Fix men

Das ist alles. Nachdem wir Jahrzehnte Frauen als Problem definiert haben, ihre Körper, ihr Aussehen, ihre Gefühle, absolut alles ist eine gottverdammte Industrie! wird es langsam Zeit, die Männer wieder einzunorden, wie man es hier so schön im Norden sacht, nee…

Und warum? Es geht nicht um #HeForShe und Männer als Allys, also als Unterstützer, sondern tatsächlich um eine Aufklärungskampagnie, die dringend notwendig ist. In den ganzen Büchern und Medien werden Frauen adressiert und ehrlich, wir haben jedes Thema schon mitgemacht, wir müssen alle diese Dinge nicht mehr schriftlich bekommen, denn jedes Mal wenn wir in ein Auto steigen, abends rumlaufen, zum Arzt gehen, einfach nett lächeln oder NICHT lächeln, wird an uns herumkritisiert oder man versucht uns zu töten. Wenn wir also nicht in permanenter Verteidigungshaltung verharren wollen, und sogar Dinge wie Lust zurück erobern wollen, müssen wir den Fokus einfach mal auf den Teil der Gesellschaft richten, der da nicht gut Bescheid weiß.

Männliche Aufklärung erfolgt ja auch nur in einem toxisch-patriarchalen Szenario. Dass Jungs jetzt Nagellack tragen, aber auf keinen Fall einen Rock, oder Schmuck, aber dazu eine Lederjacke, sonst ist’s schwul, ist einfach keine neue Männlichkeit. Männer, die es jetzt raus haben und Oralsex feiern, wissen immer noch nicht, wo sie die Grenze ziehen müssen zwischen Kompliment und sexuelle Belästigung bzw. generell misogyne Sprüche im Alltag.

Es reicht eben nicht, im Bett zwei Minuten mit der Zunge rumzustochern, wir brauchen ganz andere Dinge im Alltag – und eigentlich ist es ja nicht schon wieder die Aufgabe der diskriminierten Gruppe, für Aufklärung zu sorgen. Eigentlich. Aber haben wir andere Möglichkeiten? Erziehen wir richtig? Und ich meine nicht nur die Kinder.

Solange auf TikTok Dinge populär sind wie Hausfrauen-Videos, die sich darüber beklagen, dass Männer ihre Socken neben der Wäschetonne werfen statt hinein, gilt Erziehung auch für Erwachsene. Warum man sich solche Typen ins Haus holt, ist mir eh schleierhaft…

Neulich in einer kleinen und harmlosen Diskussion verwickelt, fielen die Begriffe Pragmatismus und Wohlwollen. Damit würde man mehr erreichen als mit Polemik und Radikalität. Ich denke die Mischung macht es, und nicht jede hat noch Lust, einem erwachsenen Typen den Kopf zu tätscheln und zu sagen: Gut gemacht! wenn er es geschafft hat, selbstständig den Müll heraus zu tragen (ich weiß, ich weiß, ihr kennt solche Exemplare nicht und das freut mich!) wobei das wohl der ultimative Trick sein soll: Männer wie Hunde erziehen aka konditionieren.
Das sehe ich dann schon noch kritisch, schließlich sind Hunde nicht so ignorant und unempathisch. Oh, ich höre das Augenrollen der Leserschaft, der Tab wird geschlossen und ich werde verflucht!

Noch da? Nun, es ist einfach Fakt, dass wir Frauen als absolut geheime Wesen erachtet werden und sehr viele einfach unsicher sind, wie sich verhalten sollen. Nehmen wir dazu die Zuschreibung, dass Frauen „anders“ sind, was Bullshit ist, und absolute Unkenntnis über den schier unglaublichen Alltag einer Frau, und schon haben wir den Salat.
Nun könnten Männer ja endlich die ganzen Bücher lesen, die eh schon auf den Markt sind, aber ganz ehrlich, es ist peinlich. Klar, anonym bestellen geht immer. Wo landen denn Männer, die Tipps suchen? Bei Men’s Health, der Goldstandard für männliche Probleme wie Sixpack und Dating. Wer sich die Seite anschaut, stirbt tausend Tode: Es hagelt von sexy weiblichen Models und perfekten Männerbodys, inhaltlich… ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.
Was den Frauen als Problemzone eingeredet wurde, nämlich ALLES, ist beim Mann ganz offensichtlich sein Penis und seine Fertigkeit als Liebhaber. Und natürlich brauchen Männer eigenen Sonnenschutz, oh und immerhin, nach drölfzig Grilltipps, auch ein Beitrag zum Thema Attachment Parenting. Es lebe das Internet!

Fix men aber bitte nicht so, wie man uns Frauen seit Jahrhunderten fixen tut. Gut, immerhin werden Frauen nicht mehr verbrannt, zum Teil halt noch gesteinigt, okay, kommt vor, aber wir können ja mal nicht Arschloch sein, einfach weil wir es können. Die Bude anzünden ist einfach wenig produktiv, und hinterher muss man den Scheiß ja doch wieder aufräumen. Also – fix men, aber wohlwollend und zielgerichtet.
Ade toxische Männlichkeit, Penisfixierung und Essstörung als Veganismus oder FLEISCHISTMEINGEMÜSE verkappt, ade Sixpack und Körperfixierung, willkommen innere Werte und so. Kein Arschloch sein ist eine verdammte niedrige Schwelle, da geht noch was! Und es ist eine Win-Win Situation.

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Disclaimer: Ich weiß, dass ich in dieser Mann/Frau Debatte den queeren Teil der Menschen ausschließe. Die Debatte schließt allerdings ein, dass besagte cis Personenkreise lernen, Queerness zu kennen und anzuerkennen.

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