Kaufsucht – warum compulsive buying-shopping disorder (CBSD) nicht ernst genommen wird

Es lebe der Kapitalismus! Wenn es dem System dient, wird pathologisches Verhalten nicht weiter untersucht.

Ein Gegenbeispiel:
Männliche Gewalt jedweder Form, ob physische oder psychische oder sexuelle, wird oft als pathologisches Verhalten bezeichnet, die Menners sollen “zur Therapie”. Es ist jedoch selten pathologisch, es geschieht vielmehr aus einer Machtperspektive und bewusst, die Männer wissen, was sie tun. Da es dem Kapitalismus/Patriarchat dient, wird es als “pathologisch” abgetan, also verharmlost, aber nicht weiter untersucht oder verfolgt.

Kaufsucht dient ebenfalls dem Kapitalismus, ist aber keine anerkannte, eigene Krankheit; sie fällt im Krankheitskatalog unter Impulskontrollstörung oder Suchterkrankung, so wie Waschzwang oder Alkoholismus. Da es hier keine physische Komponente der Sucht gibt, also kein Substanzmißbrauch, und auch sonst weitestgehend unsichtbar verbleiben kann, halte ich die Statistik, dass 5-6% der Bevölkerung betroffen sind, für etwas zu gering. Forschung gibt es hierzu wenig. Es wird immerhin mittlerweile differenziert ob es sich um CBSD oder OCBSD, also online compulsive buying/shopping disorder, handelt.

Hier wirken mehrere Mechanismen ein: Zum einen die tatsächliche psychische Komponente, die das Individuum mit sich bringt, beispielsweise Neurodivergenz und ihre Komorbiditäten; zum anderen die Umwelt, also der Kontext, in dem es geschieht: Eine Umwelt voller Werbung. Das auf Dopmaninausschüttung und Sucht ausgerichtete Marketing ist ein bekanntes Phänomen.
Hinzu kommt die Wertevermittlung der kapitalistischen Kultur, in welcher materielle Wertschöpfung einen sehr hohen Wert einnimmt, und Status und Glück erkauft werden.

Forschung hierzu gab es in den 2000er und scheint wieder etwas an Fahrt aufzunehmen; hierzu muss man allerdings in internationalen Publikationen recherchieren, in Deutschland ist Prof’in Dr. med. Dr. phil. Astrid Müller in Hannover die Koryphäe. Stand der Forschung und auch einen Ausblick für zukünftige Forschung findet die geneigte Leser*in in diesem Paper: https://fis.uni-bamberg.de/server/api/core/bitstreams/2df0c580-0928-4393-b986-fcb7dd04aa85/content

Durch Online Shopping hat sich allerdings für diese Form der substanzunabhängigen Sucht das Tor zur Hölle geöffnet. Journalistische Artikel über Klarna bzw. Konsumschulden bei Jugendlichen vergessen dabei, hinter den Kulissen zu schauen. Es gibt keine konsumfreien Räume, es gibt keine Schulbegleitung für Kinder, und Hobbys sind in Deutschland zeitaufwendig und teuer und schließen somit oft exakt die ökonomisch schwache Schicht aus, die sich dann anderweitig einen Status, einen Dopaminkick sowie eine Identität zu kaufen versucht.

Sind Onlineshops schuld? Dem Gewehr die Schuld für Krieg zu geben, ist simplistisch, bequem und banal.

In einer Welt, die kapitalistisch ausgerichtet ist, wird Individualität augenscheinlich gefeiert, der Mensch wird aber immer wieder in kleinen Pressförmchen gezwängt. Es werden dabei viele Faktoren ausgeblendet: Die persönlichen Bedürfnisse eines jeden Menschen an unterschiedliche Strukturen, die Möglichkeit der persönlichen Entfaltung, das Ausleben der Identität. Diese Dinge haben null Komma nichts mit Konsum zu tun, werden jedoch stets dadurch bestimmt. Und ja, es profitiert jemand davon, wir leben praktisch in einem Kreislauf des Konsumangebotes und Nachfrage.
Schöne Dinge haben wollen ist erst einmal keine Krankheit, und seine Identität anhand bestimmter Symbole nach Außen tragen ist eine uralte Kulturtechnik, der sublimierte Gütertausch per se nicht krankmachend. Angebot und Nachfrage gab es schon immer, das Problem entstand als die Wertschöpfung von Gewinnmaximierung abgelöst wurde. Mensch könnte so viel machen/haben, wie mensch braucht, ob Nahrungsmittel oder Schuhe.

