Willkommen auf dem ersten Beautyblog weltweit – seit 2005

Seit 2005 die Referenz für einen intellektuellen Zugang zu Beauty & Fashion ❤️
Smart Skills wie Humor, kultureller Kontext und eine reflektierte Haltung ergänzen mein Fachwissen als Publizistin und Personal Stylist & Beauty Coach.
Ich schreibe aus und über meinem Alltag und mein Wissen als Frau ende Vierzig, als politische Person, Kulturwissenschaftlerin, und Unternehmerin.

Gefallen Dir die Texte?
Hier ist die Lippenstiftkasse:
P A Y P A L ❤️ M E

Transparenz: Die Webseite wird durch Werbeeinnahmen und Spenden finanziert.

Wahlkampf in Lüneburg – Kompetenz oder Cholerik?

…neuerdings sind Oberbürgemeiserin-Wahlen in Lüneburg und die Stadt ist plakatiert mit allerlei inhaltsleeren Plakaten mit Gesichtern. Der wahre Wahlkampf findet in der Lokalzeitung und auf Social Media in den Kommentarspalten statt, wie mir Instagram zeigt.
Ich habe sogar das Höllenportal Facebook geöffnet, um mir einen Eindruck zu verschaffen, denn die meisten Menschen hier sind keine Millenials mehr, und man muss die größte Wählergruppe natürlich auch dort einfangen.

Ich finde, dass so ein Kuhkaff ein Miniaturbiotop ist: Hier sind alle privat und geschäftlich verzahnt, jede*r kennt jeden und Politik und Wirtschaft – naja, in anderen Ländern ist es Korruption, hier nennt man es “Netzwerk”. Das wirklich Schlimme ist: Es ist ein Männernetzwerk und DU KOMMST HIER NICHT REIN. Schaut man in die schMerz Regierung, findet man das selbe Konstrukt, nur dass die Beträge, um die es geht, viel mehr Nullen haben. Es sind ja auch mehr Nullen da LOL.

Zuletzt habe ich in Lüneburg die grüne Kandidatin gewählt, Claudia Kalisch. Der Grund ist einfach: Wir haben einen gemeinsamen wissenschaftlichen Background, und sie ist eine Frau. Für mich ist der Zug abgefahren, aber unsere Töchter brauchen Vorbilder!

Mich für diese Wahlen zu interessieren fing an, als ich auf Instagram las, dass sie ja die letzten Jahre nix hinbekommen hätte. Sollte ich meinen Augen ntrauen? Ich sehe doch die Dinge?!
Fast forward vier Jahre später sehe ich als unbedarfte Person die Dinge, die in der Stadt passiert sind: Grünflächen, Spielplätze, Radwege, soziales Miteinander im Blick. Oberbürgermeisterin sein bedeutet offenbar permanente Sichtbarkeit, permanentes Arbeiten – ich habe sie sogar einmal kurz live gesehen. Auf einem SA, wo sie eine kleine Rede für Schüler*innen hielt und dann zu nächsten Termin sauste. Krasser Energiepegel, und super nett.
Weil ich neugierig bin, habe ich sie dann auch mal ernsthaft gestalkt, und war bei einer Veranstaltung, wo sie den Habeck inhaltlich und rhetorisch in die Tasche gesteckt hat. Klaro, sie ist eine Umweltwissenschaftlerin, heute vollmundig Nachhaltigkeit, und hat einen MBA in Wirtschaft. Da ich den Lehrstuhl kenne, weiß ich dass sie Haare auf den Zähnen haben muss, da wird einem so gar nix geschenkt.

Meine dann doch etwas längere Recherche ergab, dass ich drei Dinge aus dreißig sehe. Wie immer sind die Dinge an mir vorbeigegangen, weil es sich um wenig sichtbare Umweltschutzdinge handelt. Nachhaltigkeit ist kein sexy Stichwort mehr, und so bekam ich nicht mit, dass etliche Piloprojekte ausgerollt wurden. Dann so Sachen mit Ganztagesbetreuungin Grundschulen, igitt! Wie kann sie nur?! Sie ist dann auch noch Vizepräsidentin des Städtetags, der größte kommunlae Verband, die tatsächlich auch in der Gesetzgebung mitmischen. Sonst hätte ich keine kostenlose Ganztagsbetreuung, das hat sie tatsächlich durchgedrückt, – weil sie weiß, wie sch*** es ist wenn das verdiente Geld für die Kinderbetreuung abfließt. Männer would never. Aber wieso kriegt man so wenig über die umgesetzten Sachen mit??
Es ist sehr einfach: Die lokale Medienlandschaft sind alte weiße Männer, die wollen sowas nicht, und als ich gestern an einem Ferrari mit Lüneburger Kennzeichen vorbeiging, war mir auch irgendwie klar, warum.

