Das erste Mal: Urlaub mit Kind

Ich werde etwas weiter ausholen…

Ich sitze also am Tisch in diesem durchaus ordentlichen, na, superguten Familienhotel! Lätzchen, Kinderstuhl, überall Kinder, und heute ist Teddy ein wenig angeschlagen und besteht darauf, seinen heiligen Hasen und den Schnuller mitzunehmen, die sonst als Einschlafhilfe dienen. Nach dem Essen geht es ein paar Schritte weiter ins Lümmelland, eine Indoor-Spielanlage mit allen Schikanen. Beim Geschirrabräumen schnacke ich kurz mit der Bedienung über die Unmengen, die der Junior vertilgt hat (recht manierlich, kaum etwas auf den Fußboden) und hole mir einen Weißwein statt meinem alkoholfreien Bier. Ich entspanne mich, exakt eine Woche nach Ankunft in diesem Ferienparadies.Neben mir auf der Sitzbank liegt ein roter Hase und darauf eine Schnullerkette.

Und ich weine.

Ich weine, weil mein Leben nun winzige Kindersocken, Windelgeruch und Schnuller enthält. Wir sitzen zu dritt am Tisch, nicht mehr zu zweit. Wenn ich beim Zahnarzt sitze, habe ich keinen Schiß mehr, sondern denke an die kleine Grinsebacke, der sich an meinen Hals schmiegt und anschließend BATSCH macht oder mich “umfrisiert”. Ich sehe meinen Ehemann, der abends “die liebste Mami der Welt” vorliest.
Und das hätte ich nie gedacht oder mir vorgestellt! Wie konnte das soweit kommen?! Und was haben wir vorher mit unserer Zeit getan?

Das Hotel Averbeck:
Ganze Tage einfach ausschlafen, sich um nichts kümmern müssen, spielen oder einfach rumgammeln, ein ungekanntes und tolles Gefühl. Abends mit Babyphone (gibt es kostenlos im Hotel, auch im Sauanbereich) auf der Terasse sitzen, Schwimmbad und Sauna zu zweit, einfach die Seele baumeln lassen… WAU WAU! bis man eben die implizite Aufforderung erhielt, näher an den Wau Wau zu gehen, oder aber zu rutschen, Trampolin zu springen, und sich in der Sandkiste einbuddeln zu lassen.

Dieses Wesen bezauberte mit Leichtigkeit alle – ob es sein charmantes Grinsen war, oder aber schlicht der unglaubliche Appetit, der die Eltern an dem umliegenden Tischen zwischen Neid und Bewunderung schwanken ließ. Hach! Dabei ist der so was von Frechdachs!

Eine explizite Empfehlung für das Landhaus Averbeck für Urlaub, wie ich es mag: Packen, hinfahren, sich um nichts mehr kümmern. Man braucht nur Klamotten und Pampers, selbst Feuchttücher sind überall. All Inclusive heißt Frühstück von acht bis zehn, das aber auch länger verfügbar ist, bis eben das Mittagessen aufgetischt wird, was langsam in Kaffee&Kuchen übergeht. Und schwupps, ist es 18 Uhr und es gibt Abendbrot – warm natürlich. Mit Antipasti, Salat und Dessert. Getränke, Eis, Sonderwünsche, sogar Lätzchen gibt es dort.

Das Essen war sehr gut, ich konnte mit meiner Laktoseintoleranz immer was leckeres finden – und das eine Mal gab es für mich eine Extra-Portion Gemüse in der Pfanne (“Was hätten Sie denn gerne?” Ähhhhh… WOW!) Laktosefreie Milch hatte man sogar extra eingekauft und eigens namentlich beschriftet in den Kühlschrank gestellt.

Die Homepage ist nett, gerade im Juni ist es aber noch viel schöner als auf den Bildern, und das Programm für die Kinder ist toll (Kinder ü30 können sich auch begeistern…). Der Familienbetrieb ist zudem ein guter Arbeitgeber, das hat man bei den Menschen vor Ort bemerkt.

Was übrigens gar nicht so selten vorkommt: Der Papa war König, meine Person wurde nicht weiter beachtet. Ich wurde gelegentlich angekuschelt, sollte auch gerne in der Nähe sein, ansonsten war ich abgeschrieben, selbst zum Windeln wechseln. Nachdem der erste Schmerz abgeklungen war, drehte ich mich morgens einfach nochmal um – wenn Teddy nur sein Papa will, nich…

Für mich ist und bleibt es krass. Ein Kind! Nicht irgendeins, sondern er eben, ein schon recht ausgeprägter Charakter, ein fremder Mensch, den man kennenlernen muss, der aber so vertraut ist wie sonst niemand, den man unabdingbar liebt und trotzdem anschnauzt (häufigstes Wort des Jahres: NEIN!) und mit ihm Familie, ein Konzept was immer in weiter Ferne lag.

Urlaub mit Kind? Leben! Mit Kind! Ist jeden Tag ein Stück Urlaub. Die paar Sekunden, die selbst am beschissensten Tag hellauf strahlen, der Gedanke an den Teddybär, der Wärme und Trost spendet, ja, das ist unvorstellbar und unbeschreibbar.

Hingegen ist der Scheiß, den seine kleine Heiligkeit manchmal veranstaltet, sehr wohl beschreibbar, und Herr Obersturkopf von Ungeduldig liefert so manchen Tag das Potential für äh… ich könnte ARGH schreien, und dann aber, wenn ich nicht selber den Scheiß am Hals hätte, würde ich wohl nur zu herzlich lachen.

Was ich eigentlich sagen wollte – ich weiß es nicht.

Das Leben steht Kopf, auf der anderen Seite diese Selbstverständlichkeit, mit dem man nun ein paar winzige rote Schuhe mit in den Schuhschrank packt. Alles ist eine Lehrstunde, auf der anderen Seite ist aber auch alles Spiel. Das Kind soll Kind sein, und ich darf wieder Kind sein, das ist ja sowieso das beste daran (die unglaublichen Mengen an Spielzeug und Kinderbücher sprechen Bände).
Hinsichtlich Kind habe ich mir viel nicht zugetraut, erst recht keinen “echten” Urlaub, aber hey, hier bin ich, und ich bin glücklich und kriege es hin. Frau kriegt es immer hin.

Einmal das volle Leben, bitte!

P.S. Klickt schön auf meine Werbebanner, damit ich wieder in den Urlaub fahren kann. Seitdem ich Schuhe kaufen muss, würde ich allerdings auch Spendengelder nehmen. Vielleicht sollte ich nackt putzen – um das Elend nicht sehen zu müssen, würde sicherlich manch einer gut zahlen. HA!

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