Aber ab wann wird die Menge der Dinge pathologisch und problematisch für eine einzelne Person?

Spätestens wenn alle oben genannten Aspekte zusammen kommen: Psychologische Probleme, aufoktroyierte, materielle Werte KA PI TA LIS MUS, eine Überforderung, die nur mit dem Ausführen einer Kaufhandlung vorübergehend eliminiert wird, erst dann würde man von einer Sucht sprechen. Dieser multifaktorielle Ansatz braucht demnach interdisziplinäre Forschung: Wer ist davon betroffen? Angesichts der Komorbiditäten, die die Forschung aufruft, können wir hier alle neurodivergenten Menschen schon mal in Reih und Glied aufstellen. Diese Gruppe und auch die der (Kauf-) Süchtigen sprechen auf Psychopharmaka und Verhaltenstherapie an, was für ein Zufall!
Dann haben wir die soziologische Komponente: Wer ist betroffen? Finanziell arme Menschen leiden darunter natürlich mehr, diese werden dann auch häufiger kriminell; wer Kaufkraft besitzt, kann nichtsdestotrotz betroffen sein, würde aber vermutlich nicht so schnell pathologisiert werden.

Die Werte-Diskussion ist klar.

Die politische Komponente: Wenn alles Marketing und alle Online-Kanäle dazu gemacht wurden, uns süchtig zu machen, welche Regulationsmöglichkeiten durch den Gesetzgeber/den Staat sollten greifen?
Ja, und ungefähr hier wird es zu komplex, weshalb man die Finger davon lässt – denn niemand kommt gegen Google/Alphabet und Instagram/Meta an, oder möchte es aktuell. Die aktuelle technische Entwicklung macht es nicht besser, wir haben die Regulation der erste Eskalationsstufe wie die von Social Media und dann der breiten Masse zugänglichen, sog. KI ja bereits verpasst.

Zusammengefasst ist Kaufsucht eine unterschätzte und viel zu wenig untersuchte Form der Problembewältigung. Wer hier noch ein bisschen mehr und niedrigschwelliger lesen möchte, ein Artikel der BPB:
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/28577/zur-entstehung-und-verbreitung-der-kaufsucht-in-deutschland/

Kaufsucht zeigt meines Erachtens wie fein verwoben die Dinge sind und wie strukturelle und systemische Dinge im Kapitalismus und Patriarchat dem Menschen Probleme bereiten. Tauschten wir diese gegen die Spielsucht ein, von der überwiegend Männer betroffen sind, würden wir die gleiche Analyse durchführen und den gleichen Text schreiben. Und gibt es da mehr Hilfe – klar, betrifft eben Männer.

NARS Light Reflecting Advanced Skincare Foundation Deauville

Irgendwann letztes Jahr beschloss ich, mein visuelles Image der unterkühlten Intelektuellen zu festigen und setzte auf schwarze Kleidung sowie blassem Teint mit dunklem Lippenstift.
So eine Uniform ist herrlich im Alltag, sie lässt sehr viele Mikroentscheidungen im Alltag wegfallen.

Mein blasses Gesicht war mir nicht blass genug, es musste ein bisschen Spachtelmasse her, was mich zwang, in den riesigen Fundus der Online-Swatches zu stöbern und mich unter den drölfzig Produkten etwas auszuwählen. Fehlkauf Nummer eins, Fehlkauf Nummer zwei, dann der dritte Versuch: NARS, hochgelobt und aufgrund vernünftiger Beschreibung und Swatches online bestellbar. Die Farbe Deauville hatte ich schon mal, es ist ein neutraler Ton, der wirklich wie mein Gesicht aussieht, mein Hals ist zwar gelb, aber passt schon. Man sieht es nicht, und darauf lege ich ja Wert.

