HERMÈS – Le Jardin de Monsieur Li

Zunächst muss ich gestehen, dass ich nicht nur ein großer Fan von Jean-Claude Ellena als Parfumeur bin, sondern auch ein großer Fan der Marke Hermès. Als ich anfing, die Vogue zu lesen und mich für Mode und Kunst zu interessieren, ging ich noch zur Schule.
Die Ästhetik der Produkte, das Konzept der künstlerischen Manufaktur ist zwar bestehen geblieben – Hermès hat sich jedoch gewandelt und ist etwas offensiver in den Markt hineingegangen. Hermès verkauft sich heute wesentlich mehr über die Markenstärke als früher, was man an eine Vielzahl der Produkte sieht.

Heute gibt es Produkte, die man sich „zusammensparen“ kann (ab ca. 150€) und es gibt einen Online-Shop. Die Läden in den Duty-Free Bereichen internationaler Flughäfen sind sicherlich auch gute Umschlagplätze für die Produkte im unteren Preisbereich, die ein guter Standbein der Marke sein dürften.
Bezieht man nun die kaufmännische Komponente ein oder nicht? Spätestens wenn es um die Cash Cow geht, sogenannte Lizenzprodukte, würde ich sagen: Ja. Die Düfte müssen irgendwo auch Geld einbringen, neue Märkte eröffnen, neue Zielgruppen anziehen.

Und um den Duft des Monsiuer Li gebührend zu beschreiben, muss ich zusätzlich zum ersten Duft der Garten-Reihe zurückgehen…

Als der Duft per Bote zu mir ankam, trug ich bereits „gedanklich“ den ersten Gartenduft – 2007 erschien Un Jardin sur Le Mediteranée. Ich hatte etwas geträumt und dabei intensiv den Duft gerochen, sehr schräg. Allerdings hatte ich mich noch nicht einparfümiert, sondern suchte noch den Flakon, den mein emsiger kleiner Teddy aufgeräumt hat (er räumt äußerst gerne meine Parfümflaschen um oder stapelt sie…).
Das Paket riß ich daher äußerst gierig auf und sprühte ein bisschen herum für den ersten Eindruck, runzelte die Stirn und dachte: Hä?

Hä?

Hä?

Nä.

Sofort dachte ich: Ich kenne den Duft.
Ich kramte nicht wirklich unendlich lange in meinem Hirn um mich zu erinnern – ich weiß auch welche Duftnote mir sofort bekannt vorkam. Erstaunlicherweise ist die Assoziation NICHT ein anderer Duft von Ellena, sondern, hört hört: Francis Kurkdjian. Amyris pour femme.

Eine Anknüpfung an die anderen Düfte? Aus der Hermessence Reihe eventuell? Un Jour d’Hermès? Nein. Nada, Fehlanzeige.

Der Duft schließt die Reihe der Gartendüfte dieser Welt so, wie er es begann: Mit einem Einzelgänger.

Bitter, ja herb startet der Duft mit dem Kumquat und Jasmin, der eher seifig und blass ist. Blass ist der gesamte Duft, jedoch nicht kraftlos und auch nicht sofort weg – man muss sich damit nur kräftig einsprühen. Der Duft ist mitnichten saftig oder fruchtig, nichts davon, er verbleibt eher künstlich und linear, ein wenig Hölzer, aber minimal, ein wenig Wasser, eine minimale Anknüpfung an Voyage d’Hermès, aber ohne Ingwer und dessen Eiseskälte.
Während der „mediterrane Garten“ voller Leben und Fröhlichkeit ist, kräftig und opulent, ist der Garten des Monsieur Li verwaschen und uniform. Natürlich sehr schön, ohne Frage, sehr tragbar.

Ich kann nun nicht beurteilen, welche Düfte bzw. welche Noten eher auf den asiatischen Markt zielen; wenn es so etwas gibt, dann ist dieser Duft sicherlich einer davon. Die Chinesen, ein Volk das ich schlichtweg nicht mag (es mag sie geben, die netten kultivierten, aber die kommen wohl nicht so ins Ausland oder generell herum, nech), dessen Kultur in einem gewaltigen (und gewaltsamen) Zug plattgemacht wurde – nun, das ist eine Zielgruppe, wo man vielleicht parallele Muster findet. Uniformität, irgendwo versteckt den Hinweis auf vergangene Zeiten, insgesamt wenig Aussage.

Ein Aquarell oder eine nichtssagende, wenn auch handwerklich gelungene Komposition? Deine Entscheidung. Ich habe den Duft nun mehrere Tage gerne getragen, ihn auch vermisst und kann ihn jederzeit evozieren in meinem Duft-Gedächtnis. Zu sehr jedoch drängen sich mir rationelle Aspekte auf: Ein Duft, der den Weg der Nachfolgerin des Parfumeurs des Hauses erleichtern wird; ein Duft, der einen bestimmten Markt erobern muss, ein Duft, der sich an dem derzeitigen Trend Jasmin orientiert.

Mein Fazit ist somit wesentlich weniger begeistert als sicherlich möglich.

