SEBA MED Every-Day Shampoo – online gehypt, aber warum?

Abgesehen davon, dass der Name des Produkts mir Zahnschmerzen bereitet:
Every day mit Bindestrich? Ist es groß oder klein geschrieben? Why so Denglisch?

Warum?? Warum ist das eines der beliebtesten Drogerie-Empfehlungen auf Social Media? Es ist teuerer mit 4 Euro, dafür dass es ein Shampoo ohne erkennbaren Mehrwert ist. Ein Alltagsprodukt gibt es bereits wesentlich günstiger. Milde Formel? Pfffttt, ja, aber es ist kein Argument, jedes Bilig-Naturkosmetik-Shampoo ist mild und kostet die Hälfte. Also was? Und warum? Und warum finde ich es absolut sch…

Zunächst die positiven Eigenschaften: Es wäscht die Kopfhaut und die Haare.

Aber dann… stehe ich doch unter der Dusche und meine Nase zieht sich wegen der Parfümierung zu. Ein Gestank sondergleichen, der richtig beißend ist. Als Allergikerin bin ich vermutlich einfach zu empfindlich, oder? Oder es ist keine gute Beduftung, schließlich sind alle meine Shampoos beduftet und ich habe das Problem sonst nicht.
Übrigens, wenn ich einen Allzweckreiniger von Rossmann verwende, den ich einmal statt meiner Öko-Sachen gekauft habe, weil ich auf das Greenwashing-Etikett reingefallen bin, bekomme ich ebenfalls Atemnot. Oh Wunder, die Duftrichtung ist sehr sehr ähnlich!
Und weil ich manchmal einfach geistige Aussetzer habe, tat ich das Shampoo nicht weg, sondern benutzte es fröhlich weiter und versuchte mich an den Duft zu gewöhnen. Schlicht und einfach zu faul. So etwas wird bestraft – zurecht, muss ich sagen:
Ich bekam juckenden Ausschlag an den Augen. Ja, so habe ich auch geguckt.

Wie konnte ich dieses Shampoo überhaupt als Auslöser ausfindig machen?

Wissenschaft, meine Lieben. Das Shampoo ist das einzig neue Produkt im Bad.
Ich habe es dann weggelassen, die Haut wurde etwas besser, dann wieder verwendet. Die Hautreizung wurde besser, dann wieder schlechter; leider probierte ich das Spiel über zwei drei Wochen aus, um das abschließend fest stellen zu können. Zusätzliche Auslöser wie Heuschnupfen und Stress schließe ich zwar nicht aus, aber das Shampoo, dessen Schaum mir das Gesicht herunterläuft, gibt meiner Haut scheinbar den Rest. Dabei hatte ich mich sogar an den brutalen Gestank der Parfümierung gewöhnt. Schuppend und kratzend habe ich das Produkt nicht entsorgt, sondern es den Kaschmir-Pullovern überlassen. Die sollen allerdings auch nicht nach Klo-Reiniger duften, weshalb sie eine extra Runde an die frische Luft zum Trocknen bekommen.

Mein Fazit: Dieses Produkt verkauft sich über die Verpackung und über dem Preis. Etwas teurer als sonstige Drogerie-Produkte, man tut sich also was Gutes, man “gönnt” sich was, aber in vernünftigen Rahmen. Dazu kommt die medizinisch anmutende Verpackung und der Name. Der Claim “medizinische Hautpflege” ist vermutlich genau so wenig geschützt wie die Rechte der Kinder in Deutschland. Ist das Produkt Geschmackssache? Aufgrund dessen, dass alle Dermatolog*innen von parfümierten Produkten abraten, nein. Man sollte tatsächlich versuchen, ohne auszukommen oder es nicht täglich verwenden. Das ist zwar etwas, was nur ein paar Sekunden Hautkontakt hat und ist nicht ganz so kriegsentscheidend wie Creme/Bodylotion, aber trotzdem..:

Danke, nein danke.


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Warum Instagram keine gute Inspirationsquelle ist

Disclaimer: Ja, ich bin aktiv auf Instagram, und folge vielen Accounts, die Wissen teilen, aber auch vielen Modehäusern, Fashion- und Schmucklabels. Ich nutze es ein wenig wie eine Modezeitschrift früher, wohl wissend, dass es sich überwiegend um Werbung handelt. Natürlich gilt das nicht für vielen journalistischen, persönlichen und aktivistischen Accounts. Auf Instgram bin ich mit Content als Unternehmerin und nutze es gewerblich zu Marketing-Zwecken.

