ADHS bei Frauen und Perimenopause

ADHS bei Frauen wird im Erwachsenenalter ist so eine Sache: Frau hat gelernt, damit umzugehen und es zu “maskieren”. Und die Frau ist unter Umständen keine Zappelphilippa, sondern die Kirmes findet im Kopf statt. Die übernatürlichen Kräfte, wie sich alles merken und alles sehen und riechen können, entpuppen sich als besonders gut verbundene Areale im Gehirn. Dafür hat man instantan vergessen, was man gerade gesagt bekommen hat. Hochbegabung? Kommt oft vor, kann aber eher sprachlich sein und nicht mathematisch. Das stellt eine männlich ausgerichtete Medizin natürlich auf den Kopf… Diagnose? Machste lieber selbst!

Kleine Anekdote: Heute morgen habe ich seit langer Zeit mal wieder selbst Wäsche gewaschen. Auf der Waschmaschine stehen zwei Dinge, von denen ich nicht weiß wo sie herkommen: Neues Waschmittel und eine Öko-Bleiche. Habe ich die gekauft? Wann? Und wo ist die alte Plastikflasche? Ich weiß es einfach nicht, ich weiß es ums verrecken nicht. Und früher hätte man mich überzeugt, dass ich es vergessen habe, weil ich ja so bin. Turns out, den Kram hat der Ex hingestellt, es aber nicht gesagt, – und ich bin nicht verrückt. Werde aber permanent für “speziell” oder “verrückt” erklärt, was sich übrigens in der Fachsprache “gaslighting” nennt. Wird gerne auch verwendet, wenn man Menschen beim Lügen ertappt, was man leider als ADHSler auch noch als Superbegabung hat, weswegen viele Menschen mit ADHS nicht lügen (können), weil sie denken, die anderen würden es merken.
Tatsächlich bin ich in mancherlei Hinsicht vergesslich – wenn es mich nämlich nicht interessiert und wenn es in meiner Schublade ist. Dann wühle ich ein bisschen rum, mache was anderes, finde nix, gehe woandershin und mache etwas anderes, gezielt. Zwei Minuten später gehe ich zur Schublade, öffne sie und finde mit 2 Handgriffen das Gesuchte. Easy.

Ergo: Es liegt nicht an mir, es liegt am Umfeld! Der Mensch ggÜ ist langweilig, oder es liegt an zu vielen Dingen und Geräuschen in der Umgebung, so dass man alles aufnimmt, aber eventuell nicht schnell genug sortiert hat, was davon relevant war (Termin) und was nicht (das Gesicht der Frau am Nebentisch, nachdem sie mal wieder unterbrochen wurde).

ADHS ist also anstrengend und braucht je nach Person viele, recht eigene Dinge. Dazu kommen die hormonellen Schwankungen, die aus PMS eine Lebenskrise machen können; die somatischen Ko-Morbiditäten (bei mir sind es mehrere Allergien, sehr typisch) und Dinge wie Schlaf, Essen, intellektuelle Stimulation, natürlich nicht in Form von Stress. Denken ist meine persönliche Droge Nr. 1 , weshalb ich Schreiben als Katharsis empfinde und ohne nicht sein kann.

Und mitten im Leben kommt dann, für Frauen wie Männer, die Perimenopause, auch gerne als Midlife Crisis lächelnd betitelt, die faktisch eine hormonelle Umstellung ist. Da es für Frauen besonders schlimm wird, interessiert sich niemand dafür und es ist nicht nur ein Tabuthema, das seeehr langsam wegbricht, denn man hat es endlich als Geldmaschine entdeckt! sondern es ist schlichtweg unbekannt. Wen wundert’s, wenn in der Wikipedia zwei Sätze dazu stehen.
Dass viele Wikipedia Einträge ein Haufen sexistische und misogyne Scheisse sind, lässt sich wie folgt beweisen: Der Eintrag zur Perimenopause hat 138 Wörter, der Eintrag zu Spermiogramm 1.362, mehrere Tabellen und sogar 1 Bild. DAS ZEHNFACHE AN WÖRTERN!

Die Perimenopause ist also eine zusätzliche Belastung zum ADHS, die natürlich entsprechend einschlägt und bei mir immerhin bewirkt hat, dass ich die ADHS Diagnose überhaupt… ich habe die nicht bekommen, ich habe sie mir selbst mühsam erarbeitet, inklusive Fachliteratur, dem Internet und meiner Englisch-Kenntnisse sei Dank.

