#RegrettingMotherhood und andere schockierende Dinge

Letztes Jahr bin ich vierzig Jahre alt geworden. Meine Kinder sind zwei und sechs.
Alles ist toll. Ein toller Partner, der einem der Rücken frei hält; ein sicherer und gut bezahlter Job, der mit den deutschen Kita-Zeiten vereinbar ist; gute Freunde und ein verlässliches soziales Netz.

Und dann war ich auch noch da.

Das war nicht vorgesehen – ich bin auch noch da. Ich. Ich wollte Dinge. Ich wollte jemand sein, keine Mutti, ich wollte Karriere, nicht um halb vier das Büro gehetzt verlassen, ich wollte schön sein, ohne dass es gehässig von anderen Frauen kommentiert wird, ich wollte ein eigenes Leben haben ohne schlechtes Gewissen – und ich habe es nicht geschafft. Das schlechte Gewissen war immer da; unzufrieden und unterfordert und erschöpft, wer kennt es nicht, welcher Elternteil, der sich zwischen Betreuung und Job aufreibt. Die Kinder, wunderbar wohlgeraten und anstrengend wie Kinder sind, wenn sie merken dass sie die Möglichkeit haben statt den kleinen Finger den gesamten Oberkörper zu bekommen, nahmen und nehmen und sind, allerdings nicht in dem Dorf, den es braucht um sie zu erziehen, sondern in der Enge einer Partnerschaft mit den Erziehern der Kita als Zwischenraum. Zu wenig, wenn man mich fragt.

Und so musste ich feststellen, dass dieser Lebensentwurf nicht das ist, was ich mir erfühlt habe. Fühlen ist richtig, denn hätte ich eine Vorschau bekommen auf alle diese Dinge, die den Alltag bedeuten, hätte ich mich sofort sterilisieren lassen. Und ich liebe Kinder, und sie lieben mich. EDIT: In Begegnungen, in der Verantwortung, die ich gerne trage, aber ich mag keine Mutter sein. Die Kinder sind richtig, ich bin es nicht und ich stehe dazu. Kinder sind übrigens nicht dazu da, einen glücklich zu machen. Und dass ich nicht glücklich mit ihnen oder durch sie bin, ist der eigentliche Vorwurf der Gesellschaft. /EDIT

Aber das drumherum? Wie soll das gehen?
Es geht, sagen mir Frauen (gehobenes Einkommen, Au-Pair, SUV und Oma und Sekretärin scheuchend). Es geht, sagen mir Frauen, die langsam und mühsam die Karriereleiter hochklettern bis zur gläsernen Decke, nur nicht alles auf einmal.

Es geht nicht, sagt mir das System, und ich glaube es ist wahr. Es geht für einzelne Personen, die ausreichend Abstand zu den Kindern haben, aber mütterliche Gefühle und nicht-mütterliche, Macht, Ehrgeiz und Mutterschaft vertragen sich im hiesigen kulturellem Konstrukt nicht. Such Dir ein Mann, der Dir den Rücken frei hält, ist der einzige gute Ratschlag, den ich jeder Frau geben kann.

Ja, ich bereue Mutterschaft! Ich hasse es, in diesem Leben und diesem Land Mutter zu sein.

Da ich mittlerweile weiß, dass ich leichtsinnigerweise etwas ausspreche was andere wütend und erschöpft in sich tragen, gibt es nicht mehr viel zu sagen.

Es war ruhig hier, weil die Fregatte, die ich bin, ganz schön Kurskorrektur fahren musste und muss. Kommt mit auf die Reise.

Das andere schockierende ist, dass ich gerade dabei bin, meine Ehe zu beerdigen. Rest in peace, wir haben alles getan, und vielleicht war es zu viel: Kaputt funktioniert.

EDIT 2: Wie lustig, was Amazon bei der Suche nach #RegrettingMotherhood so empfiehlt – ich nehme “meinen eigenen Raum”, ist klar.

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16 Gedanken zu „#RegrettingMotherhood und andere schockierende Dinge

  1. Schön wieder von dir zu lesen.
    Schade dass du so negativ-blödes gerade erleben musst.
    Ich wünsche dir viel Kraft – und viel du-selbst-werden-können!

    1. Liebe Janina, das zieht sich schon länger, es fühlt sich nicht so richtig dolle toll an aber auch wenig schlimm, es muss gelöst und gehandelt werden. Es ist ein Weg, der Weg ist das Ziel bla bla… Manchmal wundert mich wieso ich nicht einfach umkippe, aber dann denke ich das soll so sein, ist doch klar. Auf der Meta-Ebene ist das ein spannende Weg.

