Willkommen auf dem ersten Beautyblog weltweit – seit 2005

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Schönheitsideale sind klassistisch und pädophil – Stil ist das alles nicht

Okay, der Reihe nach: Schönheitsideale sind klassistisch, pädophil und dazu kolonialistisch. Das ist mir gerade noch eingefallen, ist eigentlich eine logische Schlußfolgerung aus beidem, wenn man einen Hauch Anthropologie und Kunstgeschichte kritisch betrachtet hat.

Schönheitsideale sind der Status Quo der jeweiligen Zeit und ändern sich beispielsweise mit den technischen Möglichkeiten. Früher? Korsagen: Dünne Taille. Heute? Ästhetische Chirurgie: Instagram Gesicht und Silikonbrüste. Die jeweilige Ästhetik wird von Prominenten, Medien und Werbung immer wieder reproduziert. Selbst gegenteilige Ästhetik dient letztlich dazu, die bestehende zu bestätigen.

Inwiefern sind die pädophil? Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll… die Sexualisierung von Kindern ist so alt wie die Menschheit selbst, und ich habe keinen Hintergrund dazu und will mich mit sowas auch nicht beschäftigen. Aber handfeste Beispiele kann ich geben: Extrem dünne Körper, Haarlosigkeit, große Augen und kleine Nasen. Die Bekleidungsindustrie tut ihr restliches, für meine Tochter kaufe ich nicht mehr in der Mädchenabteilung ein, das ist alles tailliert, ausgeschnitten, “sexy” und qualitativ minderwertig dazu.

Kommen wir zum Klassismus, Diskriminierung aufgrund Herkunft bzw. sozio-ökonomischen Status – gilt aber nur für arme Menschen, nicht für Reiche, falls sich das jnd frägt. Hier dient seit eh und je das Schönheitsideal der hellen Haut, keine Augenringe, keine schmutzige Kleidung und stets manikürte Hände. Also – jemand der nicht körperlich arbeitet, ausreichend schläft und vor allem sowohl die Zeit als auch die finanziellen Mittel hat, sich stets makellos zu präsentieren. Es muss dabei nicht mal besondere Kaufkraft signalisiert werden. Es ist dieses mühelose Perfekte, das den “quiet luxury” Status untermauert. Habe ich das reproduziert? Jein, ich weiß darum und nutze es, um in den bestehenden Verhältnissen weiter zu kommen.
Die Ironie dabei ist, dass in bestimmten Kreisen die Symbolik abhanden kommt – kaputte Hände vom Reiten oder Segeln? Natürlich! Kaputte Schuhe und Löcher in den Pullis? Maßgefertigt und von Opa geerbtes Kaschmir? Natürlich! Aus diesem Gründen ist es schwierig, das was die Amerikaner als “generational wealth” bezeichnen für sozio-ökonomisch aufsteigenden zu reproduzieren. Die geerbte Cartier-Uhr > über die neu angeschaffte. Hier ist das Schönheitsideal also mühelose “Gepflegtheit” und unverkennbare Qualität statt neuwertige, sichtbar teure Dinge.

Zurückkommend auf die helle Haut und generell kaukasische Gesichtszüge: Schmale gerade Nase ohne Hocker, hohe Wangenknochen und eine klare, breite Kieferkante bei Männern, das ist Kolonialismus in Reinkultur. Vermischt mit den obigen Merkmalen, je nach geographischen Gebiet. Wir können uns darauf einigen, dass helle Haut und eine schmale Nase grundsätzliche Merkmale durch die Bank sind und auch außerhalb von Europa als Schönheitsideal gelten. Durch die postkoloniale Industrialisierung und Massenmedien konnten sich diese Ideale etablieren und sind heute stärker denn je. Die fruchtbare, dicke Frau ist schon lange Zeit passé. Natürlich liegen da ein paar tausend Jahre Entwicklung und das lässts ich nicht so stark verkürzen, wie ich es hier tue, subsummierend lässt sich aber sagen: Schönheitsideale haben viele Komponenten, deren Herkunft und Konnotation furchtbar sind und mit denen wir uns nicht assoziieren sollten, besonders als Frau.

