Mittelmäßigkeit

Gerade habe ich Juli Zehs Buch „Unterleuten“ verschlungen, in weniger als 14 Stunden inklusive Schlaf. Ich habe Gofugyorself gelesen, bei Instagram reingeschaut, die Bilder eines Jet-Set-Urlaubs angeschaut, Schmuck von Celebrities angeschmachtet, Handtaschen angeschaut, einen bunten Pullover gesucht, grünen Tee getrunken und nachgedacht. In Wahrheit habe ich nachgedacht.
Vor zehn Jahren etwa schrieb ich im Profil eines Dating-Portals (ja, nicht nur eines, etlicher Portale als Social Media Feldarbeit im Rahmen eines Seminars mit teilweise befremdlichen Ergebnissen) wo ich mich in Zukunft sähe: Mit Baby auf den Knien meine Abschlußarbeit schreibend.
Das war hochgradig niedlich und naiv, denn Babys sitzen nicht still auf den Knien während man tippt; und die Zeitspanne in der zum einen das Baby und zum anderen Abschluß plus Promotion vorgesehen waren, verlängerte sich, aufgrund Dingen, die im Leben passierte, um das Doppelte. Während ich immer meinen Masterplan folgte, kam und gingen in meinen jeweiligen Tätigkeitsfeldern Menschen. Manche fuhren jammend auf einem Motorrad vorbei mit wehenden Hippie-Klamotten, manche lächelten leise und verschwanden wieder, gesichtslos und namenlos werdend, wiederum manche eine brennende Fackel tragend. Nicht wenige sind irgendwo gut sichtbar angekommen, wobei das sichtbar manchmal mehr wiegt als das gut; viele sind genauso wieder in die Mittelmäßigkeit des Lebens abgetaucht, wie ich.
Mittelmäßigkeit ist etwas, was ich sehr schlimm finde, ja eigentlich gar nicht toleriere. Trotzdem folgt ständig meinerseits und somit auch öffentlich/hier ein Ruf danach. Nicht Begrenzung und definitiv nicht das Ende des Ehrgeizes, aber sicherlich eine innere Wendung zu den unumstößlichem Tatsachen des Lebens, die meine Eltern folgendermaßen formulierten: Tempus fugit et tacit. Solche Plattitüden sind trostlos und schrecklich, ich bin mir nicht mal sicher ob grammatikalisch korrekt, und trotzdem wiederhole ich solche Mantras in Gesprächen, wo ich meiner vorherigen Aussage eine besondere Schwere und Tiefe verleihen möchte.
Natürlich sagt keiner zu mir solche weisen Worte, die sowohl mild sind als auch Interpretationsraum lassen. Klugscheißer habe ich um mich herum herzlich wenige, das ist erfreulich; ich kann mich allerdings in diesem Feld ohne Zweifel wiederfinden. Stattdessen wird mir direkt gesagt, was Sache ist, man mutet mir die Stärke zu, Wahrheiten zu ertragen. Ich sage mir neuerdings auch Wahrheiten, ertrage es aber bedingt. Was passiert, wenn ich meinem jetzigen Ich selbst offenbarte, dass sich der Masterplan womöglich ins Unendliche zieht oder eher sich ins Unendliche verpisst, und dass ich trotzdem entspannt bleiben kann? Ich müsste mir selber Mittelmäßigkeit verzeihen und neu definieren, oder sie mir zumindest schön reden. Ist das überhaupt notwendig, sich Mittelmäßigkeit schön zu reden – statistisch gesehen wollen die Menschen nicht viel oder alles, sondern „genug“ zum Leben. Ein Leben in Mittelmäßigkeit, in stabilen Netzen, in sicheren Strukturen und mit potentiellen Ausbrüchen daraus. Man muss nicht, aber man kann. Voilá, ich habe den Traumzustand erreicht und befinde mich ein paar tausende Buchstaben entfernt davon, mich aus ebendieser zu katapultieren. Fein fein, sagt meine Freundin und das impliziert immer zwei Dinge: Wayne interessiert’s ODER was machst du daraus?
Die Welt retten ist gerade aus meinem Terminkalender gestrichen worden wegen mangelnder Kinderbetreuung am Nachmittag, macht nichts, stattdessen geht es zum Kinderturnen. Ich mag es mich dort den Blicken auszusetzen, eine halbwegs schlanke, geschminkte, adrett gekleidete und offensichtlich ältere Mutter, die mit ihrem Sohn um die Wette rennt. Vielleicht weil das der Filter ist, denn ich am liebsten habe. Auch hier beherrscht Mittelmäßigkeit gekonnt den Output – nicht zu perfekt, nicht zu offensichtlich, nicht zu bemüht, eben gekonnt. Dabei störe ich mich ständig an die Mittelmäßigkeit anderer Leute, statt ihnen einzugestehen, dass sie einfach nur ihre eigene Mittelmäßigkeit gefunden haben. Fordern sie denn etwas anderes? Nein. Ich schon, und selbst darin bin ich weniger als mittelmäßig, Aktionismus mit Tätigkeit verwechselnd und dabei sich ein selbst ertwittertes ‚ego te absolvo‘ ausstellend. Passt schon.