  2. Hallo,
    mhm das klingt schon alles sehr traurig, aber so fühlst du eben.

    Muttersein ist wirklich nicht leicht. Arbeit, Kind und Partnerschaft sollen nicht auf der Strecke bleiben. Ich glaube Frauen haben es einfach schwieriger. Klingt für den Mann meistens nichts so, aber ich finde schon.
    Ich hatte 2017 mein Kriesenjahr, aber ganz ehrlich soll ich meine langjährige Partnerschaft wegen einem Haushaltsthema hinschmeißen? Nein. Mein Mann kam mir entgegen und auch ich habe mich wieder gefangen (seelisch)

    Ganz ehrlich – mir war nach der Karenz mein Job wichtiger (ich wollte es jedem recht machen) inzwischen läuft mein Job eher hinten nach und mein Kind ist mir wichtiger. Ich versuche natürlich auch mit dem Mann klar zu kommen (hust), aber der Job ne – inzwischen ist mir der so egal. Karriere konnte ich ohne Studium so und so nicht machen, und ein Bürojob dem Kind vorzuziehen? Spinn ich denn? Klar brauche ich auch eine Tätigkeit, daheim würde mir die Decke auf den Kopf fallen, aber es ist mir nicht mehr wichtig. Irgendwie geht es immer weiter. Nur mein Kind wird mich dann nicht mehr so stark brauchen (geschieht jetzt schon und sie ist erst 6).

    Ich wünsche dir/euch alles Gute und du wirst deinen Weg auch gehen! Danke für deine Gedanken.

    1. Hey B. – und das ist eben das Gute an Deiner Entscheidung: Sie ist durch und durch vernünftig und tut Dir gut. Der Partner muss mitgehen, klar, da kann ich micht nicht beklagen, trotzdem ist die Partnerschaft an vielem Alltagsscheiß gescheitert. Trotzdem, die Wahlfreiheit? Die habe ich mir selbst vermutlich nicht gegeben, oder geben können, oder dachte das etwas “So” doer “So” sein soll. Mutter werden ist einfach mal ein clash, den ich nicht verkraftet habe, zumal ohne weibliche Vorbilder in einer Kleinstadt. Die deutsche Helikopterelternschaft schürrt Erwartungen an alle! Die Mutter die ihrer 12 jährigen Tochter die Zähne putzt, während ds Kind auf dem Handy spielt. Ich habe das von einem Freund gehört, da fällt einem nichts ein. Und man mag das so halten, oder das nicht wollen, aber es muss selbst gewählt sein. Vlt schien es mir zu dem Zeitpunkt richitg, jetzt ist es das jedenfalls nicht, schon lange nicht. Ich bin damit nur gefühlt alleine auf weiter Flur, weil es scheinbar ein fürchterliches Tabuthema ist.

      1. Hallo,

        Heli-Mama bin ich auch keine, meine Tochter kann sich jetzt schon viel selber beschäftigen. Nur ich mache es der Gesellschaft nicht mehr recht sondern mir! Weißt du wie ich meine? Mir ist es egal, wenn ich keine Karriere hinlege sondern so weiterarbeite, dass es mir/uns dabei gut geht. Mit 2 Kindern ist es auch nicht leicht. Ich habe mich bewusst nur für eins entschieden. Und habe es den Leuten an den Kopf geschmissen (ja ich bin da sehr ehrlich), warum wir uns so entschieden haben. Auch ich habe im Bekanntenkreis Fälle mitbekommen – da stellt es mir die Haare auf. 2. Kind bekommen, obwohl es beim 1. Depressionen und keine Hilfe gab und dann bekommt man noch eins und das Spiel fängt von vorne an. Da frage ich mich zb , ob es da im Oberstübchen noch ganz richtig läuft -aber ist das mein Leben? Nein. Und ja es gehen viele Partnerschaften beim 1. Kind in die Brüche, da kann man wirklich froh sein, wenn man einen halbwegs ordentlichen Partner erwischt hat der trotz Diskussionen oder auch kleinen Streits an seiner Seite ist. Ich kenne auch einen Fall, wo die Mutter beim Partner bleibt, weil er die Wohnung finanziert. Ahhh was ist das für ein Argument? Die 2 müsstest du mal erleben – sehr schlimm. Dann lieber trennen. Du wirst es auch schaffen, du bist so eine taffe Frau (hier im Blog zumindest) und nichts reinfressen sondern reden – was ich meinem Mann alles an den Kopf geschmissen habe. Keine Schimpfwörter, aber jedes mal wenn mir etwas gestunken hat (meistens Haushalt).

        Alles Liebe und Gute!

  3. liebe andreea, gerade dir wünschte ich sehr, alles mit freude und zufriedenheit leisten und aushalten zu können. wenn du jetzt mit eurem konzept keine luft mehr zum atmen bekommst und nicht mehr du selbst sein kannst, tut mir das sehr leid und ich hoffe, du findet einen dreh, wie es für euch alle in zukunft annehmbar sein könnte.

