel – was wir erfahren ist sehr wenig und geahndet wird selten was. Siehe Spahn, siehe Trump.

Doch genau hier greift Poppers Paradoxon ein und wir finden die Mitte: Zwischen Lordes Aufruf zur Liebe und brachiale Gewalt gibt es… das Schweigen. Die Nicht-Beförderung von weiterer Aufmerksamkeit.

Und wie oft juckt es mir in den Fingern, Dinge ins Internet zu schreiben die definitiv justiziabel wären!! Das tun aber schon andere – mein Wut kanalisiere ich in kreative Tätigkeit.

Also – nicht exposen. Ins Leere laufen lassen! Denn Argumente und Fakten haben da noch nie geholfen. Und: Als Spam melden!! Denn Spam ist wirtschaftlich schädigend und das interessiert Meta schon eher als Aufruf zu Gewalt, Faschismus und so.

Tschüss Twitter

Gestern habe ich den Twitter Button auf der Homepage deaktiviert.

Twitter befindet sich seit dem Verkauf an Elon Musk in freiem Fall und es ziehen sich nicht nur Werbekunden zurück, sondern auch die Nutzer*innen.
Mein Account bleibt aktiv aus pragmatischen Gründen: Search Engine Optimization. Auch weil ich meinen Netzwerk aus Journalist*innen, Autor*innen und Wissenschaftler*innen nicht verlieren will, bis man sich dann auf einer anderen Plattform neu vernetzt.

Bislang habe ich viel Wissen und auch tagesaktuelles Geschehen aus dem Netz geschöpft, entweder Berichterstattung vor Ort, Nachrichtenagenturen, die Kanäle der Politiker*innen und dazu die vielen kritischen Stimmen, die Kontext hinzugefügt haben, Dinge eingeordnet haben und vor allem wahnsinnig viel Wissen haben zirkulieren lassen.

Manche meinen, man solle die Plattform nicht kampflos dem rechten Mob überlassen, manche sind da schon lange mit neuen Konten auf BlueSky, die einzige “freie” Alternative, da Mastodon leider nicht wirklich funktioniert hat.

Istd ie zeit von Social Media vorbei? Natürlich nicht, es nimmt neue Formen an, wie TikTok und Twitch zeigen. Sind Blogs wieder in? Sie waren nie vollständig weg, sie sind mittlerweile lediglich kein Hobby mehr, sondern professionell betriebene Plattformen. Blogs bleiben DIE Quelle für spezifisches Wissen im Internet.

Also, willkommen zurück in der Zukunft.


Gefallen Dir die Texte?

Hier ist die Lippenstiftkasse:
P A Y P A L ❤️ M E

Warum ich Snapchat nicht nutze

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Für alle Services außer Live und Lokal Geschichten, sowie andere Crowdsourcing-Services gewährst du Snapchat eine weltweite, gebührenfreie, unterlizenzierbare und übertragbare Lizenz zum Hosten, Speichern, Verwenden, Anzeigen, Reproduzieren, Verändern, Anpassen, Bearbeiten, Veröffentlichen, und Verteilen dieser Inhalte. Diese Lizenz wird ausschließlich zu dem Zweck erteilt, die Services zu betreiben, weiterzuentwickeln, zur Verfügung zu stellen, zu bewerben und zu verbessern sowie neue Services zu untersuchen und zu entwickeln.

Da Live und Lokal Geschichten, sowie andere Crowdsourcing-Services grundsätzlich öffentlich und von allgemeinem Interesse sind, ist die Lizenz, die du uns in Bezug auf die an diese Services geschickten Inhalte erteilst, weiter gefasst. Zusätzlich zu den Rechten, die du uns in Verbindung mit anderen Services gewährst, gewährst du uns außerdem eine zeitlich unbegrenzte Lizenz aus den an Live und Lokal Geschichten oder sonstige Crowdsourcing-Services geschickten Inhalten abgeleitete Werke zu erstellen sowie und um derartige Inhalte zu bewerben, auszustellen, auszustrahlen, zu syndizieren, öffentlich vorzuführen und öffentlich darzustellen, und zwar in jeder Form und in beliebigen (vorhandenen oder zukünftig entwickelten) Medien und Vertriebskanälen. Im erforderlichen Ausmaß erteilst du Snapchat und unseren Geschäftspartnern zudem das uneingeschränkte, weltweit gültige und dauerhafte Recht sowie die uneingeschränkte, weltweit gültige und dauerhafte Lizenz, deinen Namen, dein Bild und deine Stimme in Lokal Geschichten oder sonstigen Crowdsourcing-Inhalten zu verwenden, soweit du in diesen Inhalten erscheinst oder diese erstellst, hochlädst, postest oder sendest. Dies bedeutet u. a., dass du keinen Anspruch auf Vergütungen von Snapchat oder unseren Geschäftspartnern hast, wenn dein Name, dein Bild oder deine Stimme im Rahmen von Live und Lokal Geschichten oder sonstigen Crowdsourcing-Services übertragen wird.

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Interessanterweise habe ich mir nie die Nutzungsbedingungen von Facebook (naja, ein wenig) oder von Twitter, wo ich sehr aktiv bin, angeschaut. Geschweige Instagram (da will ich es auch lieber nicht wissen). Doch gleich beim ersten Anlauf Snapchat zu nutzen (letztes Jahr bereits…) stolperte ich über diese AGBs. Der Hype um eine weitere Plattform, die sich monetarisieren läßt, ist das eine – ein Raum für junge Menschen, wo alte Menschen (also ich^^) sich bereits nicht mehr hintrauen, das andere. Das ist gut, dass es diesen Raum gibt und wir “Erwachsenen” dafür zu blöd sind – es ist gleichzeitig aber gruselig, welche Muster sich für die “digitalen Naiven” ergeben. Sie sind blöde Content-Schafe, die zahlen müssen, um sich ihren eigenen Content anzuschauen, der dazu von anderen zur Gewinnerzielung genutzt werden darf.

Früher gab es Ländereien und Leibeigene, heute gibt es Server und Nutzer.