Wissenschaft in Deutschland

Dieser Beitrag ist mehrere Monate alt, und leider immer noch aktuell…
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Der Humboldt würde sich im Grabe drehen, oder? Nicht der Alex, der Willi. ODER?!

Wie sieht Wissenschaft derzeit aus? Habt ihr die diversen kleinen und großen Skandäle in der Zeitung mitbekommen?

Ich arbeite im Wissenschaftsmanagement, das ist der Ort, wo viele Wissenschaftlerinnen, zum Teil mit Promotion und keinerlei Zukunftsaussicht, unterkommen wollen. Es ist gleichzeitig auch das, worüber sie all‘ die Jahre geflucht haben, bis sie gemäß dem Wissenschaftszeitgesetz (dieses erlaubt Leute, nach einer bestimmten Zeit/Anzahl befristeter Arbeitsverträge, aus den System zu kicken) vor den universitären Toren gesetzt werden. Gleichzeitig bin ich Doktorandin.
Die schnöde Verwaltung ist ein kompliziertes Geflecht, wo Herrschaftswissen, Politik und Personalia zusammen fließen und entsprechend viele kleine oder große Steinchen im Getriebe stecken bleiben, zermalmt werden oder bewegt werden. Es dient vornehmlich dazu, den Wissenschaftlern die Arbeit zu erleichtern und administrative und strukturelle Dinge abzunehmen.

Wissenschaftler wiederum gibt es in verschiedenen Wertigkeitsgraden, und spätestens hier beginnt das Problem, das Deutschland früher oder später vor die Wand fahren wird, nämlich die Nicht-Anerkennung dessen, was Bildung von „klein auf“ an immenser Wichtigkeit für ein Dienstleistungs- und Innovationsstandort hat.

– Es gibt die Doktoranden, zum Teil gestandene Leute, die mit Teilzeitverträgen bezahlt systematisch ausgebeutet werden. Sie sind dem System nichts wert, bis auf eine feine Auslese, die es „schafft“, denn es wachsen ständig neue Doktoranden nach. Das sind meist Leute die nicht wissen, was sie beruflich tun wollen, und so von ProfessorInnen als billige Arbeitskräfte abgefischt werden. Finanziert wird das System durch Stipendien oder Drittmittel, also wettbewerbssichernde Vergaben (hierzu kann man sich nur äußern wenn man vorab ein Anwalt konsultiert). Für diese Schicht heiß es also das Geld mitbringen (Mama und Papa stets im Hintergrund) und auf einen verdammt gut vernetzten und mächtigen Mentor hoffen, der ihnen auch später den Rücken stärkt. Sie sind zu diesem Zeitpunkt in etwa gleicher Anzahl männlich wie weiblich, Frauenanteil steigend, denn sie sind leichter auszubeuten.
– Der Mittelbau ist der eigentliche Wissenschaftsbetrieb, wo frische Absolventen bis hin zu einer handvoll unbefristet eingestellter Wissenschaftlerinnen alles machen. Und ich meine alles. Auch den Müll ausleeren. Kostet ja nix, werden die Leute doch mit 50!Tausend!Euro brutto aufwärts bezahlt. Dafür ackern die auch wie blöde, mit dem Vorteil relativ flexibel zu sein. Wer flexibel arbeitet, arbeitet eben mehr, und arbeitet für zwei. Hier finden sich zwar in gleichen Teilen Männlein wie Weiblein, aber die Stellen und das Geld sind eindeutig bei den Männern.
– Die Lehrstuhlinhaber. Nicht alle sind qualifiziert oder gar habillitiert, aber alle sind sie am Ende der Nahrungskette und dürfen per Gesetz als Beamte alles und müssen nichts. Davon sind laut Statistik etwa 17 Prozent (mal in der ZEIT gelesen…) Frauen, weshalb diese händeringend gesucht werden. Da aber das Männernetzwerk Männer befördert, bekommen Frauen befristete Juniorprofessuren, wo sie sich den Arsch aufreißen sollen, um dann erneut im großen Pool zu konkurrieren. Da kann es schon mal passieren, dass es heißt, hm, die ist zu alt. Das ist verboten, genau wie die Fragen nach Kinderwunsch und Schwangerschaft in Bewerbungsgesprächen (ihr versteht den dezenten Hinweis). Die ProfessorInnen sind optimalerweise gute Arbeitgeber, die mit ihrem Team dafür sorgen dass sowohl inhaltliches passiert, als auch die Leute alimentiert werden, sprich Arbeitsverträge haben. Zaubern können sie allerdings auch nicht, also ackert man an Anträgen, die Geld bringen, um den Arbeitsplatz zu sichern. Das sorgt für ein wenig Wettbewerb und verhindert eine völlige Verkrustung des Systems. Allerdings sind ProfessorInnen zu sehr „gottesgleich“, eine Situation unter der häufig die DoktorandInnen leiden müssen.

