Be yourself, everybody else is taken

Ich liebe diesen Spruch.

Natürlich bin ich noch lange nicht soweit. Manchmal, manchmal schwöre ich mir nicht mehr die Klappe zu halten, nicht höflich zu lächeln, mir nicht den Spruch zu verkneifen. Doch laut zu schreien, auszuflippen, laut zu lachen, zu krakeelen, und Dinge zu werfen.
Mittlerweile bin ich fähig, es mir zu verkneifen: Das nennt sich erwachsen sein, es nennt sich Job, es nennt sich auch ein bisschen „geht mir am Arsch vorbei“ (A., ich werde es noch lernen!). Eine Mischung aus Authentizität und Lässigkeit, das ist es – die goldene Mitte.

Neulich schrieb mir meine bessere Hälfte (aka beste längste Freundin) ich sei schon immer etwas verrückt gewesen. Schräg. Ausgeflippt. Und das sei gut so. (Und wo ist diese Person eigentlich hin??) – ?? – darüber musste ich dann doch viel nachdenken.

Wer ich bin, oder wieviele, ist eigentlich nicht die Frage. Die Frage ist: Was tue ich, und wie tue ich es.

Der Prozess ist wichtiger als der Status Quo.

Ein paar cremige Produkte und ein paar tap-tap-tap Fingerspitzen später… Weiterlesen…

Das erste Mal: Gärtnern

Das Leben in der Vorstadt hat mich voll erwischt. Es ist eher wie Auto mit 10km/h in der Spielzone als ein ICE auf der Trasse, es ist eher schleichend als mit voller Wucht. Und doch – ich bin eine Vorstadt-Mutti mit Haus und Garten und womöglich…

…höre ich auf, zum Friseur zu gehen, mir die Füße zu lackieren, mir die Achseln zu rasieren und die Beine gleich auch (Feminismus hin und her, ich mag das nicht, bäh), mir die Haare zu waschen und auch mich zu schminken.

Hahaha. NEIN.

Doch solche Dinge passieren schleichend und man muss wirklich aufpassen, dem nicht nachzugeben und sich zu verlieren. Noch wehre ich mich. Mein Baby ist bald vier Monate alt, ich bin noch echt fett, aber auf den Füßen trage ich Chanel Coromandel, mein Friseur und ich hatten schon ein Date und ohne roten Lippenstift sitze ich nicht am Schreibtisch. Und: Ich sitze am Schreibtisch. Noch nicht häufig genug, jeden Tag müsste ich ja, aber immerhin schon meine 4Tage/Woche. Doch gestern, ja gestern, geschah das Unfaßbare: Ich gärtnerte. Weiterlesen…

Kuh oder Ziege – Altern ist nichts für schwache Bindehaut

„Im Alter musst Du Dich entscheiden: Kuh oder Ziege. Ich bin, offensichtlich, ja leider Kuh.“

Die Frau, die das zu mir sagte, war groß und recht opulent, ich meine ha, korpulent! Die viele Falten stammten vom unbereuten Sonnengenuß und von einem geilen Leben mit Alkohol und gutem Essen. Sie trug gerade ein Pelz, das weiß ich auch noch, in dem sie noch massiger wirkte.
Ich war Anfang zwanzig und irritiert.
Ich hatte schon seit ein paar Jahren eine Augencreme in Benutzung, aus der Apotheke; und sonst gab es das Konzept Schönheit für mich nicht. Oder Alter. Ich war jung und ich war schön. Lauter Selbstverständlichkeiten. Und ein wenig tat ich auch etwas dafür – waschen, manchmal eincremen, unbedingt Pediküre und immer ordentlich abends abschminken.
Zehn Jahre später hatte ich ein Beautyblog, aber das Programm hatte sich nicht viel geändert. Mehr Schminke, öfter mal eine neue Creme und gelegentlich mal Körperöl und Bodylotion. Maniküre wurde wichtig, und endlich ein vernünftiger Haarschnitt. Sport kam nicht vor, der schlanke und gesunde Körper wurde als einigermaßen den Schönheitsidealen entsprechend für okay befunden und so hingenommen.

Dann kam die Schwangerschaft. Der Körper machte Ziege, machte Kuh, machte Dinosaurier, machte Eidechse, und kam einigermaßen in dem alten Zustand zurück. Kleidergröße 34 war lange keine Option mehr, aber 36 passte. Fein. Ein bisschen hungern musste allerdings sein, denn zwei Kilo mehr lagerten sich auf einmal nicht zwischen den Zehen wie mit 20, sondern am Doppelkinn.

Dann kam die zweite Schwangerschaft. Der Körper machte diesmal nichts schönes, und zeitgleich mit dem nahenden vierzigsten Geburtstag hat er aufgehört, von alleine irgend etwas zu machen.

Das Konzept des Älterwerdens lässt sich so umschreiben (jüngst bei Ü50 auf Instagram gelesen): Im Alter hängt alles. ALLES.

Auf einmal ist es vielleicht notwendig, sich jeden Tag einzucremen, die Bodylotion wird teurer; beim Friseur wird nicht nur geschnitten, sondern gefärbt. Wer sich erst mit 40 damit auseinandersetzen muss, ist privilegiert! Eitel wie ich bin, und auch dem körperlichen Verfall (nun ja) antizipierend, habe ich längst angefangen, mich damit zu befassen ob und welcher medizinische Eingriff, rein ästhetisch begründet, für mich in Frage kommt. Botox? Schnippeln? Wo, wieviel und wann?
Damit gehöre ich zumindest zu einer ehrlichen Minderheit. Die Option Kuh oder Ziege ist längst keine mehr, sondern nur eine Frage von Wahrscheinlichkeiten und Zeit.

