War die Mutter Gottes Maria die erste offizielle Leihmutter?

Für Blasphemie bin ich weniger bekannt, zumal ich nun im Alter mich dem Glauben an Gott gewandt habe. Mangels Perspektive auf irdischer Seite, muss ich sagen, denn wenn alle so durchdrehen, muss ich an das gasförmige flüssige Dings glauben, um selbst klar zu kommen.

Meine Gedanken haben lange mariniert und ich habe sehr viele Meinungen zum Thema Leihmutterschaft auf Social Media gelesen, der Tenor der nicht Betroffenen, die also Eltern werden könne, lautete dabei: NEIN. Der Tenor der Frauen: NEIN. Der Tenor der medialen Öffentlichkeit: “Man muss darüber reden.”

Reden wir also darüber.

Ich werde meinen persönliche Senf erst zum Ende geben, schauen wir uns erstmal die Fakten an.

Eine Schwangerschaft ist immer ein Risiko und dieser wird durch künstliche Befruchtung erhöht. Frau kann also schon vorher durch die Gabe der Hormone zwecks Vorbereitung des Ganzen sterben. Wird da noch rumtransferiert von A nach B, sind es dann auch zwei betroffene Frauen. Männer müssen auch eine saubere Weste haben, aber das tut denen bestenfalls gut (Diät und Antibiose).
Bei der Geburt können sowohl Mutter als auch Kind sterben.
Wieviel ist das einem wert? Zwei hundert Tausend Euro?? Eine Million? Zwei??

Da es keine automatische Bindung gibt durch das Gebären – zumindest nicht am Anfang, die Natur wartet erst mal ab ob beide Parteien überleben und lässt die Bindung entstehen durch Kontakt, könnte man hier sagen, naja, wird schon gehen.

Zum Thema unerfüllter Kinderwunsch kann ich auch nur zweiter Hand davon berichten: Es wird zur Obsession und konsumiert alles im Alltag der Betroffenen. Eine Sache, die man schwer nachempfinden kann, aber sicherlich nachvollziehen kann. Adoption ist ein behördlicher Alptraum und für gleichgeschlechtliche Paare zwar irgendwie möglich, aber die gängige Lösung von drei Eltern hat in DE keine rechtliche Grundlage. So können zwei Frauen den biologischen Vater zwar mit einbinden, er ist aber kein Elternteil, zwei Männer und die Mutter können es auch so regeln, aber die Mutter muss dann, wenn ich es rechtlich richtig erfasst habe, wohl auf ihr Sorgerecht verzichten?!, und der zweite Vater kann nur später adoptieren.

Ja, aber hat man ein “Anrecht” auf leibliche Kinder? Man hat ein Anrecht auf sein Leben, danke Grundgesetz, auf Fortsetzung seiner Genetik rein rechtlich nicht.

Hier kommen wir zum Kern des Problems: Wenn Männer unbedingt ihre Gene weiter geben wollen, tun sie das in der Regel gewaltsam, die Geschichte hat reichlich Vorfälle. Die Mythologie dreht sich überwiegend um Vergewaltigungen. Gewalt ist nicht nur körperliche Gewalt, sie kann auch psychologisch oder finanziell sein, es bleibt eine Facette von Machtmissbrauch. So ist das Erzwingen einer potentiellen Schwangerschaft beim sonst konsensualen Geschlechtsverkehr mittlerweile auch strafbar.

Die Situation, die bei einer Leihmutterschaft entsteht, kann durchaus als gewaltsam empfunden werden: Die Leihmutter ist durch ökonomischen Zwang dazu entschlossen, ihr Leben in die Waagschale zu geben. Wenn es sauber abläuft und sie tatsächlich Geld bekommt; oft ist es auch nicht der Fall, denn ja, es gibt Menschenhandel. Hier sind also alle Parteien rechtlich gesehen freiwillig im Vertrag.
Man muss natürlich weitere Dinge fragen: Was ist mit den anderen befruchteten Embryonen? Es wird ja auch nach Geschlecht und Qualität ausgewählt. Wenn das erlaubt ist, warum ist eine Abtreibung nicht erlaubt? Und warum ist Leihmutterschaft nie ein Thema für eine Millionärin, die eh nix zu tun hat, mal ein Kind so für Freunde auszutragen?