Die Symptome der Perimenopause sind nicht nur physisch, sondern auch psychisch, was sich natürlich bei Männern wesentlich stärker bemerkbar macht, aber natürlich niemals thematisiert werden würde. Mir auch völlig latte, die sollen sich an ihren Influenzern wenden, die auf YouTube Schrott zusammenschrauben. Wenden wir uns uns zu.

Symptome sind: Gewichtszunahme, Hitzewallungen, Veränderungen der Haut, Erschöpfung (hahaha in der Pandemie und womöglich mit Job und Kinder HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA), unregelmäßiger Zyklus und Reizbarkeit, dazu kommen allerlei Dinge wie vaginale Trockenheit, Blasenschwäche, Wassereinlagerungen, Muskelabbau, such Dir was aus. Es ist wie eine mehrjährige PMS-Phase, die im Zweifel sehr schlimm ausfallen kann oder aber relativ okay vorbei geht. Das ist zum einen hereditär, zum anderen von den Lebensumständen abhängig.

Und hier kommt die Schnittstelle zwischen ADHS und Perimenopause, die gar keine schlechte ist, denn: Alles was bei ADHS hilfreich ist, hilft auch in der Milderung der Symptome der Perimenopause. Einziges kleines Problem: Es geht nicht.

Die Drehregler sind:
-eine sorgfältige Ernährung (keine Diäte!!)
-Schlaf
-Stressvermeidung
-Training im Sinne von einer regelmäßigen Bewegungsart, die den Puls länger als 20 Minuten hoch hat

Und wie das geht? Nun, es geht nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Du bist alleinstehend und arbeitest nicht und kannst den ganzen Tag so gestalten, dass es Dir gut geht. Alle anderen sind gefickt und die Umwelt drumherum tut ihr übriges, um Dir das Leben noch mehr zur Hölle zu machen. TADAA!

So einfach kann man aber das nicht sehen, also versucht man kleinere Regler einzubauen, denn das ist immerhin besser als nichts.

-Ernährung ist am einfachsten, weil man sowieso essen muss. Also heißt es planen oder Budget einräumen für (gekaufte) Salate, Eiweiß ohne Ende (Fleisch, Soja, Käse, Hülsenfrüchte), wenig Gluten, und regelmäßige Mahlzeiten, bei denen man sich satt isst. Das Gefresse zwischendurch, vor allem Dinge wie Cappuccino und Latte lassen den Blutzucker im krassen Jojo taumeln und auch wenn es schwer ist am Anfang, es funktioniert viel besser, auf sogenannte Snacks zu verzichten. Die Umstellung dauert, genug Essen muss man lernen; aber es lohnt sich, weil ein ordentlicher Blutzuckerspiegel das Gehirn und den Rest auch gut über den Tag kommen lässt. Probiotika sind auch super, bei Laktoseintoleranz Sauerkraut und Kimchi statt Buttermilch, YAY.

-Schlaf ist wesentlich, und es kann sein, dass frau mehr braucht, aber nicht bekommt, oder schlecht schläft, weil… nun, es gibt ein paar Dinge, die allesamt unsexy sind und kaum durchführbar, aber wenn man wirklich leidet, wird man sie ausprobieren und durchziehen. Been there, done that. Vor dem Schlafen keine elektronischen Medien, mindestens eine Stunde, optimal 2h. Früher schlafen gehen, auch wenn man da absolut keine Freizeit mehr hat oder alles liegen bleibt, aus dem einfachen Grund, weil man dann mehr schafft am nächsten Tag. Zumindest ist alles weniger anstrengend. Es ist ja sonst ein Teufelskreis. Wer es wenigstens alle 2 Tage einbauen kann, wird eine signifikante Verbesserung bemerken. Wie lange braucht man Schlaf? Scheißt auf die Studien, erstellt Euch eine eigene, denn das ist individuell verschieden. Schlafen ohne Wecker-zur Not dafür ein Wochenende alleine ins Billighotel, da mekt man wieviel Schlafdefizit sich angesammelt hat und auch, wann man von alleine aufwacht. Ich brauche 9 Stunden, wenn ich Sport mache; wenn nicht, brauche ich weniger, fühle mich aber den ganzen Tag eher beschissen.

