Danke Pandemie

Ich meine das völlig ernst. Es ist mir ein Bedürfnis, inmitten dieser vollkommen surrealen Scheißzeit für sehr viele Dinge dankbar zu sein, und mit viel Erstaunen zu beobachten, was auf einmal alles geht.

Eine kleine Auflistung unterschiedlichster Dinge, die ich in letzter Zeit gesehen habe: Natürlich über das WWW, denn ich verlasse meine eigenen vier Wände nicht.
#SOCIALDISTANCING
Vorweg bin ich für eine Sache nicht dankbar: Mein Gehirn läuft auf Hochtouren, blendet jedoch vieles aus, und so muss ich ständig für mich selbstverständliche Fremdwörter nachschlagen, weil ich mir über deren Bedeutung nicht mehr sicher bin. Grammatik, Interpunktion und mein komplexes Sprachvokabular sind flöten, und das dürfte nicht nur bei mir der Fall sein. In diesen Zeiten (höhö Euphemismus) reduziert auch das Gehirn seinen Betrieb und geht auf Surviavalmodus, denn es befindet sich in einem permanenten Alarmzustand. Der Grund warum auch viele über extreme Müdigkeit klagen.

Nevertheless:

– Ich habe ein Bild gesehen, auf welchem Aldi und oder Edeka per digitalisierter Fußmatte die Zahl der Einkäuferinnen festhält und so den Zugang zum Laden limitieren kann, ohne zusätzliches Personal. Ja, es entfällt jemand vor dem Laden, der eh im Mindestlohnbereich arbeitete, dafür gibt es ein paar Leute mehr, die sich um diese digitale Fußmatte kümmern müssen-es ist eben ein anderer Job, der mehr Anspruch hat, und das sollte in einem der führenden Industrieländer (höhö das war mal höhö) doch möglich sein, diese Menschen entsprechend auszubilden (HÖHÖ HÖHÖ was ein beispielloses Scheitern, wie unser Bildungssystem gerade zeigt!! aber es kann noch was werden)

– Sehr dankbar bin ich für Social Distancing. Misanthropin und Soziophobin die ich auch bin, mag ich die physischen Räume, die auf einmal vorhanden und vor allem möglich sind. Natürlich sind die Schwanzträger immer noch rücksichtslos unterwegs, aber derer wird frau auch noch Herrin.

– Zeit. Und ich meine nicht dass wir Zeit haben, sondern dass wir Zeit viel bewusster wahrnehmen, weil sie zum Teil so monoton abläuft: Welcher Wochentag? Welche Uhrzeit? Alles ist durchgetaktet und ich fühle mich häufig gestresst, zeitgleich weiß ich, dass es kein “danach” oder “wenn wieder alles normal ist” gibt. Die Zeit, in der ich jetzt bin (oh ist das deep!) ist das eigentliche Leben, und Zeit einfach nur eine pragmatische Aufteilung und bestenfalls ein kapitalistisches Konstrukt (ES WIRD IMMER DEEPER IHR MERKT ES)

– Digitalisierung. Mein feuchter Traum wird allmählich wahr, und es wird noch sehr, sehr viel zu tun geben! Endlich gehen digitale Lösungen, wenn Homeoffice bzw. WFH work form home auch suckt ohne Ende, aber es passiert was. Es wird in Zukunft notwendig sein, Kommunikation nicht für uns als Menschen anders zu gestalten, aber anders zu strukturieren, und die unglaubliche Problematik die damit auf uns zukommt, die Nachhaltigkeit der Digitalisierung mit GreenIT, die Nachhaltigkeit der digitalen Kommunikation mit Intersektionalität, Datenschutz und Transparenz, kommt uns entgegengeschleudert. Das ist für mich gerade als würde ich den Traum leben! Ich muss mich dahingehend noch ein wenig sortieren, aber eigentlich ist schon alles da.

– Selbstbeobachtung. Da mir Menschen zum Studium zumindest so gut wie nur digital begegnen, hallo Tinder, hallo Zoom, hallo BigBluebutton, habe ich die unglaublich kostbare Gelegenheit mich mit mir zu beschäftigen. Zwangsweise, wobei ich durch eine Verkettung glücklicher Zufälle, Riesling, Zigaretten und einem 5er BMW, mein Alter Ego getroffen habe und da im “geistigen Sparring” bin. Zwangsweise ist es eigentlich gar nicht. Es war vermutlich an der Zeit, nachdem ich erfolgreich mein Leben gegen die Wand gefahren habe, zwar gemäßigt und im E-Type, um festzustellen, dass es nichts geileres als Unfälle gibt.

