Willkommen auf dem ersten Beautyblog weltweit – seit 2005

Seit 2005 die Referenz für einen intellektuellen Zugang zu Beauty & Fashion ❤️
Smart Skills wie Humor, kultureller Kontext und eine reflektierte Haltung ergänzen mein Fachwissen als Publizistin und Personal Stylist & Beauty Coach.
Ich schreibe aus und über meinem Alltag und mein Wissen als Frau ende Vierzig, als politische Person, Kulturwissenschaftlerin, und Unternehmerin.

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Hier ist die Lippenstiftkasse:
P A Y P A L ❤️ M E

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Creamblush aus Lippenstift

Eigentlich ein total trivialer Trick, den ich nur aufgegriffen habe, um meine unzähligen Lippenstifte aufzubrauchen, wenn es sehr schnell gehen soll.

Dafür braucht mensch einen Lippenstift und einen flüssigen Highlighter. Wer sich da die Foundation gespart hat, aber nicht den Sonnenschutz, hat bereits eine gut gepflegte Haut.
Dann direkt unter dem Auge Richtung Schläfe ein paar Striche des Lippenstifts malen, und einen Tropfen Highlighter auf dem Wangenknochen hinzufügen.
Finger nehmen und schön nach oben und zum Haaransatz verblenden.

Tadaa, fertig. Wer da ein bisschen zu viel erwischt hat, kann mit einem Hauch Concealer korrigieren.

Zack, Geld gespart, zumal Creamblushes nur in ein paar Farben daherkommen.

Ich habe Respekt vor Menschen mit Schönheitseingriffen!

You are not ugly, you are just poor.

Du bist nicht hässlich, (oder alt!), du bist nur arm.

Gerne erkläre ich, warum ich Schönheitsoperationen nicht gut finde, aber auch Frauen bewundere, die sich das antun. OPs und auch “kleinere” Eingriffe sind schmerzhaft und risikobehaftet. Botox, Filler, Peelings – geschweige denn Brustvergrößerungen, wo die Implantate regelmäßig durch eine weitere OP gewechselt werden müssen. Kosten tut das Ganze ein Vermögen, und man kann sterben. Vielleicht nicht dabei, aber dann halt hinterher. Und googelt bitte nicht das Wort Nekrose.

ABER. Wer das macht, hat einen irrsinnigen Willen und auch eine sehr hohe Schmerz- und Leidenstoleranz. Denn diese OPs sind zwar fix gemacht, aber die Heilungszeit und die damit verbundenen Schmerzen und der Aufwand im Alltag – oh mein Gott. Ganz ehrlich, ich würde sofort mein Gesicht hochtackern lassen, aber nachdem ich gesehen habe, wie die Rekonvaleszenz dazu aussieht, war ich raus. Schmerzen mag ich nicht, und selbst wenn man mich dafür bezahlen würde, würde ich es mir nicht überlegen. Ich bin eitel, aber nicht irre.

Stell dir vor: Du lässt Dir regelmäßig die Lippen aufspritzen – das ist ein besonderer Schmerz… dazu hast du dir die Haare verdichten lassen, was auch super schmerzhaft ist.
Weil das Alter nicht im Gesicht halt macht, ist die überschüssige Haut der Winkearme abgeschnitten worden. TACKER BITTE!
Dazu wurden die unteren Rippen für eine schmalere Taille entfernt – gängige brasilianische OP schon vor 20 Jahren. Und natürlich eine 360° Fettabsaugung gemacht. Danach muss man übrigens sehr lange in einem Korsett leben.
Ist das Näschen gerichtet, können wir den Fettzellen am Knie zuleibe rücken. Warum nicht.

Wenn ich mir die Boomer Prominente ansehe, die alles haben machen lassen – das läuft es mir kalt den Rücken runter. Auffälligerweise sind das dazu noch extrem schlanke Menschen, die also wirklich ein gesundheitliches Risiko durch das Untergewicht haben, bei der Narkose abzunippeln. Kleiner Herzstillstand, und aufwiedertschüss.
Ich denke da an Frau Macron und Donatella Versace, jüngst mal wieder unschön aufgefallen auch Demi Moore. Deren Schönheit wird gefeiert – ist jedoch das Ergebnis unzähliger Operationen und einer kontrollierten Magersucht.