In allen Fällen tragen Frauen immer das Risiko – Frauen, die ihren Körper nicht hergeben wollen oder können und stattdessen bezahlen, müssen trotzdem für die Ei Entnahme ein Risiko tragen. Männer… nicht. Männer, die dann noch ein männliches Embryo auswählen und sich im Kreise totalitärer, frauenhassender anderer Männer bewegen, – da sieht es dann schon wieder ein bisschen eklig aus. Man kann sich denken, an wen ich dabei denke.

Nun hat man mit Maria aus der Bibel ein interessantes Beispiel einer Leihmutterschaft, in der ein Gott (männlich gelesen in fast allen Kulturen) eine Frau geschwängert hat und diese einen Propheten, natürlich männlich, zur Welt gebracht hat. Zumindest dieser Teil soll sich halbwegs friedlich zugetragen haben. Entstanden ist ein Mann – dabei trägt die Frau das Erbgut weiter, aber Frauen kommen im Christentum nicht in weiteren Hauptrollen vor.

Kehren wir nun zur Anfangsfrage zurück: Wieviel wäre es mir wert, wäre es dir wert, mit erhöhten Risiko eine Schwangerschaft durchzuziehen, zu gebären, und dann das Kind weg zu geben?

Also Todesrisiko, unheimliche Schmerzen, und eine psychologische Macke für den Rest des Lebens.
Wieviel ist das Wert? In Zeiten von Milliardären sollte man meinen dass es sehr viel Geld wert ist, in Zeiten steigender Armut und Verteilungsungerechtigkeit: Angebot und Nachfrage – es wird billiger…

Die Frage möge sich nun jedeR selbst beantworten. Männer tragen keinerlei Risiko, ich weiß nicht inwiefern sie da was dazu sagen sollten.

Ich persönlich sehe das so:
Ich habe Kinder, und ich liebe Kinder. Aber ich liebe alle Kinder und es wäre mir humpe, ob sie aus meiner oder einer anderen Vagina rauskamen.
Eine Adoption habe ich nie erwogen, geistige Unreife hat diesen Gedanken gar nicht aufkommen lassen. Gerade im Alter würde ich dafür plädieren. Du willst mit 52 doch noch Kinder? Adoptiere eines, das schon älter ist.
Natürlich wäre es schön wenn alle Kinder haben – müssen es unbedingt leibliche sein?! Fuck nein, und Babys müssen es auch nicht sein. Ein guter Eltern zu sein ist ein Weg, den man mit dem Kind gehen muss, und das Kind kann dafür auch älter sein. Ja, es ist anstrengender dann.
Der Shortcut? Die dreiteilige Elternschaft für gleichgeschlechtliche Paare, insofern alle einigermaßen familiär verbunden sein wollen. Es gibt genug Alleinerziehende, also können sich ein bis zwei Elternteile ohnehin immer verpissen, aber bei einer legalen Grundlage kann man davon ausgehen, dass man sich einig geworden ist. Co-parenting geht schließlich auch für getrennte Paare mit Kindern. Ja, da könnte man auch über die Finanzierung einer IVF sprechen. Müssen dann alle drei heiraten halt. Ja, das sprengt die “natürliche” Ordnung LOL

Andere Frage: Interessiert sich hier eigentlich irgendjemand für die Kinder oder sind sie ein schwer zu bekommendes Accessoire, ähnlich einer Hermès Quota-bag, für die man erstmal eine Einkaufshistorie in sechsstelligem Bereich haben muss??

Wie immer in solchen Fragen, es gibt verschieden Perspektiven und die rechtliche zeigt eindeutig, wie wenig solche Sachen von einer LLM, umgangssprachlich KI genannt, überlassen werden sollen.

Dass ökonomische Macht in der Realität darüber entscheidet, sollte nicht so ein, und dafür müssen wir zwei Dinge hinterfragen: Das kapitalistisch-faschistische System per se und die inhärente Frage, ob Frauen Menschen sind.

Und – Ob man immer den bequemen Weg gehen darf? Wer eine Utopie zum Thema sehen möchte, der Film “Die Insel” mit Scarlett Johannsen ist eine Aufbereitung dessen, was man könnte, und ob man es sollte. Ich werde Tag meines Lebens Alpträume davon haben, daher überlegt euch gut, ob ihr euch den Film anschaut.