Was ist daran eigentlich schlimm? Es gibt in jedem Betrieb Chefs und Fußvolk. Aber die Universität ist ein Ort der Ausbildung, zum ersten, und zum zweiten ist die Universität ein Ort der Erkenntnis im Sinne von Wissensgewinnung und somit Innovation. Beides elementare Dinge in unserem Wirtschaftssystem. Schon alleine aus diesem Grunde muss es laufen.

Während in der Verwaltung gespart wird, treibt es seltsame neue Blüten – und die Arbeit der Wissenschaftlerinnen wird mintnichten erleichtert. Hier und da werden Fortschritte gemacht, hier und da geht es zwei Schritte wieder zurück.
Das Dünkel der WissenschaftlerInnen gegenüber der „Scheiß-Verwaltung“ sorgt zusätzlich für idiotische Grabenkämpfe.
Als jemand, der gerne im Wissenschaftsmanagement arbeitet und davon träumt, Wissenschaft zu betreiben und davon leben zu können, kenne und sehe ich beide Seiten mit allen ihren Facetten. Ich kann daher jedem abraten, in diesem Betrieb einzusteigen, der nicht mindestens zwei Dinge mitbringt: Eine extreme Selbstmotivation und Persistenz sowie Geld. Reich werden hier ausschließlich die ProfessorInnen, und das mehr im Sinne von sorgenfrei als tatsächlich $$$.

…leider werden im derzeitigen universitären System Ungleichheiten weiter abgebildet und fortgeführt, sei es im Bezug auf Geschlecht, Diversität oder soziale Herkunft. Eine Lösung dafür gibt es nicht, ich persönlich setzte dort an, wo gerade Manuela Schwesig versucht diverse Hebel zu bewegen: Kindern. Die Kinderbetreuung kommt nicht nur Eltern zu Gute, und bringt sie ins Arbeitssystem, sondern schafft gute Grundlagen für die Schule und weitere Ausbildung. Natürlich muss diese kostenlos sein und in sozialen Brennpunkten muss mehr Geld hinein fließen. Dieses führt sich fort in ein vollständig marodes und pseudo-elitäres Schulsystem bis hin zu den Universitäten, das dringend refomiert werden müsste, aber wir arbeiten ja dran. Nicht.

Solange Deutschland mehr Geld für Straßenbau ausgibt als für die eigenen Zukunft… müssen wir zusehen, wie wir bald alle am Arsch sind.

Möge ich unrecht haben!

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Du kannst nicht alles haben

Du willst ja gar nicht alles haben.

Großmütig hatte ich versprochen zu teilen, welche genialen zwei Wörter mein Leben verändert haben. Wohlgemerkt meines, diese Worte dürften typ-bedingt bei jeder anders sein.