Da kann man wirklich dankbar sein, dass einige Celebrities nicht beschönigen, wie scheiße dieser Schönheitswahn ist. Der Designer Marc Jacobs hat seine Gesishtsverjüngung medial begleitet und gezeigt, dass selbst die besten Umstände und Fürsorge nichts daran ändern, dass es ein massiv schmerzhafter Eingriff ist.

Ja, Schönheit und Leid sind seit Jahrtausenden synonym zu verwenden. Mensch sollte meinen, dass die menschliche, intellektuelle und auch wissenschaftliche Entwicklung uns von so einer Dichotomie emanzipiert hätten, aber: Pustekuchen!

Ich respektiere diese Frauen, die alles tun, um ihr Ding durchzuziehen.
Denn sie wissen, dass sie die Welt nicht ändern können, weshalb sie sich um jeden Preis an der (Scheiß-)Welt anpassen, um zu ihrem Ziel zu kommen. Und der wäre? Keine Ahnung. Ein Ziel, das nur mir dient, erachte ich in meiner unglaublichen Arroganz als zu wenig und zu klein.

Aber wie soll man die Welt ändern fragst Du!! Alleine?!!

Ja, dann frage ich mich wie der menschliche Fortschritt geschah und Dinge wie Menschenrechte, Arbeiter*innenrechte und Frauenrechte überhaupt aufkamen. Haben da womöglich Menschen in Gemeinschaften etwas Größeres als sich selbst angestrebt?!

Ja, sorry, ich habe vielleicht Respekt, aber keine Achtung.

Schönheitsideale sind klassistisch und pädophil – Stil ist das alles nicht

Okay, der Reihe nach: Schönheitsideale sind klassistisch, pädophil und dazu kolonialistisch. Das ist mir gerade noch eingefallen, ist eigentlich eine logische Schlußfolgerung aus beidem, wenn man einen Hauch Anthropologie und Kunstgeschichte kritisch betrachtet hat.

Schönheitsideale sind der Status Quo der jeweiligen Zeit und ändern sich beispielsweise mit den technischen Möglichkeiten. Früher? Korsagen: Dünne Taille. Heute? Ästhetische Chirurgie: Instagram Gesicht und Silikonbrüste. Die jeweilige Ästhetik wird von Prominenten, Medien und Werbung immer wieder reproduziert. Selbst gegenteilige Ästhetik dient letztlich dazu, die bestehende zu bestätigen.

Inwiefern sind die pädophil? Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll… die Sexualisierung von Kindern ist so alt wie die Menschheit selbst, und ich habe keinen Hintergrund dazu und will mich mit sowas auch nicht beschäftigen. Aber handfeste Beispiele kann ich geben: Extrem dünne Körper, Haarlosigkeit, große Augen und kleine Nasen. Die Bekleidungsindustrie tut ihr restliches, für meine Tochter kaufe ich nicht mehr in der Mädchenabteilung ein, das ist alles tailliert, ausgeschnitten, “sexy” und qualitativ minderwertig dazu.

