Für Blasphemie bin ich weniger bekannt, zumal ich nun im Alter mich dem Glauben an Gott gewandt habe. Mangels Perspektive auf irdischer Seite, muss ich sagen, denn wenn alle so durchdrehen, muss ich an das gasförmige flüssige Dings glauben, um selbst klar zu kommen.
Meine Gedanken haben lange mariniert und ich habe sehr viele Meinungen zum Thema Leihmutterschaft auf Social Media gelesen, der Tenor der nicht Betroffenen, die also Eltern werden könne, lautete dabei: NEIN. Der Tenor der Frauen: NEIN. Der Tenor der medialen Öffentlichkeit: “Man muss darüber reden.”
Reden wir also darüber.
Ich werde meinen persönliche Senf erst zum Ende geben, schauen wir uns erstmal die Fakten an.
Eine Schwangerschaft ist immer ein Risiko und dieser wird durch künstliche Befruchtung erhöht. Frau kann also schon vorher durch die Gabe der Hormone zwecks Vorbereitung des Ganzen sterben. Wird da noch rumtransferiert von A nach B, sind es dann auch zwei betroffene Frauen. Männer müssen auch eine saubere Weste haben, aber das tut denen bestenfalls gut (Diät und Antibiose).
Bei der Geburt können sowohl Mutter als auch Kind sterben.
Wieviel ist das einem wert? Zwei hundert Tausend Euro?? Eine Million? Zwei??
Da es keine automatische Bindung gibt durch das Gebären – zumindest nicht am Anfang, die Natur wartet erst mal ab ob beide Parteien überleben und lässt die Bindung entstehen durch Kontakt, könnte man hier sagen, naja, wird schon gehen.
Zum Thema unerfüllter Kinderwunsch kann ich auch nur zweiter Hand davon berichten: Es wird zur Obsession und konsumiert alles im Alltag der Betroffenen. Eine Sache, die man schwer nachempfinden kann, aber sicherlich nachvollziehen kann. Adoption ist ein behördlicher Alptraum und für gleichgeschlechtliche Paare zwar irgendwie möglich, aber die gängige Lösung von drei Eltern hat in DE keine rechtliche Grundlage. So können zwei Frauen den biologischen Vater zwar mit einbinden, er ist aber kein Elternteil, zwei Männer und die Mutter können es auch so regeln, aber die Mutter muss dann, wenn ich es rechtlich richtig erfasst habe, wohl auf ihr Sorgerecht verzichten?!, und der zweite Vater kann nur später adoptieren.
Ja, aber hat man ein “Anrecht” auf leibliche Kinder? Man hat ein Anrecht auf sein Leben, danke Grundgesetz, auf Fortsetzung seiner Genetik rein rechtlich nicht.
Hier kommen wir zum Kern des Problems: Wenn Männer unbedingt ihre Gene weiter geben wollen, tun sie das in der Regel gewaltsam, die Geschichte hat reichlich Vorfälle. Die Mythologie dreht sich überwiegend um Vergewaltigungen. Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt, sie kann auch psychologisch oder finanziell sein, es bleibt eine Facette von Machtmissbrauch. So ist das Erzwingen einer potentiellen Schwangerschaft beim sonst konsensualen Geschlechtsverkehr mittlerweile auch strafbar.
Die Situation, die bei einer Leihmutterschaft entsteht, kann durchaus als gewaltsam empfunden werden: Die Leihmutter ist durch ökonomischen Zwang dazu entschlossen, ihr Leben in die Waagschale zu geben. Wenn es sauber abläuft und sie tatsächlich Geld bekommt; oft ist es auch nicht der Fall, denn ja, es gibt Menschenhandel. Hier sind also alle Parteien rechtlich gesehen freiwillig im Vertrag.
Man muss natürlich weitere Dinge fragen: Was ist mit den anderen befruchteten Embryonen? Es wird ja auch nach Geschlecht und Qualität ausgewählt. Wenn das erlaubt ist, warum ist eine Abtreibung nicht erlaubt? Und warum ist Leihmutterschaft nie ein Thema für eine Millionärin, die eh nix zu tun hat, mal ein Kind so für Freunde auszutragen?
