VICTOR PATRASCAN – Stand up comedy in broken English

Of course I need to write this in my broken English, because I have been part of the very international crowd at the show in Hamburg, and I loved it!

Since it was the first time for me visiting a stand up comedy show, and also feeling pretty confident about my Romanian heritage, I did not hesitate to offer to put myself in the front. Not needed though, because another fella Romanian beauty volunteered and gave us loads of stuff to laugh about.
Don’t worry, you do not get picked by chance, you can just raise your hand and submit something. The beginning of the show is nothing less then some lovely, funny match making, and judging from the very good looking crowd, it’s definitely better than any online dating platform. Turns out, fella Romanian beauty was as crazy as me, I am just medicated.

The lovely bunch of people turned out to have interesting jobs and even more interesting origins. Like the palestinian person and the Israelian activist, as well as the Italian, who saves lives on rescue boats in the Mediterranean. That one came from Italy to Hamburg to see the show! I hope by train, otherwise he would have been responsible for the climate crisis, which is one of the major causes for migration. Yeah, I better leave the jokes to Victor Pătrascan, who is an insanely well educated geography and history nerd, very well travelled and also, dare I say, kindly spirited (bă, mă refer la spirit frumos, om bun și așa…).

The show continued with the main question of the season: WHAT THE FUCK or, intelectually put: What is the biggest problem in the world?

We had the usual suspects/denominators: Capitalism, consumerism, the rich, energy supply. Personally I would have added dicks, but fella beautiful Romanian already rode around it a bit.

So we discussed “proper” things, with suggestions coming from the audience: Culture, wars, humanism. Puns? Plenty! This guy got me gasping for sure. And as an elder LOL with a Romanian upbringing, raised with the worst racism, blatant misogyny and utter ignorance of the surrounding world and culture, I am actually not easy to shock. At one point I had to cover my face in utter disbelief! Me! A grown ass woman!!

You might ask: Is it okay to poke jokes around these topics? This reminded me of a lecture called “Is ist okay to laugh after the Holocaust” that I never visited, but I got the essence of it yesterday, and I am very grateful for that. Sorry folks, you need to go and see it yourself, so you will know!

Also – use your fame to raise others up: Victor Pătrascan introduced a guest and second comedian, who brought some really good puns the crowd would have enjoyed more with subtitles – speaking of broken English and yeah, the crowd means me.

In case you need a date, a good laugh, some LOL CRY or a reason to travel:
https://victorpatrascan.com/

Oh, and the solution to all the world problems, which is obviously humans, is, you guessed it, humans.
My scientist ass would love to add redistribution and degrowth to the solutions, but we are humans: We know, we just don’t do it. Same for wars, for violence, yadda, yadda, yadda.

Safe travel, Victor, it was an honour seeing you! Your schedule matched very well with the Deutsche Bahn, I appreciate LOL

BAYREUTHER FESTSPIELE Der schwitzende fliegende Holländer

Das Festspielhaus hat die beste Akustik, die ich je gehört habe. Vergesst die Elphi. Die unbequemen Sitze sind legendär, ich saß drei Stunden aufrecht, ohne Lehne, und meine Beine baumelten leicht über den Boden, während meine schmale Nachbarin sich notgedrungen an mich kuschelte. Die Aufmerksamkeit war hundert Prozent nach vorne gerichtet, und ich lauschte und sah genau hin.

Der fliegende Holländer ist eine für Wagners Verhältnisse kurze Oper mit nur drei Stunden und musikalisch ganz okay, man erkennt viele musikalische Elemente einer Oper wieder und die Gesangspartien sind toll, allerdings auch sehr herausfordernd aufgrund der Länge der Partien. Auffällig war Nicholas Brownlee in der Hauptrolle, der wahnsinnig kraftvoll gesungen hat und das Stück praktisch komplett getragen hat. Der Rest war okay bis gut, das ist in den Bedingungen dort für die Sänger*innen einfach komplett körperlicher Raubbau.