Ja, die Foundation ist sehr gut, wenn man normale bis leicht trockene Haut hat, aber: Ich kann sie nicht ertragen. Sie ist sparsam, sehr natürlich, und verträgt sich mit dem Sonnenschutz darunter. Sie lässt sich am besten mit den Fingern auftragen, so dünn wie möglich. Faltige Haut? Da ist die silikonige Fugenmasse sicherlich nicht schlecht, mit entsprechender Feuchtigkeitspflege drunter. Auf die feinen Linien um meine Augen herum macht sie sich jedenfalls klasse. Pflegewirkung? Hm hm hm. Selbst auf komplett nicht gecremter Haut funktioniert sie bei mir leider nicht…

ICH! ich kann die Textur einfach nicht auf meiner Haut ertragen. Irgendetwas ist drin, was mich sofort wieder zum Waschbecken bewegt, um sie abzuwaschen. Wie ein leichter Sonnenbrand kribbelt sie auf der Haut, die Haut ist am Abend leicht gerötet und unrein. Nope, nein, neeee… ich vertrage sie einfach nicht. Ich mag das Hautgefühl auch nicht.

Ein tolles Produkt, aber eben nicht für meine Haut. Wer eine NARS Alternative haben möchte, um lokal einzukaufen, sollte sich bei Shiseido umsehen, Revitalessence Skin Glow bietet eine tolle Konsistenz und ebenfalls sehr natürliches Finish. Zufällig gehören beide Marken zum selben Konzern.

Ich fand meine Foundation bei Lisa Eldridge, und das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einfach so Foundation trage, und das sogar regelmäßig. Dazu schreibe ich noch ausführlicher, aber erst gehe ich mir dieses NARS Zeugs aus dem Gesicht waschen. Ich wollte mich ja nur vergewissern , dass ich das beste von Bestem bereits besitze – und das tue ich.

Fazit: Gute, allerdings silikonige Foundation in sehr vielen guten Farben und zu einem sehr guten Preis/Leistungsverhältnis; leider vertrage ich sie persönlich nicht.

Creamblush aus Lippenstift

Eigentlich ein total trivialer Trick, den ich nur aufgegriffen habe, um meine unzähligen Lippenstifte aufzubrauchen, wenn es sehr schnell gehen soll.

Dafür braucht mensch einen Lippenstift und einen flüssigen Highlighter. Wer sich da die Foundation gespart hat, aber nicht den Sonnenschutz, hat bereits eine gut gepflegte Haut.
Dann direkt unter dem Auge Richtung Schläfe ein paar Striche des Lippenstifts malen, und einen Tropfen Highlighter auf dem Wangenknochen hinzufügen.
Finger nehmen und schön nach oben und zum Haaransatz verblenden.

Tadaa, fertig. Wer da ein bisschen zu viel erwischt hat, kann mit einem Hauch Concealer korrigieren.

Zack, Geld gespart, zumal Creamblushes nur in ein paar Farben daherkommen.

Ich habe Respekt vor Menschen mit Schönheitseingriffen!

You are not ugly, you are just poor.

Du bist nicht hässlich, (oder alt!), du bist nur arm.

Gerne erkläre ich, warum ich Schönheitsoperationen nicht gut finde, aber auch Frauen bewundere, die sich das antun. OPs und auch “kleinere” Eingriffe sind schmerzhaft und risikobehaftet. Botox, Filler, Peelings – geschweige denn Brustvergrößerungen, wo die Implantate regelmäßig durch eine weitere OP gewechselt werden müssen. Kosten tut das Ganze ein Vermögen, und man kann sterben. Vielleicht nicht dabei, aber dann halt hinterher. Und googelt bitte nicht das Wort Nekrose.

ABER. Wer das macht, hat einen irrsinnigen Willen und auch eine sehr hohe Schmerz- und Leidenstoleranz. Denn diese OPs sind zwar fix gemacht, aber die Heilungszeit und die damit verbundenen Schmerzen und der Aufwand im Alltag – oh mein Gott. Ganz ehrlich, ich würde sofort mein Gesicht hochtackern lassen, aber nachdem ich gesehen habe, wie die Rekonvaleszenz dazu aussieht, war ich raus. Schmerzen mag ich nicht, und selbst wenn man mich dafür bezahlen würde, würde ich es mir nicht überlegen. Ich bin eitel, aber nicht irre.

