Warum spricht NOMOS nur Männer an?

NOMOS verkauft Uhren. Uhren verkaufen sich meist an Männer – Ich, FRAU, habe davon schon zwei gekauft. Ich verfolge deren Feed auf Instagram. Ich kenne mindestens drei Frauen, die auch so eine Uhr haben. Selbst gekauft. Mein Arzt erzählte mir neulich, schöne Uhr, seine Frau möchte auch so eine. Ich sagte ihm: Kauf ihr eine Cartier.

Deutsche Herstellung, deutsche Technologie, durchaus einige Frauen im Betrieb, läuft doch. Trotzdem: Vermarktet wird an den Mann, mit Ausnahme eines Produkts, das eher Frauen ansprechen soll (tut es auch). Kleinere Uhren sind Fehlanzeige, wie schade, werde ich meine Automatik $$$$ bei jemand anderen kaufen.
So können User bei Instagram ihr Bild schicken, wo sie ihre Uhr mit auf „Reisen“ nahmen. Ausnahmslos sind es männliche Handgelenke, dabei gibt es gar nicht so viele Typen auf Instagram, und wenn, dann machen sie häufig einfach nur Werbung (reiche werden reicher aka Influencer bla bla).

Alles bei NOMOS wirkt sehr stylisch (aber mehr Bauhaus als Web 2.0), mir gefallen die Produkte, die Webseite, aber ich bin offenbar nicht die Zielgruppe: Frauen tragen keine Uhren oder kaufen keine in der Preisklasse. Somit werde ich gar nicht erst angesprochen und verführt!
WAS FÜR EIN GLÜCK.

Ein Unternehmen, das mal eben Frauen ausblendet? Irgendwie fühlt sich das für mich so an. Es ist ein subjektives Gefühl, das aber kaum subjektiv sein kann: Bevor ich etwas in der Preisklasse kaufe, gucke ich sehr genau. Zumal ich zwei Uhren dort gekauft habe, also SEHR genau und mehrfach hingeguckt habe.

Wer sein hart verdientes Geld investiert, egal ob frau ein Buch kauft oder ein Lippenstift, sollte vielleicht immer versuchen, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Wir wissen unheimlich viel über Unternehmen, über deren Ruf, über deren Gebaren. Ist es anstrengend? Vielleicht. Nicht jede Gurke kann aufgrund einer ethischen Entscheidung gekauft werden, aber es gibt Dinge, in die man investiert. Zeit, Geld, Freude.

Beispiele gefällig? Das unheimlich schöne Tuch von Hermès: Atelier des Künstlers. Ich fand es wundervoll, und ich hatte das Geld dafür, aber ich bin genervt vom männlichen Imperativ. Dann bitte umgehen. Ich habe es nicht gekauft, es ärgert mich immer noch, aber ich würde es wieder so entscheiden.
Die Biografien, die ich gerne lese: Sie sind stets über Männer, oder wenn, gleich über eine Gruppe von Frauen. Selten genug gibt es die Biografie einer einzelnen Frau. (Habe ich neulich gekauft, ich lese es, und es ist anders als andere, später mehr.)

Doch, es ist mir wichtig, dass ich, wenn ich schon dem Gebot des Marktes folge, meine Aufmerksamkeit verdinge, mein Geld, auch für dieses Markt existiere. Nicht als „die Frau, die das Geld des Mannes ausgibt“, wie es gerne suggeriert wird, sondern als Subjekt, das entscheidet.

Also, NOMOS, die nächste Uhr habe ich schon im Blick. Es ist Liebe. Aber ich will keine „Männeruhr“, ich will eine Uhr, die meiner Begeisterung für Technik entspricht, von einer Firma, die ihre Kundschaft kennt. Und die Kundschaft ist weiblich, männlich, dazwischen – divers.

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BOBBI BROWN Hydrating Face Cream

Nachdem eine 180 Euro Creme doch nicht so der Bringer für mich war, gab ich meiner Neugierde nach und bestellte im Zuge einer Aktion bei Bobbi Brown direkt einen 100ml Tiegel. Natürlich erst nachdem eine Leserin mir das empfahl und vorab die INCI (=Inhaltsstoffe…) vorweg schickte.

Solche Produkte sind übrigens das Geheimnis eines jeden erfolgreichen Verkaufsgesprächs – erst eincremen, macht sofort schöne Haut! und im Anschluß das Make-up „verkaufen“.

