Das erste Mal: Elternzeit

…warum es […]-ZEIT heisst, ist mir unklar: Erstens sind es zu 95% Frauen, die stillbedingt, einkommensbedingt und auch sonst in die Elternzeit gehen, zweitens hat FRAU/MAN(N) KEINE ZEIT!!!!

Ich bin also seit über einem Monat in Elternzeit. Und nun?

So sehe ich mittlerweile aus, von 20kg Schwangerschaftsgewicht sind noch 6 über, die sich hartnäckig an Bauch, Hüften und zwischen den Zehen halten. Falls Ihr denkt, boaah, ist die wieder schlank, kann ich dazu nur sagen: Ich ziehe den Bauch ein. Aber sowas von.

Die Haare abzuschneiden war eine bescheidene Idee, man sieht noch besser wie der Haarausfall zugeschlagen hat. Ausserdem sieht man nun die aufkommenden, tiefen Falten in der Stirn. Noch ein paar Järchen und ich bin Botox-Kundin.
Make-up: Armani, mit der BB von Lauder, die wunderbar unsichtbar ist, und der unglaubliche Sisley-Concealer.

Privat?
Ehemann und ich sind am rumrödeln, quasi Teddys Sklaven – er arbeitet, kauft ein, wickelt, und nimmt mir am Wochenende alles ab. So komme ich zum Schminken. Zum Bloggen. Sogar manchmal dazu, ein paper zu lesen, was ich eh nicht begreife weil ich zu müde bin (Notiz an mich selbst: Morgens ist besser…).
Beide sind wir dennoch müde, obwohl wir mittlerweile zwischen 20Uhr und 6Uhr morgens “frei” haben. Meist himmeln wir uns an und können das alles nicht fassen, gelegentlich schreien wir uns wegen Nichtigkeiten an, was sonst nie vorkam und mittlerweile beiderseits kommentarlos übergangen wird. Wir wissen beide, dass die Nervendecke etwas dünn sein kann, so müde und unterzuckert wie wir manchmal sind. Wir keifen und lachen anschließend kopfschüttelnd.
Ehemann ruht sich allerdings kaum aus, das muss er lernen. ich kann das bestens, haha!
Kleiner Wermutstropfen: Leider sind soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert – unsere Freunde haben keine Kinder, oder sind einfach zu weit weg. Besuche müssen kurz sein, laue Abende sind nicht drin, das versteht man erst wenn man selbst Kinder hat. Aber das ist temporär, irgendwann ist man ja mobiler (nach dem Stillen und so…).

Zusammengefasst: Wir sind superglücklich und supermüde. Doch, so glücklich war ich noch nie!

Das Baby?
Dank knallhart durchgezogener fester Struktur läuft es. Es hat einige Tage gedauert, an denen ich sein Geschrei ertragen musste; doch scheinbar ist regelmässig stillen besser als “nach Bedarf”, womit auch die Kinderärztin konform ging, und Wochenenden gibt es natürlich nicht, alles ist immer gleich.
Jeden Tag um die gleiche Uhrzeit essen, ins Bett, die gleiche Geschichte, keine extravaganten Ausflüge ausser in den Park, keine Shoppingtouren und Besuche. Langweilig? Für Teddy perfekt.
Er brabbelt sich und der Wand gerne was vor, meckert nur wenn es zu warm ist oder die Müdigkeit ihn übermannt. Ein glückliches und zufriedenes Baby. Der Preis dafür ist ganz klar: Babyknast, was mir mittlerweile nicht mehr so schwer fällt. Dafür ist er ein Vorzeigebaby, was die ersten Horrorwochen vergessen lässt. Groß, schlank, faul, niedlich, verkuschelt.

Ja, der Teddy – ich frage mich immer noch, ob ich das träume.

Der Job?
Und hier kommt der Knackpunkt. Ich werde vertreten, natürlich, aber es stellt sich die Frage wie man nun up2date bleiben kann? Die wichtigen Dinge sind bekanntlich Flurfunk und nicht der E-Mail Verteiler…
Meine Strategie lautet sobald wie möglich wieder die KollegInnen zu besuchen, den Chef zu stalken und die Vertretung mit Fragen zu piesacken. Ein Jahr Elternzeit kann drei Dinge bedeuten: Man kommt wieder und alles ist beim Alten *gähn*, alles ist anders bis auf die Personen, die aber auch gewechselt haben können, und der Normalfall: Die natürliche Dynamik der Änderung (ergo: Vieles bleibt, einiges ändert sich).
Wichtig ist es sicherlich, sichtbar zu bleiben – klar bin ich weg, aber auf der Homepage des Arbeitgebers sollte frau stehen bleiben, wenn sie vorhat tatsächlich wiederzukommen (so einige Frauen wechseln in der Elternzeit den Job…!) Lebenszeichen an die Kollegen, egal wie knapp die Zeit ist – und durchaus auch um Tipps und Hilfe bitten. Als letzte, die ein Kind bekommen hat, profitiere ich unheimlich von der Erfahrung anderer (hier möchte ich nochmal lobend die Männer erwähnen, die wirklich bemüht sind und gute Tipps geben; während so manche Madame sich einen grient und abschätzig abwinkt – zum Thema Frauensolidarität nochmal…).

