Meine neuer Füller – mein Traum von Caran dA’che

Das hat so sein sollen. Diese ganze Geschichte mit dem kaputten Füller, die Rückgabe, die Enttäuschung… weil ich zwar einen tollen Füller wollte, aber einen bestimmten; einen, der nicht mehr hergestellt wird und der auch nirgends mehr erhältlich ist. Allerdings hatte ich diesen Füller vor zehn Jahren mal ins Auge gefasst. Als Studentin unbezahlbar, aber nicht vergessen – Jahre später suchte ich online, bereitwillig zu investieren, obwohl ich diesen gute Stück nie in der Hand hatte. Eigentlich irre.

Und dann, neulich in Leverkusen… Ausgerechnet.

Komm, lass uns ein bisschen bummeln, sagte ich zum Ehemann.

Die Sonne schien, ich hatte kein Heuschnupfen, und ich wollte einfach nur rumlaufen. Ich hatte bereits einige Tage davor fast nur drinnen verbracht und war froh, mal Menschen zu sehen. Wirklich zufällig sah ich diesen winzigen Laden, und magisch angezogen von diesem zugegeben schrägen Schild, gingen wir hin. Es sah aus wie ein Kiosk, ziemlich runtergekommen, aber das Schaufenster enthielt einige interessante Stücke. Also rein, und die Dame am Tresen angesprochen.

Und was für eine Dame! Bemalt bis zu den Ohren, goldbehangen, und offensichtlich die Eigentümerin. Während wir plauderten, kam eine Kundin rein und gratulierte nachträglich zum 80. Geburtstag. Ich hob die Augenbrauen.
Sie verkaufte noch zwei Stifte, wir plauderten weiter über diverse Marken und Preisgestaltung, und was ich eigentlich suche. Der Porsche Füller war nackter Wahnsinn, aber zu schwer; der Lamy Füller nackter Wahnsinn, aber nur 14k Goldfeder. Hm hm. Ich wollte Geld ausgeben, das war klar, aber ich wollte was ganz bestimmtes, eine Feder F (also fein) und ich fragte dann ob sie dann Lamy mit EF hätte, das wäre ein guter Frustkauf. Hatte sie nicht.

Sie hätte einen einzigen Füller mit F Feder, aber ob sie mir nun einen Caran d’Ache anbieten könne?

Ja, nein, na gut, zeigen Sie mal.

Sie stöberte hinten herum, holte einen Holzkasten hervor und ich brauch in Schweiß aus. Mit hochrotem Kopf versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, dass sie dort in den Händen den gottverfickten Stift hielt, den ich seit zehn Jahren jagte. Das Preisschild stand überdiemnsioniert ab und ich war ehrlich gesagt nicht schockiert. Hier oder da gehen die Dinger für das anderthalbfache über den Tisch, schließlich sind es Sammlerstücke.

Der Ehemann hatte sich mittlerweile verzogen und genoß vor der Tür die Sonne. Ich holte ihn rein und er spielte seine Rolle des ach so armen und bitter gelangweilten Shopping-Opfers mal wieder gut. Ich hatte angefangen zu schwitzen vor Aufregung und zog die Jacke aus; währenddessen suchte die Dame nach Patronen, um mich den Füller ausprobieren zu lassen. Auf den beschichteten Papier schrieb der Füller völlig problemlos, jedoch ist das ein alter Trick. Ich testete noch auf einen anderen Schnipsel und der Füller fühlte sich immer noch an wie Samt. Herrlich.

Völlig aufgekratzt nestelte ich meine EC-Karte hervor und sprach wie ein Wasserfall auf alle ein; zu der Eigentümerin hatte sich der Sohn hinzugesellt, der mit mir noch kurz fachsimpelte und amüsiert beobachtete, wie ich versuchte meinem Kerl zu erklären wie dolle besonders das alles war und überhaupt.

Das ganze wurde noch lapidar in eine Plastiktüte verpackt und ich stopfte die Kiste in meine Handtasche. Ob ich noch shoppen wolle? Ich war völlig aufgekratzt und völlig desinteressiert an weiteren Exzessen, da ich nach Hause wollte, um mein Fundstück auszupacken und in Ruhe zu betrachten.

Auf dem Rückweg gab es ein Eis für den Ehemann (ich bin laktoseintolerant, in echt) und er erzählte wie er früher zu Schulzeiten in just jenem Laden sein japanisches Papier für den Kunst-Leistungskurs kaufte. Eine Einrichtung, kein Geschäft.
Das freute und freut mich zusätzlich, denn nun hat das gute Teil noch einen anderen Background, eine richtige Geschichte.

So schreibe ich nun mit diesem wirklich schönen Füller, habe tatsächlich unterschiedliche Tinten und gucke mich bereits seit Wochen nach weiteren Sammlerstücken um. Bei tausend Euro allerdings bleibt es beim Seufzen und Schauen, und was will man in der heutigen Zeit überhaupt noch mehrere Füller haben? Es schreibt ja kaum einer von Hand (ich schon, dann wird abgetippt).

Vorerst bleibt es bei der völlig überteuerten Tinte des Herstellers und auch bei diesem einen guten Stück. Frei nach dem Motto: Was lange währt, wird endlich gut!

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4 Gedanken zu „Meine neuer Füller – mein Traum von Caran dA’che

  1. Füller kann man nie genug haben! Vor allem nicht, wenn man viele verschiedene Tinten hat, die müssen ja auch irgendwo rein.. Ich habe grade Schimmertinte für mich entdeckt, übler Kitsch aber hach! (In meinem Alltagsfüller ist von Herbin emerald of chivor. Smaragd mit Gold!)

    1. Danke Anne! Um die rote Herbin schleiche ich schon rum, die grüne finde ich aber auch schick. Ich denke noch ein Lamy mit Edelstahlfeder muss ich holen, schon alleine wegen einer alternativen Tinte. Gefallen tun mit noch einige, die allerdings immer so 300€ aufwärts kosten. Da ist Schminke sammeln doch deutlich billiger 🙂

  2. Vielen Dank für Deinen schönen Post. Dieser hat mich daran erinnert, dass ich zu Schulzeiten (es leben die 90er) immer mit lila, türkiser oder grüner Tinte geschrieben habe, rot durften nur die Lehrer schreiben. Neulich habe ich alle meine alten Schulhefte weggeworfen und noch mal geschwelgt in den schönen Farben. Ich habe einen Pelikan Souverän Schwarz-Grün, dann habe ich damals zur Matura bekommen. Und seitdem viel zu wenig benutzt. Aber in der Uni wurde ich schräg angeschaut mit meinem Füller. Und im Job, da werden Notizen direkt in den Laptop gemacht.
    Wie viel schreibst Du mit Deinem Füller? Nur aus Freude oder auch im Job?

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