Und ich bin sehr sarkastisch aufgeladen wen ich das sage, aber: Stil ist die bewußte Auswahl und bestenfalls neue Interpretation dieser Kriterien. Ich habe schon immer bestimmte Dinge getragen, die ich heute als Unisex/Nicht-Binär identifizieren kann. Schminken ist eine uralte Kulturtechnik, da lebe ich mich künstlerisch aus. Dem Klassismus bin ich natürlich Opfer geworden, was durch meinen Lebenslauf bedingt ist, karikiere diesen immer wieder gerne. Stichwort Kapuzenpulli und Perlenkette, das ich schon vor über zehn Jahren trug – und mittlerweile gängig ist. Dem Kolonialismus entkomme ich rein optisch nicht, da ich mehrere Kriterien des Schönheitsideals erfülle: Helle Haut, hohe Wangenknochen, blabla. Da habe ich es aber geschafft, mich von kultureller Aneignung fernzuhalten, was genuin weiße Menschen in meinem Umfeld mit ihren Rastas bis heute nicht kapiert haben.

Stil kann man also theoretisch kaufen – die interdisziplinäre Beschäftigung mit Ästhetik im Rahmen von Anthropologie, Soziologie und Betriebswirtschaft sollte dabei hilfreich sein. Umso irritierender ist die Ästhetik der Überreichen, die sich hier “reinkaufen” könnten, es auch für wichtig erachten, aber nicht in der Lage sind, dies zu tun.
Damit sind die Superreichen, die sich derzeit in den Fashion-Netzwerken einkaufen können um als cool kids zu gelten, das paradoxe Beispiel und die Bestätigung dafür, dass Stil eine inhärente Eigenschaft zu sein scheint.

Meiner Meinung nach kann man Stil aber lehren und somit auch lernen. Ja, das ist wieder Werbung für mich. CioaKaKaO!

Hamburgische Staatsoper: Monster’s Paradise


Wenn man im Zuschauerraum sitzt und sich fragt, ob man sein Methylphenidat besser durch die Nase gezogen hätte – dann hat Kunst was richtig gemacht. “…ich will auch, was die zum Frühstück haben!” murmelte ich zu meinem Sitznachbarn, der lachend erwiderte: Da ist schon genug im Leitungswasser (kleine Anspielung darauf, dass Informationen über Drogenkonsum in Deutschland tatsächlich aus Abwasserwerte gewonnen werden, Grüße gehen nach Frankfurt).
Disclaimer: Kunst ist die einzige legitime Droge.

Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth haben sich selbst inszeniert, in überlebensgroßer Form – was für eine Frechheit! Frauen!! Mittelalte und alte Frauen! Sie finden im Stück als Narratorinnen statt – in Form von Vampirinnen, die sonst eher nicht existieren, und zwar als junge und alte Vampirinnen. Jelinek ernennt sich gar zur Göttin (nicht: Gott) und begleitet ebenfalls in einer Videoinstallation durch das Stück.
EDIT: Die Video-Narratorin ist Charlotte Rampling. Habe ich nicht erkannt, bin keine Cineastin.

