Essen wir zu wenig?


Eine völlig unpopuläre Meinung, die ich allerdings auf Frauen beziehen will:
Wir Frauen™ essen zu wenig.
Und weil wir keine Zeit haben, essen wir Dinge, die nicht gut sind.
Und weil wir zu wenig essen, essen wir Dinge, die schnell Energie liefern.
Wir schlafen zu wenig, besonders Frauen kommen mit sieben Stunden nicht! aus, und müssen daher auf schnell verfügbare Energie zurückgreifen.

Überhaupt ist das Thema Essen absolutes Gift für Frauen, die ihr Leben lang gelernt haben, dass sie dünn sein müssen. Und dazu die Sprüche:
“Willst Du das wirklich noch essen?” “Iss nicht so viel!” “Trink ein Glass Wasser vor dem Essen!” “Hast Du nicht schon…”

Der Appetit auf Süßigkeiten ist häufig einfach Hunger, und nein, ein Glas Wasser tut es nicht, ein Käsebrot schon eher. Der Zyklus einer Frau bestimmt knallhart welche Nahrungsmittel benötigt werden, um die Hormone, die benötigt werden, zu bilden und den Körper adäquat zu versorgen.
Da wir Frauen aber permanent auf Diät sind, essen wir zu wenig. Zu wenig zum Frühstück, zu wenig zu Mittag, und Abends, wenn die Müdigkeit siegt und die vermeintliche Disziplin versiegt, zu viel – zu viel Mist. Ich habe zumindest von niemanden gehört, die sich an Salat überfressen hätte. Mein Mittel der Wahl sind Chips, das ist Zucker, Salz UND Fett. Das esse ich meistens tatsächlich, weil ich schlichtweg nicht satt war.

Also habe ich genau hingeschaut was mein Zyklus so macht und warum ich bei PMS eigentlich so ein Kohldampf habe, und zwar auf Fleisch, Fett, Alkohol und Zucker. Ich übersetze es mal: Energie aka Eiweiß und ZUCKER. Ich esse also vor der Periode zu wenig; der Körper braucht in der Zeit aber mehr. Richtung Wechseljahre sinkt der Spiegel der weiblichen Hormone eh, die brauchen also mehr Energie in der Produktion. Und woher? Aus dem Essen, und nicht aus einem Glas Wasser!
Esst, Ihr Lieben, esst, der Körper sagt schon Bescheid (Disclaimer: Insofern man das Privileg eines gesundes Körpergefühls hat). Ein bisschen Gymnastik dazu ist eine schwierige Gewohnheit, aber man kann es üben, denn Frauen bekommen sonst viel zu oft/schnell eine Hüft-OP “verschrieben”; und Bohnen in der Dose. Kein Scherz: Das ist eine schnelle und bessere Mahlzeit als etwas vom Bäcker oder einen Schokoriegel. Eine Dose Bohnen, Olivenöl, Zitronensaft, Gewürze, rein damit.
Esst was, macht bissi Sport, legt Geld für die Altersvorsorge beiseite (ich werde nicht müde auf dieses Thema hinzuweisen…).

Oh, und für alle, die sagen sie hätten keine Zeit: Ich weiß.
Du hast ja auch keine Zeit, ich weiß!
Du hast Deine Prioritäten: Die Kinder, der Job, der Haushalt. Du bist froh wenn der Kaffee mal warm ist.
Und Deine To-do Liste wird immer länger, mit jeder erledigten Sache kommen drei neue dazu.

Wer jetzt seufzend genickt hat: Es gibt Abhilfe.

Bitte laut aufsagen:
Ich muss schlafen und essen.

…und jetzt ein Zettel an den Spiegel:

ICH MUSS SCHLAFEN UND ESSEN.

Warum haben Frauen Angst vor dem Älterwerden?

