Warum die Diskriminierung von Müttern systemrelevant ist

Ja, habe ich heute das schärfste Gericht meines Lebens gegessen und dachte kurz, ich würde sterben? Ja.
Dann erinnerte ich kurz, dass Capsaicin, also der höllische Wirkstoff der Chili, schlichtweg Schmerz verursacht und dass ich dieses schon aushalten werde. Ich habe zwei Kinder ohne Schmerzmittel bekommen!
Dieser sicherlich wenig tröstende Gedanke birgt zwei Komponenten: Zum einen, dass Schmerz und Leid zur Mutterschaft gehört, zum anderen, dass FRAU das schon ertragen müsse, könne, werde.

Brückenschlag zum Thema: Berufstätigen Müttern zahlt man wenig Geld. Entweder befinden sie sich im Niedriglohnsektor und müssen ihre 40h irgendwie abreissen, froh dass sie überhaupt Geld verdienen, oder aber sie befinden sich bereits auf einem besseren Niveau, arbeiten in Teilzeit, schlecht bezahlt und mit mehr Output als Vollzeitkollegen, oder aber, und das ist die von vielen beneidete Endstufe: Aufgrund des hohen Einkommens ihres Partners (sorry dass ich hier von Cis-Hetero-Scheisse ausgehen muss, darauf baut das System nun mal auf) ist die Mutter Zuhause, leistet unbezahlte Sorge-Arbeit und bestenfalls engagiert sie sich noch ehrenamtlich.

Ehrenamt. Ehrenamt ist ehrlich gesagt sehr wichtig – und gleichzeitig sehr verkehrt. Nicht nur verhindert Ehrenamt, dass Arbeit bezahlt und somit wertgeschätzt wird, es spielt auch im Perpetuum Mobile des Kapitalismus eine wichtige Rolle, siehe die der Mütter.

Der Sorge-Arbeit (Pflege von Kindern, von Älteren) mangelt es an vielen wichtigen Dingen: Anerkennung und soziales Umfeld seien als wichtigste Punkte zu nennen. Im Ehrenamt findet man beides: Struktur, Anerkennung, ein soziales Umfeld, und dass mit (vermeintlich?) erheblich weniger Druck als in einem schlecht bezahlten Teilzeitjob, und natürlich mit besserer Vereinbarkeit mit den unterirdischen Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Deutschland.

Dadurch werden unzählige Jobs zunichte gemacht. Die unbezahlte oder geringfügig bezahlte Arbeit ermöglicht es, systemische Unterversorgung in Kindergärten, Schulen und Sozialeinrichtungen zu verdecken.
Nun, das ist ja nichts Neues, ich habe außerdem selbst schon mal darüber geschrieben.

Das Argument dagegen ist klar: Bevor die Institutionen und damit verbundenen Menschen völlig verwahrlosen und das Leid unerträglich wird, muss Abhilfe geschaffen werden – die Mitleidstour.
Erstaunlicherweise passiert gar nichts, wenn sich niemand findet. Es dauert ein wenig, aber auf einmal wird jemand eingestellt. Und auf einmal wird „Mehrbedarf“ anerkannt. Und schwupps, ist ein neuer, sozialversicherungspflichtiger Job entstanden. Dies gilt natürlich nicht für alle Institutionen. Obdachlose, an die nun mal wirklich keiner an Interesse hat, wären betroffen, gäbe es kein Ehrenamt. Deswegen – jede Medaille hat selbstverständlich zwei Seiten.

Angenommen, Mütter/Elter/Ehrenamtler:innen würden von heute auf morgen alle gemeinsam das Handtuch schmeißen. Da wäre was los! Oder sie würden ein Gehalt verlangen.

Überhaupt ist der Niedriglohnsektor, die sogenannten Frauenberufe, auch gerade deswegen den Frauen zugeteilt. So wird das schreckliche Potential, das in Frauen steckt, und glaubt mir, es ist eine Menge Grausamkeit;-) durch Überarbeitung, Nicht-Beachtung und Diskriminierung in Keim erstickt. Was passiert mit empowerten Frauen, die an sich glauben und von anderen gefördert werden? Wir haben es jüngst an der Dichterin Amanda Gorman gesehen, die bei der „Thronbesteigung“ Bidens in den USA einen vielgelobten Auftritt hingelegt hat. Mit 22 Jahren.

Warum gibt es keine Gleichberechtigung und keine Revolution? Weil wir weder die Kraft hatten, noch die Zeit dazu. Das gilt leider mittlerweile für Mütter und Väter gleichermaßen, wenn auch Männer nach wie vor eine privilegierte Stellung selbst haben.

Deshalb: Wer Zeit hat, sich für Ehrenamt zu engagieren, sollte vielleicht etwas anderes machen: eine Demo auf die Beine stellen, eine Protestaktion starten, Unterschriften sammeln, oder den Bundestag anzünden.

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