Wie immer startet die Inszenierung im Zuschauerraum mit einigen feschen Cheerleadern, eine davon ist eine Disney Figur. Ein paar textliche Plattitüden vorweg, die man ohne Übertitel leider akustisch nicht verstehen kann, ein bisschen Kakophonie und Musikmix, soweit so un-shocking das Entree des Stücks. Das Paradies des Monsters ist in Wahrheit Mar-a-Lago, Trumps persönlicher Sündenpfuhl. Trump ist auch Mittelpunkt der Inszenierung, er und seine Begleiter, das Böse in seiner Dreifaltigkeit: Der latent grenzdebile windeltragende, adipöse Donald, eine meines Erachtens sehr gut gezeichnete Figur JD Vances, und den dritten im Bunde habe ich anfangs nicht zuordnen können – eine Hitlerwitzfigur. Eigentlich sehr deutlich erkennbar, erkannte ich es nicht. Eh, es gibt sehr viele Hitlerwitzfiguren um Trump herum, weshalb man auf Nummer Sicher ging und sich direkt für das Original Adolf entschieden hat. Persönlich würde ich hier Peter Thiel ernennen, allerdings ist das jemand, der höchstens wegen seiner unheimlich schlecht sitzenden Kleidung erkannt werden würde. Kein Wiedererkennungswert, tja.

Sehenswürdige Mentions im Bühnenbild gingen an Mommy Dommy Melania Trump (hierzu ein bisschen Entertainment bei Ali Weiss https://www.instagram.com/aliweissworld/, und an Miss Piggy und Kermit, die einzigen, die nicht in den Epstein Files auftauchen. Diese überleben leider nicht.
Der Bär. Ja, den Bären habe ich vergessen, mein Beileid an den Mitglied des Zürcher Ensembles Ruben Drole, der in diesem wahnwitzig warmen Kostüm rotköpfig sein Debut in Hamburg gibt. Was der Bär soll? Kp, also kein Plan.

Haupthandlung: Die Trivialität des Bösen, also die drei Pappnasen, die sich erstmal eine halbe Stunde lang über Wahlergebnisse echauffieren und, sich dabei selbst vorstellend und darstellend, überhöhen, trifft auf die “monströse” Natur in Form des Monsters Gorgonzilla. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, denn ich hatte mir ein übergroßes Monster vorgestellt. Mindestens drei Meter! Nun hat man allerlei Mittel benutzt, um zumindest ein Maßstab der Größe Gorgonzillas darzustellen, daher: Alles gut. Es ist ein sehr, sehr großes Monster, ja? Der Kumpel des Intendanten Rainer Sellmaier hat es echt, echt gut gemacht.

Nun hat selbst Gorgonzilla nicht so Bock auf Trump, und findet ihn selbst als monströses primus inter pares(Erster unter Gleichen, lat.) nicht geil. Übrigens, Zombies kommen auch zum Einsatz, falls jemand gerafft hat, warum und weswegen – ich wüsste es gerne. Leider bin ich eine arme Sau, die mit der Bahn fährt, was hinlänglich erklärt warum ich die Einführung verpasst habe. Und den Snack vor der Aufführung schaffte ich auch nicht, weshalb ich nach der Pause frecherweise ging, um meinen lautstark protestierenden Magen Erleichterung zu verschaffen.
So kann ich gar nicht weiter spoilern, wie nun die ignorante Bösartigkeit des Trios durch Gorgonzilla oder eine andere Gesellschaftsutopie aufgelöst wird.

Die Nachfrage für das Stück war und ist groß, das Publikum sehr aufschlußreich: Auffallend viele ältere Schwule, Szeneintelektuelle, wenige Stammgäste der Oper, die fluchtartig in der Pause den Saal verließen, und viele junge Menschen, die günstige Tickets ergattert haben, worüber sich die Vollzahler in den ersten Reihen sichtlich pikiert zeigten. Das weiß ich von den Studis, die ich überraschenderweise kannte, sogar aus erster Hand. Die Zombies durften auch in der Pause noch arbeiten, Chapeau an die Maske, das sah auch aus nächster Nähe echt eklig aus.
Hinderte mich nicht daran, mir politisch angemessen im Anschluss migrantisches Essen reinzupfeiffen, zubereitet von Ehepaar Kim. Die Reste habe ich um sieben Uhr morgens zum Frühstück verdrückt, denn das ist die einzige Droge die ich brauche, um so einen Artikel zu schreiben: Chilisauce und frittiertes Huhn.