Nun, die Geschichte der Menschheit…

Kleiner Scherz, so weit wollte ich nicht zurück gehen. Aber lasst uns mit meinem Lieblingsthema Kapitalismus/Patriarchat mal wieder anfangen. Nimm Dir ein Glas Leitungswasser, atme tief durch, und rege Dich nicht auf. Vermutlich erzähle ich Dir nichts nNeues, aber die spannende Frage “Wie können wir das ändern?” stelle ich natürlich zuerst. Habe ich eine Antwort? Ja. Aber eins nach dem anderen.

Was ich zunächst einmal begrifflich klar stellen muss:
Die scheinbare Dualität Kapitalismus/Patriarchat ist in Wirklichkeit immer triadisch, also dreiteilig, und nicht dyadisch/dichotom, also zweiteilig. Die Triade besteht aus Kapitalismus, Patriarchat und Unterdrückung.
Unterdrückung ist das eigentliche Ding im permanenten Alltag, im Tun und im Sein. Unterdrückt werden nicht nur Frauen, sondern alle, die einem bestimmten Ideal nicht entsprechen: Weiß, jung, gesund, wohlhabend, männlich. Je weniger Punkte Du auf dieser Skala hast, desto eher bist Du am Arsch (pardon my french-verzeih meine Ausdrucksweise. NICHT.)
Das Patriarchat weist als Begriff und System auf Unterdrückung hin und steht im direkten Bezug dazu.
Kapitalismus ist sowohl die Wirkung als auch das Ergebnis der Verknüpfung beider vorangegangener Begriffe, wobei man durchaus auch Feudalherrschaft oder Kolonialismus einsetzen könnte, was lediglich historische Vorgänger des Kapitalismus sind.

Der Kapitalismus bedient sich der Frauen in zweierlei Aspekten: Zum einen als kostenlose Arbeitskraft, die sowohl im sichtbaren Wirtschaftssystem unterbezahlt arbeitet, zum anderen im unsichtbaren Wirtschaftssystem, der auch mehrere Billionen erwirtschaften würde übrigens, dem sogenannten privaten System namens (Klein-)Familie (eine neumodische Erfindung, wie ich gelesen habe). Dort wird unbezahlt arbeitet, und zwar aus Liebe. Das ist nochmal ein separates Thema, die “natürliche” Liebe der Frau/Mutter zu Kindern beispielsweise ist auch ein kulturelles Konstrukt.

Um diese Gruppe zu regulieren, also die Frauen/Andersartigen, genauer gesagt zu manipulieren, bedient sich der Kapitalismus des Patriarchats, also einer anderen Gruppe, die der Männer, die vom System profitiert. Beide Systeme überlappen sich und werden durch Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Ungleichverteilung aufrecht erhalten. Das sind die eigentlichen Kernprobleme. Das gelingt durch Entsolidarisierung und durch Ablenkung der Frauen (ich nehme die stellvertretend für alle marginalisierten Gruppen, weil sie die größte Schnittmenge ist, und ja, trans Frauen sind natürlich auch Frauen, irre dass ich das heute mehr denn je dazu schreiben muss).

Jetzt wird es spannend! Weiterlesen…

#RadikaleUnhöflichkeit – wie ich zur “schreienden Karen” wurde oder auch: Don’t fuck with me

Den Hashtag #RadikaleUnhöflichkeit möchte ich am liebsten auf einem T-Shirt drucken (er stammt von Frau Frohmann, der Berliner Verlegerin, hier könnt ihr mehr lesen: https://steadyhq.com/de/newfrohmanntic/posts/aa9dec6f-9225-41ab-bdae-0cd11968f4e3.

So geschah es neulich auf einem Bahnsteig, dass ich von hinten angerempelt wurde. Natürlich war ich etwas pissig, und schließlich ging ein schmerbäuchiger widerlicher Typ ohne ein weiteres Wort an mir vorbei. Ich habe doch keine Augen im Hinterkopf, hallo… aber ich sagte nichts.