Kommen wir zum Klassismus, Diskriminierung aufgrund Herkunft bzw. sozio-ökonomischen Status – gilt aber nur für arme Menschen, nicht für Reiche, falls sich das jnd frägt. Hier dient seit eh und je das Schönheitsideal der hellen Haut, keine Augenringe, keine schmutzige Kleidung und stets manikürte Hände. Also – jemand der nicht körperlich arbeitet, ausreichend schläft und vor allem sowohl die Zeit als auch die finanziellen Mittel hat, sich stets makellos zu präsentieren. Es muss dabei nicht mal besondere Kaufkraft signalisiert werden. Es ist dieses mühelose Perfekte, das den “quiet luxury” Status untermauert. Habe ich das reproduziert? Jein, ich weiß darum und nutze es, um in den bestehenden Verhältnissen weiter zu kommen.
Die Ironie dabei ist, dass in bestimmten Kreisen die Symbolik abhanden kommt – kaputte Hände vom Reiten oder Segeln? Natürlich! Kaputte Schuhe und Löcher in den Pullis? Maßgefertigt und von Opa geerbtes Kaschmir? Natürlich! Aus diesem Gründen ist es schwierig, das was die Amerikaner als “generational wealth” bezeichnen für sozio-ökonomisch aufsteigenden zu reproduzieren. Die geerbte Cartier-Uhr > über die neu angeschaffte. Hier ist das Schönheitsideal also mühelose “Gepflegtheit” und unverkennbare Qualität statt neuwertige, sichtbar teure Dinge.

Zurückkommend auf die helle Haut und generell kaukasische Gesichtszüge: Schmale gerade Nase ohne Hocker, hohe Wangenknochen und eine klare, breite Kieferkante bei Männern, das ist Kolonialismus in Reinkultur. Vermischt mit den obigen Merkmalen, je nach geographischen Gebiet. Wir können uns darauf einigen, dass helle Haut und eine schmale Nase grundsätzliche Merkmale durch die Bank sind und auch außerhalb von Europa als Schönheitsideal gelten. Durch die postkoloniale Industrialisierung und Massenmedien konnten sich diese Ideale etablieren und sind heute stärker denn je. Die fruchtbare, dicke Frau ist schon lange Zeit passé. Natürlich liegen da ein paar tausend Jahre Entwicklung und das lässts ich nicht so stark verkürzen, wie ich es hier tue, subsummierend lässt sich aber sagen: Schönheitsideale haben viele Komponenten, deren Herkunft und Konnotation furchtbar sind und mit denen wir uns nicht assoziieren sollten, besonders als Frau.

Und ich bin sehr sarkastisch aufgeladen wen ich das sage, aber: Stil ist die bewußte Auswahl und bestenfalls neue Interpretation dieser Kriterien. Ich habe schon immer bestimmte Dinge getragen, die ich heute als Unisex/Nicht-Binär identifizieren kann. Schminken ist eine uralte Kulturtechnik, da lebe ich mich künstlerisch aus. Dem Klassismus bin ich natürlich Opfer geworden, was durch meinen Lebenslauf bedingt ist, karikiere diesen immer wieder gerne. Stichwort Kapuzenpulli und Perlenkette, das ich schon vor über zehn Jahren trug – und mittlerweile gängig ist. Dem Kolonialismus entkomme ich rein optisch nicht, da ich mehrere Kriterien des Schönheitsideals erfülle: Helle Haut, hohe Wangenknochen, blabla. Da habe ich es aber geschafft, mich von kultureller Aneignung fernzuhalten, was genuin weiße Menschen in meinem Umfeld mit ihren Rastas bis heute nicht kapiert haben.

Stil kann man also theoretisch kaufen – die interdisziplinäre Beschäftigung mit Ästhetik im Rahmen von Anthropologie, Soziologie und Betriebswirtschaft sollte dabei hilfreich sein. Umso irritierender ist die Ästhetik der Überreichen, die sich hier “reinkaufen” könnten, es auch für wichtig erachten, aber nicht in der Lage sind, dies zu tun.
Damit sind die Superreichen, die sich derzeit in den Fashion-Netzwerken einkaufen können um als cool kids zu gelten, das paradoxe Beispiel und die Bestätigung dafür, dass Stil eine inhärente Eigenschaft zu sein scheint.

Meiner Meinung nach kann man Stil aber lehren und somit auch lernen. Ja, das ist wieder Werbung für mich. CioaKaKaO!