Dann habe ich mir aber auch die anderen Pappnasen, ich meine Kandidate*innen, angeschaut: Der eine ist ein Tech Bro und hat sich scheinbar Peter Thiel als Vorbild genommen, heillos überfordert. Ein wohl kompetenter, aber mir persönlich ungeheuer unsympathischer CDU Dude. Die SPD? Eine weitere Frau, eine alte Häsin im Geschäft, kann aber nicht sagen wofür sie steht, das ist momentan ein großes Problem der SPD…
Spannender wird es, wenn man die Leute schon kennt: Der stets politische ehemalige Kommilitone, der windigerweise mal so eben die Partei wechselt. Der Choleriker, der unglaublich gut vernetzt ist und dessen Parteilosigkeit scheinbar braune Spurenelemente enthält und dessen Kugelschreiber in allen Briefkästen der Stadt gelandet sind.
Es ist ein Miniaturabbild unserer Zeit: Die Inkompetenten, die Vernetzten, die nach Oben-Gelobten, die Windigen, die überqualifizierten Frauen.
Wenn man als Frau Karriere gemacht hat, oder es versucht hat, kennt man diese Menschen, die ekligen Blicke und die noch ekligeren Gespräche, die man abends abduscht. Als Politikerin musste sich die aktuelle Bürgermeisterin öffentlich!! über ihre Scheidung rechtfertigen. ALTER. Währenddessen wird der Kumpel von dem anderen Kumpel medial gepusht, um dann als Mann allen ernstes Dinge von sich zu geben wie: Er dürfe ja Sonntag ausschlafen und seine Familie würde das ja alles mittragen. Es lebe das gute, alte Patriarchat, der Mann hat seinen Spaß, während ihm einen nicht weiter benannte Frau den Rücken freihält. Illustration dazu: Er mit seinem Thronf… Sohn. Solche Leute habe ich ja gefressen.

Natürlich wähle ich wieder die Frau, die offensichtlich Sonntags aufsteht, sich nicht zu fein ist vor Grundschulkindern zu sprechen, Ganztagesschule ermöglicht hat, und dessen Haare ich unglaublich beneide. Sie ist eine Frau, die es “geschafft” hat, und was mir besonders gefallen hat: Die ihr Rampenlicht auch teilt. Send the elevator back down – die wirklich mächtigen Frauen machen genau das.

Was ich noch gelernt habe: Entsiegelung, also das Entfernen von betonierten Flächen, Begrünung und Moore sind die paar Sachen, die unseren Arsch in der Klimakrise retten können, wenn wir sie angehen. Danke hier an den Landratskandidaten Torsten Franz und Professorin Vicky Temperton, wo ich ein Gespräch belauscht habe. Guerillabegrünung auf die Lehrpläne!

Drei Fragen an sich selbst

Ich liebe, liebe Fragen – sie sind schwieriger und klüger als Aussagen. Diese drei habe ich aus dem Netz gefischt und fand sie amüsant als auch aufschlußreich, als ich sie mir selbst beantwortet habe. Hinweis: Die Antworten sollten etwas ausgeführt werden. Die spontane Antwort ist das eine, die eigentliche Aussage dahinter das Wesentliche. Viel Spaß damit!

– Was ist die Geschichte, die Du Dir selbst erzählst und nun anfängst zu glauben?

– Wenn Dein Leben die nächsten zwei Jahre so bleiben würde, wäre es eine Verbesserung?

– Wenn Du einmal die/der Bösewicht in der Geschichte einer anderen Person warst: Was hast Du getan?