Stell dir vor: Du lässt Dir regelmäßig die Lippen aufspritzen – das ist ein besonderer Schmerz… dazu hast du dir die Haare verdichten lassen, was auch super schmerzhaft ist.
Weil das Alter nicht im Gesicht halt macht, ist die überschüssige Haut der Winkearme abgeschnitten worden. TACKER BITTE!
Dazu wurden die unteren Rippen für eine schmalere Taille entfernt – gängige brasilianische OP schon vor 20 Jahren. Und natürlich eine 360° Fettabsaugung gemacht. Danach muss man übrigens sehr lange in einem Korsett leben.
Ist das Näschen gerichtet, können wir den Fettzellen am Knie zuleibe rücken. Warum nicht.

Wenn ich mir die Boomer Prominente ansehe, die alles haben machen lassen – das läuft es mir kalt den Rücken runter. Auffälligerweise sind das dazu noch extrem schlanke Menschen, die also wirklich ein gesundheitliches Risiko durch das Untergewicht haben, bei der Narkose abzunippeln. Kleiner Herzstillstand, und aufwiedertschüss.
Ich denke da an Frau Macron und Donatella Versace, jüngst mal wieder unschön aufgefallen auch Demi Moore. Deren Schönheit wird gefeiert – ist jedoch das Ergebnis unzähliger Operationen und einer kontrollierten Magersucht.

Da kann man wirklich dankbar sein, dass einige Celebrities nicht beschönigen, wie scheiße dieser Schönheitswahn ist. Der Designer Marc Jacobs hat seine Gesishtsverjüngung medial begleitet und gezeigt, dass selbst die besten Umstände und Fürsorge nichts daran ändern, dass es ein massiv schmerzhafter Eingriff ist.

Ja, Schönheit und Leid sind seit Jahrtausenden synonym zu verwenden. Mensch sollte meinen, dass die menschliche, intellektuelle und auch wissenschaftliche Entwicklung uns von so einer Dichotomie emanzipiert hätten, aber: Pustekuchen!

Ich respektiere diese Frauen, die alles tun, um ihr Ding durchzuziehen.
Denn sie wissen, dass sie die Welt nicht ändern können, weshalb sie sich um jeden Preis an der (Scheiß-)Welt anpassen, um zu ihrem Ziel zu kommen. Und der wäre? Keine Ahnung. Ein Ziel, das nur mir dient, erachte ich in meiner unglaublichen Arroganz als zu wenig und zu klein.

Aber wie soll man die Welt ändern fragst Du!! Alleine?!!

Ja, dann frage ich mich wie der menschliche Fortschritt geschah und Dinge wie Menschenrechte, Arbeiter*innenrechte und Frauenrechte überhaupt aufkamen. Haben da womöglich Menschen in Gemeinschaften etwas Größeres als sich selbst angestrebt?!

Ja, sorry, ich habe vielleicht Respekt, aber keine Achtung.

Schönheitsideale sind klassistisch und pädophil – Stil ist das alles nicht

Okay, der Reihe nach: Schönheitsideale sind klassistisch, pädophil und dazu kolonialistisch. Das ist mir gerade noch eingefallen, ist eigentlich eine logische Schlußfolgerung aus beidem, wenn man einen Hauch Anthropologie und Kunstgeschichte kritisch betrachtet hat.

Schönheitsideale sind der Status Quo der jeweiligen Zeit und ändern sich beispielsweise mit den technischen Möglichkeiten. Früher? Korsagen: Dünne Taille. Heute? Ästhetische Chirurgie: Instagram Gesicht und Silikonbrüste. Die jeweilige Ästhetik wird von Prominenten, Medien und Werbung immer wieder reproduziert. Selbst gegenteilige Ästhetik dient letztlich dazu, die bestehende zu bestätigen.

Inwiefern sind die pädophil? Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll… die Sexualisierung von Kindern ist so alt wie die Menschheit selbst, und ich habe keinen Hintergrund dazu und will mich mit sowas auch nicht beschäftigen. Aber handfeste Beispiele kann ich geben: Extrem dünne Körper, Haarlosigkeit, große Augen und kleine Nasen. Die Bekleidungsindustrie tut ihr restliches, für meine Tochter kaufe ich nicht mehr in der Mädchenabteilung ein, das ist alles tailliert, ausgeschnitten, “sexy” und qualitativ minderwertig dazu.

