Die Gürteltasche ist zurück

Sie ist wieder da. Und ich habe Augen- und Hirnkrebs, wenn ich daran denke.

Ich bin mein Gedächtnis durchgegangen und bin sicher, dass ich so etwas zwar besessen habe, oder mir zumindest eine Tasche gewünscht habe, aber nie, niemals nie nicht getragen habe. Um mich zu rechtfertigen: Ich war damals dreizehn. Und ich bin Generation Techno, Generation weiße Handschuhe (ich niemals!) und hatte auch eine Trekking-Phase. Trotzdem, dieser modische Kelch ging immer an mir vorüber, es gibt sie einfach nicht, die schönen Gürteltaschen.

Meine Assoziationen aus eben dieser Zeit sind die Sexworkerinnen in Hamburg, die nebst künstliche Fingernägeln, Leggings und schwarzen Reebok-Sneaker* auch die Gürteltaschen trugen. Später dann die coolen Kids, später die Rentner-Trekking-Gangs, und heute vermehrt die Muddis (das meine ich).

Bar jeglicher Ironie hat sich nun das Fashionvolk das Luigi-Futong Täschchen quer umgebunden und nichts, nichts hält sie auf. Es ist so wenig Lächerlichkeit dabei, weil alle diese Konnotationen, die streetstyle crdibility, die Sexworkerinnen, die Sportlerinnen, die „aus-praktsichen-Gründen-alles-griffbereit-habenden“ mit einer Geste weggewischt werden sollen.

Ein modisches Blackfacing oder einfach nur elendig hässlich?

Mich soll der Schlag treffen, wenn ich mir jemals so ein Ding umhänge. Dann lieber den ewigen Turnbeutel der Kulturwissenschaftlerinnen, der war immer Audsruck einer gewissen Luschenhaftigkeit und das ist irgendwie unerwachsen lässig.
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*Der gängigste Look derzeit zwischen 14 und 54. Wenn sie wüssten…

Does it spark joy?

Zack. Ich gucke in meinem einen, bestimmten digitalen Ordner und da steht 2016 drauf. Drei Jahre sind mal eben rum. Meine Tochter ist zwei geworden und ich höre sie gerade oben in ihrem Bett ein Medley aus Kinderliedern singen. Sie schläft seit einer Stunde-nicht. Sie spricht in ganzen Sätzen und liebt Feuerwehr, Polizei und Bauklötze. Und Hasi und Affi. Wo ist die Zeit geblieben?!!

Der Trend aufzuräumen kam Neujahr natürlich wieder auf dank einer Serie mit Marie Kondo, und ihre Methode bedeutet jeden Gegenstand nach seinem Zweck zu befragen: Bringt er Freude?
Was bringt Dir Freude? Von allen anderen könne man sich trennen. Auf Twitter hat man viel herumgescherzt ob „etwas joy sparkt“. Denglisch, yes we can.

Der Ordner von 2016 heißt übrigens Dissertation und hat schon einige Texte und ein Inhaltsverzeichnis und ein Literaturverzeichnis. Er liegt brach und ich frage ihn: Do you spark joy?

Fuck. Yes.

Aus dem Bett taumeln, gesellschaftsfähig machen, ins Büro. Rechner auf, schreiben, Rechner zu, raus, rein, Arbeitsrechner auf, stempeln, arbeiten, Kids aus der Kita abholen, zu dritt halbe Stunde Zeichentrick, Abendbrot, Übergabe zum ins Bett bringen, kurz auf der Couch sterben, Sport. Repeat.
Das ist ein krasses Pensum, dass ich nur schaffe, weil diverse Männer mir den Rücken frei halten.
Ich werde ständig gefragt, ob ich das brauche-mein Lebenslauf sparkt genug für einen besseren/anderen Job; der Return on Investement wird in Frage gestellt, und ach. Nennt es intellektuelle Masturbation, nennt es Masochismus, nennt es Tierquälerei, nennt es Verschwendung von Lebenszeit.

Findet was joy sparkt, findet Leute die joy sparken, und sparkt selber joy. Viel Spaß! *Glitzer – Konfetti – Umarmung*

Ja, schreib mir was bei Dir joy sparkt. Und wenn es ein besonders guter Vibrator ist.

Post Beauty

Ich stecke fest. Mein Interesse an Beautyprodukten läßt nach; ich habe den perfekten Nagellack, die Supersäure gegen alles, die beste Augencreme-Kombination und mehr rote Lippenstifte als ich je aufbrauchen kann (wobei, das wollen wir mal sehen!!).

Viel mehr interessieren mich Dinge im und für den Kopf.

Mein Kleiderschrank hat eine halbe Schublade für Sportklamotten, Kleidung shoppen ist obsolet geworden, nachdem ich mir eine Arbeitsuniform zusammengestellt habe, Schmuck interessiert mich, aber mehr aus sehr weiter Entfernung, alles was irgendwie äußerlich mit Beauty zu tun hat, langweilt mich. Es blieben noch kosmetische Operationen, aber dafür bin ich zu arm und zu wenig leidensfähig.

Es bleibt also… kein hygge, kein Backen&Basteln, keine Kinderbetüdelung, kein Kram für andere, außer ich werde dafür bezahlt.

Was war, was bleibt? Die Menschen machen die Reise interessant, Menschen und auch die Welt ist eine gemachte Sache (Leseempfehlung: Richard Rortys Kontingenz, Ironie und Solidarität) und alles Philosophieren und Denken ist letztendlich Kulturphilosophie in allen ihren Ausprägungen.
Während ich aufhöre mich für Dinge zu interessieren, fange ich an mich für Dinge zu interessieren um mich für Menschen zu interessieren – ein fließender Übergang. Meine Beautycoachings sind erfolgreich weil ich in jeder Frau das Schöne sehen kann, was sie selbst übersieht oder eher gelehrt wurde, zu übersehen (Menschen, ey!)

Ansonsten mag ich Bleistifte, Bücher, und freue mich über Mitmenschen, die mich begleiten. Meinen treuen Leserinnen <3 <3 <3 und demnächst ein paar Duftrezensionen, oder was meint Ihr?