21 Jahre publizieren – was ist die Zukunft des World Wide Webs?

Nach so langer Zeit hat sich der Blog aus dem thematischen, mit persönlichem Dingen gespickten Inhalten langsam gewandelt zum Ursprung des Blogs, den heute kaum noch einer führt. Ein “data log”, ein Tagebuch, ein Journal und eine Reflexionsfläche(sic!), die andere zur Diskussion einlädt, das war und ist ein Blog. Per Definitionem sind zwei Eigenschaften notwendig, um einen Blog von anderen Publikationen zu unterscheiden: Der fortschreitende Verlauf in der Zeit, also die Entwicklung, sowie die Kommentarfunktion. Alles andere ist ein Text oder ein Forum.

Kontinuität und Reflexion.

Das World Wide Web hat eine Entwicklung hingelegt, die mich zuweilen müde macht. Die Ignoranz der Menschheit einmal ausgebreitet zu sehen, für jeden recherchierbar, für so viele, auch mich, verwirrend. Wir leben in einem Zeitraum der Transparenz, die so überwältigend ist, dass wie die Dinge nicht mehr klar sehen. Alles Schlimme, was direkt vor unseren Augen passiert, ist so überwältigend, dass wir es zunehmend achselzuckend hinnehmen und ignorieren. Die Grenzen der Toleranz werden erweitert und verschoben. Ob es der Epstein Menschenhandel ist, Faschismus oder die mutwillige Zerstörung des Planeten durch Rechenzentren, viel zu viel konzentriert sich auf das WWW, was in seinen positiven Möglichkeiten mittlerweile augenscheinlich zurück bleibt.

Als vernünftiger Mensch sollte ich jetzt einen handwerklichen Beruf ergreifen und mein austherapiertes Gehirn von der Informationsflut befreien. Meine Freundin, die sich diesen Luxus leistet, lebt sehr viel glücklicher als ich in ihrem Delulu-Land. In meinem Delulu-Land wiederum spielt die persönliche Entwicklung eine massive Rolle, und dafür nutze ich tatsächlich das WWW: Zum Lernen.

Präsent, sichtbar, souverän – das war am Anfang die Leitlinie meiner Stilberatung, das was ich neben dem Blog quasi als Praxiselement führe und mein spezielles Wissen in die Praxis umsetze.

Dahin muss es wieder gehen, es ist quasi eine politische Verpflichtung jeglicher Person, die kann, und auch im Sinne jeglicher Personen, die nicht können. Allen eine Stimme geben wird nicht gelingen? Mir als einzelne Person nicht, aber uns gemeinsam. Und ich gestalte das durch meinem Blog mit.
Das Private bleibt politisch.

Und der Grund warum der Begriff Beauty im Namen des Blogs stehenbleiben kann, mit dem Hinweis auf Ästhetik, ist dass wir diese Begriffe als “summum bonum” begreifen müssen.

Das “summum bonum” aus der Philosophie wohlgemerkt, ist das Streben nach dem Guten, im Gleichgewicht, denn es muss etwas geben, wonach das politisch Private strebt: Die schönen Dinge, es ist Kultur, es ist Kunst, es ist aber auch Gerechtigkeit und Balance.

Wonach strebst Du? Was begleitet Dich dabei?

Mehr Antisemitismus – MET Gala ehrt Galliano

Die mittlerweile verstorbene Journalistin Marija Latković, derer Familie ich weinend gedenke, hat vor einiger Zeit, schon bevor ich den Faschismus endgültig erkannt habe, auf den stark aufschwellenden Antisemitismus aufmerksam gemacht. Ich hatte das zunächst nicht wirklich verstanden, da es mich nicht betrifft und ich im nächsten Umfeld keine jüdische Personen hatte, aber dies hat sich nun geändert. Sowohl das Verständnis als auch die Menschen.

Ich habe dieses Jahr die MET Gala quasi boykottiert bzw. explizit nicht erwähnt, anlässlich meiner #eatttherich Haltung. Das haben alle anderen sehr schön und auch besser getan, die visuelle Grausamkeit und die symbolische Bedeutung dieser Veranstaltung zu rezipieren und zu interpretieren, und vielleicht habe ich das auch nicht, weil es schlichtweg langweilig war.
Doch nach dem Besuch in Bayreuth kann ich meine Augen nicht weiter verschließen.