Die Inszenierung war unter aller Kanone, trotz der tollen Bühnentechnik. Ein bisschen psychologischer Kindesmissbrauch und dazu auch tatsächlich als Statist ein Kind auf der Bühne. Ich dachte ich sehe nicht richtig, zumal vor mir ein Mädchen saß, der eine zeitlang auch wirklich die Augen zugehalten wurden. Muss das sein??

Aufgrund fehlender Übertitel konnte ich leider fast nichts verstehen, und die Handlung auf der Bühne erschien mir in keiner Weise schlüssig oder passend. Diesmal war ich sogar ein bisschen vorbereitet. Aber gut, so empfand ich nicht das erste Mal und ich bin ohnehin dafür, Musik und Gesang auf sich wirken zu lassen.
Das am Anfang etwas hektische Orchester fing sich, der berühmte, personell etwas geschrumpfte Bayreuther Chor war toll, insgesamt ein tolles Erlebnis im Wissen um das Privileg, dort zu sitzen. Doch, meine Freundin und ich waren begeistert, es war cool und schön.

Denn – warum geht man nach Bayreuth? Entweder ist man ein Hardcore Wagner Fan, eine Journalistin oder Influencerin, oder man will sich sehen lassen, im Schweiße seines Angesichts.

Denn eines muss man auch wissen: Die Bedingungen im Zuschauerraum und auch auf der Bühne sind furchtbar. Eine schwüle Hitze treibt einem die Schweißperlen den Rückgrat runter bei völliger Bewegungslosigkeit, während die Sauerstoffmoleküle aus dem Luftgemisch immer weniger werden. Man soll was gegen Ohnmacht mitnehmen, riet man mir. Keine Getränke natürlich.

Ach, welche Freude zu wissen, dass Herr schMerz dort in seinem Anzug gesessen und gelitten hat!

Und warum NEIN?
Sind wir ehrlich – Bayreuth hat sich zum 150. Jahrestag nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Wagner war der Lieblings von Hitler und ein Antisemit, das ist hinlänglich bekannt, und man hat im Vorwege schon ein PR-Desaster gehabt: Einen jüdischen Redner einladen, wieder ausladen, wieder einladen. Immerhin gab es als musikalische Rahmung hierfür dann ein Stück von Mahler, selbst jüdischer Herkunft und Wagner- Fan. Okay soweit.

Aber dann hat man sich entschieden, die Lieblingsoper Hitlers Rienzi, die aus gutem Grund bislang in Bayreuth NICHT aufgeführt wurde, endlich als Uraufführung zu bringen! Da springt einem doch vor Freude das kleine braune Herz in der Brust (Achtung Sarkasmus, für die die es nicht verstehen)… Dass Hitler zu doof war das Libretto zu verstehen, tut nichts zur Sache – es ist eine symbolische Geste, die man nicht unterlassen hat.
Antisemitismus ist überall auf der Welt so stark im Wachstum, mittlerweile kein Vorbote des Faschismus, sondern die hässliche Fratze, die sich unter dem Deckmantel der “künstlerischen Auseinandersetzung” sehr öffentlich und selten kritisiert zeigt. Musste das ein?
Künstler und Werk sind nicht zu trennen, und der Eindruck des Ortes… nun, Friedmann hat es ausgesprochen: Es stinkt.

Die Königin des Festspiels Katharina Wagner, GLP-schlank und lächelnd, ist irgendwie nicht zu beneiden, auch wen sie fest die Zügel in der Hand hält mitsamt Finger aufs Geld. Mein Teenager würde sagen: *reingeschissen*. Und doch wird auch diesmal applaudiert und der Steigbügelhalter der Faschisten schMerz mitsamt dem peinlichen Frauenfeind (oder war er pädophil? Ich verliere die Übericht…) Weimer aka Kultusminister werden da wieder ordentlich Gelder rüberschieben, die sie allen anderen Kultureinrichtungen gestrichen haben. Würde mich nicht wundern, wenn da hier und da Leute mit S´´´H´´´´Sprüchen durch die Gänge wabbern. Welche Gänge?? Na, denkt Euch euren Teil. Familie Wagner war mit Hitler ziemlich dicke und das Ganze ist nicht lange her, wenn man es genau betrachtet. Sich als Künstlerin, die sie ja ist, hinzustellen und das alles durch zu ziehen muss psychisch belastend sein.

