Happy Birthday-16 Jahre Blog


Die längste Beziehung führe ich bis dato also mit einem Server/Webspace/Domain oder schlichtweg mit dem World Wide Web. Danach kommt mein Friseur LOL und der Vater meiner Kinder, bei dem ich mich frage wie er mich so lange ertragen hat. It’s a miracle.
Was mich ebenfalls lange und noch länger begleitet, ist meine Neurodiversität, die ich als solche erst jetzt bewusst wahrnehme. Das ist eine große Erleichterung und ein Zugewinn, denn wenn man um diese speziellen Fähigkeiten weiß, kann man damit seinen Lebensweg ganz anders ausgestalten als von der Gesellschaft vorgesehen. Birgt natürlich auch seine Tücken-was gibt man im Feld “Tätigkeit” in Formularen ein?
Mittlerweile komme ich an-Stylistin ist ein freier Beruf und genau so blöd zu erklären wie Kulturwissenschaftlerin, das bin ich also gewöhnt; die On-Off Beziehung mit Peirce über mehr als anderthalb Jahrzehnte ist genau das, was On-Off-Beziehungen sind-führe ich jetzt mal lieber nicht näher aus.
An jedem fremden Tisch an dem ich sitze, in jeder fremden Umgebung, beobachte ich die Leute und beobachte auch mich, wie ich mich anpasse oder auffalle. Diese seltsame Gabe, in Erinnerung zu bleiben, ist recht einfach: man muss kommunizieren und man muss etwas sagen, was die Leute bewegt/berührt. Es nennt sich meines Erachtens einfach: Nett sein. Dann braucht es die Kleidung nicht mehr, die sonst ein einfaches Mittel der Wahl sein kann um aufzufallen.

Aber zurück zum Blog, dem jetzt eine andere Gewichtung zukommen sollte: Blogs wurden totgesagt, es kam Instagram und damit die Influencer:innen und Bilder wurden das Maßstab der Dinge. Durch Bilder zu lügen ist allerdings noch viel einfacher als durch Worte und zum Teil technisch kaum nachvollziehbar. Das Mißtrauen gegenüber dem Allzeit zum Verkauf bereiten Influencertum ist proportional zu deren Erfolg angestiegen, und damit auch eine gewisse Müdigkeit eingetreten. Was noch schockt sind sicherlich die reisenden Influencer:innen, was allerdings in Zeiten einer Pandemie auch müde macht (WTF ey!) oder sehr spezielle Themen, denn Nischen findet ja immer Liebhaber:innen; ich sage nur Schmuck!

Ich kann als Stylistin nicht zur Fashionista werden, ich predige kein Wasser und trinke Wein! Was ich anpreise, lebe ich selbst: Weniger ist mehr, dafür bessere Dinge anschaffen, dabei bleiben, und immer wieder neu imaginieren oder eben abändern und weiter nutzen. Ich mit meinem 10 schwarzen Oberteilen und drei Hosen werde ich kein Fashion-Blog machen können. Und Kunden wollen sich eher nicht im Internet sehen (oder bitte dann anonym).
Quo vadis?
Bilder haben wir nicht, aber wir haben Text. Text ist viel besser zugänglich. Geringere Bandbreite notwendig, für Behinderte besser zugänglich, allerdings auch weniger einfach und schnell zu konsumieren als ein zu Tode bearbeitetes Bild. Kann man über Kleidung schreiben, statt Bilder zu servieren? Kann ich über Armani sinnieren, oder muss ich Armani zeigen? Wer will eigentlich noch Armani? Braucht es Armani?
Nun, wie heißt es so schön, haben ist besser als brauchen und so können wir Armani, denn wir tragen ja eh Klamotten, und man kann die Ästhetik dann auch nutzen, und sich als Konzept begreifen und entpsrechend auch äußerlich umsetzen. Zeitlosigkeit als Stilmittel ist vielleicht langweilig, aber effizient am Ende des Tages.
Und wie werde ich ohne Bilder über Stil schreiben? Kann man das? Keine Ahnung. Beauty ist ja mehr als Augencreme.
Probieren wir uns aus. Die deutsche VOGUE, meine schärfste Konkurrenz LOL wurde quasi eingestellt, – lest stattdessen dann hier.