  4. Ich hatte den Mann, der mir den Rücken freihält, einen super Job und eine mittlerweile 5 jährige Tochter. Ich habe es auch nicht geschafft……dabei war alles geregelt….mit Oma, Partner, Kita, Haus, Geld, sogar ab und an ein wenig Freiraum für mich etc.
    Und trotzdem war da dieses Gefühl……wo es mir doch eigentlich so gut ging. Schlechtes Gewissen deswegen ohne Ende und kein gutes Verhältnis zu meiner Kleinen, ständig ambivalente Gedanken und Gefühle, obwohl ich sie sehr liebe.
    Das bisherige Ende der Geschichte….vor ein paar Monaten Trennung von meinem (tollen) Partner, sehr viel Schmerz und Leid für ALLE Beteiligten, aber auch: ich fühle mich wieder, auch wenn es momentan noch mehr weh tut als alles andere und ein besseres Verhältnis zur Kleinen. Wir leben das Wechselmodell, so dass ich Tage nur für mich habe, was für ein Geschenk für mich. Klingt egoistisch, aber ich stehe dazu.
    Rückblickend betrachtet war es bei mir aber nicht nur das Thema Kind, sondern auch das Thema Liebe! Momentan verstehen wir uns wieder besser, es geht aufwärts.
    Du bist nicht alleine !!

    Fühl Dich gedrückt,
    Lilly

  5. Puh …
    Ich verstehe dich. Habe erst wieder Luft bekommen als unser Sohn so 10 Jahre alt war. Mittlerweile ist er 14 und mein Freiheitsdrang reibt sich an seinem Pubertätsfreiheitsdrang und der teilweise nötigen kurzen Leine. Aber es geht.
    Eigenes Zimmer hab ich schon zwei Jahre und eine Putzfrau schon seit vielen Jahren. Irgendwie haben wir es hingekriegt aber es gab schon auch Momente wo die Liebe fast komplett verschüttet war unter Alltagsgeröll. Und es fühlt sich wirklich an als wäre sie komplett weg.
    Habe aus all den in deinem Post genannten Gründen bewusst nur ein Kind, obwohl der Druck von außen groß war. Sogar meine Eltern wollten erst ein Treppengitter anbringen “wenn es sich lohnt”. Fällt der “erste” Enkel halt runter. Und dieses “und bald kommt das Schwesterchen”-Gerede hat mich jedes mal ganz wild gemacht.
    Ich wünsche dir Kraft (aber da bist du ja physisch dran und mental hilft Training ja auch).

    1. Ich danke Dir. Ich weiß dass ich damit nicht alleine bin aber es ist immer wieder erstaunlich was alles tabuisiert wird. Kraft brauche ich allerdings en masse, ich arbeite mit mir aber es ist schon ein Kraftakt – der gerade erst begonnen hat.

    2. Ergänzung: Das zweite Kind war mein Wunsc und die beste Entscheidung ever. macht es jetzt nicht einfacher, aber die Kinder sind richtig, der Mann ist toll, aber nun ja – ich muss weiter und anders. Ehrlich und unschön, aber Liebe und Verantwortung bleiben.

  6. Ich habe das erst jetzt gelesen, hatte einen extrem strengen Sommer und war deshalb leider länger nicht auf dem Blog.
    Ich kann dich gut verstehen, finde die Mutterrolle in der aktuellen Zeit wahnsinnig schwierig und sehe immer wieder, wie die Frauen leiden, sich verlieren und unter dem Druck von allen Seiten (leider auch von sich selbst) dabei sind, zu Grunde zu gehen. Ich habe mich gegen Kinder entschieden und bin sehr froh darüber. Ich könnte es nicht mit meinem Job vereinbaren bzw. nicht, ohne grosse Kompromisse einzugehen, zu denen ich – ganz ehrlich und egoistisch – nicht bereit bin. Und obwohl auch ich einen Partner habe, der meinen Wunsch nach Karriere versteht und unterstützt, ist das alles nicht einfach für die Partnerschaft. Wie haben sehr gekämpft (fast 2 Jahre), kämpfen oft immer noch und ich weiss bis heute nicht sicher, ob die Beziehung überlebt. Wenn man nicht den Erwartungen der Gesellschaft entspricht, braucht es immer mehr Energie, Durchhaltewillen, Selbstbewusstsein und Stärke. Deshalb wünsche ich dir ganz, ganz viel Kraft und Energie und kann dir nur sagen: du machst das richtig. Stehe für dich und deine Bedürfnisse ein, egal was die Gesellschaft sagt oder sogar du selbst manchmal denken magst. Dein Gefühl sagt dir schon das richtige!

    1. Ich würde mich mittlerweile auch dagegen entscheiden und wenn ich die Mütter um mich herum sehe, die sind alle völlig fertig, haben keine Karriere und sind vom Kerl abhängig – Supersache das.

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