Mütter reiten auf Einhörner durch’s Kita-Land – muss Frau alles tun?

Durch meine Leserinnen angespornt, will ich mal wieder ein bisschen aus meinem Universum erzählen. Respektive mich megamäßig aufregen, den Kopf schütteln und den Stinkefinger zeigen.

Der Hintergrund dazu war ein Gespräch, dessen Inhalt folgernder war (sachlich formuliert, gar nicht gehässig, aber lasst Euch das mal auf der Zunge zergehen…):

Du bist ja gar nicht belastbar – andere Frauen schaffen das auch, arbeiten, haben zwei Kinder, sind alleinerziehend, müssen den Haushalt komplett alleine machen, jammern jedoch nicht. Irgendwie erweckst du den Eindruck, du wärst überfordert. Ist doch alles nur eine Frage der Organisation.

Die ältere Frau, die mir das erzählte, kennt das heutige Berufsleben eines Angestellten mit Termindruck, Dauerbefeuerung per Mail und einem wesentlich hektischeren und vollerem Arbeitsalltag in sogenannten „Bürojobs“ nicht; geschweige eine Berufstätigkeit mit Kleinkind. Der ganze Alltag ist aufmerksamkeitszehrender durch die vielen Kontakte und Kommunikationssituationen, durch viele Autos und Verkehr, Licht- und Geräusch-Belastung.
Wow.
Ich muss selbst jetzt noch tief durchatmen. Diesen Spruch habe ich mehrfach von, Obacht!, älteren Personen und von kinderlosen Menschen, aber leider auch häufig von Müttern gehört. Stets wird die Keule rausgeholt und ein „Extrem-Beispiel“ angeführt, und Alleinerziehende müssen noch die Ergänzung hören von wegen „ohne Waschmaschine und sowas“, ohne „Unterstützung vom Staat und Kita“. Aaaaaaaaaahhh… tief durchatmen.

Okay, dann will ich mal was fragen:

HABT IHR SCHON MAL VON EINEM MANN GEHÖRT, ER HIELTE DIE DREIFACH BELASTUNG (JOB, HAUSHALT UND KIND) NICHT AUS?

Ich nicht. Nicht weil Männer nicht jammern, sondern weil diese Situation für die überwiegende Mehrheit nicht zutrifft.
Warum muss ich/frau das tun und what the fuck ist daran verkehrt, zu sagen dass es viel/anstrengend/suboptimal ist? Was für Happy-Hekse muss man fressen, um das als selbstverständlich zu erachten? Ach, und nicht vergessen, dass Frauen häufig aus der Kinderpflege nahtlos in die Altenpflege wechseln. Den Euphemismus „Familienarbeit“ schon gehört?

Wenn ich/wir nicht die perfekte Orga haben, weiß ich nicht, wer die hat. Der Ehemann und ich sind Effizienz-Maschinen. Trotzdem, und erst recht, habe ich einen Anspruch drauf, zu jammern oder sogar krank zu werden. Entschuldigt den Magen-Darm Virus, der mich mal eben fast zwei Wochen außer Gefecht setzte. Ich gehe arbeiten und schreibe meine Dissertation. Unsere Bude wurde neulich als „stylish“ klassifiziert, zugegeben war es gerade frisch aufgeräumt; wir sind alle drei stets gut und sauber angezogen, es gibt jeden Tag frisch gekochtes Essen auf den Tisch, das Kind ist mit unter drei Jahren trocken, kann zählen und ist einfach glücklich und ausgeglichen.

ICH HABE VERFICKT NOCHMAL DAS ANRECHT, NICHT ALLES TUN ZU MÜSSEN, NUR WEIL ICH DIE FRAU BIN.
DARÜBER ZU SPRECHEN, DASS DER ALLTAG ARBEIT IST UND ANSTRENGEND.
WER SICH VERFICKTERWEISE ANMASST, MIR/JEDER MUTTER ZU SAGEN, SIE SEI EIN SCHWACHMAT, SOLL BITTE ZWEI WOCHEN MIT MIR* TAUSCHEN UND DANACH DIE FRESSE HALTEN.
WIR FRAUEN HABEN GRUNDSÄTZLICH KEIN GRUND, UNS ANDEREN GEGENÜBER ZU RECHTFERTIGEN.

ICH BIN GEIL, WEIL ICH ES EBEN NICHT BIN UND DAS LAUT SAGE.

Sorry, aber das musste sowas von raus… Ich bin kein Übermensch, aber was ich leiste, ist verdammt viel und ich brauche mir nichts, aber auch gar nichts anzuhören oder mich zu rechtfertigen, denn nur ich weiß, wieviel Kraft mich dieses oder jenes kostet. Punkt aus.


*Nur mit mir, weil ich es vergleichsweise einfach habe. Sonst gerne mit der viel beschworenen, in Vollzeit arbeitenden, alleinerziehenden Mutter, die dazu noch ihre Mutter pflegt und zum Sport geht.