Also, was ist falsch oder schlecht an Mittelmäßigkeit? Eigentlich gar nichts, selbst die Geschwindigkeit drosseln und mittelmäßig schnell zu sein, ist ein Konstrukt; das ließe sich formulieren in „ich bin schnell im Vergleich zu X aber unfassbar langsam im Vergleich zu Y“. Wieviel Courage braucht es, sich bewußt zu etwas zu bekennen, was man abgrundtief hasst – oder sich vorübergehend hierin zu bewegen, um den Weg weiter zu gehen. Wir nähern uns hier womöglich dem Knackpunkt. Mittelmäßigkeit kann auch ein Stück des Weges sein, warum nicht, ich glaube und fürchte(ja, doch!) viele erkennen genau das, es ist genau diese Mittelmäßigkeit die glücklich macht; der Grund warum alle Mittelschicht sein wollen, die oben und die unten. Sie waren klüger und haben es vor mir erkannt und hegen nun keine Magengeschwüre, führen keine überhitzen Diskussionen die Deutungshoheit mancher Dinge im Alltag. Aller Dinge.
Viele halten sich bewußt darin auf, um die Augen zu halten zu können vor dem, was sein könnte oder was sie sind. Sein könnten. Könnte, wollte; hätte, hätte Fahrradkette. Feine Reime. Das Leben ist kein metaphysisches Konzept, es ist die Einsicht, dass die jüngere Kollegin die selben Fehler macht wie man selbst früher. Daß man unheimlich viel Wissen und Verständnis für Komplexität aufgebaut hat und sich nicht damit meldet, bestenfalls ein innerliches Schulterzucken verübt, wohl wissend, dass dieses Wissen im Alltag für den Arsch ist. Weil so viele Dinge sich genauso weiter bewegen wie vorher, weil einem der gute Spruch zum sexistischen erst am Abend einfällt, weil man sich nicht involviert, um Gewissensbisse zu vermeiden, weil man lieber auf Mittelmäßigkeit reduziert, statt am Geburtstagsstich Kuchen, Gäste und die Ungerechtigkeit dieser Welt anzuprangern (lest es als Metapher).
Vielleicht ist es so, wenn diese Dinge aufeinander prallen, schwarz und weiß, dass das entstehende Grau und dessen Schattierungen eine feine Sache sein können, wie Wellen die einen weitertragen, statt Auf und Abs zu simulieren. Mittelmäßigkeit als Schmiere des Systems, mit dem man weiterkommt, wodurch man weitergetragen wird. Dabei planend, diese zu verlassen und ohne sich einsichtig zu zeigen, dass man sie nicht verlassen kann, wenn man sich auf diese Wellen weiterhin gemütlich bewegt. Es braucht ein Auf oder ein Ab um ein differenzierte Stellung einzunehmen und zu sagen ‚man geht weiter‘. Man kann ja nicht auf einem (Ab, Auf) Bein stehen bleiben, nicht ewig. Man hopst also weiter vor sich hin oder läßt sich von den Wellen tragen. Übersetzt bedeutet letzteres ein Mittelreihenhäuschen, ein Job und Familie, und es großartig. Kinder sind dann doch das einzig Sinnvolle, eine komische Erkenntnis, die einen aus der Adoleszenz-Blase katapultiert. Erkenntnis, die auch außerhalb anderer Blasen stattfindet, außerhalb der perfekten Eltern-mit-Gerechter-Aufteilung-Blase. Ich sehe es ständig um mich herum, die Waffen werden gestreckt und die Wellen angenommen und man arrangiert sich. Und man bleibt dabei, man ist im flow, und das klingt viel besser als „man hat sich angepasst“ und nein, es ist überhaupt nicht verwerflich, genau das zu genießen. Trotz allem wissen wir alle, dass hinter der perfekten Kulisse viel Unordnung, Chaos, Spaß und endlose Mini-Krisen bereitstehen. Wer kann da schon noch von Mittelmäßigkeit sprechen, auf der anderen Seite? Wenn ich den Horizont von weiteren vierzig bis fünfzig Jahren Lebenszeit erblicke, ist das ein wunderbarer Zwischenzustand, den ich nicht beibehalten muss. Das Dilemma des Frauseins zwischen Attraktivität und Fruchtbarkeit spinnt sich gerade mal um die zwanzig Jahre, und doch dreht sich alles um diese Zeit, die rückwirkend betrachtet bei vielen doch häufig nicht so wahnsinnig glorios war. Irgendwie haben wir vergessen uns ein Jahreskalender zuzulegen, der uns erinnert was nach dieser Zeit der Attraktivität und Fruchtbarkeit noch kommt, oder zumindest wieviel Zeit danach noch kommt. Jenseits von fünfzig wird man lächerlich für die eigenen Kinder, schreibt Juli Zeh, und das stimmt; was passiert mit uns späten Eltern, die dem ganzen noch fünf bis zehn Jahre hinzufügen müssen? Die Arroganz der Jugend ist unanfechtbar und permanent und großartig und ich wünsche, dass sie niemals aufhört. Ich sehe aber besorgt, dass sie im Verschwinden begriffen ist, die Resigniertheit greift um sich bei vielen und viel zu jungen Menschen. Man sollte mit Mitte zwanzig Drogen konsumieren und nicht unbezahlte Praktika machen und dabei desillusioniert sein. Mittelmäßigkeit als Status Quo ist nicht wirklich akzeptabel, nur als Übergang, am Ende dann doch. Mittelmäßigkeit ist keine Anklage und ich führe kein Plädoyer dagegen an, es bleibt wohl ein Punkt im Lebenslauf über den man nicht stolpern wird, bei den viele Seiten. Dafür gibt es auch einen richtigen Moment, und der ist frei wählbar und beliebig lang.
Pro Mittelmäßigkeit also, pro graue Zwischentöne, pro goldene Mitte, aber bitte nur vorübergehend.

