Lockdown No. 5 Eau de Ignorance

Chanel bringt heuer zu Weihnachten den Duft Lockdown No.5 heraus, einen weiteren erfolgreichen Flanker des Duftes Pandemie No. 5, der weltbekannte Klassiker.

Die Gesichter der Werbekampagne sind diesmal erstmalig auf Social Media ausgewählt worden und zwar durch Facebook bzw. META und dem Anbieter Telegram. Diese Gruppe hat eine großartige, gemeinsame Komponente, nein sogar zwei: Es sind allesamt ignorante Faschos. Ja, auch die “Ökos”, die seit jeher nationalsozialitsichen Gedankengut verbreiten, misogyn und rassistisch sind.

Der Duft kommt in einer schweren Version als Eau de Ignorance heraus mit limitierter Verpackung. Bereits in den Niederlanden und Belgien lanciert, wo es ebenfalls viele ignorante Faschos gibt, verzeichnet er einen explodierenden Erfolg. Und es stellt sich die Frage: Ist der Duft besonders gut gemacht, oder wird er besonders gut angenommen?

Ich vermute natürlich beides, die Kreativität, politische Verantwortungslosigkeit, Opportunismus, Korruption (besondere Herznote immer wieder!) und das Weglassen von Erkenntnis und Akzeptanz von Tatsachen führte zu einer ansteckenden Mischung. Immer wieder haben wir die Künstler beobachtet, wie sie andere Erfolge feierten, ob es marode Schulen, kollabierender Gesundheitssystem und subventionierte Privatwirtschaft war und können nicht umhin, laut zu applaudieren.

Doch wer kann, der kann und so erwarten wir voller Spannung den nächsten Flanker zu Ostern, der sich sicherlich als leichtere Version entpuppen wird, dafür aber trotzdem zu einem höheren Preis über den Ladentisch gehen wird.

Also, falls Ihr immer noch nicht wisst, was Ihr in der Intensivstation als Duft tragen sollt – Lockdown No. 5 ist nichts für Euch, aber ich empfehle da von Herzen “NichtImpfen” als Extrait. Garantiert ein Killer.

Und natürlich freue ich mich über eine Spende über den Paypal Button, um im Lockdown weitere Düfte testen zu können: Daydrinking, Chipskrümel on the Bed, und vor allem 14h WorkWorkWork. Ich liebe es jetzt schon!

Clean Beauty – ein rassistisches Konzept

Gestern wurde ich gefragt, was denn so Kulturwissenschaft sei. Diese Frage hat man mir schon so lange nicht gestellt, dass ich erstmal rumstotterte, bis mir wieder einfiel was ich tue: Ich beschäftige mich mit Kommunikation(sprozessen), Sprache (als Konzept, nicht mit Linguistik!) und mit Symbolen. Als Fach an der Schnittstelle vieler anderer Fächer wie Geschichte, Kunst, Soziologie, Pädagogik, Computerwissenschaft, Ökologie, Jura, Medizin, you name it, Neurowissenschaft, Mathematik, und ich könnte bis morgen hier sitzen… beschäftigt sich die Kulturwissenschaft u.a. mit der Dekonstruktion, dem Auseinandernehmen und der Dekodierung, Entschlüsselung, von Symbolen, also mehrfach kodierten Bedeutungen. Hammer und Sichel? Kommunismus – mehrfache Bedeutung, und man muss, um das zu erläutern, mehrere Aspekte einbeziehen.
Doch darüber will ich mich nicht auslassen, es ist nur Zufall dass der Hammer einer meiner Lieblingswerkzeuge ist.

CLEAN BEAUTY also! Was ich alles hätte anführen müssen aus naturwissenschaftlicher und chemischer und dermatologischer Sicht, tat zum Glück bereits Pia’s Skincare Blog https://skincareinspirations.com/clean-beauty-empfehlenswert/ und dem habe ich noch eine Sache hinzuzügen, wenn auch nicht besonders ausführlich, weil ich dafür eine Dissertation schreiben müsste, und oops, zufällig schreibe ich schon meine eigene nicht LOL.

