Konflikte, die man nicht lösen kann – Mobbing

Über zehn Jahre kannte ich sie, und ihr Tod traf mich, obwohl ich vorbereitet war. Alleinerziehende Mutter mit Selbstständigkeit, dazu noch einen festen Job, immer schon recht introvertiert, und als “schwierig im Umgang” geltend. Sie wird ihre Erfahrungen gemacht haben, dachte ich. Eine normale Frau mit Alltagssorgen, die ihren Beruf liebte. Davon allerdings mindestens zehn Jahre Mobbing, und dann bekam sie Krebs. Als ich sie nach langer Zeit wieder traf, erkannte ich sie nicht wieder. Nach einer Weile vertraute sie sich mir wieder an und ich merkte, wie sehr ihr das Mobbing zugesetzt hatte. Zum Teil hegte sie ganz klar Verschwörungsphantasien, zum Teil war sie unglaublich passiv-aggressiv und sah überall Bedrohung. Mit ihr reden half allerdings, sie beruhigte sich, blieb aber misstrauisch. Dann starb sie, kurz nachdem es für sie, auch mental, bergauf ging.

Natürlich ist meine Bekannte nicht an Mobbing gestorben, aber ich denke, dass es einen sehr großen Anteil an ihrer Krankheit genommen hat. Ihr Beruf hat ihr Leben bestimmt, und somit war es Fluch und Segen zugleich: Sie musste hin, weil es “alles” war, sie hätte weg gemusst, weil es vergiftet war.

Auch ich bin gemobbt worden, und weiß um die traumatisierende Erfahrung. Wenn man darüber spricht, hat jeder zweite eine Geschichte zu erzählen, aus der Schule, aus der Uni, aus dem Beruf.

Ich fange daher gleich mit der Lösung des Problems an: Mobbing ist ein Konflikt, das man nicht zwischen/mit den Betroffenen lösen kann.
Der Konflikt betrifft nämlich nicht die gemobbte Person, diese ist in der Regel nur eine Personalisierung des Konflikts: ein beliebiges Opfer des Mobbenden/der Mobbenden, eine besonders starke/schwache Person, eine auffällige Person. Der Konflikt ist somit nicht auf der Seite des Opfers zu suchen und auch nicht dort zu lösen. Einfach? Jein: Das Opfer muß Schuldzuweisungen an sich ablehnen und Abgrenzung lernen, was aber meist zu spät ist, da diese Grenzen bereits erheblich verletzt wurden. Niemals darf man sagen, die gemobbte Person sei selbst schuld weil a, b, oder c – echte, sachbezogene Konflikte lassen sich unter vernünftigen Erwachsenen anders klären. Mobbing hat jedoch kein Sachbezug!

Mobbing als Konflikt ist somit ein intrapersoneller Konflikt des Mobbenden und muß dort aufgelöst werden, was nicht durch Gegenüberstelleung oder gemeinsame Erarbeitung Gemobbter/Mobbender gelingen kann. Da gibt es bereits ein Art Machtgefälle zwischen den Personen, und das kann auch mit Moderation nicht funktionieren. Die Vermittlung muss anders als gemeinsam mit allen Betroffenen erfolgen.

Hier gilt es natürlich eine starke Führung zu zeigen – #Leadership! – und das Feld so aufzustellen, dass diese Konflikte aufgeräumt werden können, wobei man natürlich die Leute nicht zwingen kann. Allerdings gibt immer die Möglichkeit, entweder direkt oder über Dritte Werkzeuge anzubieten und immer wieder auf den aufflammenden Konflikt zu achten.

Mobbing ist nicht nur ein gewaltiger HR Kostenfaktor, sondern auch eine ansteckende Geschichte und kann ganze Infrastrukturen lahm legen – es ist zwingend, die Zeit zu investieren!

Lösungen:
1. Den betroffenen Personen die Möglichkeit geben, sich aus dem Weg zu gehen, ohne das Opfer einzeln zu isolieren. Niemals darf der Gemobbte alleine irgendwohin gesetzt werden – das ist kein Schutz, sondern eine Schuldzuweisung! Getrennte Büros, keine gemeinsamen Projekte, nach Möglichkeit Besprechungen immer in der Gruppe. Schutz durch die Gruppe oder Peers statt Isolierung.
2. Den Mobbenden auf seinen inneren Konflikt ansprechen und herausfinden, wovor dieser Angst hat, welche persönlichen Probleme eventuell mit an den Arbeitsplatz getragen werden, und kontrolliert ein Aufgabenfeld vorbereiten, das Unterstützung bietet: Leichtere Aufgaben oder andere Arbeit. Die Angst nehmen, indem man sich als Peer erkennbar macht. Hilfe anbieten und damit vom Opfer wegbringen auf Lösung der eigenen Konflikte.
3. Die gemobbte Person in der Abgrenzung unterstützen und das Problem ansprechen: Das Konzept als Opfer auflösen! Auch dort müssen andere Aufgaben her, die die Person stärken können, in der Position oder im Selbstbewußtstein, zum Beispiel durch eine “machbare” Aufgabe und somit Erfolgsgefühl/Aufwertung. Die Möglichkeit geben, interne Coachings oder Weiterbildungen zu besuchen und, etwas heikel aber machbar, auf psychologische Hilfe hinweisen. Häufig reicht es für die Betroffenen zu wissen, daß die Problematik bekannt ist, die Bereitschaft damit umzugehen und Hilfe zu suchen steigt nämlich erheblich, wenn man weiß, dass es Rückendeckung gibt.
4. Nicht der Versuchung erlegen, als Vorgesetzt helfen oder vermitteln zu wollen! Alle an einen Tisch zu bringen kann nur scheitern. Da Mobbing nicht auf Sachebene stattfindet, kann es auch nicht auf Sachebene gelöst werden. Die Sachebene wird nur als Vorwand genutzt.
5. Ultima ratio: Versetzung. Dazu kommt es, wenn die Akteure nicht willens sind, an ihren Konflikten zu arbeiten, und natürlich wenn man zu lange weg geschaut hat. Leider wird das gerne als erstes gemacht, was dazu führt, dass lediglich das Problem verschoben wird. Bequem, aber dumm und teuer.