Resümmee: Lustig, musikalisch gar nicht nervig, allerdings akustisch durchgehend unverständlich, Plot auch unverständlich, aber sehr cheek-in-tongue (haha, you see what I did there!) – wer politisch nicht auf den Stand ist, sich nicht in den sozialen Medien informiert, wird ganz viele Anspielungen nicht verstanden haben. Und hier liegt die Stärke des Stückes: Die Inszenierung als solche ist sehr gelungen, es ver-bindet alles toll zusammen. Das Bühnenbild und die Kostüme sind ausreichend symbolisch aufgeladen, so dass sie nicht mehr interpretiert werden müssen, und gleichzeitig als Überzeichnung bezeichnet werden können.
Trotzdem würde man Tobias Kratzer in den nächsten Jahren nicht zu einem Besuch in den USA raten. Hat er auch nicht vor, denn es gibt eine Station nach Hamburg, die noch attraktiver ist. You guessed right: Das Stück geht nach Zürich! Weil nicht alle diese Anspielung verstehen: Wenn man als schwule, weiße Person mehr möchte, geht man in die Schweiz. Mehr Geld, mehr Netzwerk. Ironisch genug, dass es ausgerechnet afd Weidel bestätigt.

Prüften wir das Stück nun nach “wokeness”, wie die Faschisten gerne sagen, es wäre mir als dezidierte Antifaschistin nicht genug. Es ist mir nicht einmal feministisch genug gewesen, aber das ist nun mal im weißen, Bürgi-Kontext der Autorin und der Komponistin so. Klassenkampf und Kunst lassen sich zwar nicht auseinander dividieren, aber nicht jede Kunst lässt sich darunter subsumieren.

Politisch betrachtet ist das eh so eine Sache: Das Stück zeigt mit großem, dicken geschwollenen Finger nach “da drüben”. Easy. Vor der eigenen Haustür kehren hingegen…

Wer EierSTÖCKE hÄt, wird das Stück mit schMerz, Spahn und Reiche inszenieren. Wer weiß, wenn wir den Faschismus, in dem wir drin sind, irgendwann hinter uns haben, wird es auch so ein Stück prospektiv geben – ob ich das allerdings noch erleben werde, steht in den Sternen. Nicht nur, weil die Erde vorher ein klein bisschen verbrennt, wie Monster’s Paradise bereits klimakritisch zurecht adressiert, sondern weil es sich zu lange ziehen könnte.

Denn trotz Beschneidung der Grundgesetze durch die aktuelle Regierung wird immer noch hart geleugnet, dass wir selbst ebenfalls schon längst zu Zombies in Monster’s Paradise mutiert sind.

Das erste Mal: Mit Kindern über Faschismus sprechen

Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich aus aktuellem Anlass dieses Gespräch führen muss.
Nachdem in Gießen sich die neue Hitlerjugend formierte, der demokratische Protest von der Polizei attackiert wurde, auf Befehl der aktuellen CDU Regierung, – was für ein Satz! konnte ich nicht umhin, meinem eigentlich noch viel zu jungem Kind die Lage der Welt zu erklären.
Der geschichtsinteressierte Bub, der mich mittlerweile überragt, wenn auch nur physisch, konnte beim Gespräch definitiv mithalten – immerhin wurde Deutschlands Nazivergangenheit zwar nicht aufgearbeitet, genauso wenig wie die Kolonialgeschichte, aber es taucht in Büchern auf, und wird auch Gegenstand des Unterrichts sein. Zumindest noch in dieser Legislaturperiode, kann in der nächsten schon anders aussehen.

