TILL RAETHER versöhnte mich mit Männern – Ich werd dann mal…Nachrichten aus der Mitte des Lebens

Das ist wohl eine Rezension.

Lieber Till, ich kenne Dich irgendwie, der Algorithmus von Twitter blendet mir oft Deine Tweets ein, überhaupt teilt man sich so seine Filterblasen, wie es heute so schön heißt. Ich folge meinen Kommilitoninnen, die Karriere gemacht haben, coolen Professorinnen und stinknormalen Leuten, die mir durch Zufall unterkamen. Wahllos. Überhaupt folge ich Frauen, weil ich mit Männern so meine Probleme habe. Irgendwann musste ich feststellen, dass sie mich nicht mögen, und das ich ihnen Angst mache. Männer sind eh so eine Sache, sind leider nach dem Begattungsbalz irgendwie obsolet, irgendwie aber auch schön zu haben. Oder zu bearbeiten. Aber ach, ich hole zu weit aus, und ich verrate viel zu viel über mich. Quid pro quo, gewissermassen, denn Deine Geschichten, die ich trotz meines angebrannten Hirns irgendwie lesen konnte, stimmten mich versöhnlich mit dem Leben, mit meiner Mittelmäßigkeit (warum haben Männer dann Angst vor mir?!), und sogar, und jetzt kommt es, mit MÄNNERN. Vielleicht weil Du so wirklich und echt und gut bist, reflektiert, lernend: Von Frauen. Und das sogar schriftlich und öffentlich zugibst. Ein Mann, ein Partner, ein Papa, – kein Arschloch und kein Psychopath. Es gibt davon definitiv noch mehr, oder? Eine ungeheure Milde und Ruhe steigt aus Deinen Texten, und sie sind keine männliche Midlife-Krise, und sie sind nicht flach-witzig-trivial. Vielleicht weil ich tatsächlich weiß wovon Du sprichst, weil ich Hamburg kenne, oder die Anna, oder weil ich mich kenne, auch ich bin Hamburg und Anna. Ich wünsche mir diese Milde nicht, ich muss noch was tun, anzünden, und doch, genau diese Milde wünsche ich mir, denn es ist anstrengend permanent etwas anzuzünden, aber vor Anstrengungen bin ich nie weggelaufen. Ich bin lediglich effizienter geworden und kalkulierter, vom heimlichen Zündi quasi eine Sprengmeisterin. Definitiv eine pragmatische und zuweilen milde Meisterin, ich schickte Dir sogar Schokolade, die, die ich so sehr liebe aber nicht essen kann. Kriege davon Bauchschmerzen, esse sie zuweilen trotzdem. Ist auch so mit Männern: Zuweilen trotzdem. Und obwohl ich echt sonst Menners, um despektierlich zu werden wie ich es nun mal bin, nicht mehr lese/höre/sehe/grüße, versöhne ich mich mit Männern, und freue mich auf Deine nächsten Bücher. Sogar Krimis, yeah, endlich mal einfach nur Unterhaltung, ich kann ja nicht gut Filme gucken, und ich gestehe Podcasts sind für mich auch anstrengend, ich bin eine Frau des geschriebenen und getippten Wortes, des Bildes, des Duftes, dann reicht es aber auch. Nun, Du machst in Hamburg am 5.September eine Lesung, mutig mutig, finde ich gut, ich erwäge hinzugehen, ich brächte Schokolade mit. Und natürlich meine Maske und meinen Flammenwerfer. Obwohl, nein, ich würde einfach peinlich um eine Widmung in mein schokobeflecktes Buch erbitten. Ach so, über das Buch wollte ich eigentlich schreiben, aber sind wir ehrlich, man schreibt immer über sich.
Lieben Gruß
Andreea

Lesungstermine gibbet hier:
https://tillraether.wordpress.com/lesungen/

Liebe in Zeiten von Tinder

Über das, was man nicht versteht, sollte man nicht sprechen, aber wie so ein Mann habe ich einfach Mal eine Meinung dazu, ohne jegliche Ahnung und vor allem ohne Tinder. Mich reizt zu verstehen wie das Ganze funktioniert, nicht technisch, sondern welche Erwartungshaltung dahinter steht, welcher “Bilder” damit verbunden sind, welche Kodierungen es gibt. Mist nur, dass ich als öffentliche Person nicht gerade anonym rumforschen kann, und erst recht keinen Typen suche… aber hey, wozu hat frau Single-Freundinnen??

Matches (Part 1). So schnell wie sie über den Bild wischt, komme ich überhaupt nicht mit. Ich kann nicht mal das Gesicht richtig erkennen, schon sagt sie nein, nein, nein und wegwegweg. Offensichtlich hat sie nicht nur einen Tinder Filter angelegt (Alter) sondern auch einen inneren. Mir wird bei ihrer Auswahl auch nicht wirklich klar, ob es einen “Typ” gibt, oder eine Schnittmenge von Eigenschaften. Ihr Profil: Eine junge Frau, sportlich, attraktiv, aber alles in konservativer Darstellung. Mit einige schreibt sie belangloses Zeug, hier und da trifft sie sich in sicheren Rahmen zum Quatschen, aber “nix dabei”. Okay, das ist früher alles ein bisschen mühsamer gewesen… Eigentlich sucht sie tatsächlich nur Kontakt, will “eigentlich” keine Beziehung, und erst recht nicht sinnfrei rumvögeln.

