Positiv geht auch

Neulich wurde ich gefragt, wie es mir geht. Ernstgemeint – und ebenso ernstgemeint sagte ich spontan „Gut!“ und meinte es genauso.
„Huch! Bist du krank?!“ …schallendes Gelächter ertönte, denn ich bin bekanntlich ein Stänkermaul und kleiner Giftzwerg, gerne unzufrieden und das lautstark.

Es läuft. Es läuft! Nichts ist perfekt, und wenn ich ehrlich bin, macht mir die aktuelle Lage in Europa sehr schwer zu schaffen. Nazis trollen auf Twitter herum, und besorgte Bürger stehen an jede Straßenecke.

Mir geht es gut, ich arbeite und erreiche meine Ziele, bringe Opfer dafür, das gehört auch dazu. Aber um Opfer zu bringen, verzichtet man auf etwas, was man hat – welch ein Luxus wiederum! Vielleicht ist es auch kein Opfer, sondern eine Fokussierung?

Definitiv ist die Struktur, in der alles läuft, eine erarbeitete und geplante – alles passiert so, wie ich es geplant und überlegt habe. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, das dauert alles zu lange – wollte ich nicht schon vor zeh Jahren eine Doktorarbeit und ein Kind haben? Doch – das war das Ziel damals, das ich heute erreicht habe und die nächsten Ziele und Schritte sind klar und werden weiter verfolgt. Ohne Zeitplan oder Druck. Wissen, was man will – und es auch tun. Letzteres ist die größte Hürde, denn man macht es sich gerne bequem. Wir sind Menschen, wir haben es gerne bequem; und sich ständig abmühen und abstrampeln, ständig denken, überlegen und entscheiden, ja sogar Verantwortung tragen – darauf haben viele kein Bock. Mir wächst es manchmal auch über den Kopf, ich werde launisch, weinerlich und krank – der Akku ist dann leer. Darauf muss man natürlich selbst achten und im Zweifel die Geschwindigkeit raus nehmen.

Ich treffe tolle Menschen, ich bin selbst ein toller Mensch, den man gerne trifft – aus einem ganz einfachen Grund: ich bin reflektiert und ich möchte mich weiterentwickeln. Das habe ich mit den anderen tollen Menschen, die ich kenne, gemeinsam. Lernen wollen, denken, mehr wissen, Wissen anwenden, verschiedene Blickwinkel einnehmen, sich selbst entdecken und für andere da sein.

…ich merke, dass ich älter werde; Lebenserfahrung und Wissen haben ein Sprung gemacht. Ich bin durch die Fokussierung auf zwei, drei Dinge auch furchtbar schusselig, vergesslich und vermutlich sehr lustig (hört sich besser an als wirr) – vergesse Dinge, lasse Sachen liegen, spreche unvermittelt unangemessene Sachen an, die man eher im verborgenen Kämmerlein diskutiert. Ist aber okay.

Und wenn ich auch viel von mir rede – ich nehme stets alles auf, jede Reaktion, Körperhaltung meines Gegenübers, jeden Zwischenton, das Ungesagte. Vergrößerte Pupillen oder Nervösität. Ich rede nicht immer drüber, aber ich merke alles und trotz des vollen RAMs ist meine Festplatte nach wie vor 1a. Ich merke mir alles, und wer mich ungerecht behandelt oder mobbt, kriegt es zurück. Ich bin da sehr geduldig…

Und weil ich weiß, dass alles lange dauert, aber auch immer wird – sehe ich es positiv. Ich komme zum Ziel, weil ich GEHE.

P.S. Eine Coachin hat mit zwei Wörtern ebenfalls mein Leben verändert. Dazu später mal…

6 Gedanken zu „Positiv geht auch

    1. Ich glaube, dass viele ein ähnlich wirklich gutes Leben haben, sich dessen aber nicht bewusst sind. Klar, ich habe auch meine Baustellen, und die sind scheisse, aber sie sind machbar. Man hat nicht alles in der Hand, aber wenn,kann man sich glücklich schätzen. Tatsächlich bin ich tierisch pessimistisch und negativ und so – aber mehr im Sinne von auffallen vorbereitet sein. Ich wünsche mir, dass alle sich mit weniger zufrieden geben in manchen Bereichen, in manchen aber mehr fordern, und dass sie richtig „gucken“.

  1. Du kannst doch nicht einfach mit einem solchen Cliffhanger aufhören!

    Ansonsten, Glückwunsch, hört sich alles sehr sympathisch an:)

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