Ja, Wagner mag deutsches Kulturgut sein und auch international anerkannt, aber das war Hitler auch und seine Verbrechen. Eine bessere Verwendung für das Opernhaus, das sonst quasi brach liegt, habe ich auf Instagram gesehen, wo vorgeschlagen wurde den Ort (politischen, kritischen, anti-faschistischen) jungen Künstler*innen zu öffnen und damit ein Kontrapunkt zur traurigen Geschichte des Ortes zu setzen, wo Sich Hitler seiner vermeintlich kultivierten Ader hingab und die Wagner Familie und die anderen Profiteure des Krieges um ihn herum scharwenzelten.

Friedmann habe ich bereits zitiert, der Ort stinke, und ich muss ihm recht geben, die Atmosphäre dort ist unangenehm, es liegt etwas in der Luft, was zwischen Aggression und kollektive Schuld oszilliert. Die Bayreuther Festspiele sind das Parkett für Politik und Milliardäre, und das ganze Kuhkaff dort zehrt von diesem einem Festspiel im Sommer sowie von den Studierenden der ebenfalls kleinen Uni. Das mag auch daran liegen, dass Bayreuth ein miserables Klima hat, das seinesgleichen sucht. Heiß und schwül, ohne Auto sind 20 Minuten Fußweg tagsüber nicht machbar. Darüber hinaus ist die Innenstadt im neu gemachten Teil unglaublich repräsentativ und schick, da hat Söder wohl richtig was springen lassen, aber die Menschen fehlen. Die Innenstadt klappt die Bürgersteige früh hoch und es geht ins Brauhaus. Auch das war ein Muss für den Bayreuth Besuch, fressen und saufen können die Bajuvaren, nicht raffiniert, aber sehr lecker.

Alles in allem ein denkwürdiges Ding – ich denke Opernfans sollten sich das einmal im Leben antun, ansonsten ist Salzburg sicherlich das bessere Investment.

P.S. Bitte nicht durch die Gegend laufen und ständig Moin sagen, es heißt: grüß Gott!
Habe mich sehr ausländisch gefühlt, obwohl alle Deutsch sprachen, ich brauche im Süden Untertitel LOL.

HAMBURGER STAATSOPER – Die große Stille, keine eine Oper

Der feste Kulturkritiker des NDR, Peter Helling, lässt wenig gutes Haar an diesem Stück, und ein bisschen schmunzeln muss ich schon, ich kann ihm aus seiner Warte als professionellem Kunst-Connaisseur recht geben.

Aber, aber!

Nun huldige ich der Kunst ganz anders, differenzierter und reflektierter. Natürlich nicht! Ich gehe zur Oper OHNE Hintergrundinformationen und begebe mich unwissend in die Hände der Künstler*innen und des gesamten Teams der Veranstaltung. Dazu zählen Garderobe und Bühnentechnik, alles, alles an dem Abend wird eingeatmet und erlebt. Wer intellektuelle Masturbation erwartet, möge woanders lesen, denn ich bin dessen überdrüssig.
Wir haben 2026 und die erste bürgerliche Oper Deutschlands, die Oper in Hamburg, erfüllt ihre Rolle genau in dieser Nische: Sie ist eine Oper für alle.
Und somit sind wir beim Thema: Die große Stille ist keine Oper und das sollte mensch auch nicht erwarten. Aber es ist ein guter Einstieg in die Opernwelt.