Matches (Part 2) Auch diese Freundin wischt schnell über den Bildschirm, sie hat ihren Fokus ganz klar auf andere Dinge gelegt, die durchaus dem Klischee entsprechen: Gut gebauter Kerl zum Vögeln gesucht, darf gerne Geld haben – ihr Profil ist entsprechend attraktiv. Sie bekommt ebenfalls viele Zuschriften und ist hier und da kurz im Gespräch, stellt aber schon online fest “alles Idioten” und trifft sehr selten jemand. Mich irritiert ihre Aussage zu den Männern, das ist schon sehr speziell, die Hüften sollen so sein, Brusthaare ja nein vieleicht, alles sehr oberflächlich klingend, dabei ist sie gar nicht so, und schon gar nicht ihre Auswahl. Im Nachhinein vermute ich einen Ausdruck der eigenen Verunsicherung über das Äußere.

Beide haben gemeinsam, und so vermute ich es für die meisten Beteiligten, dass man zunächst filtert, so gut es geht, und trotzdem, im tiefsten Herzen, die große Liebe sucht (der Liebe muss man sich eher soziologisch annähern, ist die romantische Liebe doch eine relativ neue Erfindung). Daher befinden sich die Leute in einem wechselnden Modus von vorab enttäuschter Erwartung und übergroßer Hoffnung.

Lustigerweise hat die nix erwartende Freundin sich in einem spontanen “nur-mal-so-treffen-kein-Date” total verliebt und die andere, die tatsächlich was sucht, noch nichts gefunden.

Und das alles verstehe ich nicht – was filtert man da? Was gibt man von sich preis und was stellt frau/mann dar? Die eigenen Wahrnehmung ist ja in der Regel beschissen und stets auf die Makel fixiert, das kann also gar nicht gut gehen. Und das Zielobjekt soll Farbe/Format und Größe X haben – und am Ende kauft man doch den blauen Kaschmirpulli, den man immer kauft, aus Unsicherheit etwas neues zu probieren.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Masse an Menschen zeitgleich die Erwartungshaltung hoch schraubt. Dabei ist Tinder Quantität, nicht Qualität, die versprechen andere Plattformen vielleicht um es auch nicht zu erfüllen, aber es geht die ganze Zeit eben nicht um den anderen, sondern scheinbar immer um sich selbst. Geht es um das eigene Bild von sich selbst? Mir schienen die Leute immer viel mehr damit beschäftigt zu sein, was und wie sich darstellen, als tatsächlich am anderen interessiert zu sein.

Sind wir kleine Instagram Klone, die sich durchs Leben tindern?

…Falls jemand von Euch tindert und dazu eigene Forschung betreibt, es interessiert mich echt. Gerne per Mail.

Post scriptum: Ich habe versucht, zwei Leute zu verkuppeln. Das hat sich innerhalb von fünf Sätzen erledigt. Das Leben ist besser als Tinder *LOL*

Was kann Sport bewirken?

Ich hasse nicht körperliche Tätigkeit, sondern Vereine, Pflichten, Zwang. Wenn Spaß an der Bewegung zu einer Organisations- und Verwaltungstätigkeit wird. Es ist sinnvoll, es ist notwendig, aber es ist nicht meins.
Die Herausforderung, die richtige Sportart zu finden, ist groß. Den Zeitpunkt damit anzufangen, ebenfalls. Hätte ich bloß schon vor zehn Jahren… aber es braucht Argumente. Jenseits von Gesundheit und körperliches Wohlbefinden, wessen Schweinehund reagiert denn schon auf rationale Argumente. Hier sind daher meine Top 3 oder auch die Dinge, die man mir bitte vorher hätte sagen sollen, aber da spricht ja wieder keiner drüber.

SEX.
Okay, es mutet seltsam an in einem Raum voller Männer Beckenbodenübungen zu machen, aber wann und wo sonst. Ich finde, dass eine Steigerung von zwei Orgasmen auf sechs, also 200%, in Worten ausgeschrieben zwei – hundert – Prozent – schon ein Argument ist. (Machen Männer etwa deswegen Sport?! Länger, häufiger, besser?! Ich dachte, die machen Sport weil sie keinen Sex haben 😀 )

HAUT.
Die Haut wird besser. Das schafft keine Creme, keine Operation, kein Hyaluron, und ersetzt die ziemlich widerliche Eigenblutbehandlung. Bessere Durchblutung, besserer Teint durch das Schwitzen. Vor allem unreine Haut gewinnt auf ganzer Linie, da sie etwas ausgeglichener wird. Trockene Haut? Mit einer dicken Schicht Creme ins Studio, eine Maske zum laufen auftragen meinetwegen, warum denn nicht. Ist kein Schönheitswettbewerb.

STRAFFES GESICHT.
So habe ich auch geguckt. Wer schon zweimal 25 kg zu und abgenommen hat, weiß um das Bindegewebe, oh meine Freundinnen, das Bindegewebe! Das ist ohnehin eine genetische Veranlagung, viel ist nicht zu machen, aber zwischen viel und nichts liegen Welten. Während ich also meine Sparbüchse für die Gesichtsstraffung in zehn Jahren schon angelegt habe, sagt das Spiegelbild etwas ganz anderes. Tatsächlich ist Training für Rücken- und Brustmuskulatur auch im Gesicht zu sehen, und auch die Gesichtsmuskulatur kann man trainieren. Das ersetzt keine OP und tiefe Falten und Furchen, die man aufgrund von Rauchen und Sonne hat, werden nicht weggehen, aber sie werden besser. Besenreiser werden weniger (sichtbar), und natürlich ist Muskelaufbau ein Grund für die Haut, etwas weniger gedellt zu sein.

Wichtig ist: Finde das richtige für Dich. Kauf dir wirklich gute Sachen, ob es Laufschuhe sind oder eine gute Hose und bitte einen festen Sport-BH, selbst bei Größe 70A. Für mich waren die “richtigen” Klamotten ein echtes Aha-Erlebnis.

Noch wichtiger ist: Nach dem Duschen vögeln!

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