In allen Fällen tragen Frauen immer das Risiko – Frauen, die ihren Körper nicht hergeben wollen oder können und stattdessen bezahlen, müssen trotzdem für die Ei Entnahme ein Risiko tragen. Männer… nicht. Männer, die dann noch ein männliches Embryo auswählen und sich im Kreise totalitärer, frauenhassender anderer Männer bewegen, – da sieht es dann schon wieder ein bisschen eklig aus. Man kann sich denken, an wen ich dabei denke.
Nun hat man mit Maria aus der Bibel ein interessantes Beispiel einer Leihmutterschaft, in der ein Gott (männlich gelesen in fast allen Kulturen) eine Frau geschwängert hat und diese einen Propheten, natürlich männlich, zur Welt gebracht hat. Zumindest dieser Teil soll sich halbwegs friedlich zugetragen haben. Entstanden ist ein Mann – dabei trägt die Frau das Erbgut weiter, aber Frauen kommen im Christentum nicht in weiteren Hauptrollen vor.
Kehren wir nun zur Anfangsfrage zurück: Wieviel wäre es mir wert, wäre es dir wert, mit erhöhten Risiko eine Schwangerschaft durchzuziehen, zu gebären, und dann das Kind weg zu geben?
Also Todesrisiko, unheimliche Schmerzen, und eine psychologische Macke für den Rest des Lebens.
Wieviel ist das Wert? In Zeiten von Milliardären sollte man meinen dass es sehr viel Geld wert ist, in Zeiten steigender Armut und Verteilungsungerechtigkeit: Angebot und Nachfrage – es wird billiger…
Die Frage möge sich nun jedeR selbst beantworten. Männer tragen keinerlei Risiko, ich weiß nicht inwiefern sie da was dazu sagen sollten.
Ich persönlich sehe das so:
Ich habe Kinder, und ich liebe Kinder. Aber ich liebe alle Kinder und es wäre mir humpe, ob sie aus meiner oder einer anderen Vagina rauskamen.
Eine Adoption habe ich nie erwogen, geistige Unreife hat diesen Gedanken gar nicht aufkommen lassen. Gerade im Alter würde ich dafür plädieren. Du willst mit 52 doch noch Kinder? Adoptiere eines, das schon älter ist.
Natürlich wäre es schön wenn alle Kinder haben – müssen es unbedingt leibliche sein?! Fuck nein, und Babys müssen es auch nicht sein. Ein guter Eltern zu sein ist ein Weg, den man mit dem Kind gehen muss, und das Kind kann dafür auch älter sein. Ja, es ist anstrengender dann.
Der Shortcut? Die dreiteilige Elternschaft für gleichgeschlechtliche Paare, insofern alle einigermaßen familiär verbunden sein wollen. Es gibt genug Alleinerziehende, also können sich ein bis zwei Elternteile ohnehin immer verpissen, aber bei einer legalen Grundlage kann man davon ausgehen, dass man sich einig geworden ist. Co-parenting geht schließlich auch für getrennte Paare mit Kindern. Ja, da könnte man auch über die Finanzierung einer IVF sprechen. Müssen dann alle drei heiraten halt. Ja, das sprengt die “natürliche” Ordnung LOL
Andere Frage: Interessiert sich hier eigentlich irgendjemand für die Kinder oder sind sie ein schwer zu bekommendes Accessoire, ähnlich einer Hermès Quota-bag, für die man erstmal eine Einkaufshistorie in sechsstelligem Bereich haben muss??
Wie immer in solchen Fragen, es gibt verschieden Perspektiven und die rechtliche zeigt eindeutig, wie wenig solche Sachen von einer LLM, umgangssprachlich KI genannt, überlassen werden sollen.
Dass ökonomische Macht in der Realität darüber entscheidet, sollte nicht so ein, und dafür müssen wir zwei Dinge hinterfragen: Das kapitalistisch-faschistische System per se und die inhärente Frage, ob Frauen Menschen sind.
Und – Ob man immer den bequemen Weg gehen darf? Wer eine Utopie zum Thema sehen möchte, der Film “Die Insel” mit Scarlett Johannsen ist eine Aufbereitung dessen, was man könnte, und ob man es sollte. Ich werde Tag meines Lebens Alpträume davon haben, daher überlegt euch gut, ob ihr euch den Film anschaut.