Dazu gab es ein Video mit Gerhart Baum, der dieses Jahr verstorben ist, der eindringlich die Parallelen zu 1930 benennt. Ehemaliger Innenminister, Politiker durch und durch Zeit seines langen Lebens – er wurde 92 – und erstaunlich aktiv bis in seinen 80ern, der sich 2008 gegen den “großen Lauschangriff” organisierte und per Bundesverfassungsgerichtsurteil dafür sorgte, dass das (mittlerweile aufgeweichte) Recht auf Privatsphäre unserer Kommunikationsdaten durchgesetzt wurde, hatte einen mehr als nur prophetischen Moment, als er in einem Interview mit der Zeit bereits 2023 die Parallele von 1930 zu heute zog.
https://www.zeit.de/politik/2023-09/gerhard-baum-afd-rechtsextremismus-rechtsruck

Anschließend besprachen wir die Wehrpflicht, und die Frage nach der Notwendigkeit, seinen “Vaterland zu verteidigen”. Schon alleine diesen Satz aus dem Munde eines 12jährigen zu hören brach mir das Herz. Nach meiner Erläuterung, dass Personen die einen Krieg beschließen nicht diejenigen sind, die in den Krieg ziehen, war er nicht mehr begeistert.
Deutschland rüste sich für den dritten Weltkrieg, sagte der kleine Junge, und mir gefror das Blut in den Adern. Das ist die logische Schlussfolgerung nach dem aktuellen Beschluss des Etats, in welchem alles zurückgefahren wird was Bildung, Kunst, Kultur betrifft, aber das Rüstungsetat explodiert. Sollte das Kind Recht haben? Auch er weiß, Wirtschaftswachstum und Krieg sind nichts neues, aber nichts kluges bekanntlich.
Dass man das Grundgesetz nicht kippen können, das schien ihm ein sehr großes Anliegen zu sein. Immerhin! Aber ist das so?
https://www.bpb.de/themen/menschenrechte/grundgesetz-einfuehrung/541689/kann-das-grundgesetz-geaendert-werden/

Nun, jein.

Und hiermit entlasse ich euch in den Faschismus. Man kann Samstag, den 29.11 2025 dafür markieren, aber vielleicht gab es schon vorher einen anderen Punkt. Ich denke, dass Spahn und Weidel entweder vorzeitig Merz kippen werden oder aber in drei Jahren koalieren.

Die Geschichte wiederholt sich, das ist nichts neues, aber die “neuen Komponenten” sind interessant. Jetzt ist es nicht mehr Antisemitismus, sondern Anti-Humanismus, wir haben den Tech-Faschisten Thiel, und jede Menge Probleme, die mit Technologie nicht zu lösen sind.

Das aus mir mal eine Art Luddistin werden könnte… stand nicht auf meiner Bullshitbingokarte 2026.

Das erste Mal: Affordable Art Fair Vernissage Hamburg – der Baumarkt für Rentiers

Diesen Beitrag unter Kultur abzuspeichern tut mir schon fast weh, aber sei es drum, die eigenwillige Bubble, die sich dort herumtummelt, würde das als Kulturprogramm titulieren. Man kann sich ein Glas Wein oder gleich eine ganze Flasche kaufen, das sagt eigentlich alles. Das dritte male dass ich dieses Jahr Alkohol getrunken habe, denn nüchtern konnte ich mir das nicht geben.

Das Niveau der Kunstwerke ist okay, einiges ist fancy Baumarkt, einiges war wirklich gut, “echte” Kunst boten die drei Newcomerinnen an. Es ist eine gute Gelegenheit für Künstler*innen, Kunst loszuwerden, denn man muss ja auch von etwas leben, und “reich und berühmt” werden die wenigsten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Erfolg nichts mit der Qualität der Werke zu tun hat, sondern mit dem Netzwerk, zu dem man Zutritt hat.
Angenehm aufgefallen ist mir ein lithuanischer Künstler, der mich an frühe russische Expressionisten erinnert hat. Leider hatte ich keine 1600 Euro übrig für das eine Bild, aber wer hat:

Es ist natürlich so, dass man als Kunstkennerin schon einen Eindruck bekommt, welche Künstler*innen oder gar Werke als Inspiration dienten, man sagt auch, welcher Tradition sie folgen. Es gab viele Sachen wo ich die Augen gerollt habe, zwei haben mich regelrecht empört, und wisst ihr was? Exakt diese Sachen waren an dem Abend auch weg. Kommerzieller Erfolg > künstlerischer Erfolg, Kapitalismus sei Dank. Übrigens: beides Blümchen-Bilder.

