Empowerment – Wir sind alle Entrepreneurinnen

Es ist ein revolutionärer Akt in der heutigen Gesellschaft, als Frau sichtbar zu sein. #CreateYourself

Frauen dürfen. Alles.
Außer: Schön sein, auffällig, erfolgreich. Dann haben sie nix in der Birne, sich hochgeschlafen, sind Anhängsel und bestenfalls Influencerin, statt Entrepreneurinnen.

Die Beispiele finden wir reichlich auf Instagram. Leonie Hanne, eine sehr erfolgreiche Social Media Expertin, die mit 3 Millionen Follower, einem bezaubernden Lächeln und knallharten Brain ihr Business aufgezogen hat, vergisst niemals, jeden Tag dankbar zu sein, aber ich persönlich finde, sie kann sich das auf alle Fälle jeden Tag in erster Linie selbst zuschreiben. Ich finde es toll, dass sie nicht abgehoben ist, aber ich weiß mittlerweile, wie hart der Job ist, den die Blicke hinter den Kulissen sind zwar immer rosig-gefärbt, zeigen jedoch auch die knallharte Wahrheit.

Eine andere Expertin, die österreichische Beatrice Frasl, die im Bereich Mental Health arbeitet, wurde neulich als Influenecerin bezeichnet. Das ist niedlich, weil sie als Kulturwissenschaftlerin uns definitiv influenced, einen Antrag bei der Krankenkasse zu stellen, ansonsten außer Reichweite nichts mit dem Begriff zu tun hat. Sie als digitale Entrepreuneurin darzustellen? Niemals.

Als Unternehmerin ist diese Tage Madeleine Darya Alizadeh ein bisschen steil gegangen, nachdem sie angefeindet wurde. Sie hat sich eine Immobilie gekauft, und ja, sie ist jung und erfolgreich UND sieht dazu normschön aus. Ich persönlich finde sie beispielsweise aus irgendeinem Grund unsympathisch, sicherlich ein Funken Neid, aber sie hat alles richtig gemacht und ich bewundere ihre Marke und ihren Erfolg auf Social Media. Einen Shitstorm für Erfolg zu bekommen, das steht nur Frauen zu. Währenddessen sind Millionärssöhne wie Elon Musk voll der Knaller und werden gehypt für jeden peinlichen Auftritt und sind Vorbild ganzer Männer-Generationen. Ich kotze sanft in die Ecke.

Und nehmen wir mal jemand aus meinem persönlichen Umfeld, eine erfolgreiche ITlerin, die sagte, so mit 50 darf sie sich entspannen, davor darf sie nicht zu hübsch sein und zu teure Handtaschen tragen, weil es ihrem Können Abbruch tut, da sie sonst als Püppchen abgetan wird. Die Frau ist knallhart, witzig, liebenswürdig und attraktiv, was sie jedoch definitiv runter spielt. Der Erfolg gibt ihr leider recht, und sie sagte, es fehlen Vorbilder, es fehlt Empowerment, sich hinzustellen und zu sagen: Ich BIN, Bitches, denn das steht scheinbar nur sehr erfolgreichen und sehr reichen Frauen zu, also den drei üblichen Verdächtigen, die wir immer vor die Nase gehalten bekommen. Uns wird ein Narrativ vor die Nase gehalten, das zum einen bestätigt, es geht, aber gleichzeitig unerreichbar ist, denn reich geboren sind nun mal weniger, und von da aus ist es halt etwas einfacher. Post Scriptum: Meritokratie gibt es nicht wirklich.

Also gehen Frauen in Sack und Asche, sind ewig dankbar, haben einen Partner „ohne den sie es nicht geschafft hätten“, sind witzig, weil knallhart ist bitchy, und vor allem bescheiden und achtsam und sagte ich schon, dankbar?

FRAU, SEI DANKBAR, ACHTSAM, NETT UND FREUNDLICH. Und ja nicht zu kurz der Rock und nicht zu ausladend das Dekolleté, in das sowieso jeder starrt. Ich habe gelernt: Own it. Wer sichtbar ist, aufgrund welcher Eigenschaft auch immer, muss auch lernen souverän zu sein. Das ist die Master Class schlechthin. Souveränität im Umgang mit einem nicht wohlwollenden Umfeld ist eine Königsdisziplin.