Nun muss ich hier anmerken, dass das WWW mir einen Kontakt zur MET verschafft hat, nebst anderen Nettigkeiten wie Zugang zu amerikanischen Medien, und so musste ich lediglich recherchieren, ob die Quelle vertrauenswürdig ist. Kann denn die Biographin von Galliano eine gute Quelle sein? Dana Thomas besitzt das größte Archiv seiner Entwürfe und generell “Zeugs” von ihm – sicherlich keine kritische Stimme, möchte man meinen. Persönlich begegnet ist sie ihm auch, natürlich. Sie schreibt auf, was sich Galliano in seiner Karriere seit 1997 schon alles geleistet hat: Nackt Aufzüge blockieren ist natürlich das Highlight!

Weit gefehlt, sie ist sogar ausnehmend kritisch:
https://www.nytimes.com/2026/08/06/opinion/met-gala-galliano-antisemitism.html

Hier ist ihr Insta, da gibt es die Videos dazu, die mich auf das Thema aufmerksam gemacht haben.
https://www.instagram.com/danathomasparis/?hl=de

Galliano soll im MET eine Sonderausstellunge bekommen und Thema der jährlichen Ausstellung des Costume Institutes mit dem Gesamtwerk sein, damit eine sehr große Ehre und historisch wichtige Dokumentation des Œuvres. Diese bekamen bislang nur zwei kontemporäre Designer: Rei Kawakubo in 2017 und Yves Saint Laurent 1983.

Galliano fand ich persönlich nie gut, umso mehr wenn man die kulturellen Einflüsse seiner Kreativität unter dem Aspekt des geistigen Diebstahls bzw. der kulturellen Aneignung betrachtet. Inspiration, Transpiration, Obsession, es tut mir leid, können wir aufhören, Künstler (absichtlich nicht gegendert), ihre Sucht und ihr mißbräuchliches Verhalten mit ihrer Genialität zu verteidigen? Exzentrisch ist okay, aber in einer Bar zu sitzen und den Sitznachbarn zu sagen, dass deren Vorfahren ver***t worden wären, ist schon eine andere Nummer.

Gallianos Entwürfe sind mittlerweile Kunstwerke, die hoch gehandelt werden, er hat einen Vertrag mit ZARA abgeschlossen, sitzt überall wieder auf Bühnen und in Jurys und gibt Interviews. Was ist das passiert? Nachdem er lange weg vom Fenster war, hat er sich mit dem Judentum beschäftigt, sich entschuldigt und öffentlich Reue gezeigt inklusive Entzug. Nun will das MET natürlich kritisch dem gegenüber sein und nicht nur sein Werk würdigen, sondern auch erwähnen, dass es… schwierig war. Legitimiert das sein Werk oder seine Vergehen? Ist das nicht das gleiche?

Ähnlich wie man sich “kritisch” mit Hitlers Lieblingswerk in Bayreuth auseinandergesetzt hat (LOL), hat das Ganze einfach einen üblen Geschmack.

Die gleichen Namen fallen immer wieder in diesem Kontext, immer wieder Anna Wintour, die sich mit dem Geldadel umgibt. Dazu kommen seltsamerweise aus jüdischen Reihen die Geistlichen, die Gallianos Weste wieder weiß waschen. Es gibt einen Ablasshandel, keine Frage. Der Designer hat sich, jüdisch begleitet, mit dem Holocaust auseinandergesetzt, hat sich öffentlich entschuldigt, ja, da ist einiges passiert. Wer hat eigentlich so ein großes Interesse an dem Typen und warum? Ich weiß es nicht. Ist er ein genialer Designer? Reicht das?!

Aber stelle mensch sich mal vor, und das passiert leider permanent, die ganzen reuevollen Sünder (auch hier nicht gegendert), wird eine Bühne geboten.
Huch! Das passiert ja hier in Deutschland auch ständig! Dieter Nuhr sage ich nur, der zuletzt Femizide als Witz genutzt hat, um es den Opfern in die Schuhe zu schieben. Wahnsinn einfach, und das im öffentlichen Fernsehen.