Clean Beauty ist ein rassistischer Begriff wie er schöner und klarer nicht sein könnte.
White Supremacy! Die weiße Rasse (urgh) als Maß der Dinge.
Hier ist der Begriff nicht so wahnsinnig stark verschlüsselt – SAUBER ist weiß, weiße Wäsche ist weiß, der Ku-Klux-Clan ist weiß, und saubere, reine, GUTE (!!!!) Kosmetik ist also clean und weiß. So wird das auch vermarktet, neben den ganzen Konnotationen wie natürlich und besonders ungefährlich – wir erinnern an die Schwarze Person, die wütend, gefährlich, unrein und alles Schlechte der Welt ist, eben schwarz, eine Person dritten Ranges quasi – wird die weiße und cleane Verpackung zum Symbol des White Supremacy. CLEAN BEAUTY = Scheiß-Konzept. Und das mehrfach.

Und nein, das ist keine Übertreibung, und nicht mal an den Haaren herbeigezogen, es führt einfach ziemlich miese Konnotationen an die wir uns gewöhnt haben, fort. Und da es eh nur Marketing ist, kann es weg!

Und ja, alles was wir tun, sagen, konsumieren, ist ein Verstärker oder eben eine Aufschlüsselung und Zerstörung guter oder schlechter Dinge. Im Zweifel sollten wir uns dafür entscheiden, diese Dinge zu verstehen und umzudeuten. Das tut Kultur, wenn sie sich entwickelt. Was früher Hexenwerk war, ist heute Medizin.

Also, Finger weg von Clean Beauty, ein bisschen mehr nach Inhaltsstoffen und Preisen und Firmenpolitik gucken, easy… dafür gibt es uns Bloggerinnen.

No Buy February

Ich hätte das Jahr vielleicht dazu schreiben sollen? 2021 oder 2022?

Seid da nicht so streng, falls Ihr Euch das vornimmt. Wenn es ein neues Buch gibt, das Euch brennend interessiert, holt Euch das, wenn das einzige Hobby, was Ihr habt, ein neues Tool braucht, holt Euch das. Kasteien ist nicht Sinn und Zweck der Sache!

Falls Ihr zum Ende des immerhin kurzen Monats Geld habt, was Ihr jetzt schön ausgeben könnt: Wie wäre es mit einer Spende an Ärzte ohne Grenzen
https://ssl.aerzte-ohne-grenzen.de/form/online-spenden?_ga=2.218474265.1406509701.1612353200-85177147.1612353200
oder direkt an #LeaveNoOneBehind
https://lnob.net/spenden/#https%3A%2F%2Fleavenoonebehind2020.org%2Fdonate%2F
– weil Du es kannst!

Was passiert, wenn Schönheit nicht mehr relevant ist?

Ich verbringe ganz klar zu viel Zeit auf Instagram – eine Parallelwelt. Schöne Menschen, schöne Kleider, schöne Reisen, alles ist… schön.
Geleckt schön, gephotoshoped schön, und “im Studio mit Ringlicht”-schön, oh und unter 30 Jahre alt-schön. Das ist dem Medium geschuldet, wer lesen kann ist dann doch eher auf Twitter.
Als ich durch die kleine Vorstadt lief, in der ich wohne, an einem für Pandemien viel zu vollen Samstag, wurde mir erstaunt bewusst dass Menschen so nicht aussehen, dass sie eher graubraun sind, dass sie häufig zu stark geschminkt sind, und vor allem: Nicht fröhlich. Ich drehte buchstäblich eine Runde, mied sämtliche Geschäfte, kam mir fehl am Platze vor in meiner “für Instagram-Adreea langweiligen Kleidung aber immer noch too much für die Vorstadt”, und verpasste den kurzen Augenblick einen sehr süßen Typen zurückanzuflirten, der ebenfalls mit Brille und Mütze rumlief.

Beauty war mein Thema auf dem Blog ganze 15 Jahre lang, aber es drehte sich dabei für mich mehr um den Spaßfaktor: Schminken als Technik, als abwaschbarer Ausdruck seines Selbst, viel einfacher verfügbar als teure Kleidung und tolle Accessoires. Und es ging um meine sehr unperfekte Haut, was ich aufgab, als ich verstand dass ich nicht hässlich bin, sondern lediglich zwei ärgerliche, aber nicht gefährliche Krankheitsbilder aufeinander trafen. Ich verzichtete und verzichte bis heute auf Tonnen Schminke, Beleuchtung und Retusche, weil ich als ehrlich empfinde. Ich muss damit klarkommen, was ich da sehe.

