HERMÈS Rouge Hermès in Rose Nymphéa 38

hermes-rouge-brillant-rose-nymphea-swatch-lippen-lips<- Auf dem Bild trage ich Rosa in verschiedenen Tönen, das Tuch ist ebenfalls von Hermès.

Wer kein Rot (mehr) tragen mag, wer schon ewig einen freundlichen, nicht zu grellen rosigen Ton sucht, und wer vor allem schnelles Schminken liebt wie ich, findet sich hier gerne ein. Okay, die Bereitschaft fast 70 Euro für etwas Fett mit Pigmenten auszugeben muss auch noch da sein, aber ich kann es rechtfertigen: Es ist nachfüllbar und man bekommt quasi zwei Produkte.

Auch wenn es sich um einen Lippenstift handelt, ist das der bislang beste Creamblush, das beste Cremerouge, oh Gott! das ich je hatte. Es ist farblich perfekt, und es lässt sich hervorragend verteilen und setzt sich nicht ab. Ein µ mehr Orange und es wäre auf den Lippen bei mir weniger grell, aber wir reden von einer Skala, wo wir uns schon bei 90% befinden.

Was ist die perfekte Blush Farbe? Auf dem Handrücken aufgetragen und verrieben, steht es von der haut nicht ab, sieht als aus wie eine natürliche Rötung. Niemand muss schön aussehen, mit Schminke kann man spielen und auch GRELL aussehen, wer aber die “so gepflegt und frisch” Nummer gebucht hat, wird mit dieser Konsistenz sehr glücklich.

Die Konsistenz ist hydratisierend und der Lippenstift setzt sich nicht ab. Kein Schimmer, keine Beduftung.

Was mich allerdings fuchst: Ich weiß nicht, aus welcher Fabrik die kommen! Wer ist der Hersteller? Man erkennt es an den Konsistenzen und dem Geruch, aber ich bin nicht ganz sicher. Das farbliche Schema wiederum ist für mich ganz klar Dick Page, wenn es auch nirgends erwähnt wird. Wisst Ihr was? Man kann vielleicht einfach bei Hermès nachfragen. Eine Mail, why not. Theoretisch müsste es Clarins sein, die schon für Thierry Mugler sich auf dem Markt für Dekorative gewagt haben; das hat leider keinen Anklang gefunden. Könnte aber auch so ziemlich jede:r französischer Lohnhersteller sein.

Anyway, ich empfehle den Lippenstift, falls ihr eine wirklich gute Farbe gesehen habt, – hier war es Liebe auf dem ersten Blick und ich wusste, dass mir diese Farbe gefällt und vermutlich auch steht. Davon abgesehen dass ich schon 2-3 Lippenstifte in dem Farbton gekauft habe die nicht passten… da habe ich die 70 Euro schon längst versenkt.

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Einmal aufgetragen, zweimal aufgetragen, bei Tageslicht ohne Sonnenschein.

FLORAïKU Enigmatic Flowers Kollektion I see the clouds go by

Es ist passiert-ich habe etwas aus Versehen gekauft, per Apple Pay. Und ich war zu faul, es zu stornieren oder vielleicht war der Betrag zu gering LOL – so kam ich zu einer Kiste mit Floraïku-Samples und werde die Düfte nun vorstellen.

Floraïku gehört zu Memo Paris, und ich würde sie fast der cultural appropriation beschuldigen, aber who am I to judge. Das Konzept sieht Düfte als Gedichte vor, die Flakons sind japanisch angehaucht, Ikebana, das übliche.
Die Parfümeurin ist Alienor Massenet. Sie mag Rhabarber in Parfüms. Das ist kein Scherz, das hat sie neulich selbst auf Instagram gepostet. Und sie mag es, Freude in Duft umzuwandeln!

Der Duft zaubert mir zumindest instantan ein Lächeln auf den Lippen. Die Erinnerung an Un Jardin Sur Le Nil ist sofort da, aber trügt. Je nach Tagesform meiner Nase wechselt der Duft zwischen Reiniger und Maiglöckchen, wird aber dann raffinierter und weniger “spritzig”. Es soll ein Soliflore sein, und zwar schwarze Johannisbeere, meine momentane Obsession.

Nun, die Duftnoten und die Beschreibung auf deren Website haben nichts mit meiner Probe zu tun, es sei denn, sie ist falsch beschriftet. Moschus und Kirschblüte, Zedernholz?! Wo?! Bergamotte und Petit Grain kann ich definitiv detektieren, insbesondere die Bergamotte, die ja so schnell ins künstliche Kloreiniger-Aroma kippen kann.