Schreiben, um zu schreiben, um zu schreiben, um zu

Ich habe neulich gelesen, dass das Mythos des Künstlers als leidgeplagtes Wesen nun, eben, ein Mythos sei. Es ließe sich viel besser und kreativer arbeiten, wenn mensch nicht in prekären Situationen steckte. Der Zeitungsartikel aus dem englischsprachigen Raum hatte sogleich ein paar berühmte Beispiel zur Hand, und ich las nicht weiter-ja, das waren Leute, die durchs Schreiben reich geworden waren, jedoch vorher schon nicht gerade von Brotkanten lebten. Wie es bereits die wenig bekannte Mathematikerin und Philosophin Emily du Châtelet in ihrem Buch Discours sur le bonheur (Friedenauer Presse) schrieb, ist Kunst und intellektuelle Beteiligung ein Privileg der wohlhabenden Schicht – diese Erkenntnis ist nahezu sensationell, wenn man bedenkt dass ihr OEuvre aus dem Jahre 1746/47 stammt und andere Menschen bis heute nicht in der Lage sind, ihre Privilegien anzuerkennen (daher auch “weißer, alter Mann” genannt).
Schreiben um zu schreiben ist und bleibt also ein Luxus, und es hat nicht jede:r was zu sagen. …Hab’ich?!

Unter den Schreibenden gibt es jedoch eine Schicht, die bestimmte Funktionen
erfüllt, und in die ich mich ungewollterweise einreihe: Der pathetische Alibi-Vorzeige-Ausländer. Am besten schon noch als DIE pathetische Vorzeige-Ausländerin, und dieses als selbsterfüllende Prophezeiung. Zumal wenn es sich dabei nicht um eine Selbstzuschreibung handelt, birgt es einige Fallen und einige Funktionen, die ich nachfolgend erläutern werde.
Fangen wir mit dem Ergebnis an: Es ist problematisch, weil es dazu dient, uns als Exoten und Zootiere der Gesellschaft nach vorne zu stellen und zu zeigen, dass man es schaffen kann (Meritokratieversprechen) und uns zwar eine Stimme gibt, die sich in der Regel für Marginalisierte einsetzt, aber damit auch gleichzeitig nur das. Es wird eine laute Stimme angehört und nicht weiter gehandelt, es wird bestätigt, was mensch schon wusste, nämlich wie schlimm alles sei, aber es wird nicht weiter agiert.
Und so schreibt man gegen das Achselzucken und Bedauern der Menschen an. Ich las einen kurzen Auszug aus einem Buch über Pathos von Khorsand Solmaz in Kremayr&Scheriau Verlag – wer es mir schicken möchte, Adresse ist im Impressum, danke! – und der Begriff löste einen kompletten Knäuel an Gedanken auf.
Meine Gedanken und Fragen: Bin ich mittlerweile auch so eine militante Tussi geworden, die im WWW rumschreit, zu ihrem eigenen Publikum, und dabei krude Thesen verbreitet? Eine Art Verschwörungstheoretikerin?
Bin ich jemand, die schreibt um des Schreibens willens, welchen Zweck hat das überhaupt, ich könnte genauso gut Werbetexterin sein…?
Ist Schreiben ein Selbstzweck, sowie Kunst es sein darf, und ist Schreiben Kunst, zumal ich zumindest es schon immer tue und tat; und ist Kunst als Oberbegriff erlaubt, auch wenn man in Anführungszeichen eine mittelmäßige Künstlerin ist? (LOL hierzu…das bedürfte einen eigenen Beitrag!)
Ist die Zunft des Schreibens nur ernstzunehmen ab einem gewissen, durch das Schreiben generierten Einkommens?
Am I preaching to the converted?
Wo verorte ich mich als Schreibende und wo ist mein sicherer Raum, wo gehöre ich hin, bin ich weder furchtbar marginalisiert, da weiß gelesen, noch bin ich Arbeiterkind zum Vorzeigen, noch bin ich jemand, den man exotisieren kann?
Brauchen Chamäleons eigentlich auch eine Plattform?
Darf Mittelmäßigkeit laut sein?

