Die mittlerweile verstorbene Journalistin Marija Latković, derer Familie ich weinend gedenke, hat vor einiger Zeit, schon bevor ich den Faschismus endgültig erkannt habe, auf den stark aufschwellenden Antisemitismus aufmerksam gemacht. Ich hatte das zunächst nicht wirklich verstanden, da es mich nicht betrifft und ich im nächsten Umfeld keine jüdische Personen hatte, aber dies hat sich nun geändert. Sowohl das Verständnis als auch die Menschen.
Ich habe dieses Jahr die MET Gala quasi boykottiert bzw. explizit nicht erwähnt, anlässlich meiner #eatttherich Haltung. Das haben alle anderen sehr schön und auch besser getan, die visuelle Grausamkeit und die symbolische Bedeutung dieser Veranstaltung zu rezipieren und zu interpretieren, und vielleicht habe ich das auch nicht, weil es schlichtweg langweilig war.
Doch nach dem Besuch in Bayreuth kann ich meine Augen nicht weiter verschließen.
Nun muss ich hier anmerken, dass das WWW mir einen Kontakt zur MET verschafft hat, nebst anderen Nettigkeiten wie Zugang zu amerikanischen Medien, und so musste ich lediglich recherchieren, ob die Quelle vertrauenswürdig ist. Kann denn die Biographin von Galliano eine gute Quelle sein? Dana Thomas besitzt das größte Archiv seiner Entwürfe und generell “Zeugs” von ihm – sicherlich keine kritische Stimme, möchte man meinen. Persönlich begegnet ist sie ihm auch, natürlich. Sie schreibt auf, was sich Galliano in seiner Karriere seit 1997 schon alles geleistet hat: Nackt Aufzüge blockieren ist natürlich das Highlight!
Weit gefehlt, sie ist sogar ausnehmend kritisch:
https://www.nytimes.com/2026/08/06/opinion/met-gala-galliano-antisemitism.html
Hier ist ihr Insta, da gibt es die Videos dazu, die mich auf das Thema aufmerksam gemacht haben.
https://www.instagram.com/danathomasparis/?hl=de
Galliano soll im MET eine Sonderausstellunge bekommen und Thema der jährlichen Ausstellung des Costume Institutes mit dem Gesamtwerk sein, damit eine sehr große Ehre und historisch wichtige Dokumentation des Œuvres. Diese bekamen bislang nur zwei kontemporäre Designer: Rei Kawakubo in 2017 und Yves Saint Laurent 1983.
Galliano fand ich persönlich nie gut, umso mehr wenn man die kulturellen Einflüsse seiner Kreativität unter dem Aspekt des geistigen Diebstahls bzw. der kulturellen Aneignung betrachtet. Inspiration, Transpiration, Obsession, es tut mir leid, können wir aufhören, Künstler (absichtlich nicht gegendert), ihre Sucht und ihr mißbräuchliches Verhalten mit ihrer Genialität zu verteidigen? Exzentrisch ist okay, aber in einer Bar zu sitzen und den Sitznachbarn zu sagen, dass deren Vorfahren ver***t worden wären, ist schon eine andere Nummer.
Gallianos Entwürfe sind mittlerweile Kunstwerke, die hoch gehandelt werden, er hat einen Vertrag mit ZARA abgeschlossen, sitzt überall wieder auf Bühnen und in Jurys und gibt Interviews. Was ist das passiert? Nachdem er lange weg vom Fenster war, hat er sich mit dem Judentum beschäftigt, sich entschuldigt und öffentlich Reue gezeigt inklusive Entzug. Nun will das MET natürlich kritisch dem gegenüber sein und nicht nur sein Werk würdigen, sondern auch erwähnen, dass es… schwierig war. Legitimiert das sein Werk oder seine Vergehen? Ist das nicht das gleiche?
Ähnlich wie man sich “kritisch” mit Hitlers Lieblingswerk in Bayreuth auseinandergesetzt hat (LOL), hat das Ganze einfach einen üblen Geschmack.
Die gleichen Namen fallen immer wieder in diesem Kontext, immer wieder Anna Wintour, die sich mit dem Geldadel umgibt. Dazu kommen seltsamerweise aus jüdischen Reihen die Geistlichen, die Gallianos Weste wieder weiß waschen. Es gibt einen Ablasshandel, keine Frage. Der Designer hat sich, jüdisch begleitet, mit dem Holocaust auseinandergesetzt, hat sich öffentlich entschuldigt, ja, da ist einiges passiert. Wer hat eigentlich so ein großes Interesse an dem Typen und warum? Ich weiß es nicht. Ist er ein genialer Designer? Reicht das?!
Aber stelle mensch sich mal vor, und das passiert leider permanent, die ganzen reuevollen Sünder (auch hier nicht gegendert), wird eine Bühne geboten.
Huch! Das passiert ja hier in Deutschland auch ständig! Dieter Nuhr sage ich nur, der zuletzt Femizide als Witz genutzt hat, um es den Opfern in die Schuhe zu schieben. Wahnsinn einfach, und das im öffentlichen Fernsehen.
Wem wollen wieder eine Bühne bieten? Reicht es, sich zu entschuldigen und öffentlich Reue zu demonstrieren? Ist Galliano der Hofnarr irgendeines Milliardärs? Wer hat ihm immer wieder auf die Füße geholfen? Ist er kommerziell erfolgreich oder erfolgreich gemacht worden?
Man müsste hier sicherlich der Geldspur folgen, wie immer.
Am Ende ist Galliano ein Hofnarr, ein “Provocateur”, dessen Entgleisungen gewollt sind und akzeptiert werden, weil sie insgeheim jemanden bestätigen. Wessen Hof es ist? Das werden wir nie erfahren. Wenn Geld und Faschismus sich treffen, dann ist alles möglich und nichts transparent.
Als Fazit bleibt eines: Das ist keine falsche, sondern eine bewusste Entscheidung, mit einem Deckmäntelchen der Reue garniert. Der Antisemitismus ist serviert!