Als ich vor einem Mohnblütenbild stand, dachte ich sofort an Baumarkt und “Love, Live, Laugh” Holzbuchstabendekor. Trivial ist nicht schlecht, hübsch ist nicht schlecht, aber es war wirklich auf Baumarkt-Niveau. Vielleicht ein Hauch japanisch, das war aber schon eine sehr wohlwollende Betrachtung. Nun ergab sich eine maximal peinliche Situation, denn am Ausgang traf ich ausgerechnet die einzige Person, die ich dort kannte, mit drei Bildern unterm Arm. Und was? Zwar nicht die schrecklichen bunten Blumen, die wirklich scheußlich waren und an Ostblock-Bettwäsche erinnerten, sondern die Mohnblumen! Und da hörte ich mich ungläubig sagen: Sie haben diese Baumarkt-Sachen gekauft?! Im Nachhinein ist das eine unglaubliche ignorante Bemerkung meinerseits gewesen, einfach weil es mir nicht zusteht.
Aber, wie mir mal jemand sagte: Geld und Geschmack treffen selten aufeinander. Quod licet bovis non licet iovis LOL Okay das war jetzt auch gemein, aber verdient.

Aber kommen wir zu den viel spannenderen Inhalten der Vernissage: Die Leute. Ich hatte mich extra nicht schwarz gekleidet wie sonst, und weil ich mit der Bahn unterwegs war, auch nicht schick gemacht, bis auf meinem knalligen Lippenstift. Oh, das war ganz und gar unpassend! Denn es war eine sehr schicke Veranstaltung, schicker als die Oper muss man sagen, aber in die Oper gehen vermutlich eher tatsächlich kulturell interessierte Menschen hin.

Die Dichte der Designerhandtaschen und Highheels war sehr hoch. Ebenfalls habe ich das erste Mal in Hamburg ordentlichen Schmuck gesehen, und ich meine damit nicht die ubiquitären Cartier Armbänder. Die Menschen waren alle sehr gut gekleidet und auch gut aussehend, eine herrlich eitle Menge. Natürlich einige junge Damen auf Männerfang, einige interessante queere Leute, aber kein Fußvolk – außer mir, die die Vernissage als Arbeitstermin verbucht hatte.
Modisch aufgefallen ist mir allerdings eine Sache: Lange Röcke, kaum Haut. Selbst die sexy Outfits wirkten züchtig. Keine dicken Menschen. Wenn wir also von Klassismus reden, dann ist es unmittelbar mit Fettfeindlichkeit verknüpft und auch mit Ableismus, herrliche Ambivalenz zu einer Ausstellung, die ausgerechnet “affordable” im Namen hat. Mir schrieb eine Followerin auf Insta: Fart Fair und… ja.
Nun wollte ich Kunst gucken, bekam stattdessen die Rentiers Hamburg zu sehen, und die harsche Realität des Kapitalismus: Stil, Geschmack, Bildung sind nichts wert ohne entsprechendes Kapital. Sind wir ehrlich, die guten Sachen lagen alle bei 6000 Euro aufwärts. Eine Skulptur, ein Bild aus aufgenähten Banknotenschnipslen, eine große Fotografie. Also, mit 20k wäre ich dabei gewesen, hätte allerdings entsprechende Arbeitsräume benötigt, um den Kram abzusetzen, wie sich das gehört.