Empowerment ist nur leider kein Handtäschchen, das man sich anziehen kann, es ist quasi nur die Hefe im Teig: Ein Starter. Ich habe mir eine neue Berufung als Stylistin zwar auch wegen den Klamotten ausgesucht, ich kann es einfach, aber auch um Empowerment zu liefern, deswegen den Zusatz Image Consultant. (Habe ich mich gerade als Hefe bezeichnet? Ich bin ein Pilz! Urgh.)

Das Narrativ können wir nur selbst ändern und in erster Linie bei uns und für uns, und ja, es ist anstrengend.
Es wirkt zuweilen trivial – über Klamotten?! Über High-Heels oder Handtaschen? Oder einen bunten Schal? Ja, weil Sichtbarkeit auch Handlungsfähigkeit bedeutet. Es gibt sogar ein Buch, übrigens wurde die Autorin wegen ihrem roten Lippenstift geshitstormt, ehrlich, und das 2020!!, – und das Buch heißt sehr treffend: Wer nicht sichtbar ist, findet nicht statt. Die Entrepreneurin Tijen Onaran ist eine eierlegende Wollmilchsau, Autorin, Chefin, krasse-Anzüge-Trägerin (sie hat eine tolle Berliner Stylistin) und hat aus ihrer Schwäche, nämlich ZU sichtbar zu sein, ihren Erfolg begründet. Ist es so einfach? Ehrlich gesagt, ja. Das weiß ich aus Erfahrung.

Empowerment ist nicht Selbstoptimierung als Hobby oder Arbeitsbeschaffungsmassnahme. Es kann nicht sein, das wir unser Leben mit drölfzig Coachings verbringen in der Hoffnung, das alles gut wird. Es ist nicht nachhaltig. Ich vergleiche es gerne mit Sport: Ja, Massage ist geil, aber machen muss man selbst etwas, damit eine Änderung dauerhaft wirkt, und ja, das ist anstrengend, zumindest am Anfang. Nicht jedeR braucht Sichtbarkeit oder eine Stilberatung, aber vielleicht tatsächlich Hilfe, den richtigen Sport zu finden, oder will an der Körpersprache arbeiten, oder braucht Empowerment für eine Gründung, oder Coaching in Bereich Partnerschaft und Sex. Gibt es alles.

Sichtbarkeit, neue Klamotten, check, jedoch macht erst das darin steckende Narrativ des empowered-seins es nachhaltig. Klamotten dürfen natürlich auch gerne nachhaltig sein, klar.

Ja, wir brauchen Empowerment und Anerkennung dessen, was wir leisten und können. Ändert die Sprache, ändert das Äußere, ändert das Narrativ – das geht ehrlich gesagt sehr einfach.
Es ist mir peinlich, weil ich das Geheimnis eigentlich für viel Geld verkaufen will, aber es ist sehr einfach: Glaube es.

Auf Instagram findet Ihr eine Zusammenfassung und paar Kommentare dazu, Ihr könnt mir gerne zwei Euronen paypalen oder mir Blumen schicken (OMG dafür würde ich gerade töten!!)

Entitlement – warum ich über meine eigenen Privilegien sinnieren kann

Eigentlich wollte ich einen mal wieder wütenden Rant über male entitlement schreiben, anlässlich einer Konversation mit einem „Dude“, wie die Autorin Sofie Lichtenstein so schön sagt, ich bevorzuge ja immer noch die Bezeichnung Schwanzträger, das ist eloquenter und semeiotischer: Es heißt ja auch „Träger von Bedeutung“. Ok, in diesem Falle reduziert auf „Träger von Erbgut“.

Da allerdings sich alle und alles ständig und permanent um irgendwelche Schwanzträger dreht, habe ich keine Lust mehr mich einzugliedern, und ehrlich, seid wann singt Beyoncé, meine Beyoncé, die Feminismus als Marketing-Tool verwendet es aber auch lebt, so ein bisschen, bitte raubt mir nicht die Hoffnung! – seit wann singt sie „Long live the King, you a King, you know it“ wenn es korrekterweise heißen sollte LONG LIVE THE QUEEN YOU A QUEEN YOU KNOW IT….?
Fun Fact: Das Lied lässt sich hervorragend mit diesen geänderten Part singen.
Also, weg von den Schwanzträgern, weg von den Männern, zu denen, die sonst nicht im Mittelpunkt stehen.

Eigentlich nicht zu mir.