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10 Gedanken zu „Mütter reiten auf Einhörner durch’s Kita-Land – muss Frau alles tun?

  1. Oh Gott, ich versteh dich so so gut. Von meiner Mutter darf ich mir regelmäßig so einen Schrott anhören, wenn ich jammere wie wenig Zeit mit dem Mann bleibt (öfter beruflich, aber auch wegen Kind mit richtig schlechtem Schlaf..). Ihr ging es nämlich viel viel schlimmer und sie war ja immer allein und ihr Mann hat nie bla bla bla. Zum Kotzen.
    So, jetzt gehts mir besser.

    (Als ich noch keine Kinder hatte, hätte ich mir auch nie vorstellen können, wie anstrengend das ist mit Kind. Trotzdem. Boah.)

  2. Tip fürs nächste Mal, wenn eine/r anfängt, so einen Schwachsinn abzusondern:
    Wortlos auf dem Absatz umdrehen und stehen lassen.
    Ich hör‘ mir sowas nicht mehr an. Ärgert mich zwar auch, aber dann weniger und kürzer.

  3. Zitat: Sonst gerne mit der viel beschworenen, in Vollzeit arbeitenden, alleinerziehenden Mutter, die dazu noch ihre Mutter pflegt und zum Sport geht.

    Diese Frau gibt es nicht, jedenfalls nicht lange.
    Es fällt auf, dass solche Aussagen nur von Frauen kommen, immer! Kein Mann würde es wagen, so etwas auch nur zu denken, Das Problem ist, daraus klingt Neid heraus, Eifersucht. Diese Damen haben mit sich ein Problem und übertragen es. Deshalb nicht aufregen. Neid musst du dir hart verdienen, nur Mitleid bekommst du geschenkt. Dieser Spruch stammt von meiner Mutter. Hat sie mir immer gesagt, wenn ich in ähnlicher Situation war, wie du jetzt.

  4. Ich bewundere Dich und alle Frauen mit Kind, Mann, Job, Haushalt und Hobby. (Und auch die ohne Mann) Und ich frage mich, wie Ihr das schafft. Ehrlich! Wann habt Ihr Zeit für Euch? Also nur für Euch? Wenn ich jetzt so daran denke, dass mein Spielzimmer 18 Jahre lang ein Kinderzimmer gewesen wäre… Nein, ich ziehe den Hut vor Dir und all den anderen. Ich bin schon total abgenervt, wenn ich mit einer Freundin telefoniere und ihre beiden Kleinen toben im Hintergrund und ich frage mich, wie sie mich bei dem Höllenlärm überhaupt versteht. Von der schrillen Tonlage der Töchter mal ganz abgesehen, was da durch Telefon kommt reizt mein Corti-Organ für mehrere Tage! Also pack Deinen Lieblingslippenstift ein, sattel Dein blondes Einhorn und mach Dir ein wunderschönes Wochenende! Liebe Grüße, Bärbel ☼ (Die zwecks Rollatorspaziergängen im Herbst 2035 einen Deal mit ihren 3 Neffen hat)
    Bärbel kürzlich veröffentlicht..Warum graue Mäuse immer auf den letzten Drücker kommen und von Gerippchen gerettet werdenMy Profile

  5. woot woot Wooooooooooooooooooord.

    Zumal jeder anders belastbar ist. Nur weil ich etwas nicht schlimm oder als Arbeit erachte, heißt das nicht, dass es jedem so geht. Manchmal machen auch schon kleine Dinge den Unterschied und die Welt kracht zusammen. Und dann darf jeder hier rumjammern wie er mag 🙂 Oder sie. Oder alle.

  6. könnte man oder ich ganz viel zu sagen, ist aber nicht wichtig, denn; diese multibelastbaren Frauen gibt es im wahren Leben nicht!
    so wen kümmert es, was andere denken, denn, man muss ja nicht jedem gefallen, nur sich selbst! In diesem Sinne: leb Du dein Leben! Du hast nur das eine.

  7. Uje, und schau du rechtfertigst dich eigentlich auch hier über dein Leben. Aber es ist hier dein Blog, darum darfst du dich gerne hier auskotzen!

    Ich gebe dir Recht, die ältere Generation hat null Erfahrungswert, wie es heutzutage mit Kind und Job läuft. Mein Vater kann sich reinversetzen, meine Mutter (damals mit 3 Kindern nicht mehr berufstätig, aufgeopfert für die Familie (auch nicht gut)), kann es nicht).Aber sie sagt dafür auch nicht oft etwas und hält sich einfach zum Thema Beruf, Mutterschaft meistens raus, wenn ich darüber erzähle. Und es ist wirklich mit einem Kind schon anstrengend alles zu meistern. Wie das Alleinerzieher schaffen ist mir wirklich ein Rätsel!

    Schau, gehe deinen Weg, so wie wir anderen auch und denk dir einfach deinen Teil, wann wieder wer sein Ratschlag oder Besserwisserei mit dem Weg geben möchte.

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