Du kannst nicht alles haben

Du willst ja gar nicht alles haben.

Großmütig hatte ich versprochen zu teilen, welche genialen zwei Wörter mein Leben verändert haben. Wohlgemerkt meines, diese Worte dürften typ-bedingt bei jeder anders sein.

Der Zusammenhang, in welchem diese zwei Worte fielen, sei rasch erklärt: Ein Treffen unterschiedlichster Frauen als Erfolgs-Team, mit dem Ziel sich zu motivieren und zu helfen bei den unterschiedlichsten Projekten. Mit einer Coachin dabei – als Dissertation schreibende, leidende berufstätige Mutter eine prima Sache, zumal ich trotz höchster #Muttivation (sic!) nicht vorankomme.

Folgende Leitfragen gebe ich gerne weiter:

– Was ist Dein Ziel?
– Was hindert Dich, dieses Ziel zu erreichen?
– Was kannst Du dagegen tun?
– Was bist du bereit für dieses Ziel zu opfern? [eigene Ergänzung]

Eine kleine Dekonstruktion der Situation zeigte bei mir, dass ich einen unheimlichen Druck aufgebaut habe. Ich hindere mich selbst daran. Vieles ist tatsächlich strukturell, das sei entschuldigt; doch die starke Motivation hat sich zu einem immensen Druck aufgebauscht und verlangsamt den kompletten Prozeß.
Was ist die Lösung?

Fünf Prozent.

So einfach, so simpel. Immer wenn sich die Aufgaben türmen, wenn sich der Stresspegel am Anschlag dreht einfach nur aufgrund von Zeitdruck, wenn die Perfektionismusfalle mal wieder zuschnappen will, sage ich mein Mantra auf: FÜNF. PROZENT.

Es reicht, wenn ich von “alles” nur fünf Prozent erledige. Meist nimmt man sich ja alles vor. Ja, es reicht, wenn ich nur zwei dieser Briefe vom Stapel abgearbeitet habe. Hauptsache, ich habe sie weg; nachher/morgen geht es weiter. Dieses “ich schaffe jetzt eh nix mehr” Zeitgefühl kann schon mal vermieden werden; die Stückelung des Berges in Kieselsteine führt nicht mehr zu Entmutigung. Kleine Schritte sind besser als Stillstand.

Was mich persönlich betrifft, leide ich unter “nur das Beste ist gut genug” sowie “alles muss perfekt sein” Syndromen. Die sind typisch weiblich und, so ließ ich es mir mehrfach sagen, sozial konstruiert, zumal für die weiblichen Rollen. Anspruch und Perfektionismus machen viele Frauen zu perfekten, billigen Arbeitskräften, ob im Angestellten-Verhältnis oder als Haussklavin ihrer selbst und ihrer Familie. Der Grund, warum ich das so scharf formuliere, ist, um sehr deutlich zu zeigen, dass dies tradierte Rollen sind, die alle, Männlein wie Weiblein, mit der Muttermilch (diese Redewendung!!) eingesogen haben. Auch wenn wir uns noch nicht vollständig davon befreien können, sind wir immerhin schon so weit, darüber zu reflektieren und es bewusst anzugehen.

Meine Ziele sind zwei, es sollte aber nur eines geben, ehrlich gesagt. Ziel Nummer eins ist nach wie vor die Dissertationsschrift in Umfang XX zu schreiben. Ziel Nummer zwei ist die wenige Zeit mit meinem Sohn und meiner Familie gut zu verbringen. Ein Widerspruch? Augenscheinlich, aber diese Ziele verlaufen kongruent zueinander und stehen sich daher nicht im Weg.

Doch was ist man bereit dafür zu opfern?

Diese Frage stellt niemand. Keine Frau. Sie opfert SICH. Aber niemals die Umstände.

FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH
FALSCH FALSCH FALSCH FALSCH

Menschen, die ihre Ziele erreichen, konzentrieren sich darauf und vernachlässigen andere Aufgaben, aber niemals sich selbst, denn sie sind dann nicht mehr in der Lage, ihr Ziel zu erreichen. Das ist Regel Nummer eins.

Du kannst nicht alles haben.
Du musst nicht alles haben.
Regel Nummer zwei.

