Mütter reiten auf Einhörner durch’s Kita-Land – das Glück

Okay, wer seine Mutterschaft keine Sekunde bereut hat, werfe den ersten Stein. Zumindest ein leiser Zweifel?! Anyone??

Und das Glück?

Das bleibt natürlich unerwähnt von Leuten wie mir, die in erster Linie genau diese Erwartung nicht erfüllen wollen – DAUERGLÜCKLICH zu sein, weil ihre Gebärmutter eine längere Zellteilung ausgeführt hat. Vielleicht aber auch, weil es schwierig ist, so etwas in Worten zu fassen. Für mich persönlich auch, weil ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ungewollt kinderlos sind, und ich ihnen diese Worte nicht zumuten möchte.

Daher gleich am Anfang: Man kann es nicht vermissen oder verpassen, man kann es sich nicht vorstellen. Es ist zudem unglaublich subjektiv, unglaublich volatil und unglaublich…
Unbeschreibbar.

Also, was ist das Schöne an Kind/ern haben?

Sie lachen. Das heilt jegliche Wunden! Sie lassen Dich das “Hier und Jetzt” atmen.

Sie bringen Dich an Deine Grenze. Jeden Tag erfährst Du, was Du kannst. Ob es die Schlaflosigkeit, die Unsicherheit oder die Liebe, die dein Herz zum Zerbersten bringt, das alles muss man aushalten. Geschrei, Debatten, ein intensives Anlächeln.

Wenn ich meinen Sohn sehe, weiß ich, daß ich wenigstens eine Sache richtig gemacht habe. Er lacht und ist frech. Wenn er morgens um fünf oder sechs lachend MAAAAAMA ruft, bin ich gutgelaunt (das kann bis zum Büro abebben, aber hey…). Immer.

Er baut scheiße? Neulich hat er den Herd angemacht, in einer unbeobachteten Sekunde (und ich meine SEKUNDE!!) Neben dem riesigen Schreck und dem unglaublichen Anschiß, den er bekommen hat, war ich stolz, dass es die richtige Herdplatte war. So ist das…

Die weiche Wange, die sich trostsuchend an einen schmiegt? Die dauerverrottze Nase, die Schlieren an jeglichem Kleidungsstück hinterlässt? Das neue Hermès-Halstuch, womit er mich gewürgt hat und anschließend vollgeschmiert hat? Scheißegal. Wegen dieser weichen Wange, die ein sekundenbruchteillang dich berührt und dich daran erinnert hat, dass das alles nur Dinge sind.

Die Hand, die meine Hand hält und mit mir die Straße überquert. Ich bin sein Fels in der Brandung, sein Bollwerk. Das macht so stolz und so glücklich!

Die Wörter, die auf einmal rauspurzeln.

Das lächerlich niedlich aussehende Geschöpf, das selbst schnarchend engelsgleich aussieht.

Der Duft von ungewaschenem Haar und vollgesabberter Haut – Kinder stinken nicht!

Das Staunen, das Sehen mit anderen Augen, die Entschleunigung.

Die Wertschätzung anderer Dinge, die Erweiterung des Horizontes, das Erwachsenwerden. Hat alles nicht weh getan. Was mich persönlich betrifft, hat mich mein Sohn nicht zu einem besseren Menschen gemacht, sondern zu dem Menschen gemacht, der ich bin (er und natürlich andere Menschen, denen ich das Glück habe zu begegnen). Es hat gebraucht, natürlich, aber ich musste zu einem Fixpunkt werden für ihn, und das war sicherlich von Vorteil – für mich.

Und außerdem kann ich mit ihm ganz viele Dinge nachholen, die ich nicht hatte!

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7 Gedanken zu „Mütter reiten auf Einhörner durch’s Kita-Land – das Glück

  1. Das Kind, das meinen Bauch/meinen ganzen Körper so liebt, wie er ist, das sein Gesicht immer und immer wieder in die gar nicht straffe und flache Körpermitte drückt und glücklich seufzt, weil Mama einfach nur weich ist. 🙂

  2. Eine wundervolle Liebeserklärung! Gerade deinen letzten Absatz kann ich so gut nachvollziehen. Ich bin keine dieser Mütter, die auf Einhörnern irgendwohin reiten und aller Welt erzählt wie toll es ist Mutter zu sein. Ich wollte nie Kinder. Mir ist das passiert. Ich sehe meine Mutterschaft daher gerne mal sehr differenziert und ich scheue mich nicht zu sagen, dass mir meine Zeit ohne die Verantwortung für meinen Sohn auch fehlt…..
    Trotzdem, gerade gestern ergab sich folgende Situation. Ich habe an meinem Pferdezaun gebastelt und bin da beim Schrauben und Litze ziehen an meine Grenze geraten. Dabei bin ich dann auch noch umgeknickt und unsanft auf meinem Hinterteil gelandet. Fluchend und motzend lag ich im Dreck. Es war ätzend! Plötzlich kam mein Sohn, nahm mich in den Arm und sagte: Mama nit traubig sein, ich lieb´ dich. Das sind die Momente in denen ich mich sehr privilegiert fühle. In denen ich mich wahrhaft geliebt fühle und in denen plötzlich alles andere auf den Platz zurecht gerückt wird, auf den es im großen Gefüge gehört. Dann weiß ich das dieses “passiert” mir das wichtigste Geschenk in meinem Leben ist. Es erdet mich, es macht mich staunen und es sorgt dafür das ich Erwachsen werde im positiven Sinne. Danke für deinen tollen Text!
    Christina Dingens kürzlich veröffentlicht..Ein modischer Vokuhila?!My Profile

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