Wir Menschen mögen Bilder seit jeher, wir malen (uns an…) und wir schmücken uns, wie geben “ein Bild” ab, das wir permanent im Umgang mit anderen interpretieren. So weit, so gut.
Manchmal scrollt man einfach nur sein Gehirn leer an der Strecke der Bilder entlang… völlig legitim!

Eine Bekannte sagte mal, sie nutzt es als Inspiration zum Shoppen. Stets modisch gekleidet, mit einem wunderbaren Stil, sieht sie nichtsdestotrotz exakt so aus, wie alle um sie herum in ihrer Altersgruppe. Und das ist nichts Schlechtes: Sie sieht gut aus. Aber eben nicht individuell, und das liegt an Instagram. Über die Plattform werden Trends gesetzt, ob Schuhe, Make-up oder welche Farbedelsteine gerade für den Verkauf von den Schmuckfirmen hochgepusht werden. Natürlich will nicht jede*r individuell aussehen und dazu besteht kein Zwang, interessanterweise ist es aber so, dass wir mit unseren Kaufentscheidungen durchaus versuchen, soziale Distinktion zu betreiben, machen wir uns nichts vor. Ob bunte Socke, Bioladen, das Auto – wir existieren in der kapitalistischen Logik. Und das ist in Bildform wer oder was? Richtig: Instagram!

Also zurück zu Instagram: Auch Stars brauchen eine große Followerschaft, um Werbedeals oder eine wirklich interessante Schauspielrolle zu ergattern. Sie bekommen eine größere Followerschaft, sobald dieses erreicht wurde, was dazu führt, dass der Geldreigen wieder höher wird. Egal welche Art von Aufmerksamkeit es ist, sie wird mit viel Geld bezahlt.*

Der Irrsinn also ist, dass Sichtbarkeit mit Geld korreliert. Beliebt sind also Accounts, wo Leute ihren nicht gerade durchschnittlichen Lebensstil zur Schau stellen. Da kickt der Voyeurismus, ganz klarer Fall für die Soziolog*innen unter uns. Junge Frauen, die mit 26 ihre eigenen Labels bewerben, andere die vor einer Handtaschen-Kollektion im sechsstelligen Bereich stehen, und die Mittelschicht, die sich permanent mit neuen Dingen von günstigen Labels präsentieren, denn es muss immer was Neues her. Das ist schließlich das Konzept, und wenn man ehrlich ist, wer interessiert sich schon für das, was man schon kennt? Das kickt nicht!

Nun schauen wir auf andere, um uns abzugrenzen oder anzupassen, und so sind die Menschen, die sich dort regelmäßig präsentieren, wie ich es auch als Marketingstrategie tun muss, eine Art Vorbild. Da muss man natürlich schauen, in wie weit man das in die Instagram-Falle tappt, und immer wieder reflektiert bleiben. Warum? Weiterlesen…

Wie man Mizellenwasser verwenden sollte

Mizellenwasser ist eine super Sache. Ein Tensid, wenn man es genau nimmt. Und was es alles kann!

Es nimmt Make-up ab.
Es reinigt Wasserflecken auf Armaturen.
Man kann damit langjährige Flecken im Bad und Küche entfernen.
Banane aus der Jeans geht damit auch raus.
Man kann damit Make-up Flecken auf der hellen Kleidung vor dem Waschen behandeln.

…man kann damit Make-up aus dem Gesicht entfernen. Will man das eigentlich noch?!

Wenn ja, dann bitte mit reichlich Wasser abspülen! Es reizt die Haut immens und verursacht nicht selten aufgrund dessen dicke Pickel. Ja, auch die Version, wo Sensitiv drauf steht – die habe ich mittlerweile häufiger zum Putzen im Bad stehen oder aber tatsächlich zur Fleckenentfernung. Kein Scherz.


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HERMÈS Rouge Hermès 66 Rouge Piment Review – #deinfluencing

EDIT zwei Wochen später:

Ich gebe zu, ich habe mich blenden lassen.

Die schöne Farbe, die schöne Verpackung, und der Preis – etwas Teures ist ja etwas Gutes. Mintnichten! Weiterlesen…

Was wäre, wenn wir so bleiben wollten?


Und ich meine mit dieser Frage natürlich keine persönliche Nicht-Weiterentwicklung, das überlasse ich… keine Ahnung, Christian Lindner und Konsorten. Was wäre, wenn wir unsere Falten nicht wegspritzen würden, unsere Haare nicht färben würden und auch nicht die Nase konturieren. Keine schlank machende Jeans aussuchen.