Gerne gebe ich ein simples Beispiel wieder – der supererfolgreiche (leider männliche?!) Manager ist super erfolgreich. Dafür arbeitet er zwar nicht wirklich hart, aber ist locker die Hälfte der Zeit unterwegs. Das bedeutet, er sieht seine Familie nicht, er trägt nichts dazu bei außer Geld; er opfert dabei soziales Leben (Freundschaften, Hobbys). Häufig genug opfern solche Leute ihre Gesundheit durch Jetlags und schlechtem Essen sowie wenig Bewegung. Sie opfern dennoch nicht sich selbst – sie machen nichts anderes dazu! Alles ist perfekt delegiert, und zwar, um das Klischee zu bedienen, an die “Frau, die hinter mir steht/meinen Rücken stärkt”, der man in der jährlichen XY-Versammmlung dankt.

Viele Mütter würden so einen Tagesablauf ergänzen mit: Haushalt (ob komplett oder teil-delegiert), sich um soziale Infrastruktur kümmern, gut aussehen – natürlich und bei allem: die Kinder zuerst. Und das möglichst lange, und als quality time. Das geht natürlich nicht in so einem Job, also opfern sie natürlich das hohe Gehalt. Opfern sie angesichts dieser Aufgaben nicht zuerst sich selbst? Die Konzentration auf sehr viele Ziele, die nicht mit harten Fakten (Position im Job, Geld, Lob) honoriert werden und somit keine unmittelbare oder mittelbare Wirkung auf einen selbst haben, ist tödlich. Muttivation ist zwar fast endlos, doch was kommt am Ende? Es bleibt der Burn-Out. Denn es gibt kein Lob für die Wäsche, die entfernten Wollmäuse, das perfekte Abendbrot. Kein Lob für die Leistung im Teilzeitjob, wo man ein unerbittliches Pensum wegschafft.

Daher die Frage: Was ist man bereit zu opfern?
Die perfekte Mutter zu sein. Perfekte […].
Perfektion. Opfere sie!
Und alles andere auch: Ordnung, gebügelte Oberteile, perfekt rasierte Beine, soziale Kontakte, perfekte Küche, selbstgebackener Kuchen am Wochenende und selbstgebaute Verkleidungen für Fasching.
Gemocht zu werden. “Geliebt” zu werden – dieses Gefühl suchen viele in Form von Bestätigung bei der Arbeit. Vergeßt es, denn entweder ist “nicht kritisiert ist gut genug” oder “…toll gemacht!nein, keine Gehaltserhöhung möglich, leider, aber Sie sind so toll und wertvoll für uns!”
Die “anderen” Mütter werden dich nicht mehr mögen, wenn sie aufhören dich zu bekritteln. Deine Mutter wird dich nicht mehr mögen, wenn du jetzt auf einmal selbstgebastelten Oster-Schmuck verschenkst.

Du kannst nicht alles haben, und wenn du darüber nachdenkst, willst du das nicht alles. Es wird uns ständig ins Ohr geflüstert… ich sehe es ständig auf Bildern… ich lese es… sei schön… sei schlank… sei reich… sei glücklich… sei aufregend… sei unterwegs…

Sei doch einfach mal 5% von alledem, und das auch nicht jeden Tag. :-*

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6 Gedanken zu „Du kannst nicht alles haben