Das was es jedenfalls ist: Eine großartige Reise der Gefühle, ich hatte Spaß, wurde unterhalten und fand es gut, großartig sogar! Alle Register wurden gezogen, ich habe gegrinst, bewundernd die Augenbrauen hochgezogen, war aufgeregt, war abgelenkt (ich hatte Hunger!), war entzückt und auch mal gelangweilt. Inhaltlich sogar kurz richtiggehend getriggert, aber das ist zu persönlich.

Der Plot ist nicht sonderlich aufregend und ehrlich gesagt auch nicht so wahnsinnig unterhaltsam, wie er uns verkauft wird. Das mit dem Raumschiff, naja, ganz sweet, aber keinen “vom Hocker Reisser”, und dem Gesicht des Teenagers in der Reihe vor mir nach zu urteilen, auch nicht spannend. Bin froh, meinen Teenager dorthin NICHT mitgenommen zu haben.

Die Inszenierung fand ich trotzdem knorke, auch und weil da einige seltsame Komponenten waren. Zum Besipiel: Eine rituelle Anbetung bzw. Besingung, toll ausgeführt vom Chor; dazu eine Nahrungsaufnahme von Brei?? warum frage ich mich, das ist nämlich nicht gespielt gewesen, wie man denken könnte, nein, die Leute mussten sich wohl tatsächlich etwas reindrücken. Mich erinnerte das Ganze an das Hass-Ritual in Orwells 1984, was aber wohl dem geschuldet ist, dass ich das Buch derzeit lese.

Die Handlung kann gut verfolgt werden, die Darsteller*innen bekamen fünf Minuten ununterbrochenen Applaus, und die Bühnentechnik hat mal wieder 100/10 geleistet. Die Kostüme did some people dirty though.

Der Anfang ist erstmal ein bisschen Theater mit ein paar musikalischen Einsätzen. Dann folgt die eigentliche Oper: Apollo und Hyacinthus wurde von Mozart im Alter von elf komponiert und ist auf Latein. Man hat das Libretto etwas abgeändert und statt Apollo eine Außerirdische eingesetzt, die Aliena (höhö), die echt was für ihr Geld tun musste. Also während der Vorstellung musste sie richtig schuften: Ana Durlovski hat ihren Part mit Bravour gesungen, und ich fand sie sehr passend in der Rolle. Das abgefahrene Outfit war… abgefahren.

Weil es natürlich eine Liebesgeschichte ist, gibt es einen Bösewicht namens Zephyrus (ihr wisst schon, der Wind…), der diesmal weiblich ist: Kayleigh Decker. Ein bisschen queeres Rumgeknutsche durfte nicht fehlen und wurde vom Publikum mit einigermaßen Unbehagen quittiert, was mehr aufs Publikum schließen lässt. Ja, wir haben 2026 und ein knutschendes Frauenpaar erzeugt immer noch “EINE GROSSE STILLE” im Raum.

Als König optisch bestens geeignet, ist der Tenor Gregory Kunde vermutlich unterfordert mit der Rolle und wirkte ein bisschen abwesend, – hätte er nebenher noch Wäsche sortiert, hätte es gut gepasst. Der Australier Rebgetz, ein Paradiesvogel aka Performer, war sympathisch. Völlig unterschätzt der Bass Kowalczyk, der quasi nur zehn Sekunden sang, aber dafür die ganze Zeit durch die Gegend gurken musste, keine Ahnung wie er das hinbekommen hat, ach, das muss man selbst sehen!

Das Ganze geht sich lustig-interessant-keine Ahnung, hab’s nicht kapiert, aus, dazwischen gibt es allerlei kleine, spannende Komponenten, die natürlich dem versierten Operngänger bekannt sind, wie der Chor im Zuschauerraum oder der Dirigent auf der Bühne.

Ja, es ist keine klassische Oper, hier entzündet sich immer wieder der Streit, was muss eine Oper eigentlich bieten, wer ist die Zielgruppe und wie sehr drückt der wirtschaftliche Schuh – und warum Hamburg ein Dorf bleibt, dass Grandezza nicht nur IN der Oper fehlt, sondern auch im Publikum, und was genau das aber auch für Demokratisierung und breiteren Zugang zu Kultur bedeuten kann.