Und ja, der Auftrag von Make-up gelingt nach dieser kleinen Silikonrutsche sehr gut. Doch eigentlich braucht es kein Make-up hinterher, denn die Haut wird ordentlich aufgepolstert und ist rundum glücklich. Bis zum nächsten Waschgang, danach muss wieder Creme her.
Trotzdem – diese Feuchtigkeitspflege ist wirklich gut. Im Winter war die Luftfeuchtigkeit zum Teil bei 30%, da musste nicht nur Wasser, sondern auch gute Pflege her. Und auch Monate später verwenden der Ehemann (jawoll!!) und ich die Creme immer noch sehr gerne.
Trotz einiger ätherischen Öle eignet sich die Creme auch für empfindliche Haut. Sie fettet nicht und ist schön zart beduftet.

Wer hätte so ein Schätzchen ausgerechnet bei Bobbi Brown vermutet, eine Marke das für Make-up steht?!
Ich nicht, und ich finde es schade, dass man nicht öfter über diese Creme liest. Proben gibt es keine. Die dazugehörige Augencreme konnte ich zwar als Probe ergattern, doch bislang habe ich sie nicht weiter beachtet. Wird Zeit.

Mein kurzes Fazit: Ausprobieren, wenn es eine einfache, aber schöne Feuchtigkeitspflege für trockene Haut bis Mischhaut sein soll. Der 100ml Tiegel hat übrigens keine sechzig Euro gekostet und erlaubt einem den Luxus, sich sehr großzügig einzucremen. Das sollte man auch tun, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es mit der Haltbarkeit dieses Schätzchens bestellt ist. Bislang ist die Creme noch gut (drei Monate…) und der Ehemann und auch ich zufrieden.

Empfehlung für Männer, die kein Produkt extra für Männer brauchen. Glatte Haut, guter Duft, allet paletti.

Der dekorative Tiegel ist übrigens eine Zierde im Bad – das sollte natürlich nicht der Kaufgrund sein.
(Aber so schick! Werde ich aufbewahren…)

EDIT: Weshalb ich den beitrag eigentlich geschrieben habe – die Creme erinnert mich tierisch an die La Mer Soft Moisturizing Creme, aber eben für ein Bruchteil des Preises.

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ETRO ManRose Eau de Parfum


It is a man’s world… but it would be nothing, nothing without a woman ROSE…

Der Mann. Die Rose. Die Frau.

Nein, ich werde die Duftbeschreibung nicht daran aufhängen. Es ist sehr verwirrend heutzutage Mann oder Frau zu sein, oder sich gar völlig gesellschaftsUNkonform sich irgendwo dazwischen zu fühlen. Nein, lasst uns über Rosen sprechen.

Türkische Rosen, genauer gesagt. Überhaupt ist der Trend in der Parfümerie derzeit Rose, Rose, Rose. Ich liebe Rosendüfte und kenne entsprechend einige Exemplare. EINIGE.

Dieser Duft ist jedenfalls mutig. Und es passt zu einer Modelinie, deren Herrenmode so herrlich extrovertiert ist im Rahmen völlig klassischer Schnitte.

Zunächst die offizielle Beschreibung:
Kopfnote: Kalabrische Bergamotte, Szechuan-Pfeffer, Kardamom und Elemi
Herznote: Türkische Rose, Geranium und Weihrauch
Basisnote: Patchouli, Vetiver, Moschus, Leder, Amber, Edelhölzer

Ich sage Rose! Herrliche, dornige Rose, begleitet von Pfeffer und einem Hauch Gewürz. Die Rosennote ist konsistent vom Anfang bis Ende und der Duft ist wahrlich nicht zart. Er hält ewig auf der Haut und ist präsent. Hier bin ICH und ich bin HIER.

Mann oder Frau, diese Zuschreibung ist ein Spiel, und damit spielt der Parfumeur sehr raffiniert. So viel Rose, eigentlich eher was für Damendüfte, und dann Leder, und dann die rauchigen Hölzer. Patchouli, die Remineszenz der siebziger Jahre, gesellt sich recht schnell dazu, wenn es auch ein eher saubere und zahme Version ist.

Ganz so harmlos kommt der Duft aber in der Summe nicht daher – insgesamt eine starke Aussage und ein selbstbewusster Auftritt.
Interessanterweise kann ich mir den Duft nicht an einem Mann vorstellen, werde ihn aber gerne selbst tragen, weil es sehr zu meinem Stil passt. Rahmengenähte Lederschuhe, Hemd, roter Lippenstift – Mann, Frau, oder einfach ICH.

Eine Rose mit Dornen.

Für Fans von Serge Lutens‘ Sa Majeste la Rose, NICHT für Fans von La Rosine. Für Fans von Frederic Malles Portrait of a Lady, NICHT für Fans von Kelly Caleche und Rose Ikebana.