Die Haltbarkeit ist “as the cluds go by” und trotzdem bleibt ein Hauch des Duftes auf der Haut stehen, mehr ein Eindruck als ein Parfüm. Zwischendurch scheint die Sonne, zaghaft, freundlich, lächelnd, und die Zitrus-Note wird weich und macht etwas Platz, was ich beim besten Willen nicht mit Johannisbeere in Verbindung bringen würde. Vielleicht unreife Früchte? Grüne Rhabarberstengel? Ja, das würde ich eher konnotieren. Davana soll drin sein, Artemisia Pallens, ein Korbblütler und Verwandter von Wermut und Estragon. Ungefähr da bin ich raus, nicht ob des Estragons, sondern Botanik, habe ich leider keinen Plan von. Wenn man es essen kann kenne ich es manchmal, ansonsten: Pflanze, Baum.

Tatsächlich ist das eine leichtfüßige, fröhliche und transparente Interpretation von Jardin Sur le Nil, wesentlich ausgereifter und schöner – die Kollektion heißt nicht umsonst “misteriöse Blumen”. Der Duft braucht und entwickelt sich, er gefällt mir zwar auf Anhieb, dennoch muss er entdeckt werden.

Den Preis für 255 Euro halte ich allerdings für latent übertrieben. Überhaupt schwanke ich zwischen “großartig!” und dem Gedanken, dass ich einen Lufterfrischer draufgeballert habe.

Insgesamt ist das Konzept schlüssig: Leichtigkeit, Transparenz und künstlerische Wirkung, trotzdem haut es mich einfach nicht um. Wer allerdings einen hochwertigen Ersatz für den Hermès Duft sucht, weil den einfach alle haben, könnte sich hier mal umtun.

MEMO Paris Eau de Memo von Alienor Massenet

Ab wann ist ein Nischenduft kein Nischenduft mehr? Ab der Existenz in Parfumforen? Ab Douglas?
Und ist es der Preis? Sind 205 Euro nicht etwas hanebüchen für ein Produkt, das eigentlich nix kann?

Luxus! Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten: Wenn ich ein Lebensmotto habe, dann dieses. Ich esse nackte Kartoffeln, oder aber Trüffelkäse, wohne irritierend bescheiden, schlafe dafür in Kaschmir, und sehe täglichen Luxus für meine Person als Pflicht, und nicht als Kür.

Ich sehe ein Duft somit nicht unbedingt als Luxus, sondern als Bestandteil meiner Garderobe. Ob ich allerdings den Geruch meiner Lederstiefel als Duft tragen würde?!

Und genau das ist der Auftakt des zugegebermaßen wirklich gelungenen Duftes. Leder, Leder, leder, und zwar nicht die Velour-Version von Kelly Caleche parfum, also das innere einer guten handtasche, sondern tatsächlich Satellleder, echtes, pflanzlich gegerbtes Leder, wie sie in guten Schuhen verwendet wird. Ich musste lachen – wer zum Teufel möchte nach Lederstiefeln riechen?! Genau so “duften” meine Schuhe im Bild, doch dann…

Während die Note Leder immer schwächer wird, zwischendurch aber nochmal die Nase streift, kommt die Kiste saftiger Orangen zum Vorschein. Keine beißende zitrische Duftnote, sondern eine eher ölige Nuance, wie sie bei nicht gespritzen Orangen, die schon etwas überlagert sind, entsteht. Und man muss alles daran lieben, denn die Orangen persistieren auf der Haut, gemischt mit einem wohligen, regelrecht heimeligen Duft, ganze 12 Stunden! Eine kleine Brise Orangensaft weht zwischendurch auf und die Basis, die so wahnsinnig angenehm, gediegen, und “hautnah” ist, ist einem satten Moschus mit einem winzigen Hauch Iris geschuldet (Moos kann ich dem ganzen nicht wirklich entnehmen). Iris ist stets irritierend für meine Nase, zusammen mit dem Leder aber harmonisch, und in dieser Orangenkiste fühlt man sich irgendwie wohl.
Die sehr lang anhaltende Herznote wird getragen von meinem Parfum Helden, dem Jasmin. Weiße Blüten kommen einfach immer gut für mich. Es ist kein klebriger und kopfschmerzerregender Jasmin, wie es in Lutens’ A la Nuit verwendet wird, sondern hell und luftig.