Könnte.

Dem ist nicht so: Oper und Kultur allgemein sind elitäre Betriebe, in dem ohnehin nur wenige viel Geld verdienen; die Konsument*innen von Kultur, die gerne unter sich bleiben, was auch beim jungen Volk so ist, die jungen “Intellektuellen”, das ist schon alles sehr klassistisch. Glamour, Glanz und Gloria – so ist die Realität nun mal nicht, und das ist auch gut so, aber bourgeois bleibt es, und zwar mit dem Geschmäckle des “open-minded” Anstrichs, was sich in der plakativ-performativen Ausübung von Diversität und gefakter linkspolitischer Ausrichtung zeigt.

Fazit: Ich fand’s großartig und sehenswert, eine gute Verbindung zwischen modern und klassisch, unterhaltsam und künstlerisch betrachtet auch “intelektuell” genug. Leider habe ich einen anderen Geschmack als das breite Publikum, sei es drum – wer noch hingehen kann, sollte!

Hamburgische Staatsoper: Monster’s Paradise


Wenn man im Zuschauerraum sitzt und sich fragt, ob man sein Methylphenidat besser durch die Nase gezogen hätte – dann hat Kunst was richtig gemacht. “…ich will auch, was die zum Frühstück haben!” murmelte ich zu meinem Sitznachbarn, der lachend erwiderte: Da ist schon genug im Leitungswasser (kleine Anspielung darauf, dass Informationen über Drogenkonsum in Deutschland tatsächlich aus Abwasserwerte gewonnen werden, Grüße gehen nach Frankfurt).
Disclaimer: Kunst ist die einzige legitime Droge.

Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth haben sich selbst inszeniert, in überlebensgroßer Form – was für eine Frechheit! Frauen!! Mittelalte und alte Frauen! Sie finden im Stück als Narratorinnen statt – in Form von Vampirinnen, die sonst eher nicht existieren, und zwar als junge und alte Vampirinnen. Jelinek ernennt sich gar zur Göttin (nicht: Gott) und begleitet ebenfalls in einer Videoinstallation durch das Stück.
EDIT: Die Video-Narratorin ist Charlotte Rampling. Habe ich nicht erkannt, bin keine Cineastin.

Wie immer startet die Inszenierung im Zuschauerraum mit einigen feschen Cheerleadern, eine davon ist eine Disney Figur. Ein paar textliche Plattitüden vorweg, die man ohne Übertitel leider akustisch nicht verstehen kann, ein bisschen Kakophonie und Musikmix, soweit so un-shocking das Entree des Stücks. Das Paradies des Monsters ist in Wahrheit Mar-a-Lago, Trumps persönlicher Sündenpfuhl. Trump ist auch Mittelpunkt der Inszenierung, er und seine Begleiter, das Böse in seiner Dreifaltigkeit: Der latent grenzdebile windeltragende, adipöse Donald, eine meines Erachtens sehr gut gezeichnete Figur JD Vances, und den dritten im Bunde habe ich anfangs nicht zuordnen können – eine Hitlerwitzfigur. Eigentlich sehr deutlich erkennbar, erkannte ich es nicht. Eh, es gibt sehr viele Hitlerwitzfiguren um Trump herum, weshalb man auf Nummer Sicher ging und sich direkt für das Original Adolf entschieden hat. Persönlich würde ich hier Peter Thiel ernennen, allerdings ist das jemand, der höchstens wegen seiner unheimlich schlecht sitzenden Kleidung erkannt werden würde. Kein Wiedererkennungswert, tja.

Sehenswürdige Mentions im Bühnenbild gingen an Mommy Dommy Melania Trump (hierzu ein bisschen Entertainment bei Ali Weiss https://www.instagram.com/aliweissworld/, und an Miss Piggy und Kermit, die einzigen, die nicht in den Epstein Files auftauchen. Diese überleben leider nicht.
Der Bär. Ja, den Bären habe ich vergessen, mein Beileid an den Mitglied des Zürcher Ensembles Ruben Drole, der in diesem wahnwitzig warmen Kostüm rotköpfig sein Debut in Hamburg gibt. Was der Bär soll? Kp, also kein Plan.