Flattr this!

Wirklich gut und wirklich teuer

Das sind sie.

Man kann es nicht beschönigen: Ein Bronzer für sechzig Euro? Frau kann einen dunklen, kühlen Puderton nehmen, der tut es vermutlich auch. Leider, leider stimmen hier bei Tom Ford die Textur (sehr fein, matt) und die Farbe (dreckig, aschig, sehr natürlich) und sogar die Verpackung – keinen Cent bereut und seitdem täglich genutzt. Bobbi Brown kann mithalten, ja, aber ist schon als hellster Ton bereits einiges dunkler (ein Vergleich kommt noch!).

Ein Concealer für unglaubliche siebzig Euro? Okay, hier und da auch für 55 Euro, aber trotzdem… Ich dachte, ich falle vom Hocker und mittlerweile weiß ich, warum das trotzdem jeden Cent wert ist. Unglaublich pflegend und natürlich, setzt sich nicht ab und kann auch mal Schatten wegzaubern, aber vor allem sind da 15ml drin, die ich trotz täglicher Benutzung und einer Abfüllung nicht wirklich schwinden sehe.

Dazu zählt auch die Sisley Wimperntusche Ultra Stretch mit satten 10ml, die nicht leer wird, nicht austrocknet und nicht schmiert. Sie kann nicht Kaffee kochen, hat aber meinen bisherigen Favoriten (CLINIQUE High Impact) vom Thron gestoßen. Bei fast fünfzig Euro indiskutabel, wenn die nicht tatsächlich meinen schlappen Wimpern Schwung verleihte und vor allem sich nicht absetzte. Die Menge ist das eine, dass sie nicht eingetrocknet ist und trotzdem keine schmierige Mascara ist, wundert mich sehr. Warum kriegen es andere Hersteller nicht auch hin?!

Der Highlighter von Tromborg hat mich erleuchtet. Er erleuchtet mich vielmehr täglich, wenn sonst morgens nichts mehr hilft und wird bei „alles ist hoffnunglos“-Looks großzügig eingesetzt. Man braucht damit nicht mal einen Spiegel. Ein wenig auf die Wangenknochen, auf die Augen als Lidschatten und im inneren Augenwinkel, auf die Oberlippe, fertig. Wimperntusche und irgendein Lippenstift aufgepinselt, los geht’s. Der Spaß kostet 65 Euro und ist zwar kaum aufzubrauchen, aber erstmal muss man sich überwinden, das Geld hinzublättern, denn die Marke ist nicht etabliert. Eine Freundin monierte zudem die Verpackung. Die ist aber nicht schrabbelig, sondern fest und ordentlich.