Kuh oder Ziege, aber der Trend geht eigentlich zum Zebra

Meine Statistiken sind seit Jahren recht deutlich: Der Beitrag zu dem Spruch “Kuh oder Ziege” gehört zu den beliebtesten beziehungsweise am häufigsten aufgerufenen Beiträgen auf den Blog. Ja, es heißt der Blog, warum das so ist, schrieb ich in meinem Buch.
Hier ist der Beitrag zu finden https://www.mybeautyblog.de/kuh-oder-ziege-altern-ist-nichts-fuer-schwache-bindehaut/ – bitte die Kommentare lesen, sie sind schön und klug. Aber ich ordne den Beitrag neu ein, mit der dazugewonnenen Altersweisheit, die mir meine langjährige Therapeutin bescheinigte.

Immerhin bin ich satte acht Jahre älter und habe diese wundervolle Tochter, die mich regelmäßig daran erinnert, dass andere Frauen, bÜschi älter als ich, gerade mit ihren Enkelkindern an der Hand gehen, während ich meiner Tochter sagen muss, dass ich sie leider nicht mehr hoch heben kann, zu wenig Sport gemacht.

Kuh oder Ziege ist ein wahnsinnig ageistischer (Ageismus: Altersdiskriminierung) und misogyner (Misogynie: Sexismus explizit gegenüber Frauen) Spruch, und es ist überhaupt nicht erstaunlich, dass ich ihn zuerst aus dem Munde einer Frau hörte. Wer, wenn nicht Frauen, die patriarchale Logik ab Geburt injiziert bekommen, würden das sagen. Ohne Fragezeichen, es ist keine rhetorische Frage, sondern schlichtweg eine Feststellung und sind wir ehrlich, es hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Durch plastische Chirurgie als wesentlich massentauglicheres Produkt, spielt das Aussehen und der Alterungsprozeß gesellschaftlich eine immer größere Rolle hinsichtlich Distinktion und Klassenzugehörigkeit. Früher waren Tattoos und lange Plastiknägel Sexworkerinnen vorbehalten, genau wie der riesige Silikonbusen, heute ist es Mainstream.

Auf das Alter bezogen wird die Frage der Distinktion allerdings sehr interessant. Je nach Generation und auch wieder Einkommensklasse gehören einige Dinge dazu: Sehr schlank sein, sehr durchtrainiert sein, kleine kosmetische Eingriffe wie Botox und Filler, oder eben das komplette Programm inklusive Lifting. Immer wieder stechen dann ein paar selbsternannte Feministinnen wie ich heraus, die aus ihrem privilegierten Leben heraus schreien: Ich mache das alles nicht! Ich bin gut so wie ich bin! und das durchziehen. Hut ab, aber auch: Wirklich??*

Denn sind wir ehrlich, diese Frage mit Kuh oder Ziege war relativ einfach. Nun gesellt sich die dritte Option dazu, die den Rest der Frauen einfängt: Sei ein Zebra. Kräftig, muskulös, wild, auffällig. Gesund! Also – nicht hungern, sondern essen, aber nicht dick werden, sondern kräftig. Sport bis zum umkippen, Hormone, Gewichte, Protein.

Persönlich finde ich das gut und richtig, sich in Richtung Gesundheit zu bewegen (das nennt man übrigens Saneisumus und kann auch zwanghaft und pathologisch werden!), aber ich muss zugeben,selbst aus meiner ziemlich privilegierten Situation heraus (kein 9/5, Kinder nicht täglich) laufe ich sehenden Auges in eine Falle hinein, die genau so ist wie die Kuh oder Ziege Frage, nur bloß in einer anderen Färbung. Saneisumus eben.

Du musst, du sollst, du kannst ja. Ein Zebra ist keine Ziege, hat wenig Falten; ist keine Kuh, nicht allzuviel Volumen, dafür straff und stramm, und sie fällt auf in der Menge der monochrom gestalteten eben genannten Tiergattungen. Klingt gut!! Klingt doch richtig richtig gut!

Außer – so lange diese Einordnung stattfindet, findet sie statt als Beschäftigung mit sich selbst, was zu einem gewißen Grade gesund und notwendig ist, aber auch als Ablenkung:
Ablenkung von den Ungeheuerlichkeiten dieser Welt und des Alltags.
Das Kind, das mein Kind geschlagen hat, wo die Sportlehrerin nicht regiert hat. Ja, da müssen wir auf die Barrikaden – nicht wegen des Kindes, sondern wegen der Lehrerin.
Der Mann, der eine Frau auf der Straße belästigt und rassistisch beschimpft. Ja, da habe ich Prügel riskiert, und hatte Glück, dass ein Mann(!) eingriff.
Der Staat, der eine faschistische Agenda fährt, verbrämt unter dem Deckmantel von Konservativismus.

