Die Winterbraut sagt…

…danke!

Kurzfassung: Das “davor”.

Wie hätte es auch anders sein sollen – am frühen morgen dirigierte mich die Trauzeugin ruhig, aber bestimmt, ins Bad, nachdem ich eine Stunde sinnlos umherflatterte. Dazu gab es klein geschnittene Butterbrote, die ich mit Mühe runterwürgte. Dank des selbstlosen Einsatzes von Frau Z., die am Abend mein Kleid perfekt bügelte, musste ich nur eines tun: Hübsch aussehen.

Das Make-up geriet jedoch völlig unerwartet zum Gau. Warum? Ich hatte die perfekte Grundierung (Shiseido sei Dank!), die mir aber unnatürlich erschien – zu perfekt. Also zerstörte ich das Gesamtkunstwerk mit zwei Ampullen Dr. Hauschka Gesichtskur – das Make-up löste sich vor meinen Augen innerhalb einer Sekunde zu einer traurigen, schuppigen hot mess auf. Ich pinselte verzweifelt drüber, puderte, puderte und puderte und – es hielt. Der Lidstrich dauerte geschlagene halbe Stunde, da meine Hände unglaublich zitterten. Der Lippenstift war das einzige, das ruckzuck ging – vier Schichten, die den ganzen Tag hielten (na gut, ein bisschen was klebte am Ehemann!).
Hier eine weise Empfehlung: Auch Profis sparen sich Stress, wenn sie sich schminken lassen!
Meine Haare benötigten hingegen exakt 40 Sekunden: Gel, Fön, Haarspray, done. Danke an dieser Stelle an den einzig wahren Kaiser, meinem Haarkünstler!

Natürlich regnete es in Strömen, doch das erwies sich als Glamourfaktor: Der Mann meiner Trauzeugin rannte die ganze Zeit aufgeregt mit einem weissen Regenschirm hinter mir her und ich spazierte stets in Begleitung eines großen, breitschultrigen Regenschirmträgers königlich beschirmt umher. Aitaitai!

Vor dem historischen Gebäude des Standesamtes stand dann ein weiterer gutaussehender Mann im dunkelblauen Anzug und hielt einen kleinen Blumenstrauss in der Hand. Nervös beugte sich dieser immer wieder unter dem Regenschutz hervor und linste nach links und nach rechts, während ich just vor seiner Nase versuchte, unfallfrei aus dem Auto zu steigen.

Und dann ging es los!

Kurzfassung: Geheiratet.
Alles ging gut, aber ein bisschen wie im Rausch vorbei. Der tolle Kuchen? Einen Bissen. Das Menü vom Sternekoch? Die Gäste sagen, es war super. Der Brautstrauß? Wunderschön, diente mir allerdings einzig und allein zum festhalten und ist ansonsten völlig überbewertet. Die halb erwürgten Blumen bekam das nächste Pärchen, auf deren Hochzeit wir nun hoffen.
Komplimente bekam ich einige, zum Beispiel über meinen Haarschnitt. Ich zitiere: “Meine lesbische Chefin hat den gleichen Haarschnitt wie Du.” Das kam natürlich von meinen Bruder, dessen Liebe sich zweifelsohne immer etwas merkwürdig zeigt. Er war es, der mich im Anschluss heulend am längsten umarmte. Männer…
Aufgeklappte Kinnladen gab es unzählige – denn mein unkonventionelles Outfit sprengte die Vorstellung (ja, auch meine!) so manch eines Gratulanten. An diesem Tag hätte ich mich allerdings im Bademantel königlich gefühlt, und so war ich in meinem maßgeschneiderten, superempfindlichen Escada-Fummel mitsamt luxuriöser Kaschmirjacke die Winterbraut schlechthin.
Mein Vater, königlicher Alleinunterhalter, sagte an diesem Tag so gut wie nix – er stand ja schon Wochen vorher unter Schock. Die Gäste, allesamt wie aus dem Ei gepellt, trotzten auch dem Neuschnee und wurden mit reichlich Kalorien belohnt, sowohl in fester als auch in flüssiger Form.
Schönste Überraschung: Das schönste Patenkind der Welt kam vorbei und sprudelte über vor Charme, Lächeln und guter Laune. Mit sechs Monaten ist das Leben fein, fein, fein! Sie durfte auch ihre Krallen an meine Wolford-Strumpfhose ausprobieren – noch nie habe ich eine Laufmasche mit so viel Liebe betrachtet.
Die Trauzeugen… ja, die Verrückten!

Kurzfassung: Die Flittertage.
Unsere verrückten Freunde – nicht nur dass ihre (und auch die einzigen!) Reden uns alle wie Schlosshunde heulen ließen und meine Trauzeugin und beste Freundin eine regelrechte Liebeserklärung und Hommage an Freundschaften verlauten ließ (dazu hatte ich auf ihrer Hochzeit nicht den Mut!), nein, der Tag nach der Hochzeit verhieß für uns “Eheleute” etwas noch besseres.