Haupthandlung: Die Trivialität des Bösen, also die drei Pappnasen, die sich erstmal eine halbe Stunde lang über Wahlergebnisse echauffieren und, sich dabei selbst vorstellend und darstellend, überhöhen, trifft auf die “monströse” Natur in Form des Monsters Gorgonzilla. Ein bisschen enttäuscht war ich schon, denn ich hatte mir ein übergroßes Monster vorgestellt. Mindestens drei Meter! Nun hat man allerlei Mittel benutzt, um zumindest ein Maßstab der Größe Gorgonzillas darzustellen, daher: Alles gut. Es ist ein sehr, sehr großes Monster, ja? Der Kumpel des Intendanten Rainer Sellmaier hat es echt, echt gut gemacht.

Nun hat selbst Gorgonzilla nicht so Bock auf Trump, und findet ihn selbst als monströses primus inter pares(Erster unter Gleichen, lat.) nicht geil. Übrigens, Zombies kommen auch zum Einsatz, falls jemand gerafft hat, warum und weswegen – ich wüsste es gerne. Leider bin ich eine arme Sau, die mit der Bahn fährt, was hinlänglich erklärt warum ich die Einführung verpasst habe. Und den Snack vor der Aufführung schaffte ich auch nicht, weshalb ich nach der Pause frecherweise ging, um meinen lautstark protestierenden Magen Erleichterung zu verschaffen.
So kann ich gar nicht weiter spoilern, wie nun die ignorante Bösartigkeit des Trios durch Gorgonzilla oder eine andere Gesellschaftsutopie aufgelöst wird.

Die Nachfrage für das Stück war und ist groß, das Publikum sehr aufschlußreich: Auffallend viele ältere Schwule, Szeneintelektuelle, wenige Stammgäste der Oper, die fluchtartig in der Pause den Saal verließen, und viele junge Menschen, die günstige Tickets ergattert haben, worüber sich die Vollzahler in den ersten Reihen sichtlich pikiert zeigten. Das weiß ich von den Studis, die ich überraschenderweise kannte, sogar aus erster Hand. Die Zombies durften auch in der Pause noch arbeiten, Chapeau an die Maske, das sah auch aus nächster Nähe echt eklig aus.
Hinderte mich nicht daran, mir politisch angemessen im Anschluss migrantisches Essen reinzupfeiffen, zubereitet von Ehepaar Kim. Die Reste habe ich um sieben Uhr morgens zum Frühstück verdrückt, denn das ist die einzige Droge die ich brauche, um so einen Artikel zu schreiben: Chilisauce und frittiertes Huhn.

Resümmee: Lustig, musikalisch gar nicht nervig, allerdings akustisch durchgehend unverständlich, Plot auch unverständlich, aber sehr cheek-in-tongue (haha, you see what I did there!) – wer politisch nicht auf den Stand ist, sich nicht in den sozialen Medien informiert, wird ganz viele Anspielungen nicht verstanden haben. Und hier liegt die Stärke des Stückes: Die Inszenierung als solche ist sehr gelungen, es ver-bindet alles toll zusammen. Das Bühnenbild und die Kostüme sind ausreichend symbolisch aufgeladen, so dass sie nicht mehr interpretiert werden müssen, und gleichzeitig als Überzeichnung bezeichnet werden können.
Trotzdem würde man Tobias Kratzer in den nächsten Jahren nicht zu einem Besuch in den USA raten. Hat er auch nicht vor, denn es gibt eine Station nach Hamburg, die noch attraktiver ist. You guessed right: Das Stück geht nach Zürich! Weil nicht alle diese Anspielung verstehen: Wenn man als schwule, weiße Person mehr möchte, geht man in die Schweiz. Mehr Geld, mehr Netzwerk. Ironisch genug, dass es ausgerechnet afd Weidel bestätigt.

