How to be an Influencer

Das waren mal Zeiten! Früher bloggte man höchstens gegen Schülerinnen oder Studentinnen, deren Orthographie zum schreien war und deren Sätze abgehackt und lieblos Drei-Euro-Mascaras beurteilten. Heute bloggen promovierte Hausfrauen, Autorinnen, Journalistinnen, achtfache Mütter mit zwei Jobs und ganze Teams von Praktikantinnen. Es gibt richtig gute Netzwerke und richtig viele engagierte Menschen, und dann gibt es – Influencer.

Heute, heute ist es eine andere Sache. YouTube Star! Influencer! Es geht ganz leicht und man kommt zu Ruhm und vor allem, Geld. VERSPROCHEN!

Eine Liste: (übrigens, ich habe gelesen dass Dank der beträchtlichen Nicht-Aufmerksamkeitsspannen solche Listen am besten ankommen; sie sind schnell geschrieben, schnell geklickt, schnell vergessen – Listicals FTW!)

– Du brauchst ein bisschen Budget: 40k sind für den Start ganz gut. Kaufe Dir: Cartier LOVE Armreif; min. eine Hermès Handtasche, mehrere Chanel Taschen, sechs Paar Designer Schuhe, Netzstrumpfhosen, Jeans, mehrere Paar Sneakers, einige High-Fashion (schrille!) Einzelteile und schön viel H&M.
– Technische Ausrüstung: Zwei studentische Praktikantinnen die für Fame und Erfahrung arbeiten, ein Photostudio, mehrere Kameras/Handys.
– den Instagram boyfriend/husband (erinnert mich manchmal an Zuhälterei, das Ganze…) der dich managt und mindestens eine weitere wichtige Aufgabe übernimmt wie Bildbearbeitung, Geldesel, Systemadministration, Networking – am besten alles.
– einen gut vernetzten Papa, der dir ein weiteres wichtiges Accessoire vor die Türe stellt, nämlich ein Mini Cooper UND der Dir dazu sämtliche Pressekontakte persönlich auf der einen oder anderen Stehparty vorgestellt hat
– eine photogen operierte Nase Geruchsrichtung Angelina Jolie. Gut sind dazu ein paar unauffällig gemachte Brüste, denn Natürlichkeit ist Trumpf und die Zielgruppe 12 Jahre und aufwärts hat ja meist noch gar keine..!
– eine schöne Bude, entweder Altbau oder modern, in grau-weiß eingerichtet oder alternativ mit Designer-Tapete und viel Roségold Accesssoires.

Das war’s! In den absoluten Influencer Olymp kommt Du zusätzlich, wenn Du Deine Schwangerschaft und Deine Kinder vermarktest – die Zielgruppe wird riesig. Du erreichst die jungen Menschen, die Eltern, und wenn Du nun womöglich… aber lassen wir das.

Trotzdem – damit habe ich jetzt die Schnittstelle von mindestens der Hälfte aller Instagram Accounts genannt; was ist die geheime Superzutat, was macht Dich erfolgreich?

Jetzt kommt’s.

Die Bereitschaft, alles zu geben. ALLES.

(…ich empfehle dazu als weiterführende Lektüre Goethes Faust, wer es lieber als Kinofilm mag: Im Auftrag des Teufels)

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4 Gedanken zu „How to be an Influencer

  1. Diese Blogs verschwinden so und so wieder in der Versenkung. Die Leute (älter) kommen mit der Zeit sehr wohl drauf, wer hier echte Tatsachen postet oder verlogenes Zeugs (div Erfahrungswerkte zu Kosmetik und Co)

    Es gibt jetzt schon einige gute (alte) Blogs – die halten sich auch.

    Und die junge Generation wird auch irgendwann draufkommen, dass nicht alles glänzt 🙂

    1. Danke! Ich habe mal diese Bibi aufs Korn genommen und ein paar andere „influencer“ – wobei es durchaus wirklich nette Leute gibt, auf die das auch zutrifft, aber die werden sich hoffentlich darüber nicht aufregen. Ironie und Sarkasmus sind ja durchaus sichtbar, hoffe ich…

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