Mathilde Laurent – she was the first one…

Ein sehr gutes Interview findet ihr hier… ich ergänze an sich nur meinen persönlichen Eindruck aus den fünf Minuten, wo ich sie sah und hörte:
http://flairflair.com/2013/04/11/interview-mathilde-laurent-on-art-nature-and-intelligent-marketing/

Mathilde Laurent – she was the first one…

Ein Tag in der Fondation Cartier – ein großes Bürogebäude mit Terrasse und einer Photoausstellung am Eingang. Das Luxuskonzern präsentiert sich mit sehr sympathischen und down-to-earth Mitarbeitern und ließ sogar die Pressemeute (und mich…) in das Büro der Parfümeurin hinein.

Mir war es etwas unangenehm in so einem Raum „einzudringen“. Die sympathische Art der Mathilde Laurent, die echte Atmosphäre und die Leichtigkeit, mit der sie die Ochsentour von Interviews absolvierte, zeugten von soviel Souveranität, dass auch ich mich traute, eine Frage zu stellen. Gott sei Dank war es die richtige und ihre Antwort hielt die Erklärung für sehr viele Dinge parat – zum Beispiel warum der Duft so ist, wie er ist. Und warum sie es nicht gut findet, als „Nase“ bezeichnet zu werden, wie es bei Parfümeuren der Fall ist.

Eine toughe Frau und ein role-model: Mathilde Laurent ist die erste Frau, die für ein Konzern fest angestellt wurde. Ein bekannter Duft-Kritiker sprach über sie als eines der größten Talente im Parfümbusiness. Mittlerweile ist auch Christiane Nagel bei Hermès unter Vertrag und wird mittelfristig Jean-Claude Ellena, dem wir einige tolle Düfte verdanken, ablösen. Die Frauen sind in Kommen!
Düfte werden nämlich nach wie vor von Männern gemacht, obwohl die Kundschaft weiblich ist. Trotzdem ist sie nicht die bekannteste Dame – und das mag an ihrer wenig opportunen Art liegen. „Butter bei die Fische“ ist eher so ihr Ding, und sie erklärte beispielsweise ohne Umwege dass die Flanker mit konzeptioniert werden. Diese sorgen für den kommerziellen Erfolg der Düfte. Allerdings würde man ihnen genausoviel Aufmerksamkeit widmen wie den originären Düften.
Wenig opportun? Ein Parfümeur könne sich nicht darüber beschweren, wie seine künstlerische Ader vom Kommerz eingeschränkt werde (sprich: vom Arbeitgeber), sagt Mathilde Laurent. Man müsse kämpfen und die Konzepte durchbringen. Das fand ich sehr mutig von ihr, schließlich standen die PR-Leute um sie herum. Berechnung? Nein, sie denkt das tatsächlich, und irgendjemand hat den Mut gehabt, einen Querkopf, der natürlich hervorragende Arbeit leistet, einzustellen – herzlichen Glückwunsch, Cartier!

Übrigens ist sie eine Mutter, die Chucks trägt. Im Büro hingegen kann sie ihre Blahniks spazieren tragen (die Schuhe hatte ich mal in Mailand in der Hand, da war ich aber Studentin und hatte wenig Lust, mein Konto noch doller zu überziehen…). Ihre Cartier-Handtasche (natürlich!) war von einem kleinen Totenkopf verziert und vor allem: Getragen. Wirklich benutzt und abgetragen, eine Frau mitten im Leben, die eitel ist, aber auch pragmatisch. Und attraktiv ist sie auch, keine Frage. Es sind nicht die Dinge, die wir sagen, sondern die, die wir tun, die uns ausmachen.

Was Mathilde Laurent bei Cartier kreiert, sind jedoch nicht nur die regulären Mainstream-Düfte. Das Haus hat eine exklusive Linie, so wie Chanel, Guerlain und Dior etc. und bietet zudem den Service an, einen eigenen Duft erstellen zu lassen. Kostet 50.000 Euro, dafür bekommt man das komplette Paket: Die Parfümeurin, den Flakon, das Packaging. Wünsche ich mir zu Weihnachten.
Für den Anfang kann man jedoch mit den “Les Heures de Cartier” vorlieb nehmen: Sie sind in den Cartier Boutiquen erhältlich und kosten 225 Euro. Sie sollen zudem wirklich gut sein.
Hier eine kurze Zusammenfassung von fünf dieser Düfte:
http://www.nstperfume.com/2009/12/16/cartier-les-heures-de-parfum-fragrance-reviews/

Das wirklich, wirklich ärgerliche: Ich habe seit mehreren Wochen eine Sinusitis. Ich kann fast nichts riechen. Ich habe nun einen neuen Duft, das Konzept, die Parfümeurin, den Flakon, den ich recht geil finde – und kann kaum etwas riechen.
Cartiers neuer Duft Panthere ist Gardenia und Chypre: zwei Dinge voll auf meiner Linie, und nun? Ich bin nasentaub, Ihr müsst warten…

Ein Porträt des Senders TV5 von der Dame (auf Französisch):
http://www.tv5mondeplus.com/video/15-04-2011/portrait-de-mathilde-laurent-parfumeur-chez-cartier-7262

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3 Gedanken zu „Mathilde Laurent – she was the first one…

  1. Daß das was wir tun uns mehr ausmacht, als das, was wir sagen, stimmt wahrscheinlich – macht das Leben und den Anspruch an sich selber aber alles Andere als einfacher oder geringer. Und mir immer, wenn ich es höre oder lese, also unausweichlich vorgehalten bekomme, ein wenig Angst.

    Das aber eigentlich nur am Rande, v.a. möchte ich sagen, daß es mich sehr freut, daß Du so ein schönes, interessantes und inspirierendes Erlebnis hattest! Und möchte dezent dran erinnern, wer zu Dir gesagt hast, daß Du da hingehen MUSST, sofern Du es irgendwie auf die Reihe bringst, einen Fuß vor den anderen zu setzen… 😉
    Paphiopedilum kürzlich veröffentlicht..Beauty Case #17: London – Meine Makeup-Ausstattung auf ReiseMy Profile

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