Hamburgische Staatsoper: Monster’s Paradise


Wenn man im Zuschauerraum sitzt und sich fragt, ob man sein Methylphenidat besser durch die Nase gezogen hätte – dann hat Kunst was richtig gemacht. “…ich will auch, was die zum Frühstück haben!” murmelte ich zu meinem Sitznachbarn, der lachend erwiderte: Da ist schon genug im Leitungswasser (kleine Anspielung darauf, dass Informationen über Drogenkonsum in Deutschland tatsächlich aus Abwasserwerte gewonnen werden, Grüße gehen nach Frankfurt).
Disclaimer: Kunst ist die einzige legitime Droge.

Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth haben sich selbst inszeniert, in überlebensgroßer Form – was für eine Frechheit! Frauen!! Mittelalte und alte Frauen! Sie finden im Stück als Narratorinnen statt – in Form von Vampirinnen, die sonst eher nicht existieren, und zwar als junge und alte Vampirinnen. Jelinek ernennt sich gar zur Göttin (nicht: Gott) und begleitet ebenfalls in einer Videoinstallation durch das Stück.
EDIT: Die Video-Narratorin ist Charlotte Rampling. Habe ich nicht erkannt, bin keine Cineastin.

Wie immer startet die Inszenierung im Zuschauerraum mit einigen feschen Cheerleadern, eine davon ist eine Disney Figur. Ein paar textliche Plattitüden vorweg, die man ohne Übertitel leider akustisch nicht verstehen kann, ein bisschen Kakophonie und Musikmix, soweit so un-shocking das Entree des Stücks. Das Paradies des Monsters ist in Wahrheit Mar-a-Lago, Trumps persönlicher Sündenpfuhl. Trump ist auch Mittelpunkt der Inszenierung, er und seine Begleiter, das Böse in seiner Dreifaltigkeit: Der latent grenzdebile windeltragende, adipöse Donald, eine meines Erachtens sehr gut gezeichnete Figur JD Vances, und den dritten im Bunde habe ich anfangs nicht zuordnen können – eine Hitlerwitzfigur. Eigentlich sehr deutlich erkennbar, erkannte ich es nicht. Eh, es gibt sehr viele Hitlerwitzfiguren um Trump herum, weshalb man auf Nummer Sicher ging und sich direkt für das Original Adolf entschieden hat. Persönlich würde ich hier Peter Thiel ernennen, allerdings ist das jemand, der höchstens wegen seiner unheimlich schlecht sitzenden Kleidung erkannt werden würde. Kein Wiedererkennungswert, tja.

Sehenswürdige Mentions im Bühnenbild gingen an Mommy Dommy Melania Trump (hierzu ein bisschen Entertainment bei Ali Weiss https://www.instagram.com/aliweissworld/, und an Miss Piggy und Kermit, die einzigen, die nicht in den Epstein Files auftauchen. Diese überleben leider nicht.
Der Bär. Ja, den Bären habe ich vergessen, mein Beileid an den Mitglied des Zürcher Ensembles Ruben Drole, der in diesem wahnwitzig warmen Kostüm rotköpfig sein Debut in Hamburg gibt. Was der Bär soll? Kp, also kein Plan.

Haupthandlung: Die Trivialität des Bösen, also die drei Pappnasen, die sich erstmal eine halbe Stunde lang über Wahlergebnisse echauffieren und, sich dabei selbst vorstellend und darstellend, überhöhen, trifft auf die “monströse” Natur in Form des Monsters Gorgonzilla. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, denn ich hatte mir ein übergroßes Monster vorgestellt. Mindestens drei Meter! Nun hat man allerlei Mittel benutzt, um zumindest ein Maßstab der Größe Gorgonzillas darzustellen, daher: Alles gut. Es ist ein sehr, sehr großes Monster, ja? Der Kumpel des Intendanten Rainer Sellmaier hat es echt, echt gut gemacht.