Zebra ist gut. Zebra ist gut, versteht mich nicht falsch, aber noch besser wäre ein Mittelding aus Selfcare, Kraft und tatsächlichem Bewusstsein der äußeren Umstände. Es ist wahnsinnig anstregend, neben dem Alltag mit Arbeit in jeglicher Form die furchtbare Lage der Welt auszuhalten und nicht auszublenden. Ich persönlich blende es mittlerweile limitiert ein, denn ich möchte nicht ignorant bleiben. Ich kümmere mich um mich, wenn ich mich auch mittlerweile in eine ganze andere Schublade als die obigen drei einordne. Ich lade ein, es mir gleich zu tun, zwinge aber niemand, und vor allem bestärke ich diejenigen, die sich für ihren Weg entscheiden, egal wie der auch ist, nicht ohne konstruktive Kritik vorzuenthalten. Aber das bin ja nur ich.

Also, um es nochmal zusammenzufassen – Altern ist so lange Würde, so lange man nicht altert; die Entscheidung welche Form das Altern einnimmt, spielt eine viel zu große Rolle in unserem Leben als Frauen.
Dabei schenkt uns das Altern Weisheit, und zwar nur den Frauen, aus einem ganz klaren Grund heraus: Wir können Wissen weiter tragen. Deswegen sind Frauen ab einem gewissen Alter gefährlich, werden bekämpft und unsichtbar gemacht. Das wiederum kann erhebliche Vorteile haben, denn man wird übersehen, und vergessen wir nicht, Meuchelmord ist immer eine Option, natürlich im übertragenen Sinne und eher als historisch-rhetorischen Witz gemeint.

Die Frage lautet also nicht Kuh, Ziege oder Zebra (wie schaffe ich es eigentlich immer diese Alliterationen hinein zu bringen?), sondern wem trete ich wann wie dolle in den Arsch.

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* Ich bin mir dessen gewahr, dass mit anderem Umfeld und Möglichkeiten aus mir sehr wahrscheinlich eine ekelhafte, operierte, snobistische und selbstgerechte Tussi geworden wäre.

Der Bauch

“Das kaschiert schön den Bauch” und “Hmmm, da sieht man meinen Bauch so dolle” sind sicherlich die häufigsten Sätze in Umkleiden.

In Umkleiden von Frauen eh.

Der Bauch! Das buchstäbliche Kriegsfeld der Macht und Bestimmung über die Frau. Der Ort, wo unsere Organe sind, wo wir komplette neue Menschen entstehen lassen, wo sich unser Survival-Kit befindet (Fett für schlechte Zeiten) und, je nach Kultur, eigentlich ein Schönheitsideal.

Wenn ich zu einem Mann sagte “Zieh den Bauch ein”, würde der mich maximal irritiert angucken und antworten: “Ein Scheiß mache ich” während Frauen in Smalltalk gestehen, dass sie permanent den Bauch einziehen. Das ist nicht schlecht wenn man es als Training sieht, weil die Körpermitte und der Rücken wichtig sind, aber hier geht es nicht um Haltung, sondern um – HALTUNG.

Wir haben den Bauch als Kriegszone. Er darf sein als Schwangerschaft, aber sonst nicht. Eine gefährliche, schmerzhafte entzündliche Krankheit wie Endometriosis, im Bauchraum angesiedelt, das ist bitte abzustellen. Es gibt kaum Forschung dazu, die Frauen verbluten halt monatlich und leiden unterm Eisenmnagel und Schmerzen. Wie der Körper da aussieht, ist da echt mal Nebensache. Bluten, so unästhetisch! Und der geschwollene Bauch! Also ne, damit wollen wir uns nicht befassen, und dann ist es eh zu kompliziert und komplex und schon gewusst, die Zeichnungen zum Uterus und den Eierstöcken und alles drumherum (buchtsäblich!!) die wir sehen und lernen sind FALSCH?? Sie sind buchstäblich falsch?! Die Hälfte der Weltbevölkerung wurde ignoriert, während wir zum Mond fliegen und Roboter bauen (LOL) aber ja, wir leben medizinisch immer noch im MittelalterSteinzeitalter in bestimmten Segmenten. Zum Beispiel der Körper der Frau. Der Bauch! Natürlich nur der weibliche…