Ich stehe im Mittelpunkt, ich ermögliche mir das immer wieder, nehme es mir heraus, tue es, das Unziemliche oder gar das Unziemlichste für eine Frau. Sich Sichtbarkeit zu verschaffen ist in Deutschland ein absolutes No Go, Frauen werden angefeindet ob ihrer Kleidung und ihres Lippenstifts, ich schrieb darüber.

Okay, ich bin total privilegiert. Ich habe das Glück gehabt, Zeit meines Lebens gefördert zu werden. Lehrer:innen die sich Zeit genommen haben, Freund:innen, die mit Geld ausgeholfen haben, Arbeitgeber:innen, die mir ein Job gaben. Damit und natürlich mit viel Arbeit, die ich gerne unterschlage, mit viel Hirn sicherlich auch, habe ich mich auf einmal dort wiedergefunden, wo ich hätte starten können, wäre mein Werdegang die übliche Mittelschicht-Blase vieler deutscher Autor:innen. In einer soliden und sicheren Mittelschicht. Ich habe mir mein Umfeld, das ich in Rumänien verließ, quasi zurück erarbeitet. Aber, wenn ich hier schon wieder mit Pop-Musik-Referenzen um mich werfen darf: I’m still Jenny from the block. Ich bin die, die in der Schule schon Hartz4 bezog und nebenbei schwarz gearbeitet hat. Die schon mit zehn Dostojewski gelesen hat, im Studium dann nicht mehr so viel, weil drei Jobs.
Jaha, ich bin die, die sehr überzeugend ALTER sagen kann und auch sonst so prollig sein und reden kann, dass es alle prvilegierten Menschen als „erfrischend“ empfinden können.
Darf ich mich endlich öffentlich äußern? FICKT EUCH. Fickt Euch dafür, zu jemanden, der eben nicht das Glück einer Mittelschichts-Lehrerkind-geburt hatte, „frech“ oder „erfrischend“ zu sagen. Und hört auf, Euch ständig zu vergleichen, und zu sagen, ich hatte es auch hart. Im Leid ist es immer absolut hart, und nicht relativ-alles klar? Es gibt da einfach keinen Vergleich.

FICKT EUCH ALLE. (Und ich reihe mich ein, denn ich bin jetzt eine privilegierte Person).

FICKT EUCH ALLE, FICKEN WIR UNS ALLE INS KNIE: Weil wir nichts tun.

Aktionismus und Vorträge halten und Podcasts basteln, yeah, wie schön, am Ende des Tage verbleibt es in dem Umfeld, in dem es entsteht. Weil wir uns am Ende des Tages nicht die Finger dreckig machen. Ja, wir kaufen eine Seife mit der wir gleichzeitig Geld spenden, aber keiner geht in den Obdachlosenecken, wo es stinkt, und redet fünf Minuten und droppt einen fünf Euro Schein für egal was. Für mich persönlich habe ich eine super Ausrede, aber ehrlich, es ist am Ende des Tages einfach nur Feigheit. Ja, ich bin feige, mich damit auseinander zu setzen, dass ich zwar was dafür getan habe, um hier zu sitzen und mit die Finger wund zu tickern auf ein Gerät, dass das Essen für ein Jahr !! für eine erwachsene Person bei Hartz4-Bezug gekostet hat. Ja, ich bin das Arschloch, aber ich glaube, ich raffe langsam dass so etwas wie „male entitlement“ zwar sehr scheiße ist, wir aber ein wesentlich größeres Problem haben, das nun akut sichtbar wird.

Ja, wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, und trotzdem ist Armut hier ein Thema. Eines, das auf keinen Fall angegangen wird oder sichtbar gemacht werden darf und soll.
Kinderarmut. So ungerecht.
Altersarmut. Systemisch bedingt und allen egal, weil es sie nicht betrifft, nicht jetzt, nicht morgen, um dann aufzuwachen in den eigenen Exkrementen weil die Hilfe fehlte, die Menschenwürde auch im Alter ermöglicht.

Und jetzt komme ich ausgerechnet vor Weihnachten ums Eck mit so einem Thema.
Da bleibt einem der vegane Bio-Braten im Hals stecken. (Seriously, was ist ein veganer Braten?)

