Capsule Wardrobe – Nachhaltigkeit aus meiner Praxis

Ich lese derzeit überall von Capsule Wardrobe und Minimalismus. Reduktion auf das Wesentliche, Stil, bla bla bla.
Der Trend wurde ausgerufen um – eben – einen neuen Trend auszurufen. Denn selbst so ein kleine, feine Garderobe benötigt Ergänzung. Zumal sich viele nach einer Weile an den gleichen fünf Pullovern satt sehen und dann doch shoppen gehen.

Ich habe das bereits schon länger in der Praxis angewendet und sage: Ja, es ist nachhaltig und es hat etwas mit Stil zu tun. Man muss sich aber vorab ehrlich fragen, ob man der Typ dafür ist. Ist man ein Impulskäufer? Vergiß es. Liebt man die InStyle und kleidet sich gerne modisch? Vergiß es. Ist man bereit, ein sehr teures Kleidungsstück zu kaufen und danach nichts mehr? Eben.

Ich habe es mal ausprobiert. Aus Faulheit… und weil ich ein Luxus-Öko bin.

Das bedeutet nämlich, dass ich mehrere Monate lang immer das gleiche an hatte! (Ich öde mich langsam selbst an.)
Trotzdem, es ist extrem einfach immer ordentlich angezogen zu sein, und die Accessoires bringen Variation rein. Ob es der Lippenstift ist oder ein Seidentuch, Schmuck oder Schals sind – da kann man variieren.

Ich habe hier alle meine Pullover, die ich im Winter trug. Davon trug ich die Sachen in Ecru eher selten, warum auch immer. Alles Kaschmir, das meiste Fair Trade, alles waschbar übrigens, hochwertig und langlebig. Dazu trage ich immer Jeans, und ich besitze ein(sic!) paar Winterstiefel. That’s it! Grundfarben halt.

Nachhaltigkeit? Klar! Kleidung, die fair gefertigt wurde, die laneg hält – hat nicht nur einen geringeren ökologischen Fußabdruck als tausend Teile von Topshop, sondern ist auch günstiger.
Rechenbeispiel: 4 sehr gute, Fairtrade-Kaschmirpullover kosten tausend Euro. Diese halten, meiner Erfahrung nach, bei guter Pflege zehn Jahre oder mehr. Das sind hundert Euro im Jahr, 25 pro Oberteil. Klassische Schnitte und klassische Farben gehen immer, und man sieht immer präsentabel aus.
Den Tausender habe ich selbstverständlich nicht auf einmal ausgegeben. Einiges ist aus dem Sale, und alles nach und nach zusammen gekauft.

Das kann auch im Sommer funktionieren – die guten weißen Blusen, die guten Kleider, das perfekte paar Schuhe.

Der Vorteil ist nicht nur eine eklatante Zeitersparnis, weniger Wäsche, mehr Geld, mehr (gekauftes) Besser-Menschentum, sondern auch mehr Spaß. Denn auf einmal machen Dinge, die man dazu kauft, irrsinnig mehr Spaß! Man shoppt nicht, man schafft etwas schönes für sich an, etwas hochwertiges, was einem auch im Alltag Freude bringt.
Das ist meine bescheidene Erfahrung damit. Und wenn ich ganz ehrlich bin: Eine herausragende Rechtfertigung, teure Dinge zu kaufen!

Und weil ich gerade so im Öko-Rausch bin, gibt es noch einen Beitrag für Nachhaltigkeit im Haushalt.
Nicht weil ich gerne saubermache, sondern – weil das Zeug wirklich wirklich fabelhaft putzt!

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8 Gedanken zu „Capsule Wardrobe – Nachhaltigkeit aus meiner Praxis

  1. Wie nachhaltig ist es denn, wenn man zwar weniger Klamotten besitzt, dafür aber zwei Dutzend Schals und Tücher, diversen Schmuck (billig oder echt, Plastik oder aus kontroverser Förderung) hat? Das hinterlässt auch einen ökologischen Fußabdruck. Wie sieht Deine Meinung zu den Accessoires aus?