Der heilige rote Lippenstift (Scarlet Rouge von Tom Ford) für ebenfalls um die 45 Euro. Die Farbe und die Textur sind perfekt, ich habe den Lippenstift auch schon mal verschenkt. Mehr brauche ich nicht sagen, oder?

Lidschatten für die nächsten zehn Jahre – auch hier ist die Qualität und die Menge ein guter Grund, zuzugreifen, aber über 70 Euro sind eine Ansage. Die ich gerne überhört habe. Tom Ford Quads sind nicht alle perfekt oder supderduper, der hier ist es aber. Wenn die Farben passen und dich ansprechen, greif zu und lass alles andere links und rechts liegen.

GEHÖRT NICHT zu Make-up als Kategorie, aber auch eine idiotische Anschaffung, zumindest preislich betrachtet:
Die Emaille-Armreifen von Hermès. Ich liebe Emaille-Schmuck, und ich liebe Hermès. Und ich liebe dieses orange-rot und exakt diesen Blauton, Kornblume trifft es. Den Preis habe ich verdrängt, dafür hätte es was schönes und vor allem 24karätiges gegeben, aber die zwei sind schon eine Freude: Sie klirren, sind bunt (nicht zu bunt) und ergänzen gut meine nicht wirklich vorhanden Schmuckgarderobe. I love them. Beeindrucken kann ich übrigens damit in meinem Umfeld niemand, denn die wenigsten haben je von Hermés gehört 😛 wer mehr Show-off will, muss schon zu Chanels Modeschmuck greifen. Chanel kennt jeder.

Echte Basics sind es trotzdem, sie bewähren sich langfristig und damit sind sie durch und durch nachhaltig: Qualität, Langfristigkeit, Zeitersparnis, Produktersparnis (für was anderes hat man eh keine Kohle mehr?!) und vor allem, persönliche Freude.

Flattr this!

Wirklich gut und wirklich preiswert

Geht doch.

Das sind sie, meine Helden. Billig ist hier nix, nur preiswert, und die Qualität stimmt. Was fällt auf?

Die Verpackungen sind eher günstig, nicht das Produkt, und was schadet es… Naturkosmetik bietet immer noch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis an, auch wenn es immer noch Produktkategorien gibt, die man dort vergeblich sucht (deckende Foundation sage ich nur!).

Natürlich hat Dr. Hauschka die Nase vorn: Der lose Puder wird immer wieder nachgekauft – frei von Talkum, mattierend,sogar leicht deckend. Die Lippenstifte sind hervorragend, ich hoffe der rote Lippenstift kommt wieder?! Die Lippenpflege ist mit acht Euro sicherlich nicht mehr wirklich günstig, allerdings wirklich gut. Gerade wenn man viel Lippenstift trägt, braucht man vernünftige Pflege darunter und auch am Abend als Pflege. Alternativ hat Sisley was Gutes, wenn man bereit ist über 100 Euro auf den Tisch zu legen.

ALVA ist ein Dauerbrenner, und bietet insgesamt noch am ehesten etwas wie eine Foundation, die tatsächlich nicht austrocknet, keine Pickel macht und nicht orange oder dunkel ist: Das matte Mineralpuder, das ihr seit Jahren in der schimmernden und nun in der matten Version hier zu sehen bekommt. Trägt sich super, photographiert sich sogar gut, macht gute Haut.

SANTE hat zwar ein wenig, oder mehr, bei Bobbi Brown geklaut, aber nicht zu unserem schlechtesten – das leider limitierte Blush ist tiptop und verbindet gute Farbe, guten Halt mit einem ansprechenden Design und Preis. Bring it back! Auch die Lippenstifte sind schön und kosten neun Euro. Ja…

Von Kryolan in Hamburg habe ich die Camouflage, die knapp unter 15 Euro gekostet hat und die ich wohl nie aufbrauchen werde. Man kann es sogar auf den gesamten Gesicht tragen, wenn es hart auf hart kommt. Keine Pickel. Es gibt davon ach kleine Paletten zum mischen, und die Beratung im Store war hervorragend.