Der Duft wird als Unisex vermarktet und ist damit genau richtig. Hier gibt es keine männlich/weiblich Assoziation, der Duft steht für sich als Konzept gut da und ist trotz der schrägen Mischung sehr tragbar. Ja, ich mag es. Irgendwie mag ich es. Ich mag es sogar richtig gerne. Es ist ein Wohlfühlduft, trotz der etwas abwegigen Kombi von Leder und Orange.

Zu Alienor Massenet (Arbeitet bei Symrise und macht Ballett) möchte ich noch zwei Worte verlieren: Sie hat als Nase wirklich sehr sehr viele Düfte kreiert, von denen ich interessanterweise exakt Null kannte, bis mir einer doch ins Auge sprang: Sleeping on the Roof von Floraiku, auch so eine irrsinig teure Nummer, aber wirklich schön, Maiglöckchen in Perfektion.

Und was haben beide Düfte gemeinsam? Sie waren mir sofort vertraut, und ich empfand sie als “heimelig”?! Nicht exakt so, dass man denkt, puuuhhh, muss ich haben, sondern vertraut, wie etwas, was man zwar nicht kennt, aber sofort einen sicheren Raum oder Rahmen bietet. Das ist eine sehr große künstlerische(sic) Leistung in dieser Branche.

Und zu guter Letzt die bildliche Darstellung der beiden Hauptnoten des Duftes…

BYREDO Pulp Eau de Parfum

Pulp ist ein Duft “on steroids”. Nichts für schwache Gemüter! Das Fruchtfleisch-Grapefruit-Feigen-Gemisch schießt in die Nase wie Tränen in den Augen – unvermittelt und mit BUMM.

Während Düfte wie Jardin en Mediterranée einen Spaziergang am Mittelmeer evozieren, rast Pulp mit einem rostigen Traktor mit durchgeschnittenen Bremskabeln den Hang runter. Nimmt alles mit, Obst, Blätter, Zweige. Es ist laut, es ist langanhaltend, und es ist super obstig.
Die offiziellen Duftnoten sind:
Kopfnote: Bergamotte, Schwarze Johannisberre, Kardamom
Herznote: Feige, Roter Apfel, Tiare
Basisnote: Zedernholz, Pfirsichblüte, Praline

Nun, bis auf die Feige ist das alles nicht wirklich wahrnehmbar, die marmeladige Süße des Duftes ist matschig, klebrig, aber auch frisch. Keine Sekunde wird der Duft wirklich süß, er bleibt immer herb, dank den schwarzen Johannisbeeren. Ja, doch, die riecht man tatsächlich heraus, ich esse die unheimlich gerne als Marmelade. Der ganze Duft riecht wie ein Süßwarenladen, aber sehr erwachsen, vielleicht mehr wie eine gut ausgestattete Coktail-Bar. Meine Tochter findet den Duft spitze, sie ist allerdings auch sehr versessen auf Gummibärchen. Auch Byredo Blanche findet sie gut, also ist es entweder ihr guter Geschmack oder das Parfumhaus trifft ihren Nerv.

Die Haltbarkeit ist hervorragend bis penetrant, hier gilt: Viel Geld für viel Duft.

Wer also auf Feigendüfte steht, grundsätzlich auf fruchtige Sachen, sollte den testen und sich ein wenig Zeit beim Testen lassen.

Lustigerweise brachte BYREDO gerade eine blaue Flasche raus mit einem Duft, der BYREDO x Cactus Jack Space Rage Travx heißt. Er soll vom Weltraum inspiriert sein und duftet nach: kosmischem Staub, Antimateriepartikeln, Sternenlicht, dem Duft einer Supernova, atmosphärischem Dunst und dunklen Nebeln (Quelle: Fragrantica) und auch dort lese ich, dass es in Wirklichkeit der Duft Pulp sei, komplett anders verpackt und beschrieben, wodurch der Rezensent andere Nuancen am Duft entdeckt hat. Deswegen lese ich den Kram immer erst hinterher..!

Also, dieser Duft hat Jahre gebraucht bis er in meine Sammlung fand, ich bekam ihn geschenkt und habe mich darüber immens gefreut. Lustigerweise bin ich bei Parfums nie eine spontane Käuferin, es braucht Jahre, bis ich mich durchringe, etwas anzuschaffen und meist mehrere Anläufe. Wenn mir ein Duft nach Jahren noch in positiver Erinnerung bleibt, dann kaufe ich ihn. Der nächste wird Equistrius sein, das weiß ich jetzt schon, weil ich mehrere Proben hatte und den toll fand, und immer noch dran denke. Nur dass er jetzt doppelt so teuer geworden ist, meh.