Nun hat selbst Gorgonzilla nicht so Bock auf Trump, und findet ihn selbst als monströses primus inter pares(Erster unter Gleichen, lat.) nicht geil. Übrigens, Zombies kommen auch zum Einsatz, falls jemand gerafft hat, warum und weswegen – ich wüsste es gerne. Leider bin ich eine arme Sau, die mit der Bahn fährt, was hinlänglich erklärt warum ich die Einführung verpasst habe. Und den Snack vor der Aufführung schaffte ich auch nicht, weshalb ich nach der Pause frecherweise ging, um meinen lautstark protestierenden Magen Erleichterung zu verschaffen.
So kann ich gar nicht weiter spoilern, wie nun die ignorante Bösartigkeit des Trios durch Gorgonzilla oder eine andere Gesellschaftsutopie aufgelöst wird.

Die Nachfrage für das Stück war und ist groß, das Publikum sehr aufschlußreich: Auffallend viele ältere Schwule, Szeneintelektuelle, wenige Stammgäste der Oper, die fluchtartig in der Pause den Saal verließen, und viele junge Menschen, die günstige Tickets ergattert haben, worüber sich die Vollzahler in den ersten Reihen sichtlich pikiert zeigten. Das weiß ich von den Studis, die ich überraschenderweise kannte, sogar aus erster Hand. Die Zombies durften auch in der Pause noch arbeiten, Chapeau an die Maske, das sah auch aus nächster Nähe echt eklig aus.
Hinderte mich nicht daran, mir politisch angemessen im Anschluss migrantisches Essen reinzupfeiffen, zubereitet von Ehepaar Kim. Die Reste habe ich um sieben Uhr morgens zum Frühstück verdrückt, denn das ist die einzige Droge die ich brauche, um so einen Artikel zu schreiben: Chilisauce und frittiertes Huhn.

Resümmee: Lustig, musikalisch gar nicht nervig, allerdings akustisch durchgehend unverständlich, Plot auch unverständlich, aber sehr cheek-in-tongue (haha, you see what I did there!) – wer politisch nicht auf den Stand ist, sich nicht in den sozialen Medien informiert, wird ganz viele Anspielungen nicht verstanden haben. Und hier liegt die Stärke des Stückes: Die Inszenierung als solche ist sehr gelungen, es ver-bindet alles toll zusammen. Das Bühnenbild und die Kostüme sind ausreichend symbolisch aufgeladen, so dass sie nicht mehr interpretiert werden müssen, und gleichzeitig als Überzeichnung bezeichnet werden können.
Trotzdem würde man Tobias Kratzer in den nächsten Jahren nicht zu einem Besuch in den USA raten. Hat er auch nicht vor, denn es gibt eine Station nach Hamburg, die noch attraktiver ist. You guessed right: Das Stück geht nach Zürich! Weil nicht alle diese Anspielung verstehen: Wenn man als schwule, weiße Person mehr möchte, geht man in die Schweiz. Mehr Geld, mehr Netzwerk. Ironisch genug, dass es ausgerechnet afd Weidel bestätigt.

Prüften wir das Stück nun nach “wokeness”, wie die Faschisten gerne sagen, es wäre mir als dezidierte Antifaschistin nicht genug. Es ist mir nicht einmal feministisch genug gewesen, aber das ist nun mal im weißen, Bürgi-Kontext der Autorin und der Komponistin so. Klassenkampf und Kunst lassen sich zwar nicht auseinander dividieren, aber nicht jede Kunst lässt sich darunter subsumieren.

Politisch betrachtet ist das eh so eine Sache: Das Stück zeigt mit großem, dicken geschwollenen Finger nach “da drüben”. Easy. Vor der eigenen Haustür kehren hingegen…

Wer EierSTÖCKE hÄt, wird das Stück mit schMerz, Spahn und Reiche inszenieren. Wer weiß, wenn wir den Faschismus, in dem wir drin sind, irgendwann hinter uns haben, wird es auch so ein Stück prospektiv geben – ob ich das allerdings noch erleben werde, steht in den Sternen. Nicht nur, weil die Erde vorher ein klein bisschen verbrennt, wie Monster’s Paradise bereits klimakritisch zurecht adressiert, sondern weil es sich zu lange ziehen könnte.