Ich will niemanden ein schlechtes Gewissen machen. Wenn, dann will ich zur Revolution auffordern, dazu etwas anzuzünden, und so weiter.
Oder einfach mal kurz sinnieren, wie gut man es hat. Und das Privileg nutzen. Kannst Du Weihnachten nicht zu Oma? Du hast bestimmt alte Nachbarn. Drop mal Dein iPad vor die Türe, eingeschaltet, und feiere mit denen online.

Ach so, habe kein Fazit. To be continued.

Maskne ist keine Akne: Maskentragen und Pflege

Tja, das meiste steht schon in der Bildunterschrift, aber ich werde es nicht satt zu erwähnen: ES GIBT KEINE MASKEN-AKNE!!

Es gibt eine Pandemie, es gibt Masken, es gibt keine Gründe, diese nicht zu tragen, es sei denn ein Sauerstoffbeatmungsgerät, aber diese Leute werden sicherlich andere Probleme als Pickelchen haben.

Natürlich muss man die Hautpflege anpassen. Die Feuchtigkeit in der Maske ist nicht so schlimm für die Haut, aber wer mit Ausschlag und Pickel reagiert, muss die Pflege ändern. Weniger ist hier besser, und Foundation muss man eventuell wegalssen oder sehr sparsam lokal auftragen – wozu Foundation, wenn die Maske eh den ganzen Tag aufbleibt?!

Die Dermasence Creme ist sehr schön, bis auf die seltsame Beduftung, aber die nehme ich in Kauf. Um die 12 Euro Straßenpreis, kann sie gut die Haut durchfeuchten und durch den elichten Salicylanteil vor Pickelchen schützen. Avocadoöl ist eh eine sehr gute Komponente in Kosmetik. Die Creme habe ich tatsächlich sogar nachgekauft, im Sommer hatte ich sie häufig benutzt, und jetzt tagsüber unter der Maske ist sie auch genau richtig. Und ja, ich habe eine richtige Akne, deswegen reicht diese sehr leichte Pflege.

Wiederentdeckt habe ich das Clinique Serum, das alles kann und nichts: Es ist leicht, aber nahrhaft, silikonig aber nicht klebrig, und sehr sparsam in der Anwendung. Das ist auch gut so, denn es ist recht teuer mit 65 Euro/50ml. Warum ich das sage? Weil keine Creme irgend etwas kann, was tatsächlich 200 Euro kostet. Keine! Schon etwas pflegender als die Dermasence Creme, aber ausreichend unter meiner Maske, die so gut abdichtet, dass ich ab und an doch ein paar Schweißperlen runterlaufen habe.

Die Öko-Variante gibt es noch und ja, Dr. Hauschka und WALA sind Anthroposophen und das ist nicht gut, und dennoch bin ich opportun und kaufe die Produkte, weil ich sie mag und weil sie funktionieren… Die Quittencreme ist sehr feucht und sehr wachsig, weshalb sie dünn aufgetragen werden kann. Eigentlich ist das eine Creme zum Schichten, also noch ein Serum drunter und eine weitere Creme – doch sie schlägt sich als Solist ganz wunderbar und man bekommt sie für ca. 22 Euro UVP. Abends benutze ich sie auch gerne, dann aber in Kombination mit einer reichhaltigen Creme und nicht zu sparsam! Die Speckschwarte am nächsten Morgen ist safe, aber dafür ist meine Haut auch gut gepflegt.

Wenn also das Marketing wieder #Maskne ruft, stellt Euch taub. Man braucht keine neue Wundercreme und man bekommt auch keine Krankheiten durch das Tragen. Eine eventuell aftretende PD, die periorale Dermatitis, ist ein Zeichen von überpflegter Haut und natürlich auch Streß. Da hilft einfach nichts. NICHTS wie in „nichts drauf machen“.

Was hilft sonst noch? Sehr viel Wasser trinken. Schlafen. Meditieren. Nachts spazieren gehen, morgens spazieren gehen, Mittags spazieren gehen, Vitamin D supplementieren und eine Psychologin aufsuchen, Leute anrufen und WEG VOM BILDSCHIRM, LIES MAL EIN GUTES BUCH!
Und:
Atmen und warten. Ein Impfstoff wird kommen, die Pandemie wird zwar noch dauern, aber uns sollten die Masken erhalten bleiben. In der Erkältungssaison ein Segen, in der Allergie-Saison ein Segen, – ja, was sollen wir sagen: Endlich japanische Verhältnisse!

Ja, Lippenstift fehlt, aber dafür haben wir ja immer noch die Zoom-Sessions.