Die Bindehaut bei Frauen ist so angelegt, dass sie sich wunder ausdehnen und wieder zurückdehnen kann. Wir können sogar das besser als Männer.

Trotzdem – die Frage nach dem Älterwerden (und hier der Artikel in MAKELLOSMAG, zu dem ich eine Art Antwort schreibe…) ist für mich keine Frage des Aussehens. Kinder zu haben heißt zu wissen, regelrecht körperlich zu erfahren, dass man sterben wird. Wer sich der Reproduktion verweigert hat, kann sicherlich etwas unbeschwerter leben.
Weil ich so eitel bin, weiß ich wo ich welche Falten habe; meine Dehnungsstreifen sind blau, rot, lila und an meinen Füßen befindet sich immer noch eingelagertes Fett aus der Schwangerschaft (kein Scheiß!)

Doch das Gefühl de näher kommenden vierzig… ist ein wenig mulmig. Werde ich endlich ernst genommen? Ich sehe nicht mehr so jung aus, und ich habe mittlerweile dieses Erwachsensein soweit akzeptiert, dass ich mir nicht die Butter vom Brot und das Brot gleich mit! mehr wegnehmen lasse. Nehme ich mich selbst ernst? Was der einen die Frage nach dem äußeren Erscheinungsbild, ist der anderen die Frage nach dem inneren Zustand. Wenn ich mein Bindegewebe zumindest mental im Griff habe, meine Augencreme bereits seit Jahrzehnten optimal auftrage, bin ich bereit zu altern? Tja. Weil das so ein blödes Wort ist – fragen sich Männer überhaupt jemals so ein Dünnschiss?!

Formulieren wir es also um – während das Kuh oder die Ziege als Konzept ja Mann und Frau trifft, und beide haben Bindegewebe, gell! dass es sich dabei nicht um ALTERN handelt, sondern (Danke an Christine Fink) um ENTSPANNUNG – entspannter werden. Entspannen sollte man sich in zwei Dingen meiner Meinung nach nicht: Körper pflegen und Gesundheit aufrecht erhalten. Mit vierzig stehen die Chancen gut für weitere vierzig Jahre, da muss man was tun, damit das Gehäuse mitmacht. Also eincremen, und sporteln, und Wasser trinken, und die Sahnesauce weglassen, und den Rotwein genießen statt saufen.
Ich finde schon, dass eine Spirale nach unten einsetzt – rein physisch hat man spätestens mit 50 seinen Höhepunkt überschritten und muss den Verfall schlichtweg verlangsamen. Das ist nix neues, nur stehen wir heute so starke unter Druck, dies zu tun, vor allem und am meisten unbewußt. Spätestens der mediale Bilderkonsum, den man gar nicht komplett und immer reflektieren kann, suggerieren einem dass mit 40 Schicht in Schacht ist (gilt aber nur für Frauen). Kauf dich jung ist die eine Perspektive, die andere lautet: 40 ist das neue 30! Bullshit. Du sollst konsumieren, punkt, es gibt keine andere Botschaft.

Ich sehe definitiv eher aus wie zarte 30 als wie ebenso zarte 40 – alles eine Frage der Perspektive. Für eine 25-jährige bin ich schon scheintot; für meine gut 50-70jährigen Mentoren bin ich gerade den Kinderschuhen entwachsen. Die Frau, die ins betreute Wohnen ging, spart immer noch hart für später, wenn sie „alt“ ist (ist sie nicht schon achtzig?!).

Corinna schreibt in MAKELLOSMAG:

Man selbst zu bleiben, auch angesichts des immer präsenten Rauschens, mal lauter, mal leiser, was uns zuflüstert, wie wir sein sollten und sein könnten, das ist das Schwierige. Das Rauschen, in dem nicht nur die äußerlichen Anzeichen des Alters zu hören sind, sondern auch die ganzen Annahmen, die sonst mitschwingen. Dass die meisten Frauen, wenn sie älter werden, quasi zwangsläufig weniger ambitioniert und sichtbar sind. Welche Frau hat sich mit 50 nochmal neu erfunden?

Wir bleiben nicht wir selbst. Das Aussehen nicht, das Innere nicht, und die Umwelt nicht. Sich selbst anzunehmen in der Veränderung, das ist eher die Kunst, das Geflüster zu ignorieren, und zu erkennen dass der Weg jetzt breiter wird. Die Ambition laut rauslassen, statt sie zu verstecken, weil sich das ja nicht ziemt. Mittelfinger hochstrecken, wenn man übersehen wird. Sich nicht neu erfinden, sondern aufhören zu suchen. Roten Lippenstift tragen. Wie bereits gesagt, das Geflüster, die Botschaft ist einzig allein kaufen.

Roten Lippenstift tragen. In den Falten um den Mund, in den Falten um den mit Hyaluron aufgespritzen Mund, auf dem Sterbebett. Eins ist sicher: Wir werden alle sterben. Ich habe vor, dabei roten Lippenstift zu tragen. Und da fällt mir ein: Ich habe eine neue, ganz gute Augencreme entdeckt. Und heute Abend mache ich wieder Sport. Im Schlafzimmer.


Danke an die Baby, sie hat mitgeschrieben <3