Denn trotz Beschneidung der Grundgesetze durch die aktuelle Regierung wird immer noch hart geleugnet, dass wir selbst ebenfalls schon längst zu Zombies in Monster’s Paradise mutiert sind.

Das erste Mal: Mit Kindern über Faschismus sprechen

Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich aus aktuellem Anlass dieses Gespräch führen muss.
Nachdem in Gießen sich die neue Hitlerjugend formierte, der demokratische Protest von der Polizei attackiert wurde, auf Befehl der aktuellen CDU Regierung, – was für ein Satz! konnte ich nicht umhin, meinem eigentlich noch viel zu jungem Kind die Lage der Welt zu erklären.
Der geschichtsinteressierte Bub, der mich mittlerweile überragt, wenn auch nur physisch, konnte beim Gespräch definitiv mithalten – immerhin wurde Deutschlands Nazivergangenheit zwar nicht aufgearbeitet, genauso wenig wie die Kolonialgeschichte, aber es taucht in Büchern auf, und wird auch Gegenstand des Unterrichts sein. Zumindest noch in dieser Legislaturperiode, kann in der nächsten schon anders aussehen.

Dazu gab es ein Video mit Gerhart Baum, der dieses Jahr verstorben ist, der eindringlich die Parallelen zu 1930 benennt. Ehemaliger Innenminister, Politiker durch und durch Zeit seines langen Lebens – er wurde 92 – und erstaunlich aktiv bis in seinen 80ern, der sich 2008 gegen den “großen Lauschangriff” organisierte und per Bundesverfassungsgerichtsurteil dafür sorgte, dass das (mittlerweile aufgeweichte) Recht auf Privatsphäre unserer Kommunikationsdaten durchgesetzt wurde, hatte einen mehr als nur prophetischen Moment, als er in einem Interview mit der Zeit bereits 2023 die Parallele von 1930 zu heute zog.
https://www.zeit.de/politik/2023-09/gerhard-baum-afd-rechtsextremismus-rechtsruck

Anschließend besprachen wir die Wehrpflicht, und die Frage nach der Notwendigkeit, seinen “Vaterland zu verteidigen”. Schon alleine diesen Satz aus dem Munde eines 12jährigen zu hören brach mir das Herz. Nach meiner Erläuterung, dass Personen die einen Krieg beschließen nicht diejenigen sind, die in den Krieg ziehen, war er nicht mehr begeistert.
Deutschland rüste sich für den dritten Weltkrieg, sagte der kleine Junge, und mir gefror das Blut in den Adern. Das ist die logische Schlussfolgerung nach dem aktuellen Beschluss des Etats, in welchem alles zurückgefahren wird was Bildung, Kunst, Kultur betrifft, aber das Rüstungsetat explodiert. Sollte das Kind Recht haben? Auch er weiß, Wirtschaftswachstum und Krieg sind nichts neues, aber nichts kluges bekanntlich.
Dass man das Grundgesetz nicht kippen können, das schien ihm ein sehr großes Anliegen zu sein. Immerhin! Aber ist das so?
https://www.bpb.de/themen/menschenrechte/grundgesetz-einfuehrung/541689/kann-das-grundgesetz-geaendert-werden/

Nun, jein.

Und hiermit entlasse ich euch in den Faschismus. Man kann Samstag, den 29.11 2025 dafür markieren, aber vielleicht gab es schon vorher einen anderen Punkt. Ich denke, dass Spahn und Weidel entweder vorzeitig Merz kippen werden oder aber in drei Jahren koalieren.

Die Geschichte wiederholt sich, das ist nichts neues, aber die “neuen Komponenten” sind interessant. Jetzt ist es nicht mehr Antisemitismus, sondern Anti-Humanismus, wir haben den Tech-Faschisten Thiel, und jede Menge Probleme, die mit Technologie nicht zu lösen sind.

Das aus mir mal eine Art Luddistin werden könnte… stand nicht auf meiner Bullshitbingokarte 2026.