  1. Treffer versenkt. Zumal das abstrakte Beispiel des erfolgreichen Managers in den Hintergrund drängt, dass es sich im Einzelfall um den geliebten Ehemann/Vater handelt. Der von seiner Vielreiserei und Hotelbetten erschöpft am Wochenende einfliegt. Der also mal ausschlafen muss. Zehenspitzen für Frau und Kind inklusive. Und ich mach das und versteh das eben weil ich ihn liebe und ihm die Erschöpfung anmerke. So ein Herzinfarkt mit Anfang 40 wäre ja auch nicht lustig. Wenn ich dann aber an Gründonnerstag morgens leicht schwindelig vor dem Kleiderschrank stehe und mir nicht vorstellen kann, was ich ins Büro anziehen könnte … tja da lacht der Burn Out. Ja nur mit einem Kind aber faktisch alleinerziehend. Also gibt es Weihnachten nur fertigen (ja iih) Kartoffelsalat und Ostern habe ich nur für die Schwiegereltern einmal gekocht. Da derselbe Ehemann als Einzelkind (ich im übrigen auch) gerne immer “die ganze Familie” versammelt wissen wollte ich aber ebenfalls perfektionistisch bin musste ich mich irgendwann freimachen vom Druck mal eben Essen und Dessert für acht Personen zu zaubern. Vorplanung und Einkauf inklusive. Ebenso gibt es für zweimal Großeltern wegen der Einzelkinderproblematik nur ein Enkelkind. Ja und ich konnte mir ein zweites Kind als “Alleinerziehende” nicht vorstellen. Dann hat dieses Kind auch noch mit dem Schwiegervater am selben Tag Geburtstag. Logistische Probleme für Jahrzehnte, denn meine Mutter hat als Großmutter ja ganz eigene Ansprüche an den Geburtstag des einzigen Enkels. Und das Kind trainiert Karate an einem Ort wo keine Öffis hinfahren am besten vier mal in der Woche. Aber er ist ehrgeizig und erfolgreich. Fahr ich halt in der Rushhour. To be continued …. Ich will nicht jammern aber manchmal ist es wirklich viel einfach nur das Leben. Weswegen ich bei Instagram regelmäßig einen leichten Hass auf die oh so überlasteten kinderlosen Paare bekomme. Aber das nur nebenbei. Ich liebe Mann und Kind und global gesehen mein Leben. Aber es sind die Strukturen im Berufsleben die ich nicht leiden kann. In der Firma meines Mannes geht selbstverständlich die Frau Teilzeit oder bleibt zu Hause. Der Mann ist quasi Eigentum und kann auch an einem Freitag nochmal 350 km fahren für eine Besprechung von 4 Stunden 14 – 18 Uhr. Heimkehr so gegen 23 Uhr. Lob für die Frau fällt flach, da sämtliche Firmenfeiern kundenorientiert sind. Wir werden nicht geladen und finden somit nicht statt. Doch das Kind wird schon bald 11 und wenn ich nicht mehr will gehe ich einfach mal in die Wanne. Reicht meistens erstmal. Wie teuer das “ichgönnmirwas”-Shopping im Kosmetikbereich kommt bleibt ohne Worte. Bei Klamotten hab ich die Capsule-Wardrobe entdeckt. Da bleibt es künftig bis auf Einzelfälle preiswert. Soweit mein völlig emotional ausgeglichener Wortsalat zum Thema oder auch dran vorbei. 😉

  2. Liebe Andreea,

    ich bin Lehrerin und habe einen Job, in dem ich teilweise eine stark “erziehende” Position einnehmen muss. Auch weil einige Eltern es heute nicht schaffen/nicht wollen/nicht verstehen, dass sie ihre Kinder selbst erziehen und auch mal NEIN! sagen müssen…. das wird oft ungefragt oder unbewusst, manchmal aber bewusst machomässig delegiert (“Sie müssen dafür sorgen, dass mein Kind Hausaufgaben macht!”). Diese (prozentual wenigen, wirtschaftlich und sozial oftmals sehr privilegierten) Menschen und Einstellungen machen meine Arbeit unnötig lange und hart.
    Ich musste und muss u.a. auch wegen dieser Einstellungen die Idee der nicht perfekten, aber dennoch außergewöhnlich guten Lehrerin opfern. Immer wieder, weil ich mich so schnell reinziehen lasse in die Aufopferungsnummer. Der Witz daran: wenn ich genug Energie hatte, am Wochenende auszugehen/Musik zu machen/ einen Waldspaziergang zu tätigen etc (und das klappt auch ohne Kind oft genug nicht), dann bin ich am nächsten Montag eine bessere, weil geduldigere und spontanere Lehrerin. War eine echte Erkenntnis.
    Neulich hab ich ein tolles Zitat gelesen: Don’t make “perfect” the enemy of “good”. Sprach mich auf tiefer Ebene an…
    Deine 5%-Regel finde ich super, werde sie heute direkt ausprobieren (nicht an meinen Schülern, sondern an belastendem Papierkram, versteht sich).