Und neulich stand ich vor dem Spiegel und hatte ein Kleid vom Dachboden an, das ich ungelogen mit 26 gekauft und getragen habe: Ein Lanvin-Verschnitt aus gefältelter Seide in maigrün, mit hauchdünnen Trägern, perfekt geschnitten und sehr schön auf gebräunter Haut. Das Kleid passt wie angegossen und ich musste feststellen, dass ich nie einen besseren Body hatte. Schlanke Beine, perfekte Arme und Schulterpartie, knackiger Arsch und flacher Bauch.
Hatte ich das die ganze Zeit, nur hatte ich es selbst nie gesehen? Weiterlesen…

TILL RAETHER versöhnte mich mit Männern – Ich werd dann mal…Nachrichten aus der Mitte des Lebens

Das ist wohl eine Rezension.

Lieber Till, ich kenne Dich irgendwie, der Algorithmus von Twitter blendet mir oft Deine Tweets ein, überhaupt teilt man sich so seine Filterblasen, wie es heute so schön heißt. Ich folge meinen Kommilitoninnen, die Karriere gemacht haben, coolen Professorinnen und stinknormalen Leuten, die mir durch Zufall unterkamen. Wahllos. Überhaupt folge ich Frauen, weil ich mit Männern so meine Probleme habe. Irgendwann musste ich feststellen, dass sie mich nicht mögen, und das ich ihnen Angst mache. Männer sind eh so eine Sache, sind leider nach dem Begattungsbalz irgendwie obsolet, irgendwie aber auch schön zu haben. Oder zu bearbeiten. Aber ach, ich hole zu weit aus, und ich verrate viel zu viel über mich. Quid pro quo, gewissermassen, denn Deine Geschichten, die ich trotz meines angebrannten Hirns irgendwie lesen konnte, stimmten mich versöhnlich mit dem Leben, mit meiner Mittelmäßigkeit (warum haben Männer dann Angst vor mir?!), und sogar, und jetzt kommt es, mit MÄNNERN. Vielleicht weil Du so wirklich und echt und gut bist, reflektiert, lernend: Von Frauen. Und das sogar schriftlich und öffentlich zugibst. Ein Mann, ein Partner, ein Papa, – kein Arschloch und kein Psychopath. Es gibt davon definitiv noch mehr, oder? Eine ungeheure Milde und Ruhe steigt aus Deinen Texten, und sie sind keine männliche Midlife-Krise, und sie sind nicht flach-witzig-trivial. Vielleicht weil ich tatsächlich weiß wovon Du sprichst, weil ich Hamburg kenne, oder die Anna, oder weil ich mich kenne, auch ich bin Hamburg und Anna. Ich wünsche mir diese Milde nicht, ich muss noch was tun, anzünden, und doch, genau diese Milde wünsche ich mir, denn es ist anstrengend permanent etwas anzuzünden, aber vor Anstrengungen bin ich nie weggelaufen. Ich bin lediglich effizienter geworden und kalkulierter, vom heimlichen Zündi quasi eine Sprengmeisterin. Definitiv eine pragmatische und zuweilen milde Meisterin, ich schickte Dir sogar Schokolade, die, die ich so sehr liebe aber nicht essen kann. Kriege davon Bauchschmerzen, esse sie zuweilen trotzdem. Ist auch so mit Männern: Zuweilen trotzdem. Und obwohl ich echt sonst Menners, um despektierlich zu werden wie ich es nun mal bin, nicht mehr lese/höre/sehe/grüße, versöhne ich mich mit Männern, und freue mich auf Deine nächsten Bücher. Sogar Krimis, yeah, endlich mal einfach nur Unterhaltung, ich kann ja nicht gut Filme gucken, und ich gestehe Podcasts sind für mich auch anstrengend, ich bin eine Frau des geschriebenen und getippten Wortes, des Bildes, des Duftes, dann reicht es aber auch. Nun, Du machst in Hamburg am 5.September eine Lesung, mutig mutig, finde ich gut, ich erwäge hinzugehen, ich brächte Schokolade mit. Und natürlich meine Maske und meinen Flammenwerfer. Obwohl, nein, ich würde einfach peinlich um eine Widmung in mein schokobeflecktes Buch erbitten. Ach so, über das Buch wollte ich eigentlich schreiben, aber sind wir ehrlich, man schreibt immer über sich.
Lieben Gruß
Andreea

Lesungstermine gibbet hier:
https://tillraether.wordpress.com/lesungen/