Der Zusammenhang, in welchem diese zwei Worte fielen, sei rasch erklärt: Ein Treffen unterschiedlichster Frauen als Erfolgs-Team, mit dem Ziel sich zu motivieren und zu helfen bei den unterschiedlichsten Projekten. Mit einer Coachin dabei – als Dissertation schreibende, leidende berufstätige Mutter eine prima Sache, zumal ich trotz höchster #Muttivation (sic!) nicht vorankomme.

Folgende Leitfragen gebe ich gerne weiter:

– Was ist Dein Ziel?
– Was hindert Dich, dieses Ziel zu erreichen?
– Was kannst Du dagegen tun?
– Was bist du bereit für dieses Ziel zu opfern? [eigene Ergänzung]

Eine kleine Dekonstruktion der Situation zeigte bei mir, dass ich einen unheimlichen Druck aufgebaut habe. Ich hindere mich selbst daran. Vieles ist tatsächlich strukturell, das sei entschuldigt; doch die starke Motivation hat sich zu einem immensen Druck aufgebauscht und verlangsamt den kompletten Prozeß.
Was ist die Lösung? Weiterlesen…

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Das Motivationsbild

Wer forscht respektive wissenschaftlert, muss sich zu einem hohen Maße selbst motivieren. Das ist nicht nur schwer, sondern grauenvoll. Finde ich gerade. Ich bin die motivierteste, aber auch müdeste Person der Welt und muss, muss, muss… Aber ich kann grad nicht. Gleich ist eh Bettzeit…

Motivation. Die eigenen Ressourcen stärken. Lautes Blabla, das bei einem selbst nicht funktioniert – oder doch?

Wie wäre es mit einem Bild? Die symbolische Kraft, die ein Mehrwert aus der Repräsentation von etwas, was in der Zukunft liegt, soll antizipiert werden. Ist ja nicht so einfach. Und schon wieder so eine Möglichkeit zur Prokrastination! Sind wir ehrlich, die Aufgabe ist da, muss bewältigt werden, und man darf nicht daran denken, was danach kommt. Der Horizont ist: Faktor X an Buchstaben/Text.

Gelernt habe ich heute jedoch folgendes: Motivation ist nicht, wenn man eine Belohnung bekommt, sondern wenn man herausgefordert wird. Bis zum Endziel kann man mit einem kleinem Trick vielleicht den inneren Schweine-T-Rex aushebeln oder überhaupt sehen, wie und womit man sich im Weg steht. Mit einem Bild, ja doch, doch doch.

Also, ein Bild und die Assoziation – der liegende, schlafende Bär und die Hoffnung auf Schlaf, Ruhe, Entspannung und loslassen. Was bedeutet das? Es bedeutet „dieses/jendes wünsche ich mir, denn dieses/jenes fehlt mir“.
Das erklärt, warum ich mich schlichtweg gehetzt fühle und warum meine Konzentration beschissen ist. Das Problem erkannt ist schon halb behoben: Statt ständig auf die Uhr zu blicken, einen Wecker stellen. Für Pausen. Und einen Wecker für den Feierabend, und auch den Gedanken daran, dass man zu spät losgehen könnte, vergessen zu können.
Es wird geschafft, was geschafft wird, das Tempo ist nicht von belang. Qualität statt Quantität.

Ich bin ein großer dicker Bär. Ich liege in der Sonne und denke an nichts. Es ist warm und ich bin satt. Tief durchatmen… Strecken, recken, wohlfühlen.

Und weiter geht’s.
Also ich jetzt, äh, ins Bett. Aber morgen. Immer weiter, immer weiter, froh und heiter. Ist ja gut! Ich gehe ja schon. Tschüß. Gute nacht.

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Das erste Mal: Suffizienz

Ich muß was ganz schlimmes beichten: Ich bin satt.