Das Schaffen von Inhalt ohne Ziel und Zweck kann nicht funktionieren. Selbst die Plattformen der Sozialen Medien haben eine längst internalisierte Bedeutung und die lautet: Verkaufen. Kauf meine guten Absichten, kauf meine Bilder, kauf meine Hautcreme mit 20% Rabatt. Und immer wenn so etwas passiert, gibt es eine Gegenbewegung, gibt es das Andere, was in diesem Falle eine schier unvorstellbare Menge an klugen Inhalten und Aktivismus ist. Ich schrieb bereits hier darüber, dass es sich um vorwiegend von Frauen erzeugten Content handelt, der bezahlt werden sollte.

PATHOS – das pathetische Schreiben ist ähnlich wie Marktschreierei – die Leute kommen wegen der Show, ja, aber sie kaufen auch immer etwas ein. Und selbst wenn nicht, ist der Marktschreier auch ein Werbeträger für den gesamten Markt, für das Symbol des Marktes und des Geschehens des Wochenmarktes unerläßlich. Er erfüllt demnach eine übergeordnete Funktion.
Als Marktschreierin des WWW sich selbst zu bezeichnen birgt einen subtilen Humor – oder ist ehrlich gesagt zynisch, denn es ist wahr.

Ist Schreiben also nur denjenigen erlaubt und möglich, die ein Papierbuch zustande bringen vermögen? Ist Kunst nur Malerei wäre die angeblich ketzerische Frage die jede Kulturwissenschaftlerin augenrollend, LOLend und schweigend nicht beantworten würde.
Für einen Buchvertrag ist es unerlässlich, die Meute auf Social Media bereits kanalisiert zu haben, das Publikum ist schon da und eingefangen und muss nicht mehr als mühsame Marketingsarbeit des Verlags zusammen getrommelt werden. Verständlich. Exposition ist mehr Wert als Inhalt. Die Publikationsliste meine Twitter-Timeline liest sich wie das Who is Who der deutschen Medienlandschaft und ehrlich, ich bin schon neidisch, doch was habe ich schon zu sagen, was nicht schon drölfzig Mal gesagt wurde. Was mir bleibt und bliebe, ist meine eigene Haut zu Markte zu tragen und eine Geschichte des Leids, des Ausgegrenzt-Seins und des steinigen Wegs zum Erfolg aufzuweisen. Damit erfüllte ich dann auch meine Funktion des Zooäffchens – oder aber ich schreibe andere kluge Dinge über die Dinge, die andere kluge Menschen bereits gesagt haben, was ich hier ja tue (kauft und lest das PATHOS Buch!).

Viel besser, interessanter und vor allem tatsächlich gerechter ggü Marginalsierten wäre es, wenn es gar nicht mehr das Thema wäre. Davon sind wir zugegebenermaßen sehr weit entfernt. Es ist und bleibt aber stets die Aufgabe einer Elite, voran zu gehen. Es geht also nicht um darum, dass eine Autorin Schwarz ist, sondern dass sie eine gute Autorin ist. Das kann noch 200 Jahre locker dauern, und das ist eine Entwicklung und ein Prozess, der sich auch daraus speist, dass die Erfahrungswerte aus Marginalisierung und Identitätskrise Content liefern, diese Dinge entstehen lassen und in Wort, Schrift und Bild fassen. Am Ende bleibt die Aufgabe des Schreibens als Dokumentation und Prozessfortschritt.
Dieses wird ja eher nicht von Marktschreiern wahrgenommen, die braucht es aber auch, um sich darüber zu erheben, es braucht ja auch die Bild-Zeitung um das Philosophie-Magazin zu haben. Wir könnten gar nicht nur von Trüffelpasta leben. Ja, selbst die Marginalisierten gibt es in verschiedenen Qualitätsstufen, und es kommt mir vor wie das vielbeschworene “der Lauf der Dinge”, das neulich meine Mutter sagte… WIRKLICH?? Das lasse ich mal zur Diskussion offen. Die Klassengesellschaft gibt es überall.

