HERMÉS UN JARDIN EN MÉDITERRANÉE


Un Jardin en Mediterranée ist der Duft, oder einer der Düfte, die für mich ein Grundpfeiler meines Hobbys Düfte ist. Angefangen hat es mit einem YSL Duft mit Grapefruit und Zeug, In Love Again hieß es. Es war für mich damals unbezahlbar, aber ich konnte mich durchringen und kaufte die Flasche für unsagbare 86 DM – und kaufte sie sogar nach, nachdem sie alle war. Fruchtig, saftig, holzig und wenig girly, trotz des kitschigen Flakons mit dem güldenen Herz drauf.
Der Parfumeur: Jean-Claude Ellena. Der Duft: Eine Iteration seiner Bestseller-Kompositionen: Zitrus, Obst, Holz, Rose.

Sehr viel später entdeckte ich dank einer Freundin den Duft von Hermès, und war interessiert und abgetörnt zugleich, entwickelte er an ihr eine säuerliche, unangenehme Note. Völlig ahnungslos wie ich damals war, schreckte mich alles ab, die Parfümerie, der Preis, und die grimmige Aceton-Komponente. Dass dieser Unisex-Duft an mir anders riechen würde, wusste ich nicht. Wie alle Hermés Einsteiger:innen fand ich die zitronige Variante Un Jardin sur le Nil besser. Ich glaube, ich kaufte das sogar als erstes.

Als ich zu bloggen anfing, hatte ich unlängst Nischendüfte entdeckt und nannte einen Rest La Chasse aux Papillons meins. Das war der Anfang vom Ende. Ich habe eine sehr empfindliche Nase, ich habe regelmäßig Duft-Dejá-vus und durch eine leichte Synästhesie kann ich Düfte taktil beschreiben. Duft fühlt sich an wie etwas, was ich anfassen kann. Schräg? Normal. Sehe ich bei einem Duft zum Teil komplette Bilder oder gar Outfits? Normal.
Das ist übrigens in der Tat auch das Können einer wirklich guten Parfumeurin, nicht einfach Duftnoten zusammen zu stellen, sondern ein Storytelling olfaktorisch anzustreben. Den Geschmack muss es nicht mal treffen, wichtig ist, ob die Geschichte dahinter erkennbar ist.

Jajaja, ich komme nun zum Duft, den tatsächlich nicht alle kennen!! Wie geht das?? WIE KANN MAN DIESES STÜCK KULTURGUT NICHT KENNEN!

Das Haus Hermès hat viele tolle Parfums und ein sehr gutes Image. Deren Storytelling ist einfach: Luxus.

Ästhetik.

Qualität.

Nichts einfacher, als das Beste auszuwählen und das Beste zu sein.

Für mich kann dieser Duft alles: Luxus, Ästhetik, Qualität, das gewisse Etwas und vor allem die Ambivalenz zwischen sportlich-frisch und sinnlich-weiblich. Ein nicht binärer Duft. Und das im Jahre 2003.

Die herben Zitrusnoten bleiben ziemlich lange bestehen, die Feige ist auch holzig, wie ein brauner Zweig, insgesamt riecht man nicht nur die Früchte, sondern den ganzen Baum. Meine schon etwas ältere Flasche, sorgfältig dunkel und kühl gelagert, hat sich interessanterweise entwickelt und ich rieche heute die aus Kelly Caleche als Eau de Toilette bekannten Ledernoten. Der Duft ist farblich auch genau das, was die Umverpackung verspricht: Gelb, Blau, Grün,und die Textur eines gestärkten, weißen Waffelhandtuchs kommt einem auch spontan in Erinnerung. Crisp, aber auch soft.
Für mich ist durchgehend auch die Rose aus Rose Ikebana dabei, eine holzige und grüne Rose, frisch abgerissen. Rose Ikebana kam ein Jahr später auf den Markt und ist ebenfalls auf meinem persönlichen Platz 1.

Die Haltbarkeit ist gut, und der Duft verursacht bei mir keine allergischen Attacken, wie es Chaneldüfte so häufig leider tun. Die Körperpflegelinie dazu ist ebenfalls wunderbar beduftet, aber nicht so wahnsinnig gut formuliert. Recht teuer eh.

Für mich wird dieser Duft unangefochten auf Platz 1 bleiben – genauso wie Rose Ikebana, das wesentlich leichter, spritziger und anspruchsvoller ist, schlechter hält und einfach mal 245 Euro auf 100ml kostet – UVP vom Jardin en Mediterranée im Vergleich: 164€.

Falls Ihr diesen Kult-Klassiker nicht kennt, und in der Pandemie nicht los tigern wollt – ich kann es verstehen. Gott sei Dank kann man Düfte zurück geben, falls ihr allergisch dagegen seid, also lohnt es sich, eine neue Duftliebe zu riskieren.

Und falls Ihr mal einen wirklich richtig guten Duft, den ich jedoch nicht mag, mal kennenlernen wollt: Galop d’Hermés ist eines der besten Duftkonzepte, die ich je unter der Nase hatte. Mag ich es? Nö. Ist es ein Kunstobjekt? Ja.

Ein Gedanke zu „HERMÉS UN JARDIN EN MÉDITERRANÉE

  1. Seit 2004 permanent vorrätig. Und ja: wir hatten einen Garten am Mittelmeer. Mit Meerblick. Riecht jedesmal nach einer Mischung aus „heimkommen“ und Sehnsucht für mich.

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