Der Wissenschaftler und vor allem Mensch Niko Paech hielt jüngst einen Vortrag an meiner Broterwerbsstätte, wo ich sogar bezahlterweise teilnehmen konnte, sprich im Rahmen meiner Arbeit. Und dieser Vortrag ist gerade dabei, grundlegend mein Leben zu verändern. Natürlich war der Vortrag ein Katalysator oder sagen wir mal ein Spiegel, in dem ich sah auf welchem Weg ich mich gerade befinde, aber diesen letzten Tropfen brauchte es, um das Faß zum überlaufen zu bringen.

Er nennt es Konsumverstopfung, ein Kampfbegriff, der sicherlich ausschließlich in unserem Breitengraden anzutreffen ist.

Ich bitte Euch, sich den Niko Paech selbst und in Farbe anzusehen – im Verein, in Schulen, in Firmen; er geht durch’s Land und verbreitet die Botschaft. Ihr könnt ihn zu Euch einladen, bis auf Reisekosten macht er das, um zu ändern. Selten so eine galubwürdige Person erlebt.
Was er erzählt? Ein Interview mit ihm in der Süddeutschen fasst es gut zusammen:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/oekonomie-und-oekologie-gruenes-wachstum-gibt-es-nicht-1.1865075

Weniger konsumieren, mehr Zeit haben. Weniger Wachstum, weniger „mehr ist mehr“. Natürlich gilt das ausschließlich für eine bestimmte Bevölkerung(sschicht) und diese kann sich nun mal glücklich schätzen, dazu zu gehören, trägt aber die Verantwortung und auch die Möglichkeit als kulturelle Avantgarde zu agieren und somit als nachahmenswert zu erscheinen. So ändert man die Welt. Man ändert sich selbst und ist ein Vorbild.

Ein genügsames Vorbild. Ein Social Change Agent.
Und jemand, der lernt zu priorisieren.

Die Frage lautet: Brauche ich das?
Die Antwort lautet bei mir natürlich fast immer nein, aber ich will. Ich habe Bock. Es ist viel spannender, Lösungen zu finden statt sich neuen Probleme zu stellen, um den alten zu entkommen. Oder, einfacher, etwas was man hat schon zu benutzen, statt etwas neues zu kaufen, nur weil es – nun ja, neu ist?!
Suffizienz.
Ich lebe ein ganz bisschen anders als meine Umgebung. Und ich hatte manchmal Mühe, mit den Nachfragen umzugehen – jetzt sage ich einfach: Suffizienz. Und damit mehr Geld oder Zeit oder beides, für etwas, was mir persönlich wichtig ist.

Also probierte ich es aus (gleich vorweg: Ich habe am Ende des Tages echt viel Geld ausgegeben, aber für etwas, was ich tatsächlich noch nicht habe und von meiner Liste streichen kann).
Im Alltag ist es am einfachsten – krame frau ihre alten Sachen aus; die alte Jacke ist nach wie vor Jacke, und man kann sie tragen. ODER?
Der rote Lippenstift – ach, ich habe derer 6 Untertöne, viel geht nicht mehr, ich nehme einfach einen, den ich schon länger nicht verwendet habe und stelle fest, er ist perfekt.
Noch ein bisschen Spielzeug? Nö.
Noch ein Shampoo? Nö.
Noch eine neue Dose irgendwas anderes? Nö.

Suffizienz. Das heißt nicht Verzicht, sondern Fokussierung in erster Linie. Und leider auch, und das ist sicherlich für viele schwer und häßlich, die Frage ob man glücklich und zufrieden ist. Sich mit sich selbst beschäftigen (pfui). Die Zeit nicht mit Konsum totschlagen, auch nicht mit Freizeitkonsum, wie Partys und Reisen (Spaß sollte man trotzdem haben, nur etwas bewußter und entschleunigter und auch weniger konsumatorisch, zum Beispiel einfach mehr vögeln oder, für Eltern, schlafen.).
Das Glück fördert dieser Fast-Verzicht ja nun nicht augenblicklich zutage, die Zufriedenheit erst recht nicht. Es braucht eine Zeit. Doch ein bisschen entlastet von der Jagd nach Dingen und der Flucht vor sich selbst, ist man der Konfrontation mit sich selbst auf einmal gewachsen.

