Level Up – Weiterentwicklung ist ein Prozess nach vorne

Die Überschrift klingt eigentlich total einleuchtend, oder?
Der Mensch trifft aufgrund vergangener Erfahrungen Entscheidungen für die Zukunft. Rückschlüsse für Beschlüsse.

Schön wär’s!

Ich nehme mich da nicht aus, und fairerweise sollte ich dann auch hier von mir erzählen, als exemplarisches Beispiel. Mein altes Ich war immer “irgendwie”, wenn ich ehrlich bin. Ja, man hat mir Intellekt und Stil zugesprochen, aber ich wusste gar nicht, wer ich bin, weil ich durchs Leben raste, und das ist ganz normal. Sämtliche tiefer gehende Einschnitte im Leben trug ich auch nach außen, stilistisch insbesondere, und nur mein guter Geschmack (wenn auch unsicherer Geschmack) rettete mich davor, wie eine teure Version einer Altkleider-Sammlung herumzulaufen, sprich zusammengewürfelt und unpassend. Weiterlesen…

FLORAïKU Enigmatic Flowers Kollektion I see the clouds go by

Es ist passiert-ich habe etwas aus Versehen gekauft, per Apple Pay. Und ich war zu faul, es zu stornieren oder vielleicht war der Betrag zu gering LOL – so kam ich zu einer Kiste mit Floraïku-Samples und werde die Düfte nun vorstellen.

Floraïku gehört zu Memo Paris, und ich würde sie fast der cultural appropriation beschuldigen, aber who am I to judge. Das Konzept sieht Düfte als Gedichte vor, die Flakons sind japanisch angehaucht, Ikebana, das übliche.
Die Parfümeurin ist Alienor Massenet. Sie mag Rhabarber in Parfüms. Das ist kein Scherz, das hat sie neulich selbst auf Instagram gepostet. Und sie mag es, Freude in Duft umzuwandeln!

Der Duft zaubert mir zumindest instantan ein Lächeln auf den Lippen. Die Erinnerung an Un Jardin Sur Le Nil ist sofort da, aber trügt. Je nach Tagesform meiner Nase wechselt der Duft zwischen Reiniger und Maiglöckchen, wird aber dann raffinierter und weniger “spritzig”. Es soll ein Soliflore sein, und zwar schwarze Johannisbeere, meine momentane Obsession.

Nun, die Duftnoten und die Beschreibung auf deren Website haben nichts mit meiner Probe zu tun, es sei denn, sie ist falsch beschriftet. Moschus und Kirschblüte, Zedernholz?! Wo?! Bergamotte und Petit Grain kann ich definitiv detektieren, insbesondere die Bergamotte, die ja so schnell ins künstliche Kloreiniger-Aroma kippen kann.

Die Haltbarkeit ist “as the cluds go by” und trotzdem bleibt ein Hauch des Duftes auf der Haut stehen, mehr ein Eindruck als ein Parfüm. Zwischendurch scheint die Sonne, zaghaft, freundlich, lächelnd, und die Zitrus-Note wird weich und macht etwas Platz, was ich beim besten Willen nicht mit Johannisbeere in Verbindung bringen würde. Vielleicht unreife Früchte? Grüne Rhabarberstengel? Ja, das würde ich eher konnotieren. Davana soll drin sein, Artemisia Pallens, ein Korbblütler und Verwandter von Wermut und Estragon. Ungefähr da bin ich raus, nicht ob des Estragons, sondern Botanik, habe ich leider keinen Plan von. Wenn man es essen kann kenne ich es manchmal, ansonsten: Pflanze, Baum.

Tatsächlich ist das eine leichtfüßige, fröhliche und transparente Interpretation von Jardin Sur le Nil, wesentlich ausgereifter und schöner – die Kollektion heißt nicht umsonst “misteriöse Blumen”. Der Duft braucht und entwickelt sich, er gefällt mir zwar auf Anhieb, dennoch muss er entdeckt werden.

Den Preis für 255 Euro halte ich allerdings für latent übertrieben. Überhaupt schwanke ich zwischen “großartig!” und dem Gedanken, dass ich einen Lufterfrischer draufgeballert habe.

Insgesamt ist das Konzept schlüssig: Leichtigkeit, Transparenz und künstlerische Wirkung, trotzdem haut es mich einfach nicht um. Wer allerdings einen hochwertigen Ersatz für den Hermès Duft sucht, weil den einfach alle haben, könnte sich hier mal umtun.