Kommen wir zum Klassismus, Diskriminierung aufgrund Herkunft bzw. sozio-ökonomischen Status – gilt aber nur für arme Menschen, nicht für Reiche, falls sich das jnd frägt. Hier dient seit eh und je das Schönheitsideal der hellen Haut, keine Augenringe, keine schmutzige Kleidung und stets manikürte Hände. Also – jemand der nicht körperlich arbeitet, ausreichend schläft und vor allem sowohl die Zeit als auch die finanziellen Mittel hat, sich stets makellos zu präsentieren. Es muss dabei nicht mal besondere Kaufkraft signalisiert werden. Es ist dieses mühelose Perfekte, das den “quiet luxury” Status untermauert. Habe ich das reproduziert? Jein, ich weiß darum und nutze es, um in den bestehenden Verhältnissen weiter zu kommen.
Die Ironie dabei ist, dass in bestimmten Kreisen die Symbolik abhanden kommt – kaputte Hände vom Reiten oder Segeln? Natürlich! Kaputte Schuhe und Löcher in den Pullis? Maßgefertigt und von Opa geerbtes Kaschmir? Natürlich! Aus diesem Gründen ist es schwierig, das was die Amerikaner als “generational wealth” bezeichnen für sozio-ökonomisch aufsteigenden zu reproduzieren. Die geerbte Cartier-Uhr > über die neu angeschaffte. Hier ist das Schönheitsideal also mühelose “Gepflegtheit” und unverkennbare Qualität statt neuwertige, sichtbar teure Dinge.

Zurückkommend auf die helle Haut und generell kaukasische Gesichtszüge: Schmale gerade Nase ohne Hocker, hohe Wangenknochen und eine klare, breite Kieferkante bei Männern, das ist Kolonialismus in Reinkultur. Vermischt mit den obigen Merkmalen, je nach geographischen Gebiet. Wir können uns darauf einigen, dass helle Haut und eine schmale Nase grundsätzliche Merkmale durch die Bank sind und auch außerhalb von Europa als Schönheitsideal gelten. Durch die postkoloniale Industrialisierung und Massenmedien konnten sich diese Ideale etablieren und sind heute stärker denn je. Die fruchtbare, dicke Frau ist schon lange Zeit passé. Natürlich liegen da ein paar tausend Jahre Entwicklung und das lässts ich nicht so stark verkürzen, wie ich es hier tue, subsummierend lässt sich aber sagen: Schönheitsideale haben viele Komponenten, deren Herkunft und Konnotation furchtbar sind und mit denen wir uns nicht assoziieren sollten, besonders als Frau.

Und ich bin sehr sarkastisch aufgeladen wen ich das sage, aber: Stil ist die bewußte Auswahl und bestenfalls neue Interpretation dieser Kriterien. Ich habe schon immer bestimmte Dinge getragen, die ich heute als Unisex/Nicht-Binär identifizieren kann. Schminken ist eine uralte Kulturtechnik, da lebe ich mich künstlerisch aus. Dem Klassismus bin ich natürlich Opfer geworden, was durch meinen Lebenslauf bedingt ist, karikiere diesen immer wieder gerne. Stichwort Kapuzenpulli und Perlenkette, das ich schon vor über zehn Jahren trug – und mittlerweile gängig ist. Dem Kolonialismus entkomme ich rein optisch nicht, da ich mehrere Kriterien des Schönheitsideals erfülle: Helle Haut, hohe Wangenknochen, blabla. Da habe ich es aber geschafft, mich von kultureller Aneignung fernzuhalten, was genuin weiße Menschen in meinem Umfeld mit ihren Rastas bis heute nicht kapiert haben.

Stil kann man also theoretisch kaufen – die interdisziplinäre Beschäftigung mit Ästhetik im Rahmen von Anthropologie, Soziologie und Betriebswirtschaft sollte dabei hilfreich sein. Umso irritierender ist die Ästhetik der Überreichen, die sich hier “reinkaufen” könnten, es auch für wichtig erachten, aber nicht in der Lage sind, dies zu tun.
Damit sind die Superreichen, die sich derzeit in den Fashion-Netzwerken einkaufen können um als cool kids zu gelten, das paradoxe Beispiel und die Bestätigung dafür, dass Stil eine inhärente Eigenschaft zu sein scheint.

Meiner Meinung nach kann man Stil aber lehren und somit auch lernen. Ja, das ist wieder Werbung für mich. CioaKaKaO!