Selbst ich, die einen ausgeprägten Hang zu Dingen hat, und ich meine die Art von Geldanlage, die Carrie Bradshahw in Sex and the City so schön predigte: „Am liebsten habe ich mein Geld dort, wo ich es sehen kann – hängend in meinem Kleiderschrank!„, selbst ich kann sagen, dass ich an dem Punkt gelang bin, wo mich eine äußerst merkwürdige Konsumverstopfung ereilt hat. Merkwürdig, weil sie sich eingeschlichen hat, weil sie gar nicht so schlimm ist, und weil sie damit einhergeht zu wissen, was man alles hat. Nicht was einem fehlt – und diese Sichtänderung bringt doch alles gehörig durcheinander.

Und Suffizienz im Laden zu stöhnen ist noch geiler, als zu shoppen.

Im Ernst – ich habe mich einfach mal gefragt, was ich gerade tue. Ich arbeite, habe Geld, aber irgendwie wachsen die Ansprüche mehr als das Guthaben; Zeit es auszugeben habe ich nicht, und ob die Schuhe 200 oder 400 oder 600 Euro kosten, es bleibt eben dabei, ein paar Schuhe mehr in den Schrank zu stopfen. Weil, ich habe ja schon Schuhe. Ich habe Schuhe, die sind kaputt und passen nicht mehr, okay, die können ersetzt werden, aber neue Schuhe zu kaufen weil ich die anderen schon länger/so lange/schon so lange/viel zu lange/ habe? Ähm.

Als Mutter kommt noch etwas hinzu – das Kind mit Sachen vollstopfen. Ich kaufe gerne Bücher und Spielzeug, ist auch für mich irgendwo, aber wieviel Lego und wieviel Auto braucht’s, wenn man das Kind eh nur ein paar Stunden am Tag sieht? Wenig, und dann ist es ein Besen oder ein alter Küchentopf, Kastanien und ein Schneebesen und die Bereitschaft, Quatsch zu machen. Suffizienz heißt also nicht auf Spielzeug zu verzichten, sondern zu merken, wann es reicht.

Puh.

Ist echt einfach. Suffizienz. Am Ende eines Monats hatte ich dann so viel Kohle über, das ich mir einen alten Traum erfüllt habe. Konsum, ja.

Gleichzeitig konnte ich mich auf etwas konzentrieren, was mir wirklich am Herzen liegt: Denken. Man nennt das im Gebrauchsdeutsch forschen oder untersuchen, ich nenne es denken und es ist die höchste Form von Luxus. Natürlich muss dieses den Lebensunterhalt absichern, und ist sicherlich keine Absolution für die Verhältnisse von Wissenschaftler_Innen in diesem unseren Lande – denken, um den Lebensunterhalt zu verdienen, darf im Bildungssegment kein Luxus sein! – doch denken an und für sich ist der höchste Grad von Freiheit, und das ist schon ganz schön sexy. Ironsicherweise häufig etwas, was einem Geld kauft. Oder aber, was man durch den Verzicht/Einschränkung auf Geld(-verdienen und -ausgeben) auch halbwegs erreichen kann.
Ich wiederhole: Das gilt nur für bestimmte Schichten, für bestimmte Einkommensklassen, bla bla bla. Es gilt immer noch auch am stärksten für Männer; Frauen müssen diesen Zustand ironischerweise stets erarbeiten oder sie entscheiden sich aus struktureller Notwendigkeit dafür (schlechte/keine Kinderbetreuung, niedriges Gehalt, ein Partner, der sich beim Putzen aus dem Staub macht).

Suffizienz. Ich habe sie mir erarbeitet. Genauso wie die Konsumverstopfung. Ist das geil, oder was?
Und was mache ich jetzt? Ich verrate es Euch.