– Sport oder Training sind leider ein so großer Hebel, das ist erschreckend. Laufen, stramm und lange spazieren, schwimmen gehen oder wie ich Langhantel, es muss sein. Zum einem um Hormonsachen im Körper zu regeln (ich kann es nicht erklären, aber lest mal Franca Parianens Buch “Hormongesteuert ist immerhin selbstbestimmt”) und zum anderen Muskeln aufzubauen, um Osteoporose zu begegnen, und auch um besser zu schlafen und um nicht völlig zu verfetten, und ich meine nicht die Eitelkeitsnummer, sondern tatsächlich den Herzmuskel. Herzinfarkte werden bei Frauen neuerdings immerhin abgefragt, waren aber früher unbekannt, da Frauen andere Symptome haben als Männer, zB Bauchschmerzen statt Brustschmerzen. Training mit Zyklus ist natürlich anders als Training im Gym, wo meist selbst die weiblichen Trainerinnen nichts davon wissen. Immerhin hatte ich Glück mit meinem studentischen Personal Trainer, der zumindest wusste, was wann Sinn macht. Den Rest habe ich ebenfalls vom Fachmann und eine Weile ausgetestet: Während Periode bereits Muskelaufbau, nach Eisprung mehr Cardio, Stretch und Balance. Während üblem PMS mindestens spazieren gehen oder noch besser: Tanzen. Oder mit Musik spazieren. Essen, auch wenn es Junkfood ist, und zwar: Add, do not restrict. Also satt essen, – Salat und eine halbe Tüte Chips? Kein Problem! Besser als Hungern, um nach zwei Stunden aufzugeben und aus Frust die komplette Tüte Chips zu essen. Ich bin verrückt nach Chips, schaffe aber gar nicht mehr so viel, weil ich die nicht mehr als Extra oder Luxus habe, sondern als neutrales Lebensmittel begreife. Ich esse die wann ich will, und so viel ich will. Meist habe ich in Wirklichkeit Durst oder Hunger, dann wird getrunken und gegessen davor/dazu.

– Stressvermeidung. Nun, was soll ich dazu sagen… Atmen! Ich atme LOL also die Sache mit einatmen, Luft anhalten, lange ausatmen. Das ist ein einfacher physiologischer Effekt und keine Coaching-Zauberkiste: Der Sauerstoffgehalt im Blut wird so reduziert. Wer eine Panikstörung hat, wird wissen, dass bei einer aufkommenden Panikattacke zu viel Sauerstoff im Blut ist und das Gehirn dann tilt. Mehr ist es nicht. In einer Tüte atmen sieht im Büro komisch aus, hat aber den gleichen Effekt und ist bekannter. Was gegen Geräusche hilft? Noise Cancelling Kopfhörer – hat mein Leben massiv verbessert (gut, mobbendes Umfeld kündigen auch LOL). Eventuell helfen Rituale, weniger Zeug besitzen, den Tag einigermaßen durchplanen. Delegieren und auf Probleme mit Geld werfen, wenn möglich. Die Frage stellen: Welche Entscheidungen stehen zu Wahl? Ist das meine Baustelle? Und natürlich ist Stressvermeidung auch immer Vermeidung von schlechten Dingen, was auch immer es ist. Die kratzende Decke? Rauswerfen. Die zu kleine Hose? Verschenken oder verkaufen. Das herumfliegende Altpapier? Platz dafür finden und Zuständigkeit vergeben.

Meine anekdotische Erfahrung teile ich mit mehreren Frauen, insofern ist sie vermutlich nicht SO anekdotisch, aber bis es dazu Studien gibt, könnt Ihr gerne ergänzen. Und wenn der Beitrag Dir geholfen hat, schmeiß einen 5er in die Kaffeekasse über den Paypal-Link. Ich werde davon garantiert KEINEN Kaffee trinken, sondern es nutzen, um das Patriarchat anzuzünden.

EDIT:
Ich habe Meditation nicht erwähnt. Absolut richtig und wichtig! Es gibt Menschen, die das können, ich (und andere…) gehöre nicht dazu. Entweder es gelingt mir, diesen Zustand einzunehmen, bin dann aber weggeschossen und hinterher ein Tag nicht wirklich ansprechbar, oder aber es macht mich aggressiv. Warum? Es braucht geschützte Räume, um abzuschalten, und die muss man sich selbst geben können, im besten Falle,es ist jedoch schwer zu erarbeiten, und macht kein Sinn für schwer traumatisierte Frauen.
Manuelle Arbeiten werden auch empfohlen, stricken, ausmalen, Klavier spielen, also allgemein Ergotherapie. Texte abschreiben ist auch eine gute Sache, nach Möglichkeit in Schönschrift, die Konzentration liegt dabei auch auf den Händen.

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