Einige Schritte weiter blieb ich stehen, um daraufhin regelrecht nach vorne geschoben zu werden – von dem Bauch dieser Person! Nicht nur das, ich wurde wieder vollständig ignoriert, viel zu verdattert um mich zu beschweren. Nun empfing das kleine Arschloch andere Leute am Bahnsteig und so ergriff ich die Chance, als die Meute an mir vorbei kam und schimpfte laut und deutlich los: Was das solle, mich zu schubsen, und das mehrfach?
Statt sich zu entschuldigen, sagte das Arschloch “ich sei ja einfach so zur Seite gegangen” – wow, mir auch noch die Schuld fürs anrempeln geben, das muss man schon können. Ja, mag sein, brüllte ich über den ganzen Bahnsteig, ob er schon mal was vom Abstand halten gehört habe?

Und ehrlich? Ich denke so mach einer würde denken “Was für eine Karen”, also was für eine nervige, sich permanent beschwerende, anstrengende Tussi. Egal. Ich habe die Nase voll von weißen älteren Männern (seltenst junge Männer) die einen permanent im Alltag beschneiden, sich vordrängeln, schubsen, dumme Sprüche bringen und auch sonst sich so aufführen, als ob die Welt ihnen gehörter.
Das tut sie leider immer noch, aber sie gehört auch meinem Fuckfinger: 🖕🖕🖕!

Natürlich stellt sich die Frage, ob man mit den selben Mitteln wie diese Horde Arschlöcher agieren sollte. Das ist ein ethisches Dilemma, das kluge Frauen radikal anders beantwortet haben. Ich bin noch nicht so weit. Don’t fuck with me. Ich bin laut und ich schäme mich nicht.

Passend dazu zitiere eine andere mutige und vorbildliche Frau:

Ich traumatisiere Männer gerne mit rotem Lippenstift und meinem Parfum. Damit sie mich nie vergessen.

Also wenn das hilft – so viel roter Lippenstift und soviel Parfüm kann frau gar nicht tragen!


Gefallen Dir die Texte?
Hier ist die Lippenstiftkasse:
P A Y P A L ❤️ M E

Die Scham als Marketinginstrument

“Weil ich es mir wert bin.”

Damit verkauft man alles. Immer mit Angst: Wirst Du XY sein/erreichen, wenn Du nicht XY hast/kaufst/bist?? und natürlich mit der großartigen, leisen kleinen Peitsche der letzten Jahrtausende, der Kirche, des Patriarchats, des Wirtschaftssystems, der Scham. Bist Du Dir XY nicht wert?! Schäm Dich!

Beschämt werden fürs nicht gut genug sein, für nicht “mehr wollen”, für deine Wünsche, für dein Dasein, für dein Tun, für dein Äußeres, für dein Inneres:
Sag mir, dass Du eine Frau bist, ohne mir zu sagen, dass Du eine Frau bist.

Viele Dinge, die ich von Frauen gelesen habe, die älter sind als ich, und viele Dinge die ich lese von Frauen, die ganz anders leben als ich, drehen sich um Schamlosigkeit*.
Schamlosigkeit ist das einzige Instrument, das ich bezeugen kann, immer und in allen Situationen zu funktionieren. Gerade für uns Frauen! Und doch sind wir genau damit aufgewachsen, beschämt zu werden. Für Beinbehaarung, für zu lautes Sprechen, für den Partner, für existentielle Bedürfnisse “Willst Du das wirklich noch alles essen?” Die Schamlosen unter uns hingegen machen es richtig und haben es gut. Natürlich darf Schamlosigkeit nicht zum Mobbing werden (tut es leider aber oft), und das Ausbeuten anderer Personen durch die inhärente Schamlosigkeit des Kapitalismus ist auch nicht schön. Das ist dann der sehr schmale Grat zur Dreistigkeit und wird von der Sorte Mensch verwendet, die man genuin als Arschloch oder Psychopath*in bezeichnet. Stets lächelnd und freundlich laufen diese Personen häufig unerkannt in unserem Umfeld unterwegs. Und häufig sagt man über diese Leute “Ich kann es kaum glauben, dass…”, weil aufgrund unserer Moralvorstellungen und auch anerzogenen Scham manche Geschehnisse außerhalb unseren Horizontes bleiben.
Deshalb – eine Abgrenzung für den Begriff der Schamlosigkeit ist notwendig. Weiterlesen…

Warum Madonna mit ihren Schönheitsoperationen Recht hat

Haters gonna hate, bakers gonna bake, sagte schon Taylor Swift in einem ihrer Lieder.