Denken. […jetzt wirklich, einfach denken, ohne Ironie und Zweideutigkeiten, schreiben, untersuchen, forschen, hinterfragen, argumentieren, denken halt… ]

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Mütter reiten auf Einhörner durch’s Kita-Land – das Glück

Okay, wer seine Mutterschaft keine Sekunde bereut hat, werfe den ersten Stein. Zumindest ein leiser Zweifel?! Anyone??

Und das Glück?

Das bleibt natürlich unerwähnt von Leuten wie mir, die in erster Linie genau diese Erwartung nicht erfüllen wollen – DAUERGLÜCKLICH zu sein, weil ihre Gebärmutter eine längere Zellteilung ausgeführt hat. Vielleicht aber auch, weil es schwierig ist, so etwas in Worten zu fassen. Für mich persönlich auch, weil ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die ungewollt kinderlos sind, und ich ihnen diese Worte nicht zumuten möchte.

Daher gleich am Anfang: Man kann es nicht vermissen oder verpassen, man kann es sich nicht vorstellen. Es ist zudem unglaublich subjektiv, unglaublich volatil und unglaublich…
Unbeschreibbar. Weiterlesen…

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Boy’s Club – Dixx only

Eigentlich wollte ich den ersten Beitrag des Jahres mit etwas wesentlich harmloseren bestücken, nämlich Fenchel und Karotten, aber da gibt es etwas, was mir schon sehr, sehr lange auf der Seele liegt.

Wie macht frau eigentlich Karriere? Warum macht frau keine Karriere? Wieso heißt es gläserne Decke? Was ist der Boy’s Club und stimmt es, dass Frauen in Wirklichkeit nicht wollen?

Dazu möchte ich nicht „ranten“, wie es so schön auf hipsterdeutsch heißt, sondern tatsächlich mal etwas ausgewogenerEdit: ausgewogen geht nicht, merke ich gerade… || diskutieren. Ich sage was, und dann kommt ihr.

Fangen wir mit einem grundsätzlichen Gedankenstoß in einer anderen Richtung statt, nämlich die Debatte über den Mangel an qualifizierten Fachkräften. Damit ist jede und jeder mit einer Berufsausbildung bis hin zu einem Studium und gegebenenfalls noch andere Zusatzqualifikationen gemeint. Wo sind sie, diese Menschen? Jedenfalls nicht in der Führungsriege. Die etablierten Führungskräfte sind entweder bereits schon eigene Nachzüchtung (Elitenbildung) und durch den Boy’s Club bereits automatisch dabei oder sie haben schlichtweg nicht mal Abitur, sondern haben sich emsig hochgearbeitet in zwanzig bis dreißig Jahren.
Und diese Leute werden unter keinen Umständen jemanden den Platz freiräumen, der ihnen gefährlich werden kann: Einer hochqualifizierten, ehrgeizigen und gut vernetzten Frau. Natürlich haben auch Frauen ihre Netzwerke und sie arbeiten auch miteinander – wenn sie denn die sogenannte gläserne Decke überwunden haben. Diese ist übrigens ein überkommener Begriff, der impliziert, dass da nix zu machen sei, und vor allem das in der direkten Bedeutung auch Transparenz beziehungsweise Durchsicht bedeutet. Nein, nein.

Also, wo sind die Fachkräfte? Sie arbeiten Teilzeit-/Vollzeit, was aber bei 60 Stunden-im-Meetings-sitzen schlichtweg nicht sichtbar wird. Sie holen Kinder ab, kochen, kaufen ein… genauer teilen sie sich mit dem Partner, mit der Kinderbetreuung, mit dem sozialen Umfeld und dem Alltag allgemein die 24 Stunden, die der Tag hat. Warum trifft dieses Bild überwiegend auf Frauen, und nicht auf Männer? Und warum sollte dieses Bild auf den oder die treffen, die sich das aussuchen kann? Sagen wir mal 50-50, ob Männlein oder Weiblein.