Am nächsten Tag stiegen wir in einem Mietwagen mit programmierten Navi und unbekanntem Endziel ein. Auf dem Rücksitz ein Picknickkorb und Luftballons, im Handschuhfach die uns unbekannte Destination für alle Fälle. Wohin wir fuhren? Keine Ahnung! Wir hatten vorab schon Koffer gepackt – was zum wandern, was schickes, Badezeug, Bücher – mit einem Wort: Alles. Das ließ mich natürlich auf ein SPA Hotel hoffen.
Auf der halben Strecke war ich mir sicher: Es geht nach Rügen.
Als wir in einem Waldweg reinfuhren, der ein Campingschild auswies, und wir noch fünf Minuten zum Ziel hatten, wurde mir ganz anders. Womöglich… nein, oder doch?!
Am Ende der Straße hielten wir vor einem Nobelhotel auf einer Anhöhe, blickten uns gegenseitig leise zweifelnd an und holten die Unterlagen auf dem Handschuhfach. Unsere verrückten Freunde!
Luxuszimmer, SPA, Anwendungen und ein Reservierung beim Sternekoch Benedikt Faust.
Was konnte uns noch besseres passieren? Ich sage es Euch: Das Menü war bezahlt, der SPA Bereich war leer, das Salzwasserschwimmbad den ersten Tag eröffnet und die Sauna mit Blick auf das Meer.

UND? WAS HAT SICH GEÄNDERT?
Nichts. Alles?!
Ich bin ein bisschen entspannter, ein bisschen geduldiger – das mag auch an den freien Tagen liegen. Er kommt mehr aus sich heraus – und ist noch liebevoller, aufmerksamer und großzügiger als vorher, was eigentlich nicht geht.

Man muss sich aber auch um viele schnöde Dinge kümmern wie Papierkram und Steuerklassen – aber hey, zu zweit lebt es sich schon besser, um mal meinen Chef zu zitieren.

Sodele, das wirklich wichtige, ich weiß! ist das Kleid – ist es nicht übrigens, es ist der Mann, den kann man nicht in die Altkleidersammlung geben oder in den Schrank hängen oder beim Schneider umändern oder gar färben lassen. Natürlich konnte ich nicht widerstehen die üblichen Photos zu machen: selbstgeschossen mit einer miesen Kamera. Warum? Weil – that’s life, gals. Der Photograph mit Photoshop-Retusche ist nun mal nicht das wahre Leben.

Auf dem Bild hier habe ich die Trauung schon hinter mir und einen zweiten Ring an der linken Hand. Die Brosche habe ich nachträglich eingesteckt, das blöde Dauergrinsen gab es kostenlos dazu:

Der Brautstrauß…

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18 Gedanken zu „Die Winterbraut sagt…

  1. Klingt perfekt! Herzlichen glückwunsch und ein Frohes Neues Jahr!
    Schön, wie glücklich du aussiehst! Warst wirklich eine schöne Braut!

  2. Toller bericht, tolle braut und du hast ja echt tolle freunde! Ich freue mich sehr für euch 🙂 und du siehst sooo toll aus!!

    Und jetzt auf ein frohes neues jahr 🙂

  3. Herzlichen Glückwunsch! Du sahst toll aus und siehst richtig glücklich aus! Immerhin ist dein Brautkleid creme bzw. weiß, da versteh ich gar nicht, warum die Gäste verwundert waren? Ich werde nicht in weiß, sondern pastell à la Noa Noa heiraten. Wenn. Es. Mal. Soweit. Ist. 😉

  4. Herzlichen Glückwunsch!! Du siehst hammermässig aus, wow und du warst in unserem Hotel wo, wir immer meinen Geburtstag verbringen.

  5. Danke schön!
    Lena: Ich hatte zwei von den Silberblumen, eines habe ich als Andenken rausgenommen bevor ich den Strauss übergeben habe (werfen hat sich nicht gelohnt).
    Jana: Zum Kleid hatte ich eine schwarze Strumpfhose mit Muster und backseam und diese Pumps:
    http://www.mybeautyblog.de/fashion-stil-mode/love-moschino-und-pollini-die-italiener-konnen-es-einfach/
    während nach mir die typische Braut im Tortenkleid, schulterfrei und mit runterhängenden Blumenstrauss ins Standesamt reinkam. Das ist eher das, was bei uns im Dorf üblich ist 😉

  6. Herzlichen Glueckwuensch! Du siehst so huebsch aus!

    Freut mich zu hoeren, dass alles perfekt geklappt hat, inklusive das unbekannte Flitterwochenziel.

    Liebe Gruesse

    Vanessa

  7. Zwar verspätet, aber trotzdem HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUR HOCHZEIT und Alles Gute für Dich und Deinen Mann. Bin ja eher der passive Leser, aber bei so einem wunderschönen Post muss ich doch mal was dazu sagen. Ich finde, Du hast ganz großartig ausgesehen, das hatte Stil.
    Schönen Sonntag noch.

  8. dein kleid ist wirklich wunderschön – und im grunde genommen nicht nur zum heiraten zu gebrauchen (darf man das nochmal anziehen?). was hatten die gäste denn daran auszusetzen?
    am coolsten finde ich den part mit den flitterwochen, das nenne ich mal eine überraschung. freut mich total dass alles so gut gelaufen ist 🙂

    1. KaddI: Es war anders!! Weisst du doch, wenn man den Erwartungen nicht entspricht sind die Leute bass erstaunt bis pikiert. Die Flittertage waren tatsächlich das beste! Von Woche kann man nicht sprechen, von Wochen erst recht nicht, war aber genau richtig.

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