– Drogenentzug in jeglicher Hinsicht: Reduktion auf das Wesentliche, geshoppt wird für die Kinder, Make-up hat sich erledigt – SCHERZ!!!!!!!!!!!!! und überhaupt, so viel “I have zero fucks to give”. Mir ist so vieles egal geworden, ich laufe zum Teil völlig verlottert herum und weiß, ich bin geil, noch geiler weil ich mich selbst nicht mehr auf das Äußere reduziere, was für eine sehr eitle Person quasi die Steigerung ist. BEYOND CAMP!!

Zwei Sachen, an welchen ich allerdings extrem leide, ist dass ich kein Sport machen kann.
Und Interpunktion.

Save the planet – unsubscribe

…macht Ihr Euch gedanken wegen der Klimakrise? Ich hätte da ein Tipp für Euch, der ein paar Minuten Zeit kostet und gaaanz viel spart: Strom, Strom, Strom und materielle Ressourcen wie Edelmetalle und Plaste, und klimatisierte Schränke und ach…

Unsubscribe.

Jede versendete E-Mail verbraucht Ressourcen. Jeder Newsletter, jede Spammail, jeder Bit der über die Leitungen geht. Und jede Menge Zeit und Aufmerksamkeit, die Euch verloren geht beim aussortieren.
Dank dem nun streng durchgesetzten Datenschutzgesetz haben nun alle seriösen Anbieter einen meist am Ende der Mail versteckten Link um den Newsletter zu kündigen. Es istr echt nervig, aber es lohnt sich. Mein Posteingang ist so gut wie leer, wer was von mir will schickt ohnehin eine Brieftaube oder gar eine persönliche Nachricht bei Twitter.

Unsubscribe shopping, unsubscribe übermässigen Fleischkonsum, unsubscribe permanente technische Neukäufe.
Ja, doch, es ist zynisch auf einen Beautyblog, aber es zählt wirklich alles.

Lernen

Ich therapiere mich hier ein wenig selbst, so wie es so mancher Mensch auf Twitter tut. Und ich sitze hier und prokrastiniere “richtige” und wichtige Arbeit, und eigentlich bin ich müde, es ist zu heiß, aber es geht mir gut.

Stellt Dir vor, Du fährst Dein perfektes Leben gegen die Wand und auch wenn Du manchmal denkst, OH FUCK was tue ich hier, es fühlt sich richtig an und es tut Dir nicht leid. Ist es dann richtig?
Diese Frage muss man nicht mehr beantworten…!

Weil man sich in Krisensituationen sehr viel um sich selbst und in sich dreht, habe ich viel über mich gelernt, und das ist hoffentlich nicht nur für mich gut, sondern macht mich für meine Umwelt erträglicher. Interessant dabei war der Konsens von Menschen, die mich sehr gut kennen, dass ich brutal ehrlich mit mir bin. Das führt natürlich gewissermaßen zu einer gefühlten, also subjektiv empfundenen Rücksichtslosigkeit meiner Umwelt gegenüber. Aber wenn man ehrlich zu sich ist, was weh tut, ist man auch immer jemand der seine Mängel anerkennt und die Möglichkeit hat zu lernen. Zum Beispiel dass man brutale Ehrlichkeit nicht immer seiner Umwelt zumuten kann.

Das Angebot an Coachings und Zeug ist gefühlt so groß wie noch nie. Geht es um Selbstoptimierung? Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir genau das tun, etwas anstreben was keinen interessiert, denn wozu dieses ganze Wissen über sich selbst? Ich mag keinen Hering, na super, schöne Erkenntnis.

Glücklicherweise sprach ich darüber mit, na, wie sollte es sein, mit einer Coachin. Jemand, der richtig gut ist, so mein Eindruck, zwar eine völlig andere Einstellung zu Dingen hat, aber vielleicht umso mehr einen bereichert, weil die extrem entgegengesetzte Ansicht einfach Neues lehrt. Und wozu das ganze Lernen, fragte ich sie. Nun kenne ich meine Baustellen, weiß wer wo was falsch gebuddelt hat, aber wozu das Ganze?

Um zu lernen, sagte sie, und um besser zu leben. BAMM. So einfach ist es manchmal (sagte schon CharlottiKarotti).

Und weil die Nachfrage per Mail kam: diese wundervolle Coachin ist Julia Bamberg

https://juliabamberg.de/