Ab sofort erhältlich, als Eau de Parfum 100ml für 130 Euro.

EDIT: Übrigens hat ETRO jetzt auch online die Home Collection und ich finde die toll! Kissen, Decken, alles was man braucht um den Ikea Möbeln ein wenig italienisches Luxus-Flair einzuhauchen. 🙂

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Geldesel und Mutti – wenn Frauen Männer opfern

Da sind sie, die ach so armen Frauen, die in die Vereinbarkeitsfalle getappt sind! Nun mehr alleinerziehend in der Woche, sinnieren sie über ihr Scheißleben und ihr Schicksal und das ihrer Blage/n, während sie „den Prinzen“ oder „die Prinzessin“ mit einem dicken, auf Pump gekauften Auto durch die Gegend zu irgendetwas kutschieren. Unzufrieden mit ihrem Job, aber mit Teilzeit ist leider auch der Anspruch flöten und der Druck dafür gestiegen, sehnen sie sich nach Sinnhaftigkeit jenseits von Chauffeursdiensten, Waschcenter-Tätigkeiten wie Fleckenentfernung oder der Organisation von Kindergburtstagen mit Disneys Cars oder Elsa.

Während sie sich allabendlich in ihr schönes, sehr großes Eigenheim niederlassen, das aus Kostengründen etwas abgelegen ist und dass sie wienern und schrubben, mit großer Gewissenhaftigkeit aber auch mit sehr wenig Bock und zuweilen schlampig, und einen günstigen Wein aus dem Supermarkt öffnen bis der Geldesel nach Hause kommt, stellt sie sich niemals nie die Frage…
Was ist der Preis für dieses Leben?

Der Geldesel hat diese Rolle angenommen – herzlichen Glückwunsch! Es ist einfacher, sich den Rücken freihalten zu lassen und zu arbeiten. Egal wie gerne er mehr Zuhause wäre um Zeit mit Kind/ern zu verbringen, oder auch mit der Ehefrau, es geht einfach nicht. Die vielen Kredite müssen abbezahlt werden, dazu die Pendelei, und die ständige Erreichbarkeit per Diensthandy, dazu das Reisen, erfordern ihren Tribut. Bluthochdruck und selten Zeit zum Zahnarzt zu gehen. Mann giert nach Privatleben, nach Fußball gucken und Bier trinken um runterzukommen, nach Gesprächen die sich nicht um Alltags-Orga dreht, und nach Sex ohne Betteln. Aber – so war es bei den Eltern, so ist es bei den Nachbarn, und so ist es auch bei ihm.

Wie hat sich der Deal ergeben? Sie wissen es beide nicht mehr. Die Schwangerschaft, das erste Kind und die Elternzeit, die Frage nach Steuerklassen und wer jetzt das Geld verdient, es hat sich einfach ergeben. Und mit Familie der Wunsch nach eigenem Zuhause, in und trotz der Immobilienblase. Man ist rausgezogen, ein zweites Auto musste her, etwas großes, sicheres, und der Job wurde vielleicht auch gewechselt, mehr Geld, aber auch längere Arbeitszeit, Fahrtzeit… im Hintegrund hat sie alles geregelt. Das Haus, das Kind/die Kinder, den Einkauf, die Schwieger-/Eltern, sie hat seine Socken gekauft und sein Bier mitgebracht. Die Liebe ist noch da, und man liebt gemeinsam die wundervollen Kinder. Das ist doch Liebe. Oder?
Eigentlich alles toll.
In diesem Krimi neulich las er, wie der nicht sonderlich sympathische Psychologe diese Frau rauswarf mit einem Abschiedsbrief, auf dem Stand sie sei nur die Haushälterin, die er gevögelt hätte. Das hat sich ihm eingebrannt. Wo ist die Beziehung geblieben? Die Zeit? Sie ist so viel glücklicher mit den Kindern, aber auch so frustriert in alle dem. Was macht er falsch?

Mutti ist unglücklich. Sie hat zugenommen und hat weder Zeit noch Energie um Sport zu machen. Der Alltag mit dem Switch von Job zu Kind zu Haushalt und das den ganzen Tag und länger noch alleine ist sehr anstrengend. Nicht arbeiten können sie sich nicht leisten, und es würde ihr auch fehlen, immerhin hat sie da ein Umfeld. Nach Hause kommen, in ihrem Haus, mit ihrem Auto und ihrem Kind, ja, das ist es für was es sich gelohnt hat, der ganze Aufwand.