Wir können uns schon mal darauf einigen, dass egal was Frauen machen, es kommentiert wird, und zwar negativ.
Ich zähle mal einiges aus dem Internet auf: Hätte sie bloß in Würde altern sollen, bitte nur dezente Eingriffe wie Schlupflider, sie sieht aus wie die Messerschwester von XY. Es gibt sogar eine Bildstrecke, in der analysiert wird, wie sie gealtert ist – und es fängt in den 80ern an!! WTF sage ich da, und jede Klatschzeitschrift hat vorher7nachher Bilder von Frauen im Vergleich. Allerdings nicht vor und nach dem Eingriff, sondern mit 20 Jahren Unterschied. Was für ein Abfuck für jede Person – so viel Therapie kann man gar nicht machen. Ich glaube es war Selena Gomez, ein veritabler Jungspund, die auch medial permanent wegen ihrem Äußeren gemobbt wird, die gesagt hat, sie konsumiert keine Medien mehr. Sie ist zwar dabei und liefert Content, guckt aber nicht. Ganz ehrlich, ich mache das auch so, denn es wird sonst echt düster.

Nun wird von Madonnas Fans oft geschrieben, es sei traurig, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der so etwas nötig ist. Ja, dem stimme ich zu. Allerdings wird dabei das Narrativ verbreitet, dass Madonna quasi unter dem Druck, jung auszusehen, leiden würde und sich deswege das Gesicht neu zimmern lässt.

Leider ist keiner auf die Idee gekommen, zu sagen: Weil sie es kann! Sie ist Mitte 60 und eine sehr gute Musikerin, Produzentin UND Tänzerin. Sie hat darüber hinaus Geld wie Heu und kann auf die öffentliche Meinung schon lange pfeifen. Sich immer wieder neu erfinden war ihr Erfolgsgeheimnis, und der reißt nicht ab. Ihre treuen Fans, solche wie ich, die langsam auch jenseits der Lebensmitte kommen, werden weiter ihre Musik hören und ihre Tickets kaufen.

Ich bin der Meinung, und unterstelle das mal sehr selbstsicher, das sie sich sicherlich nicht nur aus Eitelkeit hat operieren lassen, sondern weil es schlichtweg eine Möglichkeit ist, sich auszudrücken. Silvester Stallones Gesicht wird komischerweise nicht durch Bildstrecken analysiert?! Und ja, sie ist ein Vorbild, ein Star, ein Idol – whatever. Aber in erster Linie ist sie Madonna, und sie hat ihren Erfolg dem Konzept zu verdanken, dass sie sich immer wieder neu und anders erfindet, immer unverkennbar sie selbst bleibend dabei.

Und bekommt sie mediale Aufmerksamkeit? Japp. Hat sie eine neue Single rausgebracht? Auch ja.
Haters gonna hate, stars gonna earn – das wäre wohl die passendere Liedzeile gewesen, nur dass sie sich nicht reimt.
Natürlich ist #hatespeech auch in diesem Segment absolut ein Unding und misogyn ohne Ende, aber hier beginnt eben der schmale Grat, bei der man hinterfragen kann ob (unser) Objekt Madonna nicht in Wirklichkeit das Subjekt Madonna ist, das einfach ihr Ding macht.

Das neue Lied heißt übrigens BACK UP TO THAT BEAT und ein super Tanzstück.


Wertschätzung zeigen:
P A Y P A L ❤️ M E