AVÈNE Sonnenschutz für das Gesicht LSF 50 Dry touch

Mittlerweile bin ich durch mein Interesse an Hautpflege in die Skincare Community eingestiegen und lese fleißig und nun ja, häufig wundere ich mich auch nur.

Dass Sonnenschutz allerdings dank Klimakrise unabdingbar ist, sollte bei jede*r angekommen sein. Zumindest bei den Kindern bin ich sehr streng, hole aber auch langsam auf und sehe zu, im Alltag ebenfalls eine passable Menge Sonnenschutz zu verwenden.

Meine Apotheke ums Eck hatte nicht viel zu bieten, also nahm ich das Ding hier mit, was mich zumindest “nur” 10 Euro kostete. Sauteuer, denn darin sind nur 30ml enthalten, die also von Wand bis zur Tapete reichen (bei konsequenter Verwendung der Auftragsmenge).

Ausgelobt für sensible Haut, stinkt das Zeug derbe nach Parfüm. Das machte mich misstrauisch, aber da die Sonne schien, cremte ich mich und meine Tochter dick ein, weiße Schlieren inklusive, und konnte am Abend trotz viel Mittagssonne zufrieden feststellen, dass wir beide keinen Sonnenbrand bekommen hatten.

Es gibt allerdings einen wirklichen Pluspunkt: Dieses Produkt zieht ein und ist nicht schmierig, also für öligere Haut gut geeignet. Wertvolle Quellen sagten dem Produkt allerdings absolute Untauglichkeit in Zusammenhang mit Make-up aus, – Foundation dürfte drauf ziemlicher Reinfalls sein, cremiges Blush und Highlighter hingegen waren okay.

Die Plastikflasche ist ein Witz-wozu?? Eine Tube mit Spitze wäre wesentlich weniger Plastik gewesen. Man kann es auch gut mitnehmen, aber eben nur, weil so gut wie nix drin ist. Überhaupt war mir nicht klar, ob es sich dabei um eine Lotion oder um einen festen Stick handelt. Überraschung!

Die Textur ist also etwas für Sportler*innenMenschen, die im Gesicht stark schwitzen würden und für “matt, matter, am mattesten” Freaks. Pflegt nicht, trocknet sogar ein wenig aus. Immerhin gute, wenn auch eher anekdotische Verträglichkeit, meine Tochter hat Neurodermitis und ich habe Akne und beide hatten wir keine Probleme damit.

Fazit: Ja für bestimmte Bedürfnisse. Nein zu Verpackung und Preis.

Generational Gap – Digitalisierung und Mental Load

Nach einem längeren Gespräch mit einer Kundin kamen wir gemeinsam auf das Thema Nr. 1 für Frauen und insbesondere Mütter zu sprechen: Mental Load.

Davor hatten wir noch die Generation unserer Mütter am Wickel, die gar nicht verstehen können, warum wir so gestresst sind mit den ganzen Dingen, die heute viel bequemer geworden sind. Stimmt, die Waschmaschine muss nicht mehr von Hand das Wasser ausgewechselt bekommen und der Geschirrspüler ist auch eine geniale Frauenerfindung, aber: Wir haben einen ganz anderen Alltag, gerade durch die immensen technischen Fortschritte, jedoch dadurch wesentlich mehr Mental Load. Und was soll ich sagen, ich rede über Großmütter, die 60 und aufwärts sind, also noch relativ jung; die Generation der Boomer hat die Digitalisierung mitbekommen und sich mühsam damit zurecht gefunden, das will ich nicht leugnen. Doch das sind auch die, die diesen Teil häufig in geringerer Auslastung im Alltag erleben. Und eh schon im Rente ist.

Unsereiner bekommt mehr Informationen, muss mehr entscheiden, muss mehr Wissen ansammeln um dann erst entscheiden zu können. Wenige Menschen haben das Privileg zu sagen, ich löse dieses Problem in dem ich Geld drauf schmeiße. Wer hat nicht stundenlang Angebote fürs Handy verglichen? Wer führt den Terminkalender für mehrere Personen?
Es wird auch durch viele digitalisierte Dienste der Mental Load auf die Kund*innen übertragen. Deswegen sind viele Branchen hinterher, solche Prozesse einzuführen, weil sie Personal an der Dienstleistungsfront sparen. Leider sparen sie die schon im technischen Bereich, im Backend und in der Entwicklung, weshalb viele miese Dinge auf dem Markt sind, wo man dann doch genervt den Customer Service anrufen muss, um “mit einem Menschen zu sprechen”.