Lavera ist nicht meine Lieblingsmarke, aber das ist mit die beste Handcreme, die ich kenne – sie erfrischt, pflegt und klebt nicht, duftet gut und kostet 3 Euro. DREI! EURO! Clarins ist schön, Martina Gebhardt ist pflegender, Weleda duftet besser, aber bei diesem Produkt stimmt alles. Klar, die Textur ist eher leicht, aber man kann sie gut ständig benutzen, da sie so schnell einzieht.

Nicht im Bild: LIEBE. Liebe ist wirklich gut und kostet nur ein wenig Zuhören, Geduld und an und für sich gar nix. Macht schön, fröhlich und glücklich. Schau dich um, schau in den Spiegel – da hast Du es!

Flattr this!

„Total natürlich!“ – ein Instagram Make-up mit Sweet Stilleto (Charlotte Tilbury)

Seit ich einen Instagram Account habe und nutze, schwanke ich zwischen Kofpschütteln und Gelächter. Die Selbstinszenierung, die ich sorgfältig kopiere und ebenfalls betreibe, ist ein Mittelding zwischen sorgsam arrangierten Markenprodukten und dem Einsatz bester Technik: Licht, Bildbearbeitung, Filter. Die Bilder reichen von echten Schnappschüssen bis hin zu anspruchsvollen Photographien echter Profis.

Am krassesten sind aber die ganzen Beautyaccounts. Ich meine die populären Geschichten von den ganzen „girls next door“ die zu YouTube und Instagram Stars geworden sind. Da wird erschreckend deutlich wie sehr wir uns an bestimmten Schönheitsidealen gewöhnt haben und wie unecht sie sind. So viele operierte Nasen und aufgespritzte Lippen wie es gibt – die von sehr viel Make-up Nutzung zeugende, propagierte Ästhetik ist definitiv in den Alltag rübergeschwappt.

Persönlich finde ich das ja „a mixed bag“ – zum Teil wirklich hübsch, zum Teil erschreckend. Das geht natürlich nicht um Tragbarkeit, man zelebriert ein Hobby und das ist auch gut so. Sehr viel ist aber schlichtweg gelogen und es ist nicht immer leicht, dieses zu erkennen. So musste ich nahezu mal wieder so ein „Ganz natürliches Make-up!“ Ding mal wieder machen, „ein bisschen Lipgloss und Wimperntusche und schon bist du ein strahlender Pfirsich!“

Was ist am schwierigsten zu schminken? Natürlichkeit.

Weiterlesen…

Flattr this!

Nachhaltig im Haushalt – Beispiel aus meiner Praxis

Dass ich mal über Reinigungsmittel schreibe, hätte ich mir nicht träumen lassen. Aber es ist wichtig. Es ist wichtig, weil wir doch so sehr darauf achten, was uns ins Gesicht kommt. Und kaum darauf achten, was uns auf die Haut kommt, und die unserer Kinder. Und überhaupt, bla bla schlechtes Gewissen, kauf doch mal öko, putz doch mal, und so weiter und so fort.

So bitte auch nicht. Bei alldem Besser-Menschentum gibt es Vorteile, die auf der Hand liegen. Und ja, ich wasche mit dem Zeug bereits seit dem Studium, komme mir also keiner damit, es sei zu teuer*. (Okay, im Studium war ich unermesslich reich!)

Obwohl ich durchaus auch andere Marken ausprobiert habe, sind diese Produkte speziell übriggeblieben. Mit einem Kleinkind im Haus habe ich Ahnung von Wäsche und von Flecken – sämtliches Zeug wird mit (obacht!) Spüli von Sonett vorbehandelt, und das meiste geht auch raus.
Als Allergikerin weiß ich außerdem noch etwas zu schätzen: Das SODASAN Neutral Waschpulver ist nicht parfümiert. Mich kann man mit Persil umbringen, auch bei Wäsche, die bereits Wochen im Schrank lag. Übrigens macht die einen schönen kleinen Hautausschlag vom feinsten… Auch der Spüli ist unparfümiert.

Doch Vorsicht – öko heißt nicht, dass das Zeug nicht putzt! Handschuhe sind geboten! Weiterlesen…

Flattr this!

Das erste Mal: Mutter allein‘ zuhaus‘!

Es geschah durch Zufall, und ich bin im nachhinein auch dankbar darüber: Der Ehemann musste dienstlich ausrücken und nahm kurzentschlossen unseren Teddy mit, um ihn und sich selbst bei den Groß/Eltern abzuladen.

Ganze vier Tage lang!!