Zum Abschluß der Reihe kann ich sagen, dass der Duft Un Jardin sur le Nil sicherlich zu den beliebtesten Düften gehört; der völlig unterschätzte Jardin aprés la Mousson ist ein Meisterwerk; der Jardin sur le Mediteraneé bereits jetzt ein Klassiker und ich denke, mein Favorit, und der spitzbübischste und lustigste Un Jardin sur le Toit. Wie sich der Garten von Monsieur Li da einfügt? Als blumigster Garten und blassgelb balanciert er die gesamte Reihe aus.

Ich hoffe ich habe Euch neugierig gemacht – entdeckt habe ich bei alledem Epice Marine aus der Hermessence Reihe, verschenkt habe ich Un Jardin sur le Nil und tragen tue ich wieder und das sehr gerne: Un Jardin sur le Mediterranée.

Zum Duft habe ich ein passendes Tuch von Hermès: Voyage en Etoffes. Und das ist das, was für mich die Marke ausmacht: Ein künstlerisches Konzept, höchste Qualität, und trotzdem Alltagsgebräuchlichkeit.

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3 Gedanken zu „HERMÈS – Le Jardin de Monsieur Li

  1. Sehr schöne Review. Ich war letzte Woche mal schnuppern und hatte die Hoffnung auf ein neues Meisterwerk. Für mich ist der Duft diesbezüglich aber auch eher ein Flop. Ich mag ihn. Auf meiner Haut entwickelt er sich in der Tat seifig und frisch aber leider auch irgendwie beliebig. Er wäre für mich ein Sommer, mal eben drüber sprühen Duft ob ich ihn nun kaufe habe ich noch nicht entschieden.

  2. Ob ich den Duft mögen würde, kann ich aufgrund Deiner Beschreibung nun nicht sagen; denn ich bin SO wenig in der Duft Materie drin, daß ich mir unter all dem nur schwerlich irgendwas vorstellen kann, obwohl Du gerade bei Duftnoten ja wahrlich eine ausgeprägte Wahrnehmung zu haben scheinst, und ganz offensichtlich auch über ein bemerkenswertes, deskriptives Talent verfügst. Neugierig hast Du mich aber einmal mehr gemacht; ich werde mal schnuppern gehen…

    Kurz gestockt bin ich allerdings bei „ich mag keine Chinesen“. Persönlich komme ich nicht umhin ein Volk wertzuschätzen, das so etwas wie Pekingente und insbesondere Dim Sum ersonnen hat 🙂 Daß Du das anders siehst, und das auch in dieser Entschiedenheit und Kategorisierung sagst, wundert mich aber. Sehr sogar! Nicht weil ich meinerseits die Chinesen nun sooo extrem geil finden würde, trotz meines Suchtverhaltens bei gutem, chinesischem Essen – sondern weil gerade Du das so sagst!!! Wo Du Dich doch über jedes Fünkchen von Rassismus erregst, und mit Tweets und Retweets bei Twitter teilweise „Rassismus“ anprangerst, der für mein Empfinden gar keiner ist. Irgendwelche Begebenheiten etwa, wo ich mir denke, um da Rassismus darin zu empfinden und erkennen, muß man eigentlich total übersensibel sein. Klar, Chinesen eignen sich ganz gut als Feindbild; sagt man „ich mag keinen Chinesen“; kratzt das Keinen. Gilt man womöglich Manchen sogar als besonders aufgeklärt und westlich. Sagt dagegen jemand, „ich mag keine Türken“ oder „ich mag keine Polen“ – um am anderen Ende des Spektrums zwei ähnlich plakative Beispiele zu wählen – ist derjenige schneller als Rassist abgestempelt als er Döner sagen kann. Oder Dim Sum.

    Selbstverständlich bin auch ich nicht frei von Vorurteilen aller Art; ich will hier nicht den Moralapostel geben. Und auch wenn ich es nicht sooo sachlich finde, über ein ganzes Volk zu sagen „ich mag die nicht“, bin ich unbedingt der Meinung daß man das offen sagen können muß, wenn man es denn so empfindet! Man muß ggf. halt mit Widerworten rechnen… V.a. aber verstehe ich es, wie gesagt, insofern nicht, als Du mir ansonsten immer als ganz außerordentlich rassismussensibel auffällst.
    Paphiopedilum kürzlich veröffentlicht..Menu of the Month 2015/03My Profile

    1. Geb ich Dir 100% Recht mit Deiner Aussage. Ich finde es im Allgemeinen sehr engstirnig zu sagen, dass mein ein gesamtes Volk nicht mag. Dass man evtl. einzelne Menschen aus dem und dem Volk nicht mag ist eine individuelle Geschichte und das kann jeder von sich behaupten ob die Person nun aus seiner eigenen Kultur oder einer fremden Kultur kommt (keine Ahnung welche Erfahrungen sie gemacht hat – und wenn es z.B. um das Verhalten von Touristen geht muss ich sagen, dass da nicht nur chinesische Touristen negativ auffallen…) aber prinzipiell finde ich gehört sowas nicht in ein Review eines Produktes…
      Zum Duft Le Jardin de Monsieur Li möchte ich noch sagen, dass dieser mich sehr an Mandarine erinnert, weshalb ich ihn auch so gerne im Sommer mag.

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