Solche Fälle ereignen sich überall und ständig, vom Kindergarten bis zum Kindergarten für Große, sprich am Arbeitsplatz. Wer eine Führungsposition inne hat, wird um solche Fälle nicht umhin kommen. Man darf da scheitern, lernen, und sich Hilfe holen, denn es ist ein schwieriges Feld, allerdings darf man niemals solche Dinge von sich weisen und feige sein.

Nein sagen

Was mir aufgefallen ist, als ich in Japan war: Niemand sagt direkt nein. Und was mir auffällt in misogynen Deutschland, mir immer wieder auch von anderen Frauen bestätigt wird, und von uns Frauen nicht gesagt werden DARF?

Das Wort Nein.

Lerne “Nein” zu sagen, heißt es in unzähligen Ratgebern, und ehrlich, nichts fällt mir leichter als das, wenn ich das “fick Dich ins Knie” was ich gerne hinterher schießen würde, auch recht häufig unterdrücken muss. Doch wie kann eine Frau es nur wagen, Nein zu sagen?
Nein danke, ich möchte kein Nachtisch, das ist irgendwie ungefährlich, aber selbst da gibt es doch stets ein Kommentar: Komm, Du kannst ruhig zulangen, oder noch besser: Du bist doch nicht auf Diät, hast es doch nicht nötig… bla bla bla.

Nein. Wie oft wird ein direktes Nein einer Frau akzeptiert und unkommentiert stehen gelassen? ich habe das glaube ich nie erlebt, sonst würde ich mich dran erinnern. Übrigens – wer ein Nein im Bett oder kurz davor kommentiert oder diskutiert, gehört weg. Ich rede hier ausschließlich vom sozialen Umfeld wie Job und Freunde.

Also, sagen wir Frauen niemals “Nein”. Wir relativieren, vertrösten, lenken ab und laufen in die Falle des Ungewissen, denn kein klares “Nein” heißt sowieso immer: Sie wird es doch machen.
(wer ein bisschen mehr sterben möchte, googelt: >> wie sage ich als frau nein < < lasse auch ein wenig Autovervollständigung laufen *hach* und wasche sich anschließend die Augen mit Benzin aus... ) Gibt es dafür eine Lösung? Wir können im Job nie Nein sagen, habe ich für Euch schon getestet. Das gibt Krieg, es wird als unhöflich und frech empfunden, dabei kann es einfach Zeit sparen. Ein "Nein" muß erklärt und mit Benevolens aufgenommen werden, denn ein "Nein" wird als fundamentale Kritik am Gegenüber empfunden anstatt als Fakt, das etwas nicht geht oder nicht sinnvoll ist. Ein "Nein" trifft niemals die Sachebene, es trifft immer auf Emotionen... da tun es die Japanerinnen besser, die niemals Nein sagen und überhaupt, gibt es im Japanischen das Wort "Nein"?! Gibt es, wird nicht verwendet, you get the idea. Vorweg: Nein da draußen, Nein zu Leuten die man nicht kennt, Nein zu Belästigung, - ja, so laut es geht! Das höfliche und politisch korrekte "Nein" hingegen... Weiterlesen…

Leadership – was ist gute Führung?

…fragte mich meine Freundin, selbstständig, und latent enerviert von der Unzuverlässigkeit und Unselbständigkeit ihrer zugegebenermaßen jungen Mitarbeiterïnnen.

Es ist das spannendste Thema in der Arbeitswelt und etwas, was man angeblich nicht lernen kann. Bullshit, das läßt nur die Tür zu, hinter denen sich die Riege (alter, junger) weißer Männer tummelt. Man kann alles lernen, es schadet jedoch nicht, wen man gewisse Dinge bereits mitbringt. Und das tun viele Führungskräfte schon mal NICHT. Sie sind nur aufgrund ihrer Netzwerke da, und da haben die Männer den Frauen etwas im Voraus: Sie netzwerken und sie tun es konkurrierend, rivalisierend, aber nicht hinterfotzig (Ausnhamen, Regel, you get it).

Chefs? Sind Psychopathen und Narzissten. Richtig gute Führungskräfte hingegen verfügen über eine Empathie, die sie dosiert einsetzen können, sind souverän in ihrer Menschlichkeit, beständig und zuverlässig.

… words are cheap, sagen die Amerikaner zurecht. Etwas praktischer dargelegt. Weiterlesen…