Der Bauch (und damit wird bezeichnenderweise die dazugehörige Person einfach ignoriert) ist eine Kriegszone für uns Frauen, weil dort unbeschreibliche Dinge stattfinden. Gewalt, Entmündigung, Demütigung. Abtreibungsverbote, erzwungene Sterilisation, keine Sterilisation, und blanke Diskriminierung.
UNSERE Bäuche tragen quasi die Welt in sich. Und wer das versteht, versteht auch, warum dieser Teil unseres Körpers so politisch ist. Wir Frauen haben die Macht über die Welt – durch uns selbst! Krass, oder? Die permanent sich verändernde Körpermitte, weich, hart, schmerzend, gestreift, weiß, gerissen – dein Bauch ist eine Insignie der Macht. Und aus dieser Perspektive machen die Dialoge in der Umkleide irgendwie keinen Sinn. Und nein, es geht nicht um die Frau als Gefäß fürs Kinderkiegen – wer auf diese Idee kommt, sollte seine widerlichen Fascho-Fanatasien bitte woanders abladen, am besten auf die Müllhade.

Ein Perspektivwechsel! Dein Bauch ist eine Insignie der Macht.

Die Farbe Rosa – das Spiel um Bedeutungsmacht

Nach dem Barbie-Hype spätestens ist Rosa so normcore geworden wie Jeans und Turnschuhe, zumal die Farbe seit mehreren Jahren trendet (die Modeindustrie setzt es uns ja auch vor).

Während sowohl 6jährige als auch 86jährige die Farbe Rosa lieben, die gemeinhin mit Weiblichkeit und Verspieltheit assoziiert wird, ist es immer noch ein ziemliches No Go, in bestimmten Settings in Rosa gekleidet aufzuschlagen. Als Frau natürlich nur. Männer in rosa Hemden sind hingegen chic.

Erinnern wir uns doch mal daran, dass Make-up, Absatzschuhe und helle Farben bzw. Rosa genuin männlich konnotiert waren, und das über Jahrhunderte und Jahrtausende sogar, wenn man Make-up im Sinne von Gesichtsbemalung versteht.

Wie ist es dann heute, wenn eine Frau sich rosig anzieht? Und da kommt einfach der kulturelle Kontext im Spiel, denn die Farbe ist “girly” und aufmerksamkeitsheischend, manche sagen immer noch “schwul” (blöde Homophoben!) und auf alle Fälle unseriös. Diesen Kontext übernehmen immer mehr Frauen in männlich stark besetzten Positionen und spielen damit, konterkarieren ihn: Die Anwältin, die ihre gesamte Kanzlei und Mitarbeiterinnen in Rosa getaucht hat (findet man auf Instagram und TikTok und ja, es ist eine richtige Anwältin!) und die Wissenschaftlerin, die im rosa Kostüm einen Vortrag hält, Dr Anjana Khatwa auf der FindingADA Konferenz:

Damit spielt man den Ball der vermeintlich schwachen, femininen Person zurück ins Feld der Misogynie – fürs erste, knabbert zudem gleichzeitig an der ursprünglichen Bedeutung der Farbe für Männer aka Macht. Was ist männlich? Was ist weiblich? Was ist überhaupt Geschlecht und wer bestimmt darüber, in einer Zeit in der man (wieder, muss man sagen) aus Rollenkonstrukten rausbricht?

Doch es ist alles nicht so einfach, und ich will das Besipiel sein, warum das echt schwer ist, Symbole neu zu gestalten, denn die Saat der internalisierten Frauen- und Selbstfeindlichkeit sitzt so tief, wie es eben nur kann, egal wie wahnsinnig aufgeklärt und belesen man ist. Ich nämlich, und es ist mir unheimlich peinlich zuzugeben, ich liebe Rosa. Ich liebe auch Fuchsia, das allerdings nicht so eine “weiche” Konnotation hat, aber wirklich wirklich lieben tue ich das helle, rosige, fluffige, freundliche und heitere Kaugummirosa.
Und? Abgesehen davon, dass ich künstlerisches intelektuelles *augenrollen* Schwarz trage, ist es mir schier unmöglich, in Rosa zu kleiden, ohne mich seltsam zu fühlen.
Die Assoziationen sind folgende: Zu kindlich, zu kreischig, zu jung, zu unseriös. Unseriös!
Oh, und diese Gedanken sind leider völlig normal. Jede*r von uns denkt das. Bis auf Kita-Kinder, denen man noch eintrichtert, dass Farben und Kleidung für alle da sind, was sich aber ab der 2. Klasse spätestens auflöst.