  3. Ich würde es etwas erweitern wollen, und sagen, doch, Du kannst Alles haben – nur eben nicht Alles von Allem! Sondern Alles nur in irgendEINER Hinsicht. In einer oder zwei weiteren dann vielleicht immerhin noch Viel, und in vielerlei anderen Belangen nur mehr Wenig – wobei der Unterschied zwischen Nichts und Wenig ja meist viel, viel, viel größer ist, als der zwischen Wenig und Viel. Und in der Tat: von Allem Alles, das würde wahrscheinlich niemand ernsthaft wollen; geschweige denn daß man darin Erfüllung fände.

    Auch kann ich einerseits 100%ig nachvollziehen und unterschreiben, was Du über den Druck des Perfektionsanspruchs sagst. Andererseits aber will ich die Perfektion per se auch nicht dermaßen gescholten davonkommen wissen. Denn erst ein (wenn auch leider allzu naheliegender) falscher Umgang mit Perfektion ist es, der sie meiner Meinung nach vom Segen zum Fluch werden läßt. Persönlich kann ich dem Perfektionsanspruch nämlich auch viel Positives abgewinnen. Er ist eine jener archaischen Triebfedern für die Menschen, über sich hinauszuwachsen – etwas Großes, Tolles, Wunderschönes, höchst Funktionales, Bahnbrechendes, ja einfach Kühnes zu schaffen! Perfektion ist eine eben jener Federn, die das Rad am Laufen halten; Jahrhunderte über – Jahrtausende über! Und das sage ich nicht rein theoretisch, sondern auch aus ganz persönlicher Erfahrung; es gibt ein paar Dinge, die ich, wie ich denke ganz unbescheiden sagen zu dürfen, schon ziemlich gut kann. Und auch wenn sich geradezu metaphysische Diskussionen darüber führen ließen, ob es sowas wie eine erwiesene Perfektion überhaupt geben kann, so ist doch das Streben danach das, was meine Ergebnisse gut werden läßt, oder sogar sehr gut, und so oder so hoffentlich immer besser. Das Optimum aus sich herausholen kann man, denke ich zumindest, nicht, wenn man von vornherein ein ordentliches Mittelmaß anstrebt, sondern nur wenn man nach dem Äußersten greift! Und das gilt meiner Meinung nach auch, wenn ein ordentliches Mittelmaß das jeweilige Optimum sein sollte; es gilt unabhängig davon wo genau das jeweils mögliche Optimum rangiert.

    Darüberhinaus ist Perfektion für mich persönlich aber auch Bestätigung; und zwar sogar die beste aller Bestätigungen – eine Selbstbestätigung! Beispiel: ich dekoriere leidenschaftlich. Mich selber, Räume, Speisen … einfach Alles 🙂 Mein Umfeld erkennt das weder, noch schätzt es das wirklich. Sie sagen IMMER “oh schön”, sehen ihrerseits aber überhaupt keine Unterschiede, selbst wenn für in meinen eigenen Augen himmelweite Unterschiede bestehen… Trotzdem – nein, eben davon unabhängig – habe ich eine riesen, riesen Freude, wenn irgendwas perfekt bzw. annähernd perfekt gelingt; und daß ich mit dieser Freude allein bin, macht mir nichts, denn wenn ich das sehe oder eben subjektiv für gegeben erachte, erfüllt mich das so sehr, daß ein zusätzlicher, externer Stimulus da ohnehin allenfalls ein Reservetüpfelchen auf dem i sein könnte. Ich muß auch sagen daß Perfektion zu den ganz wenigen Dingen oder Umständen zählt, die mich noch zu Tränen zu rühren vermögen!

    Insofern denke ich persönlich nicht, daß man sich vom Perfektionsanspruch grundsätzlich freimachen muß; ich finde es im Gegenteil sogar toll und höchst fruchtbar Perfektion als Ideal zu hegen und anzustreben; man darf sich davon halt nur nicht dominieren lassen – aber das gilt ja eigentlich eh für jede Art von Eifer im Leben. Ich denke, man sollte Perfektion als Bonus des zu Erreichenden betrachten, und eben nicht als Malus des Erreichten.
    Paphiopedilum kürzlich veröffentlicht..Menu of the Month 2015/03My Profile

  4. Hallo Andreea,

    vielleicht wurde in der Generation unserer Eltern dieses Weltbild geschaffen, dass die Frau zu Hause bleibt und der Mann Manager wird. Und wir als Kinder sind in dieses Bild geboren worden.
    ABER, wer in diesem Weltbild hängen bleibt und nur jammert anstatt etwas zu ändern, hat es nicht verstanden, dass es heute Alternativen zu diesem Weltbild gibt.