Ich konnte wieder in meinem gewohnten Rhythmus leben – morgens spät raus, lange arbeiten, abends was unternehmen, und dann: Nicht schlafen. Ich konnte nachts nicht schlafen. Mir war nicht kalt, ich hatte keine Angst, habe nix und niemand vermisst, und trotzdem.

Es war ein Stück altes Leben, das ich früher so selbstverständlich hatte. Und es war geil!
Ich habe abends noch per Skype versucht meinen Nachwuchs zu sehen, der war aber total busy, gab am Bildschirm Küsschen und war wieder weg. Es fühlt sich komisch an, nicht „gebraucht“ zu werden, aber es ist gut für das Kind, und es war gut für mein Gewissen. Ich ging essen, ratschte mit Freundinnen, und arbeitete zu der Uhrzeit, wo ich am meisten Output habe. Ich räumte vier Tage nicht auf, aß fast nix Zuhause, ich hatte nicht mal schmutziges Geschirr bis auf meine Teetassen.
Und: Ich war danach total ausgeruht. Trotz Arbeit und Insomnia habe ich wieder Kraft getankt – keine Hektik, keine panischen Blicke auf die Uhr, ein Leben im Biorhythmus des Körpers.

Sagte ich schon, es war geil?
Ich beneide alle Familien, die die Möglichkeit haben, so etwas gelegentlich zu machen, die Großeltern in der Nähe haben; die vielleicht sogar zu zweit eine Auszeit nehmen können. Die, und die mit den Au-Pair-Mädchen, sind die, die ganz viele Kinder kriegen. Klar, die haben überhaupt mal Gelegenheit zu vögeln!

Natürlich war ich erst einmal total dagegen – und nur diversen Müttern im Freundeskreis ist es zu verdanken, dass ich mich dazu durchgerungen habe. Ich fand es wirklich befremdlich, mein Kind so lange weg zu wissen. Nicht seinetwegen, sondern meinetwegen – ja, so viel Egoismus sollte jede Frau ruhig mal zugeben.

Danke Mädels! Ihr hattet echt recht. mache ich wieder. Vielleicht.

Flattr this!

Was wir nicht tun dürfen

Schwierige Zeiten. Zumindest jetzt, wo es greifbar nahe an uns gerückt ist – nicht nur durch eine Flut von Menschen, die um ihr nacktes Leben fürchtend geflüchtet sind, sondern auch durch direkte Angriffe auf uns, in der nächsten Umgebung.

Ich habe sie auch – Angst. Mehr diese unbestimmte Form dessen, das einem die Handlungshoheit aus der Hand entgleitet. Angst vor der Angst – dass man nicht mehr rausgeht, dass man sich von Furcht und Mißtrauen nährt. Nachts träume ich von Konzentrationslagern und wache weinend auf.
Ich habe keine Angst vor Anschlägen, ich habe Angst vor denen, die Ängste schüren und nutzen. Angst vor meinem sonst sehr netten Nachbar, der auf einmal ein Pegida Anhänger werden könnte. Angst vor Leuten, die etwas auf Reinrassigkeit halten. Die andere Menschen pauschal als nicht lebenswert verurteilen.
Das alles passiert permanent die ganze Zeit um uns herum, in Indien, In West-Afrika, in Amerika – jetzt kommt es aber hier spürbar an.
Menschen, die in der Einkaufsschlange ihre Demeter-Milch an die Brust drücken und gegen Flüchlinge schimpfen. Menschen, die sagen, dass wir kein Platz haben und man uns was wegnimmt.
Wir haben alles schon durchexerziert in dieser Weltgeschichte: Kriege, in denen sich die Menschen unter Drogen andere und selbst getötet haben (Kreuzzüge). Genozide.

Eine kleine Menge von Angst, potentiert und angestachelt, kann wüten und sich entladen und alles zerstören, was sich in ihren Weg stellt. Mißtrauen und Geheimnistuerei, Schweigen, Isolation, das sind die Dinge, aus denen Angst entsteht. Zwist. Wenn Radikalisierung eine Waffe hat, dann diese – und deshalb dürfen wir das nicht tun.

Wir dürfen nicht schweigen, nicht wegsehen, nicht tuscheln. Nicht zu Hause bleiben. Nicht vorverurteilen. Nicht Angst um Dinge haben, die eigentlich uns besitzen.

Nicht schweigen, nicht wegsehen. Unsere Kultur ist nicht in Gefahr durch Terrorismus, sie ist stets in Gefahr durch uns selbst.

Business as usual? Ja, und das sehr bewusst.

Flattr this!