Mein digital durchgeführtes Styling wird mehr Arbeit für meine Kundin bedeuten. Das ist eigentlich nicht fair, denn sie kauft eine Dienstleistung ein, die ihr Sachen abnimmt, und zwar am besten sofort. ICH miste aus, ICH stecke ab, ICH sortiere – das muss sie nun selbst machen, statt aus dem Sessel mit einem Drink in der Hand mich bei der Arbeit zu entertainen.
Dafür habe ich natürlich einen Ausgleich für sie.

Hat das auch meine Bank? Mein Mobilfunkanbieter? Meine Krankenkasse? Letztere koppelt beide Dienstleistungen sehr gut, da kann ich mich nicht beschweren, in der Regel wird jedoch die Arbeit weg delegiert und der Mental Load, der ja unsichtbar ist, wächst. Bei Männern wie bei Frauen, nur dass Frauen seit jeher der Mental Load auch im Job, und nicht nur Zuhause in die Schuhe geschoben wird. Ja, es ist der härtere Job, Sekretärin zu sein, aber das wird weder bezahlt noch gewertschätzt.

Und woher kommt das eigentlich? Wieso sind keine Dinge erfunden worden, die Mental Load minimieren? Immerhin hat uns die industrielle Revolution Maschinen gebracht, die physische Arbeit abnehmen. Die digitale Revolution hingegen, die stattfindet, hat uns rein gar nicht eingebracht bislang, und ich meine, es ist zu offensichtlich warum. Höher, schneller, weiter – Mehr RAM, weniger Benutzungsfreundlichkeit. Vollpfosten wie Elon Musk beherrschen die Szene, während Timnit Gebru überhaupt erst intersektionales Denken zu den Technolog*innen bringen muss.

Wo sind die Dinge, die Mental Load minimieren? Wo sind Lösungen, die die angeblich allmächtige KI uns bringt? Es gibt sie, aber inwiefern haben sie außerhalb spezieller Felder einen Eingang in den Alltag gefunden, der uns HILFT? Wo sind die smarten Lösungen, die Mental Load antizipieren? Und wo sind die Menschen, und es müssen keine Frauen sein, die solche Konzepte überhaupt erdenken?

AQUA OCCULTA DMS Creme und Elixir – für sensible Haut

EDIT: Es wird ein neues Produkt geben, ich hoffe ja auch auf Retinol, der Wunderwaffe gegen alles, wo ich mich derzeit nicht heran traue. VERTRAUEN – das ist das Thema: Ich traue es diesen Firmengründern zu, ein Produkt zu schaffen, was ich mich traue, zu benutzen.

Ich habe meinen Test mit dem auf Instagram-gehypten Produkt, der Aqua Occulta DMS Creme, weiter geführt, weil das Produkt zwar nicht sexy, aber irgendwie… gut ist. Hatte nämlich eine Runde neue Produkte ins Gesicht geschmiert und den einen oder anderen Misserfolg verbucht. Dazu kam der Heuschnupfen, sehr viel Stress, und mein Gesicht explodierte, als ob es kein Morgen gäbe. Rettung stand ungeliebt im Bad: Die Aqua Occulta DMS Creme.
Es kommt jetzt eine persönliche Lobpreisung und >>Werbung<<.

Da der Zusammenhang zwischen Allergie-Stress-empfindliche Haut (regelrechte Dünnhäutigkeit) bekannt ist, blieb ich bei der Creme und benutzte sie auch tagsüber. Widerwillig, gebe ich zu, der Monk in mir greift immer zu den gleichen Sachen, es sei denn, ich habe einen vierteljährlich auftretenden Anfall von Probiereritis, die schon mal beim Arzt geendet ist. Aber sie stand im Bad, okay, was soll’s, fühlte sich zumindest gut an.

Und weil nix mehr ging, bis auf diese Creme, blieb ich dabei (seit zwei Monate jetzt) und oh Wunder, meine Haut beruhigte sich und ich habe seitdem nichts mehr getestet. Währenddessen…


Währenddessen brachte die kleine Firma noch ein Squalan mit Linolsäure raus, eine Fettsäure, die man in Leinöl findet. Leinöl schmeckt bekanntlich scheiße, aber wirkt innerlich Wunder. Äußerlich auch: Ich erinnerte mich, dass sich eine Naturkosmetikherstellerin darüber beklagte, wie gut Leinöl bei Neurodermitis wäre, aber wie unstabil es sei. Das Gespräch ist fast 20 Jahre her, und hallo, times are changing. Weiterlesen…