Befreiend ist es zu wissen wer man als Schreibende ist, welche Funktion man dabei erfüllt, sei es denn auch nur als Abgrenzung für die richtig guten Schreibenden, und welches Ziel man verfolgt, was völlig und unabhängig der Output-Qualität sein darf. Eine Revolution anzetteln? Dafür braucht es keine Fremdwörter. Man muss sich aus Boxen und Schubläden befreien und meinetwegen pathetisch sein, und dafür bin ich der Technik dankbar. Es gibt keine demokratische Funktion der Digitalisierung an sich, dafür steht die Statistik des Digital Divide/der Digital Gap; sie ist lediglich ein als überkomplex und furchterregendes getarntes Werkzeug. Schreiben ist radikal, das WWW ist es nicht.

Pathetisch sein nutzt sich ab, schreibt Khorsand Solmaz, und es ist anstrengend, und es ist wenig ergiebig. Es stimmt. Es schmerzt auch, das zuzugeben. Polemik ist einfacher als Raffinesse, und letzteres behalte ich mir vor für die Teilnahme am Kapitalismus, ironischerweise. In diesem Spagat des “Schreibens um zu wirken” und des “Schreibens um zu leben”, eine von Châtelet als Illusion bezeichnete Apologie, kann man jedoch und laut ihr, Obacht, kann man nur damit glücklich werden.

GIORGIO ARMANI COSMETICS lädt nach Berlin ein

Mybeautyblog beim Visagisten

…ich habe einen Tag geopfert und bin der Einladung gefolgt, weil ich die Produkte der Marke sehr mag (sollte es jemand nicht bemerkt haben… 😉 ). Mit einem aktuellen Stresspegel von 80% eigentlich nicht drin, doch es war eine wirklich tolle Veranstaltung.

Zum einen war der Visagist Alex Rothe da – ein Bärliner Jung’ mit bärliner Schnauze. Hinter seiner lockeren Sprache steckt (und ich bin beeindruckt!) aber ein bisschen mehr, als studierter Mode-Designer und erfahrener Visagist hat er wesentlich mehr drauf als Sprüche. Ich habe viel gelernt, auch jenseits von “Schminke”. Großartig!

Zum anderen war die PR-Dame von GA da, die sehr deutlich signalisiert hat dass sich der Konzern L’Oreal den “neuen Medien” nochmal anders, direkt und unmittelbar, sich öffnen möchte. Es wurde um Feedback gebeten und es kamen auch Probleme zur Sprache, so zum Beispiel dass es schwierig sei als PR Mensch mit den neuen Medien zu arbeiten, weil es noch keine Meßbarkeit für Wirkung auf die Leute gibt. Schließlich muss sie eine gewisse öffentliche Erreichbarkeit dokumentieren – in harten Zahlen.

Für mich war die sehr offene Art und Weise wirklich toll. Es bleibt spannend wie sich das Verhältnis Blogosphäre-Unternhemen, gerade wenn es um produktlastige Blogs geht wie bei mir, entwickelt. Was kann man sich gegenseitig bieten, wie kann man kooperieren, wie kann das Unternehmen seine Produkte bekannt machen/bewerben und wie kann man als Blogger erfolgreich bleiben?

Die Antwort – Ehrlichkeit, Transparenz.

So bleibt es jedem überlassen eine Entscheidung zu treffen. Willst Du Armani oder Dior?
ICH bin jedermanns Schlampe, solange er ein gutes Produkt hat.

Natürlich habe ich ein paar Bilder – hier die ersten, die ich STYLE AND BEAUTY zu verdanken habe 🙂 Weiterlesen…