Heute habe ich aus meinem riesigen Blumentopf eine halb verblühte Ranunkel abgeschnitten und dachte, hm, ist schade darum, ich entferne mal die vertrocknete Blüte. Schere geholt, abgeschnitten und somit “tot gemacht”, welke Blüten entfernt und schwupps, ich hatte eine perfekt aussehende Blüte, die ich jetzt ins Wasser gestellt habe.

Eine bessere Allegorie auf’s alt werden gibt es nicht, oder?

Natürlich ist es etwas, was man aushalten muss: Welke neben neu aufblühende Blüten. Sie sind ja auch noch schön, aber eben nur innen, außen etwas trocken und farblos. Diese Blüte schön halten, heißt sie abzuschneiden und sie eine Weile im Wasser zu konservieren, für eine vermutlich kürzere Zeit als im Blumentopf. Der Ästhetik wegen!

Und so machen wir es auch mit uns selbst, oder? Färben Haare, halten die Zeit mit gefährlichen Eingriffen auf dem OP-Tisch an, vernichten die Spuren vorangegangenen Lebens. Nur das Schöne, das strahlend Schöne und Blühende soll erhalten bleiben. Bloß: Wir sind keine Dekoration. Wir sind die welken Blüten, die schlaffe Haut, die grauen Haare.
Das heißt nicht, dass wir diese Blüte nicht mehr gießen, diese Allegorie bitte im Zaum halten: Wir gießen und düngen den ganzen Blumentopf und auch die langsam verwelkende Blüte, die sich dem Licht entgegen dreht und weiter wächst, obschon sie gleichzeitig langsam trocknet. Man genügt damit auch einer gewissen Ästhetik, auch wenn man den Verlauf der Zeit sichtbar macht und nicht negieren kann. Ich mochte immer am liebsten die Vanitas Stilleben der flämischen Maler, mit Blüten und Schmetterlingen, bunt und blühend, aber auch halb verwesend und mit schwarzem Hintergrund. Trivial mag es einem erscheinen, weil auf den ersten Blick nur “hübsch”, sind diese Bilder jedoch vollständige, verschlüsselte Kompositionen.

Und ach, gäben wir den grauen Haaren eine bessere Bedeutung! Der schlaffen Haut die Wertschätzung des schlichten Körperzusammenhaltens. Nope. Wir färben, quetschen und sagen in lustigen Videos, dass wir älter sind, um Komplimente fürs jünger aussehen einzufahren. Und dieses “wir” ist nicht anklagend, ich stehe da sogar vorne mit dabei und schwinge die Selbsthass Flagge. Welche Farbe hat die eigentlich?!

So bleiben wie ich bin ist gar nicht möglich. Die Spuren meines Seins auszuradieren ist gar nicht erstrebenswert.
Und es ist nicht leicht, die weißen Haare werden immer mehr, die Haut matter, die Pölsterchen schlaffer. Ich verwende mehr Highlighter, mehr Creme; ich verbringe zu viele Stunden damit, gut auszusehen, aber ich verzichte nicht auf einen extra für mich gebackenen Berliner. Seien Sie doch Sie selbst! sagte ein Mann neulich zu mir, und ich dachte, Aaaaalter, diese Aufgabe ist die härteste, denn mein Ich ist der Wandel und die Veränderung und das sich passend oder eben nicht passend machend in einer Welt, die mir permanent sagt, wie falsch ich bin, um mich im Hamsterrad des im Außen-Lebens zu halten. Und ab und an BIN ich einfach gerne in diesem Hamsterrad, ab und an gehe ich raus, und gucke mir und den anderen zu, die gerade auch abgestiegen sind, und wir reden darüber, und meist gehen wir da wieder zurück, manche weil sie wollen, manche weil sie müssen, manche weil sie wissen, dass es dazu gehört.

Und die weißen Haare überfärben: Mein erstes weißes Haar bekam ich nach der Geburt meiner Tochter (war auch eine krasse Nummer). Abgesehen vom gesundheitlichen Aspekt des Haarefärbens, der deutlich negativ ausfällt, ist jedes einzelne weiße Haar für immer mit etwas starkem und krassem wie dieses Kind verbunden. Finde ich weiße Haare trotzdem semi geil? Ja. Werde ich vlt doch Chemie-Tünche erwägen? Alle paar Wochen. Macht mir das alles Angst?!
JAAAAAAAA!

Was wäre, wenn wir so bleiben wollten?

Es geht nicht.

🙂


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