    1. Life is cheap, it’s the accessoires that kill you. Hier wird es natürlich richtig kriminell-wer sein Pulli mit 20 Tüchern made in Bangladesh aufwertet, hat natürlich nicht viel getan. Schmuck ist sehr heikel – bei Modeschmuck gibt es auch reichlich schwarze Schafe und Echtschmuck ist eigentlich indiskutabel. Ich glaube den ganzen Zertifizierungen der Diamantindustrie kein Wort. Man kann einiges recyceln und aufarbeiten lassen, aber sind wir ehrlich – sehr wahrscheinlich dass Blut dran klebt. Das tut es aber an jedem paar schicker Turnschuhe von Adidas oder Nike. Die Frage ist wie man vernünftig damit umgeht, in Rahmen seiner Möglichkeiten und Wünsche. Ich liebe Schmuck und an meinen Fingern ist das, was ich an Turnschuh nicht trage. Alles was repariert werden kann – das ist doch ein Anfang. Seidentücher aus französischer Manufaktur, Notizheft Made in Germany, und so weiter.
      Da du den gesamten !! CO2 Fußabdruck selbst genannt hast: Das ist genau der Punkt. Alle diese Öko Gutmenschen, die jährlich neue Hardware anschaffen. Fliegen. Autofahren. Ihre Büros auf 30 Gead aufheizen. Es gibt den kleinen Kontext und den großen – beim kleinen kann man so so viel tun!
      Übrigens – wenn man Make-up zu Accessoires zählt, ist das gut oder schlecht? Teuer oder billig – made in EU etc ist besser als made in China. Die Verpackungen lassen sich recyceln wenn man sie auseinander nimmt. Die chemische Arbeit dahinter… Hm. Kann ich nicht bewerten. Das sind auch Dinge, die im kleinen Kontext mehr oder weniger CO2 machen können.
      Egal wie wenig – man muss es tun. Wir.

      1. Danke für Deine ehrliche Antwort. Leider gibt es soviel zu bedenken, dass man nicht immer klar differenzieren kann, was noch verträglich ist und was schon wieder zu viel ist.
        Wichtig ist wohl einfach, dass das Bewusstsein immer dabei ist und man sich wirklich überlegt, was sein muss und was zu viel ist, wofür andere Menschen leiden müssen und was verträglich ist, was nur gut aussieht und was wirklich gut ist…

  2. Deine Erfahrung in puncto wertvollere Pullover etc. teile ich. Das gleiche gilt bzgl. Schuhe, Tücher usw. Es mach Freude, sie zu pflegen, und sie sehen in der nächsten Saison immer noch top aus. Meine teuersten Strickjacken usw. Habe ich tw. 9 Jahre. Und so gerechnet rechnet sich der recht hohe Anschaffungspreis mal abgesehen davon, dass Frau immer ! Gut und passend angezogen ist.
    Gut kaufen ist teuer, schlecht sauteuer. Geiz ist eben nicht geil.
    Und es tut der eigenen seele gut, sich zu wertschätzen. Dann kann Frau das auch von anderen ganz selbstverständlich erwarten….. Sollte Frau mal drüber nachdenken.

    1. Einen winzigen Punkt gibt es da-man nimmt evtl zu und es passt nicht mehr 😉 also Oberteile gehen aber eine teure Hose würde ich nicht mehr kaufen LOL denn ich nehme leider immer da zu… Es amortisierte sich bislang aber immer und es war auch ein Ansporn nach der Schwangerschaft wieder die Sachen tragen zu können.

  3. Ich muss jetzt mal meinen Kleiderschrank ausmisten. Immerhin machen wir es im Freundinnenkreis so: wenn eine aussortiert, zeigt sie das Zeug den anderen. So bin ich schon einiges losgeworden und habe vieles bekommen, die Sachen bleiben im Umlauf und ich kaufe nicht so viel Neues dazu.

    Musste grad an meine Arbeitskollegin denken, die sich mit der Lederbearbeitung auseinandersetzt. Könnte Dich auch interessieren: http://www.schuhkonsultation.com/
    Sie konsultiert über ökologisch “korrekte” Schuhe und den Produktionskreislauf. Ich finde es sehr interessant zu sehen, was in einem normalen Paar Schuhe eigentlich drinsteckt. Schuhe gehen in nachhaltigen Überlegungen leider oft vergessen.
    Elissar kürzlich veröffentlicht..… Lesen/Reading: “Breaking News” von Frank SchätzingMy Profile

    1. Oh, solche Freundinnen hätte ich gerne-aber ich war immer gearscht weil zu klein, zu dünn und mit einem erheblich konservativeren Geschmack ausgestattet. Das Problem der Schuhe ist mein aktuellestes Thema -ich suche Schuhe, die wenisgtens ein wenig vertretbar sind, und scheitere regelmäßig an Paßformen. Derzeit trage ich alles von einer spansichen Manufaktur namens Quarvif, das sich auch alles reparieren lässt, aber pflanzlich gegerbt wäre schon schöner. Think passt nicht, Kavat passte nicht, es gibt ein Angebot. Danke für den Link!

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