Wer meinen Geschmack und meine Dienste in Anspruch nehmen möchte, ich bin buchbar, natürlich und gerade für Unternehmer*innen, die im Zuge eines fundierten Image Consultings von Outfit bis zur Kunst an der Wand eine kohärente Bildsprache wünschen. HMU sagt man im Internet: Hit me up!

Faschismus im Make-up: Der monochrome Braun-Trend

Wieder einmal schauen wir nach Amerika, unser Vorbild für die Installation einer faschistischen Tech-Bro-Oligarchen-Diktatur, und zeigen die alltäglichen Wirkungsmechanismen auf, die genutzt werden, um ebendies zu unterstützen.

Vorab: Ich weiß nicht was für eine Tech-Bro Gruppe in Deutschland existiert, mir scheint einfach nur dass die Milliardärsblase nicht mehr allzu viel drauf gibt, im Hintergrund zu agieren. Nehmen wir hierfür als Beispiel die Ministerin Reich und Guttenberg, sie könnte unsere nächste Kanzlerin werden.

Aber was hat nun die Farbe Braun und Schminke mit Faschismus zu tun? Es ist die Rolle der Frau im faschistischen Gedankengut, und ihr Aussehen und ihre Bestimmung. Als gute Frau ist sie sexy, modisch, jedoch dabei züchtig und zurückhaltend. So entstand die Clean-Girl Ästhetik, die ich als politisches Statement nicht auf Kette hatte, weil ich das als sichere Bank und schnelle Sache im Alltag mag.

Nun haben die weißen Influencerinnen, die diesen mühelosen Braun-Monochrom-Trend propagieren, leider auch eine große Querschnittsmenge zum rechten Gedankengut und den ganzen Pornatalisten. Es wird die “anständige” Frau repräsentiert, die “mühelos” ihre Frauenrolle ausfüllt, Mutterschaft, Fickbarkeit, und nebenbei natürlich ein Business, aber stets demütig und im Schatten ihres Mannes.

Der monochrome Braun-Trend ist das Kennzeichen und somit die Visualisierung eines bestimmten Gedankenguts. Es gibt dort “feminine” Energien und die Männer sind “Provider”, also Versorger. Wer das nicht sein kann aufgrund finanzieller Einschränkungen, wird zum Incel, und läuft in den gleichen Propagandakanal rein, halt aus der entgegengesetzen Richtung.

Die schicken weißen Insta-Frauen sind für den Incel unerreichbar, doch sind sie als Frau eines Alpha-Bros akzeptable und unantastbar, daher richtet sich der Frauenhass nicht ganz so stark auf sie, sondern auf marginalisierte Frauen, die sie nicht wollen (angeblich) aber ebenfalls unerreichbar sind (uneigentlich LOL).

Und so passiert es, dass wir unwissentlich einem Trend nachgehen, der uns unsichtbar macht. Das schon so schwierige “unsichtbare” Make-up wird zum Werkzeug einer anderen Unsichtbarmachung und Unsichtbarkeit.

Natürlich wird uns Schminke auch als Empowerment verkauft, es bleibt ein zweischneidiges Schwert, wir haben dazu auch Male Gaze und Kapitalismus. Und nein, es ist nicht möglich alles auf die Goldwaage zu legen und es bedeutet auch nicht, keinen Bronzer mehr zu nutzen. Wichtig ist es, hier differenzieren zu können, wenn es darauf ankommt. Das Bild, ja Bildwissenschaft per se, ist beileibe keine Trivialität oder reine Kunsttheorie, es ist die kulturelle, symbolische Bedeutung, die alles formt, heute mehr denn je, weil Bilder wirklich überall sind. Ja, weil Bilder und bewegte Bilder nicht nur im Alltag permanent da sind, sondern auch vermittelt.

Wer es bis hierhin geschafft hat zu lesen, hat eine Aufmerksamkeitsspanne, Gratulation!