1. Frauen wollen nicht.
Ich habe es häufig gehört, und das auch von Frauen, dass sie gar keinen Bock auf Karriere haben. Lieber die Kinder sehen, lieber Freizeit haben, statt einen schicken Titel an der Tür zu haben und dafür eben die allmächtige, daueranwesende und -arbeitende Maschine zu geben. Der Ehrgeiz fehlt schlicht, oder die Wahl ist pragmatisch, weil frau kein Bock auf die ewigen Konkurrenzkämpfe hat. Frauen sind schlichtweg vernünftig. Eigentlich ein gutes Bild – und eines, das entmündigt.
Frauen wollen bestimmte Rollen also nicht – genauer wird diese nicht beschrieben, und es stimmt eben auch nicht. Vielleicht sind die Antriebsgründe andere, vielleicht ist es nicht Macht, sondern Veränderung; jemanden aufgrund seines Geschlechts einen potentiellen Willen abzusprechen aufgrund einzelner Fälle halte ich doch für sehr… männlich. Quatsch! …es ist einfach dumm.

2. You can’t have it all
Das ist richtig. Man kann nicht Vollzeitmutter sein und 40 Stunden arbeiten, oder 60, das ist aber auch kein Grund. Man kann nicht alles gleichzeitig haben, das ist klar. Wer das behauptet, lügt. Und die nullkommanullkeks Prozent reicher Frauen, die Chefin sind und ihre Zeit frei einteilen, bei optimaler und flexibler Kinderbetreuung, nun ja, die bestücken gerne die Brigitte Seiten, sind aber nicht die Regel.
Wenn man nicht alles haben, wenn Mann auch nichts hat, wer hat dann was wovon? Man kann nicht fixiert sein auf Karriere bis 30 oder 40 inklusive Familie und Haus und Hof, und dafür keine Abstriche machen. Allerdings machen die Abstriche ja auch nur die, die aus diesem Trott rausgehen – und dann per gesetzliche Regelung NICHT wieder mitspielen dürfen. Wer Teilzeit arbeitet, darf nicht wieder zurück auf seine volle Stelle.
Man kann nicht alles haben – oder doch? Unterstützt durch gute Kinderbetreuung auch jenseits von Kindergarten, unterstützt von flexiblen Arbeitsplätzen, unterstützt von Ergebnisorientierung statt Anwesenheitspflicht. Klar, das ist eine Ebene, die einen bestimmten Berufsstand betrifft. Aber da es um die Quote in Führungsetagen geht, die so heiß diskutiert wird, reden wir eben über mittlere Managementebene und höher.

3. Gibt es den Boy’s Club?
Ja. Ich habe es gesehen und gehört. Darauf müsst ihr Euch verlassen.

Bist du erstmal dabei, ist alles gut, du wirst akzeptiert – nur… HIER KOMMSTE NET REIN!!


4. Was ist die gläserne Decke?

Alte, renitente Männer. Junge, total gleichberechtigt und so, in Wirklichkeit ebenso renitente Männer. Kennt ihr das – man sitzt in einer Runde und die Männer unterhalten sich über dein Kopf hinweg, machen Witze, dann bringt frau auch einen lustigen Beitrag und es wird einfach überhört. Oder irritiert geguckt. Das Gespräch findet stets über die Köpfe der weiblichen Anwesenden hinweg. Das habe ich so häufig schon erlebt, dass ich müde geworden bin, mich da einzuklinken. Nicht mal einen blöden Spruch mag ich da mehr bringen.
Ich weiß nicht was diese gläserne Decke ist, sie deutet ein wenig auf Chefetage im Blickfeld, aber das ist wirklich die reinste Lüge. Die Tür ist aus Holz oder was auch immer und du bleibst draußen. Punkt.