Sicher ist nur eins: Ich komme wieder, und ich mache weiter.

Und wo bleibe ich?

Ich freue mich natürlich über die freie Zeit, aber am liebsten würde ich recht bald zumindest zeitweise arbeiten – doch es bleibt bei der üblichen Problemzone: Kinderbetreuung.
Und natürlich das permanent schlechte Gewissen: Kümmere ich mich zuwenig um… alles? Um das Baby, wenn ich am Rechner hänge? Um den Ehemann, wenn er um sechs Uhr morgens wickeln soll? Um den Job, wenn ich seit Monaten nichts habe von mir hören lassen? Um meine Freunde, wenn ich abends zu müde zum telefonieren bin und um zehn Uhr komatös ins Bett sinke?

Lustigerweise haben sich meine “materiellen” Bedürfnisse arg entspannt. Ich shoppe gelegentlich ein bisschen Spielzeug, mal Schminke, die ich wohl nie aufbrauchen werde, und nehme mir vor, endlich meine Fußnägel umzulackieren.
Ich twittere, also bin ich – das reicht mir meistens.

Was ich mir am meisten gönnen möchte allerdings, ist auch am schwierigsten: Kopfarbeit und das Kind abgeben, wenn es soweit ist.

Im Hinterkopf sollte man zudem stets haben, dass der Status Quo sehr, sehr fragil ist. Pläne? Nur für den heutigen Tag. So lernt man unglaublich strukturiert und gleichzeitig flexibel zu sein. Schnell, aber stets geduldig, multi-tasking, aber stets ergebnisorientiert und zu Ende geführt. Wer sagte nochmal, dass Eltern die besseren Arbeitstiere sind?!

Elternzeit bleibt also Un-Zeit, so viel dazu.

7 Gedanken zu „Das erste Mal: Elternzeit

  1. Ich bin immer so neidisch, wenn ich lese, dass ein Kind schon so früh so lange schläft. Meine Maus ist 2,5 Jahre und schläft noch heute meist nur bis 20 nach 5. Bis vor einem halben Jahr war es sogar oft noch 4. Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass ihr ab und an so fertig mit den Nerven seid, auch wenn ihr offenbar beneidenswert viel Schlaf bekommt 😉
    Genieß die Zeit mit deinem Teddy! 🙂
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  2. Hi Andreea, Du siehst einfach ” erwachsen ” aus, ich denke eine Schwangerschaft verändert jede Frau, mit dem Botox lass es lieber, such nach verträglichen Alternativen, ausserdem wenn es so weit ist wird es neue Methoden geben aber so was von.
    Im Moment hab ich kaum Zeit, aber bald werde ich mich melden, da geht es mir wie den frisch gebackenen Eltern 😉 . Ich drück dich

  3. Ich liebe deine Exkurse über Themen, über die kaum jemand redet oder schreibt.
    Ich versuche sehr ehrlich (aber möglichst nicht zu extr abschreckend) zu erzählen, wenn Nicht-Mamas mich fragen.

    Ich habe immer noch Übergewicht nach 2 3/4 Jahren (auch dank Hashimoto).
    Ich habe anderthalb Jahre lang nie länger als 2 Stunden am Stück geschlafen, es sei denn meine Mama war da. Irgendwann nach dem Stillen haben wir Schichten gemacht, um mal auf 3-4 Stunden Schlaf zu kommen.
    Ich konnte nie mit meinem Kind in einem Café sitzen, weil es sich zum einen nicht ablegen ließ und zum anderen auch nicht einfach nur auf dem Arm ne Stunde ruhig halten wollte.
    Ich habe nach 7 Monaten angefangen 16h pro Woche zu arbeiten dank unglaublicher Unterstützung beider Omas, die Zeit und Geld opferten, um mir das zu ermöglichen (meine Mama fuhr jedes Wochenende 220km mit dem Zug und blieb bis Montag viele Monate lang, ihr Chef ist aber gleichzeitig mein Kunde und es war Win-Win sozusagen). Nur so konnte ich meine Karriere am Läufen halten und wir als Familie in dem scheissteuren Müchnchen überleben.

    Danke, dass du schreibst 🙂
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  4. Ach ich erkenne so vieles was du da schreibst wieder^^ auch wenn meine Kleine von Anfang an sehr unkompliziert war (jetzt im Nachhinein betrachtet) bin ich auch nach 6 Monaten abends einfach nur fertig wie ein Lachsbrötchen. Ich denke das liegt am dauerhaften “unter Strom stehen”. Ich hoffe einfach, dass es irgendwann besser wird. Und arbeiten vermisse ich genau so wie du und trotzdem werde ich bestimmt die eine oder andere Träne vergießen wenn meine Kleine in die Kita geht…

  5. zu den 95%: ich weiß nicht, in welcher branche du bist, aber selbst hier (männerdomäne, du siehst es an meiner mailadresse ;-)) ist es absolut üblich, dass männer elternzeit nehmen. und das wirklich nicht wenige. ich würde sagen 40/60.
    und in meinem privaten umfeld ist es sogar häufiger der fall, da machen wenigstens alle die aufteilung.
    die neue frisur find ich wirklich gut!

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