Bei den anderen Bekannten und Nachbarinnen ist es auch so, dabei haben manche noch Eltern in der Nähe; den Luxus hat sie nicht. Ein bisschen wurmt es sie, dass der Urlaub dieses Jahr nicht so lang ausgefallen ist, die Nachbarin war auf der AIDA mit Sack und Pack. Dafür haben sie die Terrasse neu machen lassen, was wirklich toll aussieht.

Über diese Rollenaufteilung denkt sie natürlich reflektiert nach; sie will eine gute Mutter sein und weiß mittlerweile, wie Vereinbarkeit aussieht. Es gibt sie einfach nicht. Dazu die ökonomischen Zwänge, der Mann verdient mehr und mit dem Kind erst recht, während es bei ihr hieß, sie wolle doch jetzt bestimmt nicht mehr arbeiten. Und jetzt muss sie los, den Prinzen vom Flötenunterricht abholen.

Oh – und kein Wort darüber, dass der Geldesel bald einen Herzkasper bekommt.
– Das Haus, das groß genug für sechs Leute ist, aber von zwei bewohnt wird.
– Das Auto, da musste es schon mindestens ein Passat sein, der Audi war nicht drin.
– Einkaufen bei Aldi und Lidl, bei C&A fürs Kind, aber dafür ist nächstes Jahr AIDA drin.

Kein Zweifel darüber, ob man so leben muss. Und was es mittelfristig bedeutet. Wie es weiterlaufen kann. Was im Falle einer Trennung passiert (sie behält das Haus! ähm, nicht ganz…) Keine Frage dabei, wie es dem Geldesel geht. Keinen Zweifel. Lieber neuen Rasen im Vorgarten.

Geldesel und Mutti. Warum tut ihr das?

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ETRO – IO Myself Eau de Parfum

Für alle, die jetzt sofort an Io denken, die von Zeus verführt wurde: Nicht ganz. Io heißt auf italienisch „ich“ und für die ganz dummbratzigen Kosmopoliten hat man noch ein wenig Englisch hinzugefügt, rein nach dem Motto „Me, myself & I“.

Ein Duft, der „ich“ sein soll, ist eine ganz schön gewagte Aussage. Umso mehr, als ich mich sofort davon angesprochen fühlte. Alles, was ich an einem Duft liebe, findet sich hier wieder: Licht, Herbe, Stärke, Wärme und etwas irritierendes, aber angenehmes, das einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Erschreckend? Der Duft ist als Herrenduft ausgelobt, möchte ich aber an einen einzigen Mann schnuppern, der da wäre: Io.

Verwirrende Info.

Der Duft startet mit warmer, weicher Orange – wer die Verpackungen von Etro kennt… und nimmt dann eine schräge Richtung an. Kurz davor in einem typischen Herrenduft abzudriften, nimmt der Duft die Abzweigung an der Pfeffer und Styrax-Kreuzung und schaut kurz vorbei bei Serge Lutens, wo er sich mit einem Hauch Amber und Weihrauch beschenken lässt.

Der gesamte Eindruck ist warm, männlich, trocken und bitter. Er ist die Juxtaposition von Etra, und vom Namen her sehr passend und kohärent in der Linie der Etro Düfte.

Angeblich kann man ja die Etro Düfte immer und grundsätzlich layern (was?! unglaublich.nicht), was aber mit diesem eher schwierig wird. Vielleicht mit Lemon Sorbet.

Der Duft hat eine sehr gute Haltbarkeit und kräftige Sillage.
Für Fans von Lutens auf alle Fälle ein heißer Typ. Für Frauen auf alle Fälle ein Winterduft. Sehr Business und sehr „get the fuck off my way“.

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Der Sommer ist weg!

Was war das?! Ich sitze in Jacke und dicken Socken am Schreibtisch und sehne meinen Urlaub herbei. Überhaupt sehne ich mich nach Sonne und blauem Himmel, doch ach, ach…

Ich habe Heuschnupfen! Das ist auch der Grund für die lange Abwesenheit. Heuschnupfen ist eine richtige Plage, die Haut juckt, die Augen fühlen sich an wie Sandpapier, die Nebenhöhlen hämmern dumpf den Schmerz mitten in dein Gesicht. Welches jenes dieses aussieht wie eine Naturkatastrophe, die weder mit Cremes noch mit Schminke in Zaum zu halten ist. Viel schlimmer geht es nicht – doch, immerhin outen sich viele Leidende in meiner Umgebung. Es gibt ein effektives Mittel, wenn es ganz schlimm wird: Nicht raus gehen.
Fenster zu.
Die Sonne nicht wirklich spüren, den blauen Himmel und die Ferne nicht genießen können, das Licht und die Gerüche, der Staub, die Hitze, die gefühlte Verlangsamung der Zeit. Alles weg.

Ersatzweise?

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