Und nun?
Ich weiß, dass diese Dinge kein Neuigkeitswert haben…
Ich weiß, dass wir uns ständig darüber aufregen, darüber selbst ungerecht und sexistisch werden, dass so viel schief läuft und unter dem Deckmantel der Gleichbehandlung doch nur Ungerechtigkeit und Vetternwirtschaft steckt (es heißt ja auch nicht Cousinenwirtschaft, gel).

Die Frau, die nur wegen der Quote zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, aber den Job niemals bekommen wird.
Das bin ich und das bist du.
Und ja, früher dachte ich auch, es stimmt nicht, ich bin ja schließlich besser qualifiziert und überhaupt. Sorry, genau wie die verbrämten oder direkten unerlaubten Fragen im Vorstellungsgespräch – alles eine große Lüge.

Jungs, wenn ihr den Club aufmacht, dürft ihr vielleicht auch was vom geilen Leben einer Frau abhaben. Schon mal überlegt?

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Lesbar

Ein Interview, dem ich einfach mal zustimme:

http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/angelika-wetzstein-top-managerinnen-und-ihre-erfolgsgeschichten-a-1000722.html

Übrigens erlebe ich in letzter Zeit ständig wie das Thema Quote als Frauen-Problem thematisiert wird. Dabei fallen immer folgende Sätze:

Es gibt gar keine qualifizierten Frauen.

Ach, die wollen einfach nicht in diese Mühle rein.

Wir können nix und wenn, wollen wir nicht. Aha.

Hat sich vielleicht schon rumgesprochen, dass gewisse Dinge nicht mehr rein Frauenthemen sind? Zum Beispiel eine gute Kinderbetreuung, so dass auch der Papa das Kind mal sieht? Viellicht sogar am Arbeitsplatz (staatlich gefördert anyway)?
Dass nur ein fettes Gehalt AUCH FÜR FRAUEN (Mütter womöglich!) gewisse Dinge wie Flexibilität kauft?
Seit wann muss frau immer nur bescheiden sein und schön die Fresse halten, Hauptsache dabei um ein Minimum der Quote zu erfüllen?
Warum wird „Menschlichkeit“ und „Smalltalk“ der Frau als Schwäche und „Weichheit“ angelastet, bei einem Mann aber hochgradig gelobt? Beispielsweise stellen sich männliche Redner hin und sagen, als Vater und Partner würden sie BLBALBLA (SPD Politiker zuletzt). Würde eine Konzernchefin das tun, würde sie vor lauter gerunzelter Stirne ihr eigenes Wort nicht mehr hören.

Es heißt ja, wir sollen selbst auch aus diesen Rollen ausbrechen und uns keine alten Zuschreibungen ans Bein binden. Es ist schwer – Frauen zum Reden aufmuntern, zum Auftreten und zum nicht-graues-Mäuslein sein.
Was ich dabei allerdings erlebe: Netzwerken zwischen Frauen ja, aber dabei schön distanziert. Was allerdings viel häufiger vorkommt ist ein unglaubliches Gebashe und Gezicke, ein Betragen dass ich mit Hinterfotzigkeit nur unzureichend beschreibe.
Neulich schrieb eine Leserin, es sei schade, wenn zwei Frauen aufeinander treffen von Gezicke auszugehen. Das ist korrekt und das muss man gelegentlich mit einem Augenzwinkern sehen. Fakt ist, dass Konkurrenz zwischen Frauen sich auf viel mehr Ebenen abspielt, vielleicht weil (subjektiver Eindruck) viele etwas empathischer sind als Kerle, und oder aber auch weil sie viel mehr Rollen ausfüllen (müssen).

Also: Am Ende des Tages PRO QUOTE, aber nicht weil Frauen die besseren Menschen sind, sondern weil ich es richtig finde, dass das Geschlecht von Arschlöchern und inkompetenten Führungskräften, wie sie im Alltag so häufig vorzufinden sind, keine Rolle spielen sollte. Hehe!

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