Wem wollen wieder eine Bühne bieten? Reicht es, sich zu entschuldigen und öffentlich Reue zu demonstrieren? Ist Galliano der Hofnarr irgendeines Milliardärs? Wer hat ihm immer wieder auf die Füße geholfen? Ist er kommerziell erfolgreich oder erfolgreich gemacht worden?

Man müsste hier sicherlich der Geldspur folgen, wie immer.

Am Ende ist Galliano ein Hofnarr, ein “Provocateur”, dessen Entgleisungen gewollt sind und akzeptiert werden, weil sie insgeheim jemanden bestätigen. Wessen Hof es ist? Das werden wir nie erfahren. Wenn Geld und Faschismus sich treffen, dann ist alles möglich und nichts transparent.

Als Fazit bleibt eines: Das ist keine falsche, sondern eine bewusste Entscheidung, mit einem Deckmäntelchen der Reue garniert. Der Antisemitismus ist serviert!

BAYREUTHER FESTSPIELE Der schwitzende fliegende Holländer

Das Festspielhaus hat die beste Akustik, die ich je gehört habe. Vergesst die Elphi. Die unbequemen Sitze sind legendär, ich saß drei Stunden aufrecht, ohne Lehne, und meine Beine baumelten leicht über den Boden, während meine schmale Nachbarin sich notgedrungen an mich kuschelte. Die Aufmerksamkeit war hundert Prozent nach vorne gerichtet, und ich lauschte und sah genau hin.

Der fliegende Holländer ist eine für Wagners Verhältnisse kurze Oper mit nur drei Stunden und musikalisch ganz okay, man erkennt viele musikalische Elemente einer Oper wieder und die Gesangspartien sind toll, allerdings auch sehr herausfordernd aufgrund der Länge der Partien. Auffällig war Nicholas Brownlee in der Hauptrolle, der wahnsinnig kraftvoll gesungen hat und das Stück praktisch komplett getragen hat. Der Rest war okay bis gut, das ist in den Bedingungen dort für die Sänger*innen einfach komplett körperlicher Raubbau.

Die Inszenierung war unter aller Kanone, trotz der tollen Bühnentechnik. Ein bisschen psychologischer Kindesmissbrauch und dazu auch tatsächlich als Statist ein Kind auf der Bühne. Ich dachte ich sehe nicht richtig, zumal vor mir ein Mädchen saß, der eine zeitlang auch wirklich die Augen zugehalten wurden. Muss das sein??

Aufgrund fehlender Übertitel konnte ich leider fast nichts verstehen, und die Handlung auf der Bühne erschien mir in keiner Weise schlüssig oder passend. Diesmal war ich sogar ein bisschen vorbereitet. Aber gut, so empfand ich nicht das erste Mal und ich bin ohnehin dafür, Musik und Gesang auf sich wirken zu lassen.
Das am Anfang etwas hektische Orchester fing sich, der berühmte, personell etwas geschrumpfte Bayreuther Chor war toll, insgesamt ein tolles Erlebnis im Wissen um das Privileg, dort zu sitzen. Doch, meine Freundin und ich waren begeistert, es war cool und schön.

Denn – warum geht man nach Bayreuth? Entweder ist man ein Hardcore Wagner Fan, eine Journalistin oder Influencerin, oder man will sich sehen lassen, im Schweiße seines Angesichts.

Denn eines muss man auch wissen: Die Bedingungen im Zuschauerraum und auch auf der Bühne sind furchtbar. Eine schwüle Hitze treibt einem die Schweißperlen den Rückgrat runter bei völliger Bewegungslosigkeit, während die Sauerstoffmoleküle aus dem Luftgemisch immer weniger werden. Man soll was gegen Ohnmacht mitnehmen, riet man mir. Keine Getränke natürlich.

Ach, welche Freude zu wissen, dass Herr schMerz dort in seinem Anzug gesessen und gelitten hat!

Und warum NEIN?
Sind wir ehrlich – Bayreuth hat sich zum 150. Jahrestag nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Wagner war der Lieblings von Hitler und ein Antisemit, das ist hinlänglich bekannt, und man hat im Vorwege schon ein PR-Desaster gehabt: Einen jüdischen Redner einladen, wieder ausladen, wieder einladen. Immerhin gab es als musikalische Rahmung hierfür dann ein Stück von Mahler, selbst jüdischer Herkunft und Wagner- Fan. Okay soweit.