Prüften wir das Stück nun nach “wokeness”, wie die Faschisten gerne sagen, es wäre mir als dezidierte Antifaschistin nicht genug. Es ist mir nicht einmal feministisch genug gewesen, aber das ist nun mal im weißen, Bürgi-Kontext der Autorin und der Komponistin so. Klassenkampf und Kunst lassen sich zwar nicht auseinander dividieren, aber nicht jede Kunst lässt sich darunter subsumieren.

Politisch betrachtet ist das eh so eine Sache: Das Stück zeigt mit großem, dicken geschwollenen Finger nach “da drüben”. Easy. Vor der eigenen Haustür kehren hingegen…

Wer EierSTÖCKE hÄt, wird das Stück mit schMerz, Spahn und Reiche inszenieren. Wer weiß, wenn wir den Faschismus, in dem wir drin sind, irgendwann hinter uns haben, wird es auch so ein Stück prospektiv geben – ob ich das allerdings noch erleben werde, steht in den Sternen. Nicht nur, weil die Erde vorher ein klein bisschen verbrennt, wie Monster’s Paradise bereits klimakritisch zurecht adressiert, sondern weil es sich zu lange ziehen könnte.

Denn trotz Beschneidung der Grundgesetze durch die aktuelle Regierung wird immer noch hart geleugnet, dass wir selbst ebenfalls schon längst zu Zombies in Monster’s Paradise mutiert sind.

Der Blog ist tot – es lebe der Blog

Ein wenig schmunzelnd lese ich den Wikipedia Einzrag zu Blogs, dessen Quellen so aus 2009 sind. Passt. Mittlerweile sind Blogs eher Plattformen, Shops, oder ein Appendix einer Webseite, einzig dazu dazu, bei Suchmaschinen sichtbar zu werden.

Hey, nicht mal meine Freund*innen lesen meinen Blog! Und warum? Der Text war ihnen zu lang, und zwar exakt der Text, an den ich stundenlang saß. Damit hätte ich als Influencerin und Publizistin bei Spiegel Online ordentlich verdient. So viel zum Thema unabhängiger Journalismus. Aber nein, wenn die Leute nicht zahlen, lesen sie nicht.

Blogs sind also tot. ???

Blogs sind Grundpfeiler des Internets, und ja, es gibt sie noch, Blogs die regelmäßig bespielt und gelesen werden. Also, von meinem Blog mal abgesehen.
Und ehrlich – es muss noch jemand geben, der lesen kann und lesen will. Keine Videos, keine Leute, die durchs Bild springen, einfach gute Infos und hier und da ein Bild.

Und es muss noch Leute geben, die keine KI Bilder und keine KI Texte nutzen. Wobei, vermutlich schreibe ich für die Datenbanken der großen Konzerne, denn gegen Raubs geistigen Eigentums kann ich mich nicht wehren. Vermutlich habe ich eh irgendeine Klausel übersehen, die mir die Rechte an meinen eigenen Texte und Bilder abnimmt.

Aber gerade deshalb bin ich als Publizistin der Überzeugung, dass Blogs nicht tot sind – denn ich habe eine lange und gut geschulte mediale Existenz und bin als kommerzielle Publizistin auch impressumspflichtig, also eine echte Person mit echten Inhalten und einer höchst individuellen Meinung. Meinung und nicht Wissen, da man heutzutage nichts mehr weiß, weil der Faschismus, in dem wir leben, unsere Realität bereits verzerrt.
Blogs sind vielmehr wieder eine Subkultur, im Jahre 2025 noch erlaubt und toleriert, um den Anschein der Demokratie zu wahren.

Lasst uns hoffen, dass dieser Beitrag in einigen Jahren höchst lächerlich erscheint und nicht prophetisch sein wird: In den USA ist Pressefreiheit ja schon fast abgeschafft.