Leider gibt es nur eine Möglichkeit der Veränderung: Man muss diese Veränderung sein und nicht nur predigen, sondern auch leben.

Da sollte ich vorgehen, aber in diesem Falle ziehe ich mir elegant raus: Ich bleibe im Hintergrund, schwarz, und “verkaufe” allen anderen Farbe. Tschakka.

P.S. Mir fällt ein, dass in Tokyo manche Bahnstationen in einem Rosa-Melba waren, während das blaustichige Rosa synonym zu Kawaii stand. Was die rosanen Bahnstationen bedeuten? Vermutlich nichts, es ist lediglich ästhetisch.


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Sei eine Mutter!

Sei eine Mutter!
Wisse alles, könne alles, reiße Dich auseinander und reiße Dich zusammen!

Neulich beim Schwimmunterricht für meine Tochter: Ich war das erste mal dort, den anderen Termin hatte der weltbeste Ex-Mann wahrgenommen. Um mich herum nur Frauen. Im Tal der Ahnungslosen fragte ich ständig “Wo ist dies?” und “Wo ist das?” und wurde mitleidig angeschaut und: Ignoriert. Richtig, ich bekam keine Antwort. Natürlich hatte man meine Frage gehört – die Frauen schauten in meine Richtung, und keine antwortete.

Da begreift man, dass Unwissen und “sich nicht kümmern müssen” ein Privileg für Männer ist. Denn jeder Mann wäre dort gefeiert worden, der sich so liebevoll um sein Kind kümmert. Als Mutter ist das scheinbar ein Pflichtprogramm, und als gute, perfekte Mutter muss ich zudem allwissend sein.
Der deutsche und angelsächsische Muttermythos ist ohnehin richtig krass, frau nehme Mutter Maria als Beispiel. Sie gebärt als Jungfrau, hält ihren toten Sohn im Arm bis er auferstanden ist, währenddessen der Erzeuger? Gott lässt sich nicht blicken. Das ist unser Maßstab. Der Maßstab für Männer ist somit auch klar: Wenn er öfter auftaucht als Gott, also überhaupt jemals, dann ist es schon der perfekte Vater.

Und ich glaube, der Grund warum es immer noch keinen #carestreik gibt, ist die Tatsache, dass wir Frauen wissen, dass die internalisierte Misogynie so tief in den Frauen drin steckt, und so fest verankert ist, dass wir untereinander niemals solidarisch wären, denn es würde stets eine Frau oder mehrere versuchen, sich einen Vorteil zu verschaffen.

Während uns Mutterschaft psychisch und physisch alles abverlangt (laut Studien dauert das Postpartum sieben!!!! Jahre!!!!), schaffen wir es also nicht, dieses Muttermythos zu entkräften. Warum? Es ist ein System, das sich immer wieder selbst bestätigt. Es erlaubt dem (weißen) Feminismus, neue Bücher zu schreiben, wo man darüber jammert; es erlaubt mir, diese Kolumne zu schreiben, die gepfeffert ist, aber vermutlich nur bei Nicht-Müttern Zuspruch finden wird; es bleibt demnach alles in der Logik des Kapitalismus/Patriarchats, wo frau sich Luft machen kann, aber dann weiter macht.

Und was soll ich sagen: Ich gehe heute zum Schwimmen!
Und ich erwäge gerade ein Büro-Outfit anzulegen, denn ich weiß dass frau mir dann anders gegenüber tritt, fast so, als wäre ich ein Mann, denn ich bin dann ja eine berufstätige Mutter, also fast ein Mann.
Lächerlich? Ich wette, frau wird mir anders entgegentreten. Let’s try.

EDIT: Tatsächlich wurde ich anders angeguckt, automatisch zurückgegrüßt, sowas – und eine etwas pissige Nachfrage meinerseits wurde extrem höflich beantwortet. Kleider machen Leute!


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