    Wirst Du als Frau schlechter bezahlt als ein Mann, bewirb Dich und wechsel dem Job.

    Willst Du eine Bezahlung auf den Niveau eines Managers, werde Manager, mit allen negativen Implikationen.

    Willst Du mehr Zeit mit Deiner Familie verbringen, nimm Dir die Zeit. Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Egal woher…

    Willst Du perfekt in etwas sein, dann nimm Dir die Zeit und perfektioniere genau das, ob es die Dissertation ist, die Hausfrau oder der Job. Perfektion braucht Zeit und Übung. Ein Basketballer wirft jahrelang jeden Tag 1.000 Mal auf den Korb bis er seinen Wurf perfektioniert hat.

    Was Dir aber auf keinen Fall hilft, ist jammern. Erich Kästner sagte schon früher: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.”

    Und komm mir jetzt bitte nicht mit: das kann nur von einem Mann kommen… Mir wurde auch nichts geschenkt und ich musste mir alles hart erarbeiten, was ich bislang erreicht habe. Und wenn in Zukunft mal ein Baby da sein sollte, dann werde ich daheim bleiben… Alles meine Entscheidung. Mit allen Konsequenzen…

    Ich hoffe, Du findest für Dich den richtigen Weg und ich drücke Dir alle Daumen für Deine Dissertation.

    1. Ich prangere dieses Weltbild an weil es mich aufhält und weil diejenigen, wo ich mich bewerbe, in diesem Bild hängen. Bewerbungen werden gekillt mit Fragen a la “Und was machen Sie mit Ihrem Kind?” und all das-übrigens wird ein Mann niemals diese unfassbar sexistische Wetl je verstehen oder zu gesicht bekommen und auch Frauen erst richtig wenn sie Mütter sind, als ob sie dadurch einfach einen fetten Tritt bekommen und NOCH weiter nach hinten geworfen werden (Stichwort gender pay gap). Natürlich kommen diese “mach es Dir doch selbst” IMMER von Männern, weil sie nun mal ein Scheiß gegen X-Widerstände kämpfen müssen; es kostet unheimlich mehr Kraft sich als Frau zu behaupten weil entweder alles auf die Waage gelegt wird oder aber stets überhört wird. Und natürlich sind wir Frauen an allem Schuld, mach doch was! Erhebe dich selbst aus der Misere – dahinter kann sich der Mann und alle anderen, die es gar nicht erst versuchen, schön verstecken. Das nennt man Victim Blaming übrigens, gerne genommen wenn Frauen vergewaltigt werden:Du hast es darauf angelegt, warum hattest du einen Rock an, du hast ihn gereizt. Der Vergleich ist etwas drastisch, soll aber vor Augen führen das ich oder wir es alleine auf gar keinen fall schaffen können oder nicht in absehbarer zeit. Immer wenn Idioten sterben, kommen ja leider welche nach, was soll ich sagen. Und von den ganzen tollen Männern mit dicken Sprüchen die in Elternzeit sind oder waren (und durch mein Umfeld an der Uni kenne ich tatsächlich welche) habe ich noch keinen jammern hören wegen der viele Hausarbeit. Warum? Weil sie keine machen. Dass ich zuhause eine gleichberechtigte Partnerschaft habe und das ein absolutes, absolutes Unding für alle ist beweist es mal wieder. Ich machemeinen Schei, schon, aber was ist mit dem rest der Welt? Die Welt besteht ja nicht nur aus mir; das ist auch etwas, was mangels Empathie viele Männer nicht checken. Aber ich will dich gar nicht als Mann angreifen; sag doch mal wie es NACH der Elternzeit am Arbeitsplatz ist. Dann rückt sich bekanntlich so manches Bild zurecht (so auch meins, schmerzhaft).

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