Aber dann hat man sich entschieden, die Lieblingsoper Hitlers Rienzi, die aus gutem Grund bislang in Bayreuth NICHT aufgeführt wurde, endlich als Uraufführung zu bringen! Da springt einem doch vor Freude das kleine braune Herz in der Brust (Achtung Sarkasmus, für die die es nicht verstehen)… Dass Hitler zu doof war das Libretto zu verstehen, tut nichts zur Sache – es ist eine symbolische Geste, die man nicht unterlassen hat.
Antisemitismus ist überall auf der Welt so stark im Wachstum, mittlerweile kein Vorbote des Faschismus, sondern die hässliche Fratze, die sich unter dem Deckmantel der “künstlerischen Auseinandersetzung” sehr öffentlich und selten kritisiert zeigt. Musste das ein?
Künstler und Werk sind nicht zu trennen, und der Eindruck des Ortes… nun, Friedmann hat es ausgesprochen: Es stinkt.

Die Königin des Festspiels Katharina Wagner, GLP-schlank und lächelnd, ist irgendwie nicht zu beneiden, auch wen sie fest die Zügel in der Hand hält mitsamt Finger aufs Geld. Mein Teenager würde sagen: *reingeschissen*. Und doch wird auch diesmal applaudiert und der Steigbügelhalter der Faschisten schMerz mitsamt dem peinlichen Frauenfeind (oder war er pädophil? Ich verliere die Übericht…) Weimer aka Kultusminister werden da wieder ordentlich Gelder rüberschieben, die sie allen anderen Kultureinrichtungen gestrichen haben. Würde mich nicht wundern, wenn da hier und da Leute mit S´´´H´´´´Sprüchen durch die Gänge wabbern. Welche Gänge?? Na, denkt Euch euren Teil. Familie Wagner war mit Hitler ziemlich dicke und das Ganze ist nicht lange her, wenn man es genau betrachtet. Sich als Künstlerin, die sie ja ist, hinzustellen und das alles durch zu ziehen muss psychisch belastend sein.

Ja, Wagner mag deutsches Kulturgut sein und auch international anerkannt, aber das war Hitler auch und seine Verbrechen. Eine bessere Verwendung für das Opernhaus, das sonst quasi brach liegt, habe ich auf Instagram gesehen, wo vorgeschlagen wurde den Ort (politischen, kritischen, anti-faschistischen) jungen Künstler*innen zu öffnen und damit ein Kontrapunkt zur traurigen Geschichte des Ortes zu setzen, wo Sich Hitler seiner vermeintlich kultivierten Ader hingab und die Wagner Familie und die anderen Profiteure des Krieges um ihn herum scharwenzelten.

Friedmann habe ich bereits zitiert, der Ort stinke, und ich muss ihm recht geben, die Atmosphäre dort ist unangenehm, es liegt etwas in der Luft, was zwischen Aggression und kollektive Schuld oszilliert. Die Bayreuther Festspiele sind das Parkett für Politik und Milliardäre, und das ganze Kuhkaff dort zehrt von diesem einem Festspiel im Sommer sowie von den Studierenden der ebenfalls kleinen Uni. Das mag auch daran liegen, dass Bayreuth ein miserables Klima hat, das seinesgleichen sucht. Heiß und schwül, ohne Auto sind 20 Minuten Fußweg tagsüber nicht machbar. Darüber hinaus ist die Innenstadt im neu gemachten Teil unglaublich repräsentativ und schick, da hat Söder wohl richtig was springen lassen, aber die Menschen fehlen. Die Innenstadt klappt die Bürgersteige früh hoch und es geht ins Brauhaus. Auch das war ein Muss für den Bayreuth Besuch, fressen und saufen können die Bajuvaren, nicht raffiniert, aber sehr lecker.

Alles in allem ein denkwürdiges Ding – ich denke Opernfans sollten sich das einmal im Leben antun, ansonsten ist Salzburg sicherlich das bessere Investment.

P.S. Bitte nicht durch die Gegend laufen und ständig Moin sagen, es heißt: grüß Gott!
Habe mich sehr ausländisch gefühlt, obwohl alle Deutsch sprachen, ich brauche im Süden Untertitel LOL.